Beiträge von Hans Ebert

    Das stimmt, es mutet tatsächlich ein wenig wie Playmobil an. Das ist aber ein grundsätzliches Problem mit besonders alten Baudenkmalen: Wir Heutige kennen die Bauten in ihrer ursprünglichen Form nicht, sondern nur den gealterten Zustand. Wenn so ein Gebäude dann nach Befund restauriert wird, fallen einem erstmal die Augen raus, weil es so ungewohnt aussieht. Das ist einfach ein Bruch mit unseren Sehgewohnheiten. Genauso haben die Menschen im 19. Jahrhundert reagiert, als man ihnen auf einmal erzählt und v.a. gezeigt hat, dass die griechischen Tempel nicht monochrom, sondern bunt bemalt waren. Selbst Kunsthistoriker sind hysterisch geworden, als sie die restaurierte Sixtinische Kapelle sahen - sie waren gewohnt, dass die Malereien eher dunkel und abgetönt sind und waren erschrocken über die knallbunte Farbgebung, die aber die originale aus Michelangelos Zeiten war. An solchen Beispielen kann man, finde ich, super nachvollziehen, wie wichtig der Alterswert (Alois Riegl) bei Baudenkmalen ist.

    Mir ist auch schon länger aufgefallen, wie anders die Einstellung breiter Kreise in Deutschland gegenüber der in anderen europäischen Ländern ist. Ich glaube, in Großbritannien, Schweden oder Italien wären so viel Geschichtsvergessenheit und so eine Überbetonung von "Sachzwängen" nicht durchsetzbar. Klar ist auch im Ausland nicht alles besser, aber manches doch. Ich glaube, wir Deutschen leiden immer noch unter den Nachwirkungen der NS-Zeit und des Wiederaufbaus: gebaute Geschichte spielt eine untergeordnete Rolle, alles muss neu, praktisch und effizient sein; wo z.B. vielen Briten und Italiener die identitätsstiftende Funktion des Alten betonen und über die technische Imperfektion hinwegsehen, sehen viele Deutsche nur den Mangel und greifen jeden an, der mit den Steuergeldern der Allgemeinheit "alten Kram" bewahren will. Der Staat macht's genauso und opfert aus Sachzwängen ein Gebäude aus den 1850er Jahren(!!!)...

    nothor: Haha, ja, da hast Du Recht — diesen Pavillon hätte ich auch noch gezeigt; allerdings ist mein Bild nicht so schön (hab's im Januar aufgenommen, Schneematsch inklusive!). ;-) Dieser Pavillon ist wirklich klasse und noch weitgehend unverbaut! Schade, dass der IMEX schließen muss... Ich hoffe, dass man ihn wenigstens weiterhin mieten kann. Und das alles wegen der bekloppten Baustelle nebenan!


    Was die Eingangsbereich der Nachkriegshäuser angeht, gebe ich Dir vollkommen Recht. Da ist noch eine gewisse Wertigkeit und ein Gestaltungswille zu erkennen, den man später so nicht mehr findet. In den 70ern vielleicht noch hie und da. Aber seitdem es Konfektionsware aus dem Baumarkt gibt, sieht's da düster aus. Mir geht es echt gewaltig auf den Wecker, dass inzwischen gefühlt nur noch drei Außentürmodelle verbaut werden (altbacken, Kunststoff oder pseudomodern), wobei selten Wert auf den Zusammenklang mit der Architektur gelegt wird. Ich verstehe ja, dass man ramponierte Türen nicht einfach so lassen kann, aber manchmal wäre Reparieren echt intelligenter als Neumachen.

    Teil III - Über die Allersberger Straße nach Glockenhof

    Weiter geht's durch die Südstadt...


