Lärmschutzwände an DB-Strecken in Bochum
Heute möchte ich ein Thema zur Diskussion stellen, das hier trotz seiner erheblichen Auswirkungen auf das Stadtbild noch nicht besprochen wurde: die Lärmschutzwände der Bahn, die momentan überall im Ruhrgebiet errichtet werden. In Bochum wurde entlang der Bahnstrecken um die Innenstadt bereits recht früh mit dem Bau der Wände begonnen. Ursprünglich war geplant, mit der stadtzugewandten Seite der Bahnlinie zu beginnen, aus mir unbekannten Gründen wurde dies jedoch abgesagt. Stattdessen hat man auf der stadtabgewandten Seite zum dafür geplanten Zeitpunkt begonnen, wodurch sich die gesamte Maßnahme bereits deutlich verzögert hat. Gearbeitet wurde dann aber mit Vollsperrung des angrenzenden Gleises täglich und sehr zügig, so daß die Lärmschutzwand mit Ausnahme der Brückenbauwerke innerhalb weniger Monate fertig war. Nach einer Pause begannen im Frühjahr 2014 die Arbeiten auf der stadtzugewandten Seite der Bahnlinie, hier allerdings ohne Vollsperrung, ausschließlich am Wochenende, und auch dann nur wenige Stunden am Tag mit geringem Personaleinsatz. Teilweise wurde man sonntagsmorgens um 6 Uhr von den erdbebenartigen Erschütterungen und dem Lärm aus dem Bett geworfen, die durch das Rammen von Stahlrohren für die Fundamente der Pfosten verursacht wurden, hat anschließend aber lange keinen Arbeiter mehr gesehen. Nach dem Setzen der Fundamente wurden über die gesamte Strecke verteilt auf kurzen, willkürlich anmutenden Abschnitten einzelne Pfosten aufgestellt und einige Wandelemente eingebaut. Im Herbst 2014 wurde die Baustelle abgebaut und seitdem nicht wieder eingerichtet, nun steht dort also seit anderthalb Jahren eine lückenhafte Wand, die in dieser Form völlig wirkungslos ist. Der auf dem Baustellenschild angegebene Fertigstellungstermin Juni 2015 ist lange abgelaufen. Der Grund ist, daß die ausführende Baufirma insolvent ist. Es ist also momentan nicht abzusehen, wann weitergebaut wird.
Nun zu den Lärmschutzwänden selbst: Wie wirkungsvoll sie tatsächlich sind, wird man wohl erst beurteilen können, wenn sie lückenlos fertig sind; der bisherige Eindruck auf den fertiggestellten Abschnitten ist nicht allzu überzeugend. Durch die Höhe von 3 m profitieren auch hauptsächlich die unteren Geschosse davon. Ansonsten finanziert die Bahn Schallschutzfenster und eine aktive Lüftung, allerdings nur für der Bahnlinie zugewandte Schlafräume, in Wohn- und Arbeitsräumen muß man weiter mit dem Lärm leben. Was allerdings bereits sehr deutlich sichtbar ist, ist der erhebliche Eingriff ins Stadtbild. In Bochum sind die Wände im Prinzip recht ansprechend gestaltet, aber eine 3 m hohe Wand ist an sich nicht besonders attraktiv. Dazu kommt, daß – wie nicht anders zu erwarten – bereits wenige Tage nach Fertigstellung große Abschnitte mit unansehnlichen Graffiti ohne jeden künstlerischen Anspruch verunstaltet waren, die man ohne weiteres als Schmiererei bezeichnen kann. Als ein Beispiel mag der Bahnhof Hamme dienen, der bis zur Errichtung der Lärmschutzwand ein idyllischer Haltepunkt im Grünen war. Jetzt sieht es dort grauenhaft aus. Ich hoffe noch darauf, daß man die Wände wenigstens auf der gleisabgewandten Seite zuwachsen läßt, damit das Elend zumindest etwas verdeckt wird. Am Bahnhof bringt das allerdings auch nichts, weil man dort vom Bahnsteig auf die gleiszugewandte Seite der Wand schaut. Vollends absurd wird es auf den Brücken. Hier hat man aus Denkmalschutzgründen mit großem Aufwand transparente Sonderbauwerke geschaffen, die in der Tat für ein paar Tage recht attraktiv aussahen. Aber natürlich wurden auch die innerhalb einer Woche nach Errichtung vollständig mit Graffiti beschmiert, wodurch sich jetzt an den nördlichen Haupteinfallstraßen, Dorstener und Herner Straße, ein katastrophales Bild ergibt, das den Besucher der Stadt begrüßt. Hier hat man sich in eine unmögliche Situation manövriert, wie aus Mitteilungen der Verwaltung in der Bezirksvertretung und im Kulturausschuß deutlich wird:
Kurz nach Errichtung der Lärmschutzwände durch die Deutsche Bahn AG wurden umfangreiche Graffitis auf diese aufgetragen, die sich nachteilig auf das Stadtbild auswirken.
Die Bezirksvertretung fragt an, ob seitens der Stadtverwaltung bzw. der Deutschen Bahn AG Strafanzeigen gestellt wurden, ob Täter ermittelt wurden, ob und in welcher Form man gedenkt, diese wieder zu entfernen, was man zukünftig gegen solche Sachbeschädigungen gedenkt zu unternehmen?
Die Anfrage wird wie folgt beantwortet:
Die Lärmschutzwände wurden im Auftrag der DB AG erstellt und befinden sich entsprechend auch im Eigentum der DB AG.
Auf Rückfrage bei der DB AG wurde bestätigt, dass keine Graffitis entfernt werden und keine Möglichkeit gesehen wird, diese zu verhindern.
Vorlage Nr. 20151306
