Beiträge von Wohnhaft:Berlin

    Es sind halt rückwärtsgewandte Architekturentwürfe - egal, ob sie sich auf die Günderzeit oder die 70er beziehen. Nach meiner Erfahrung sind Patzschke-Liebhaber eher dezidiert rückwärtsgewandt, während die anderen das nach meiner Erfahrung weit von sich weisen würden, obwohl sie eigentlich aus der gleichen Richtung kommen.

    Ich kann mit beidem sehr gut leben, wenn es gut gemacht (was es bei Patzschke häufig nicht ist - besonders die Ausführung). Hier empfinde ich die Proportionen und Farbgebung ziemlich misslungen. Beides ist genau daneben. Entweder der Bau hätte in der Umgebung mindestens ein Stockwerk niedriger sein müssen oder mindestens eins höher. Auch der Farbton hätte entweder noch greller sein müssen oder deutlich gedeckter bzw. ins beige gehend. So ist beides nach meinem Empfinden im Ungleichgewicht.

    Auf der anderen Seite muss man sagen, dass gerade die Gebäudehöhen in diesem Gebiet ein Fehler sind. So eine Lage innerhalb des S-Bahnrings hätte man niemals so vorstädtisch bebauen dürfen (ich weiß, aus welcher Zeit diese Bebauungspläne stammen, da gab es noch kein Wohnungsproblem, dennoch ist die Planung nicht sehr weitsichtig gewesen). Insofern wäre eine Korrektur sehr gut - auch wenn es zugegebenermaßen einen Bruch darstellt.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Der Staat (mit all seinen Körperschaften) hat noch nie in seiner Geschichte so viel Geld abgeschöpft - und so wenig damit erreicht.

    Ich denke, da besteht ein Zusammenhang. Je mehr Geld vorhanden ist, desto weniger Gewicht hat es, damit sinnvoll umzugehen. In Berlin kam noch hinzu, dass im Westteil nie gelernt werden musste, Geld sinnvoll zu investieren (im Falle des Falles musste der Bund nachschießen) oder halbwegs wirtschaftlich zu denken (was man im Ostteil auch nicht gelernt hat). Seit dem Regierungsumzug hat Berlin ein (weiteres) strukturelles Problem: Jeder Berliner Politiker, der drei Sätze geradeaus reden kann, wechselt in die Bundespolitik.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Berlin wird's anscheinend nie verstehen, wie man Grünanlagen pflegt, auch dauerhaft, wie man Orte dauerhaft gepflegt hält, wie man die Stadt attraktiv gestaltet ohne das es lieblos aussieht.

    Das stimmt, aber mMn liegt es auch daran, dass die Berliner ihre Parks und Grünanlagen (auch die schönen und gut angelegten) nicht lieben, sondern nur nutzen. Es gibt überhaupt keinen...mmh... ich nenne es mal "Stolz" auf das Grün der eigenen Stadt (außer man kann damit in einer Statistik angeben). Hier wird nichts "gebraucht", sondern meist "verbraucht". Das liegt - wie gesagt - auch an zu wenig Pflege, aber vor allem daran, dass es von den Einwohnern viel zu wenig wertgeschätzt wird und daher teilweise desaströs behandelt wird aus Nachlässigkeit, Desinteresse und Egoismus (nach meiner Beobachtung interessanterweise quer durch alle Altersschichten).

    Es würde dennoch sehr helfen, wenn Parks, Plätze und Grünanlagen angenehmer gestaltet würden.

    Solche DInge müssen halt planerisch mitgedacht werden, lange bevor an einer solchen Stelle tatsächlich gebaut wird. Wenn die Planung bzw. eine erste Überlegung dazu erst beginnt, wenn ein Investor eine solche Ecke neu bebauen möchte, ist das Kind in den Brunnen gefallen. Daran hapert es in Berlin. Es gibt kaum langfristige Planungen, die nicht auf einem konkreten Anlaß fußen.

    Die gleiche Situation hat man beim U-/S-/Straßenbahnbau. Es müssten Pläne für sinnvolle Erweiterungen dieser Netze "auf Halde" geben, die dann halbwegs fertig aus der Schublade gezogen werden können, wenn es nötig ist (so kann man auch immer wieder mal EU-Gelder abgreifen, wenn passende da sind - es gibt viele Städte in Europa, die so arbeiten).

    Ich halte es einfach für eine verpasste Chance zur echten Stadtreparatur. So ist es immer nur eine "halbe" Reparatur - und diese liegt auch im Auge des Betrachters. Wenn ihm die neue Architektur nicht gefällt... Außerdem verschwendet man einfach unheimlich viel Platz, den man für weitere Wohnungen ja durchaus braucht. Für Bäume bleibt dennoch genug Raum. Es stehen ja auch vor und hinter den Aufweitungen Straßenbäume. Ungepflegtes Abstandsgrün braucht kein Mensch - und einen messbaren Umweltnutzen sehe darin auch nicht.

    Auch wenn es hier etwas OT ist: Wenn man z.B. die Aufweitung an der Nachod-/Bundesallee beseitigt hätte, wäre im Grunde fast noch ein weiteres Haus neben dem jetzt neu gebauten möglich gewesen. Man hätte in der Folge überlegen können, den Hohenzollernplatz wieder komplett herzustellen, von dort bis zur Bundesallee den Hohenzollerndamm einzuengen bzw. die südliche Fahrspur auf den heutigen Mittelstreifen zu verlegen (ohne unbedingt auf Fahrspuren verzichten zu müssen) und an die STelle der heutigen Fahrspur eine ganze Häuserzeile zu bauen. Wäre das nicht erstrebenswert gewesen? Meiner Meinung nach ja, aber dazu müsste es langfristige Ideen und Planungen geben. Solche Stellen gibt es in der Stadt an unzähligen Stellen.

    Auch an der Kreuzung Grunewaldstr. hätte man ein weiteres Haus bauen können, so groß ist die Fläche der Straßenaufweitung. Wenn irgendwann auch der Supermarktflachbau daneben verschwinden würde, hätte man auch sehr viel mehr Zusatzfläche gewonnen, sowohl für mehr Wohnungen als auch z.B. für einen größeren begrünten Innenhof. An der Stelle bringen Grünflächen mMn in allen Belangen mehr als Abstandsgrün auf rückgebauten Straßenaufweitungen.

    ^ Ja, das stimmt. Leider wird es aber auch auf Jahrzehnte unmöglich gemacht, die Straßenaufweitung an der Stelle rückzubauen. Das ist etwas, was in Berlin überhaupt nicht in Angriff genommen wird. Ein weiteres Beispiel ist der Volksbank-Neubau an der Ecke Nachodstr./Bundesallee (oder auch Flughafenstr./Herrmannstr. oder oder oder). Auf der einen Seite eine architektonische Verbesserung, auf der anderen Seite ist es eine Zementierung des Ist-Zustandes der Straßenführung, die eigentlich auch einer Korrektur bedürfte. So ist's auch hier. Insofern bin ich nicht so richtig glücklich.

    ^ Ich bin der Meinung, dass sich das Baurecht des vierten HH auf das zweite Vorhaben von Covivio bezieht. Zumal in der Doku explizit von den Hines-Vertretern gesagt wird, dass sie darauf hoffen, noch in diesem Jahr Baurecht zu bekommen.

    Schön ist allerdings zu hören, dass Hines ernsthaft an einer Umsetzung in näherer Zukunft interessiert ist...