    Die Allersberger Straße (https://maps.google.de/maps?q=…11.089947&num=1&t=h&z=19; benannt nach der Marktgemeinde Allersberg im Landkreis Roth) ist eine der Hauptverkehrsachsen der Südstadt, sowohl für den Auto- als auch für den Tramverkehr. Nördlich der Schweiggerstraße markiert sie außerdem die Grenze zwischen den Stadtteilen Galgenhof und Glockenhof.


    Die Bebauung in diesem Bereich ist mit wenigen Ausnahmen nach 1945 entstanden. Der allgemein etwas "verwohnte" Eindruck der Häuser wird durch die modernen Reklametafeln noch verstärkt; dabei finden sich bei näherem Hinsehen darunter noch ein paar interessante Zeugen des Wiederaufbaus mit originalen Details.



    Das Haus Allersberger Straße 76 gehört mit Baujahr 1974 zu den jüngeren Gebäuden an diesem Straßenabschnitt. Es erinnert etwas an die klassischen Scheibenhochhäuser der Trabantenstädte der Nachkriegszeit — nur viel kleiner.



    Schon auf dem Gebiet des Bleiweißviertels dominiert dieses Kaufhaus (Baujahr 1960) die Kreuzung Schweigger-/Allersberger Straße. Typisch für die Entstehungszeit sind die Rasterfassade, die Fensterfront im 1. Obergeschos sowie das zurückgesetzte Dachgeschoss, das Platz für eine großzügige Loggia lässt und dem Koloss ein wenig von seiner Massigkeit nimmt.



    Gegenüber steht wieder ein klassisches Eckhaus der Wirtschaftswunderzeit (Schweiggerstr. 1) mit weit auskragendem, flachen Satteldach und dreigeteilten Fenstern. Man beachte die französischen Fenster auf der rechten Seite — ein bisschen weltstädtische Wohnlichkeit selbst im Verkehrsmoloch. Hier war die automobilgerechte Stadt Teil des Lebensgefühls! Die Ladeneinbauten hat man, wie auch am Kaufhaus gegenüber, leider später, wohl in den 1980/1990er Jahren, erneuert.




    Und auch so etwas gibt es in der Südstadt: Hinter den Rückfassaden der großen Mietshäuser an Allersberger- und Schweiggerstraße duckt sich im Hinterhof ein kleines Juwel — das Haus Schweiggerstraße Nr. 7. Den Einzelformen im Heimat- bzw. Jugendstil zu Folge ist das Häuschen um 1900/1910 gebaut worden und hat den Bombenkrieg überdauert.



    Eher traditionell (in der Waschmittelwerbung würde man sagen "herkömmlich") ist das Eckhaus Allersberger Straße 53/Ecke Enderleinstraße mit umlaufendem Flugdach über dem Laden im Erdgeschoss und heller Putzfassade gestaltet.





    In den 1950er/1960ern Jahren waren Fassaden-Komplettverkleidungen mit Fliesen und Travertin der letzte Schrei. Reinliche Hauseigentümer wissen noch heute um die Vorteile der Fliesen, die man einfach nur "abkärchern" muss (soweit die Theorie). Hier hat man versucht, durch Farb- und Oberflächenwechsel aus dem Praktischen einen gestalterischen Mehrwert zu erzielen. Und das, wie ich finde, ganz gut. Wenn man genauer hinsieht, dann offenbart das Haus Allersberger Straße 49 noch mehr originale Details, etwa die auskragenden Blumenfenster am Treppenhaus und die Eingangstür mit gewölbtem Metallgriff. Allenfalls als "suboptimal" ist die überbordende Reklame zu bezeichnen, die dem Haus viel von seinem Reiz und seiner differenzierten Gliederung nimmt.




    So unscheinbar es aussieht, das Haus Allersberger Straße 66 ist im Verhältnis zu vielen seiner Nachbarn noch weitgehend original erhalten. An diesem Gebäude zeigt sich wieder einmal, wie wichtig die originalen Ladeneinbauten für den Charakter der Nachkriegsbauten sind: Der Hauseingang besitzt noch die bauzeitliche Verkleidung mit Muschelkalkplatten, Schaufenster mit eloxierten Stahlrahmen und eine Haustür mit fein abgesetzten Zierleisten, Reliefglaslichten und kreisrundem Türdrücker. Fehlt nur noch das Fräulein mit Blümchenkleid und Cateye-Brille, die zu ihrer vor der Haustür geparkten Isetta stöckelt...