Frau Röglin fragt an, ob die in der Vorlage genannten Wände für Kunst nutzbar zu machen sind. Sie bezieht sich dabei auf den Ehrenkodex der Graffiti-Künstler, Kunstwerke nicht zu beschmutzen. Herr Fleskes bittet hierzu die Verwaltung um eine Stellungnahme. Herr Dr. Hanke weist auf die Notwendigkeit hin, die Kunstlichttore zu schützen.
Hierzu nimmt die Verwaltung wie folgt Stellung:
Schon in der Anfrage aus der Sitzung des Ausschusses vom 24.03.2015 (Vorlage Nr. 20150846) wurde zutreffend ausgeführt: „Die Eisenbahnbrücken um die Innenstadt werden bekanntlich mit einigem Aufwand durch Künstler/innen zu „Kunstlichttoren“ umgewandelt. Darum sind im Rahmen der Errichtung von Lärmschutzwänden auf diesen Brücken transparente Wände montiert worden, um diese künstlerischen Stadteingänge nicht mehr als nötig zu verunstalten.“
Seitens der Verwaltung ist deshalb eine parallele Gestaltung der Lärmschutzwände über den Kunstlichttoren an den Brücken der Deutschen Bahn nicht gewünscht. Die Gestaltungen der Brücken als Kunstlichttore sind so konzipiert, dass diese für sich alleine auf den Betrachter wirken und eine Überlagerung mit anderen Kunstprojekten an diesen Stellen kontraproduktiv wäre.
Aufgrund der Vorschriften des Denkmalschutzes wurden einige der Lärmschutzwände zur besseren Wahrnehmung der Brückenbauwerke aus transparentem Material hergestellt. Eine offizielle Freigabe dieser Flächen für Graffiti ist somit nicht zulässig, da dies ein Verstoß gegen die Denkmalschutzauflagen darstellen würde.
Vorlage Nr. 20152834
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Die Verwaltung und der Denkmalschutz bestehen also auf transparenten Wänden, niemand ist aber in der Lage, dafür zu sorgen, daß sie auch transparent bleiben bzw. erstmal wieder transparent werden. Mir ist ein Rätsel, wie man überhaupt auf die absurde Idee der transparenten Wände kommen konnte. Jedem hätte klar sein können, ja müssen, daß jede Lärmschutzwand, die auch nur irgendwie zugänglich ist, innerhalb kürzester Zeit mit Schmierereien versehen wird, erst recht an so exponierten Stellen wie auf Brücken, wo der Sprüher sein „Kunstwerk“ Tausenden von Leuten täglich präsentieren kann. Da sich die Graffiti nicht verhindern lassen und die Bahn weder willens noch in der Lage ist, sie zu entfernen (was ohnehin eine Sisyphosarbeit wäre), bleiben nur zwei Möglichkeiten: Begrünung und legale Graffiti mit künstlerischem Anspruch. Ich sehe nichts, was sonst helfen könnte. Diesbezüglich gibt es auch eine aktuelle Anfrage von Hans Hanke, die noch nicht beantwortet wurde:
In der Sitzung des Ausschusses für Kultur am 3. Februar 2016 wurde unter TOP 5.11 die Vorlage Nr. 20152834 „Lärmschutzwände über Kunstlichttoren/ Graffiti an Brücken der DB für Kunst nutzbar machen“ behandelt.
Herr Dr. Hanke bittet darum, dass die Angelegenheit in die Kommission für Kunst im öffentlichen Raum überwiesen wird mit folgenden schriftlichen Unterlagen:
1. Wie beurteilen die Künstler der Kunstlichttore die Graffitis und wie stehen sie zu einer angepassten Neugestaltung oder Wiederherstellung der Transparenz?
2. Wie beurteilt die LWL-Denkmalpflege die Frage unter aktuellem Stand?
3. Wie beurteilt die Bahn die Möglichkeit der Transparenz bzw. Neugestaltung?
Vorlage Nr. 20160319
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Ich hätte von vornherein dafür plädiert, die Lärmschutzwände – so sie denn unbedingt gebaut werden müssen – überall, wo es möglich ist, flächendeckend zu begrünen, und an den übrigen Stellen, wie an Bahnhöfen und auf Brücken, mit legalen, anspruchsvollen Graffiti oder einer anderen Art von Kunst zu versehen. Auch wenn letzteres keine Garantie gegen Vandalismusschäden ist, werden sie doch unwahrscheinlicher und können durch einfaches Übermalen auch leichter beseitigt werden. Hat jemand hier noch andere Vorschläge?
Abschließend noch einige Fotos. Zur Illustration des oben Beschriebenen wären eigentlich auch Bilder des heutigen Zustands mit Graffiti nötig, ich habe mich aber erstmal dagegen entschieden, welche zu zeigen, um den Vandalen keine zusätzliche Befriedigung zu bieten (bis auf ein Foto, wo am Rand Schmierereien zu sehen sind). Fraglich ist allerdings, ob sie das hier überhaupt mitbekommen würden. Falls es sich in einer eventuell anschließenden Diskussion als sinnvoll erweisen sollte, kann ich entsprechende Fotos nachliefern.
Ein Bild von den zügigen Arbeiten auf der stadtabgewandten Seite der Bahnlinie:

Der Zustand auf der stadtzugewandten Seite im Herbst 2014 nach Abbruch der Bauarbeiten, an dieser Situation hat sich seitdem nichts geändert:

Die fertige Lärmschutzwand auf der stadtabgewandten Seite unmittelbar nach dem Bau des transparenten Abschnitts auf der Brücke über die Dorstener Straße, kurz bevor der mit Graffiti versehen wurde:


Die Brücke über die Dorstener Straße aus Richtung Norden am selben Tag:


Fotos: eigene Aufnahmen