    Wie das Kaufhaus an der Straßenecke besitzt auch das Haus Allersberger Straße 68 noch ein Obergeschoss mit großen Panoramafenstern sowie originale Einbauten und Fassadenanstrich. Die knallbunte und überdimensionierte Reklame stiehlt aber leider auch hier der ohnhein eher schlichten Architektur vollends die Show. Zu schade, dass die klassische Leuchtreklame in Schwungschrift heute kaum mehr Liebhaber findet — diese Fassade würde enorm davon profitieren.



    Ei, was haben wir den da! Nein, kein Ei, sondern den IMEX-Pavillon am Guttenbergplatz in Glockenhof (https://maps.google.de/maps?q=…,11.087157&num=1&t=h&z=19). Ursprünglich war er ein Blumenladen (daher die großen Schaufenster, die das Innere tagsüber mit Licht durchfluten). Der Nürnberger Architekt Heinz Buff — von ihm stammt auch die städtische Berufsschule I an der Augustenstraße — hat ihn 1959/1960 erbaut. Er gehört zu den letzten seiner Art und steht unter Denkmalschutz. Der Pavillon wird heute nach behutsamer Restaurierung, gehegt und gepflegt, als Straßencafé benutzt und ist mit originalen Möbeln der 1950er/1960er liebevoll ausgestattet. Mehr zur Geschichte des Pavillons, inklusive alter Fotos und Planzeichnungen findet man hier: http://www.der-pavillon.org/bau_history.htm. Wer mag, kann in dem heimeligen Rund eine Party schmeißen — oder einfach bei Kaffee und Kuchen eine Zeitreise in die Wirtschaftswunderzeit machen.

    nothor: Mir sind diese Tafeln lange Zeit auch nicht aufgefallen. Ich glaube, dass das ein letztes "Aufzucken" der Tradition der Jahrhundertwende ist, als man an vielen Häusern die Namen von Architekt und Bauherr mit Jahreszahl verewigt hat. In der früheren Nachkriegszeit, als Baukunst tatsächlich noch eine weitgehend handwerkliche Tätigkeit war, wollte man wohl an diese Tradition anknüpfen. Später scheint der Stolz verflogen zu sein, es wurde mehr industriell gebaut. Über die Gründe, warum das ab den 1960ern in Nürnberg kaum mehr auftaucht, kann ich auch nur mutmaßen. Komischerweise hängen die Tafeln sehr oft an Gebäuden, die eher nicht so aufwendig gestaltet sind. Aber das dürfte Zufall sein. Über die Architekten findet man leider so gut wie nie was raus, müsste man schon tiefer schürfen, im Stadtarchiv oder so. Wenn ich Zeit habe, recherchiere ich da mal. Ein paar von ihnen, z.B. Markus Mayer-Eming und Egmont Ros sind Söhne von bekannteren Architekten der Jahrhundertwende. Gustav Siegel liest man auch oft, der steht sogar im Nürnberger Künstlerlexikon, aber das ist eine absolute Ausnahme.

    Mit den Stuckornamenten könntest Du Recht haben, nothor. Vielleicht ist es aber auch so, dass an diesen Stellen keine konventionellen Dämmplatten aufgebracht werden können, weil man sonst die Originalreliefs abschlagen müsste. Um sie unter der Dämmung zu konservieren, müsste man diese Flächen anderweitig verfüllen. Die Hypothese, dass die Reliefs wieder aufgebracht werden sollen, ergibt aber tatsächlich mehr Sinn - v.a., wenn die Denkmalbehörde bei der Sanierung beraten hat. Ein Baudenkmal ist das Haus ja nicht, wie ich grade gesehen habe. Ich finde die Dämmung trotzdem einen unnötigen Schmarrn, der die Kubatur des Hauses beschädigt. Aber gut, wenn drunter alles noch erhalten bleibt bzw. die Deko wieder aufgebracht wird, ist das Ganze ja sozusagen "rückbaubar". Könnte also schlimmer sein! ;-)

    Teil II - Von der Wölckern- bis zur Humboldtstraße

    Hier kommt der 2. Teil meiner "Tour de Südstadt Nürnberg":



    Die Wölckernstraße bildet zusammen mit der Landgraben- und der Schweiggerstraße die Ost-West-Verkehrsachse durch die Südstadt (https://maps.google.de/maps?q=…e,+N%C3%BCrnberg&t=m&z=16). Die Straße trägt den Namen der Nürnberger Patrizierfamilie Wölckern auf Kalchreuth. Ihre Randbebauung stammt zumeist aus der Nachkriegszeit.


    Diese Ansicht der Kreuzung Allersberger/Wölckernstraße zeigt in der Bildmitte das Haus Wölckernstraße 81, das sich durch seine geringe Höhe und die geteilten Fenster von der Umgebung abhebt. Höchstwahrscheinlich handelt es sich um ein nach dem Krieg notdürftig in Stand gesetztes Gründerzeithaus. Provisorien dieser Art kann man noch an vielen Stellen im Stadtgebiet sehen, sie werden allerdings immer häufiger durch Neubauten ersetzt.




    An der Wölckernstraße steht einer der letzten alten "Filmpaläste" Nürnbergs: 1954 eröffneten Arthur und Anna Mariani das "Atrium", eines von einst zahllosen Lichtspielhäusern in der nach dem Krieg wieder auferstandenen Stadt. Geplant hat das Gebäude der Nürnberger Architekt Ludwig Ammon. Nach dem Tod des letzten Filmvorführers 2008 musste das traditionsreiche Haus seine Pforten schließen — wie so oft aus Gründen der Rentabilität (vgl. dazu folgenden Artikel in der NZ: http://www.nordbayern.de/nuern…de-1.899601?searched=true). Das Gebäude ist nach wie vor vermietet und bewohnt, die Kinoeinrichtung soll angeblich intakt sein (hier ein Bild von ca. 2008: http://einestages.spiegel.de/s…/atrium_in_nuernberg.html), ebenso wie die schönen Eingangstüren mit ihren expressiven Griffen.




    Läuft man die viel befahrene Wölckernstraße entlang, findet man heute nur noch wenige alteingesessene Geschäfte. Eine Ausnahme bildet das "Fotostudio Karl Harren" (Nr. 70), das es unter diesem Namen seit 1893 gibt. Das Geschäftslokal (erbaut wohl ca. 1955/1960) ist ein Charakterkopf inmitten der schlichten Bebauung: Der grüne und orange Fassadenanstrich — er ist wohl bauzeitlich — passt ausgezeichnet zur nostalgischen Agfa-Leuchtreklame, die aus den 1970er Jahren stammen dürfte. Bei Foto Harren ist man offensichtlich sehr stolz auf das Geschäftshaus und präsentiert es in einer historischen Zeichnung (mit der ursprünglichen Leuchtreklame) auf der Webseite (http://www.fotostudio-harren.de/).



    Auffällig viele der Nachkriegswohngebäude (hier Dallingerstraße 17, errichtet 1958 von Franz Stehlik) haben ihre Erbauer mit Inschrifttafeln versehen, die an das Jahr der Vollendung und oftmals auch den Architekten erinnern. Diese Inschriften bezeugen die Aufbruchstimmung der Wirtschaftswunderzeit und das neue Selbstbewusstsein der Baumeister, die maßgeblich daran beteiligt waren, die zerbombte Stadt wieder aufzubauen. Heute kennt kaum einer mehr die Namen dieser Architekten. Die Dallingerstraße ist übrigens nach zwei Künstlern benannt: Anton Paul (1772-1843) und seinem Sohn Andreas Leonhard Dallinger (1806-1874).




    Man kann von Pelzläden halten, was man will — dieses hier (übrigens längst geschlossen) in der Dallingerstraße 19 besitzt einen typischen Ladeneinbau der 1950er/1960er Jahre. Dazu gehören Schaufenster und Ladentür aus Stahlrahmen mit eloxierten Rahmenleisten sowie der in goldener Schreibschrift handgemalte Name der einstigen Inhaberin auf der Glaslichte der Tür.



    Zwischen den Häusern Dallingerstraße 21 (oben) und Paulstraße 4 (unten) verläuft die Grenze zwischen den Nürnberger Stadtteilen Galgenhof und Lichtenhof. Die beiden um 1955 erbauten Häuser sind typische, als Kopfbauten konzipierte Eckgebäude der Nachkriegszeit mit flachen Walmdächern und weitem Dachüberstand.


    Die Haustür von Paulstraße 4 ist sicher jünger, wahrscheinlich aus den 1970er Jahren. Solche aufwendig gestalteten Türgitter aus Metall waren seinerzeit der letzte Schrei. Heute wirken sie etwas gruselig, können es in punkto künstlerischer Anspruch aber ohne Zweifel mit jeder Baumarkttür unserer Tage aufnehmen.


    An der Westseite der Dallingerstraße weitet sich der Stadtraum zu einem Platz, auf dem die 1905 geweihte katholische Herz-Jesu-Kirche steht. Der neugotische Bau von Franz Xaver Ruepp gehört zu den wenigen Bauten aus der Vorkriegszeit, die in diesem Teil von Lichtenhof erhalten blieben. Das Bild zeigt den sonst so nicht sichtbaren Chor der Kirche nach dem Abbruch des alten Pfarrhauses aus den 1920er Jahren (hier ein Bild des Gebäudes: https://maps.google.de/maps?q=…Iw&cbp=12,317.21,,0,-7.27).


    Noch ein Eckhaus — hier Humboldtstraße 133. Ein Klassiker der 1950er Jahre sind die asymmetrisch geschnittenen Balkone mit abgerundeten Ecken. Sie fügen sich harmonisch in das Gesamtbild ein und geben der schlichten Fassade einen etwas behäbigen, "nierentischmäßigen" Schwung.


    Den Abschluss dieses Rundgangs bildet das große Wandbild am Haus Humboldtstraße 148, das nothor bereits vorgestellt hat (http://www.deutsches-architekt….php?p=400990&postcount=3). Das Gemälde war bereits vor Abbruch des Pfarrhauses von Herz-Jesu von der Kreuzung Dallinger-/Paulstraße aus gut zu sehen und bildet einen künstlerisch gestalteten Point de vue für diesen Straßenabschnitt.

    nothor, danke für das Update! Ich stimme Dir vollauf zu. Sehr schade, dass Bauherr und Architekt das Potential dieses Schmuckstücks nicht erkannt haben. Man sieht gar nicht mehr, dass es sich um einen Altbau handelt. Wie vermarktet man denn sowas? Als "Altneubau"?? Schade, von der hübschen Klinkerfassade ist nur ein seelenloser weißer Block übrig... Erinnert mich an diese üble Show "Endlich schön!", wo sie vom Leben gezeichnete Frauen so lange vom Schönheitschirurgen bearbeiten lassen, bis alles Inidividuelle und Reizvolle in den Gesichtern nivelliert ist.

    Harsdörfferstrasse Ecke Sybelstrasse

    nothor, danke für die aktuellen Bilder!


    Es ist schön, dass die interessanten Sgraffitos erhalten geblieben sind. Ich will jetzt auch nicht viel mäkeln, weil das an und für sich schon anerkennenswert ist. Aber das Farbkonzept... naja. "Stilgerecht" sieht anders aus. Ich kenne dieses Haus, seit ich denken kann. Es war, meine ich mich zu erinnern, immer blassschimmelgrüntürkisweißnicht - in jedem Fall eine sehr seltsame Farbe, aber wenigstens einheitlich gestrichen. Jetzt wird durch den Anstrich die Horizontale der Gliederung betont, was sich ziemlich mit den vertikal ausgerichteten Sgraffiti beißt. Auch bin ich eigentlich kein Freund von diesen geflammten Kacheln (a.k.a. "Pisskacheln"), wie sie hier im Erdgeschoss anzutreffen sind. Aber gut, sie passen hier einfach. Die Sanierung hätte schlimmer ablaufen können, man muss auch das Gute sehen! Die Sgraffiti sind gerettet - und den Anstrich, naja, den kann man immer noch wieder ändern! ;)

    Neues Dämmopfer — Strauchstraße 7

    Peinlich, es war ein Fehlalarm, der dadurch zu Stande kam, dass ich das Haus nur von der Tram aus seitlich sehen konnte. Die großen Packen mit Dämmplatten haben mich wohl zu sehr in ihren Bann gezogen! ;)


    Allerdings: Die Seite zur Hofzufahrt wurde tatsächlich gedämmt; das Dach wird gerade neu eingedeckt. Es sieht allerdings nicht so aus als wolle man die Straßenseite auch zukleben.



    Lobenswert: Man hat zwar leider den alten Ladeneinbau (ehemals unten links) entfernt, aber die neue Gestaltung immerhin ganz gut an den Rest der Fassade angepasst:



    Hoffentlich bleibt es dabei. Nun handelt es sich hier um ein Nachkriegshaus, doch immerhin eines mit einem gewissen gestalterischen Anspruch. Es wäre schade, wenn ausgerechnet dieses entstellt würde.

    Tanzcafé Rennbahn

    Hier wie versprochen ein Bild aus besseren Tagen:



    (Ansichtskarte des Verlags K. E. Eichler, Nürnberg)


    Auf der Rückseite heißt es:
    "Park-Café Rennbahn
    Nürnberg, Reichelsdorferkeller [sic!] - Bes. H. Hüfner
    Tel. 66 41 54. Tägl. Tanz Mittw., Samstg. und Sonntg.
    Cabaret u. Tanz. Das Haus der zufriedenen Gäste"


    Der Fotoqualität und dem Stil der Einrichtung nach zu urteilen stammt die Karte aus den 1950er oder 1960er Jahren. Der genannte Herbert Hüfner war von 1938 bis 1984 Inhaber des Cafés. Hier ein Link zu einer schönen Seite über die Geschichte des Hauses mit vielen historischen Bildern: http://www.park-cafe-rennbahn.com/. Mir war gar nicht bewusst, wie viele Berühmtheiten das Tanzcafé Rennbahn schon gesehen hat!

    Straßenbahnersiedlung Schopenhauerstraße

    Die Sanierung der Straßenbahnersiedlung spottet jeder Beschreibung. Besonders die Erkerlösung ist eine Frechheit. Nie zuvor hatte ich so sehr das Bedürfnis, da hinzugehen und mit dem Kuhfuß den ganzen Styro-Sondermüll wieder runterzureißen.


    Ich bin echt ein Freund des Energiesparens und des Umweltschutzes. Aber muss sowas wirklich sein?

    Saxonia: Das finde ich sehr vorausschauend! In Nürnberg ist man offensichtlich noch nicht so weit — oder besser: in München, dort wird ja letztlich entschieden. Die Nürnberger Wohn- und Geschäftshäuser aus den 1950er/1960ern, die unter Denkmalschutz stehen, kann man an einer Hand abzählen. Wenn sie nicht gerade von Star-Architekten wie Sep Ruf sind, haben sie sowieso wenig Chancen.