Beiträge von Saxonia

    Eine Ausdehnung auf ganz Mitteldeutschland ist problematisch. Ich denke da nur an Erfurt. Da gibt es in Leipzig und anderswo nichts Vergleichbares. Gleichwohl könnte man sich in Leipzig durchaus mit der jüngeren jüdischen Geschichte seit dem 18. Jhd. profilieren.

    Das ist mal mehr, mal weniger gelungen. In Berlin, Cottbus und gerade Rostock empfinde ich es als weniger störend. In Halle allerdings, ist es eine Katastrophe. Das Charakteristikum der Hallenser Innenstadt ist, dass sie eben anders, als die meisten ostmitteldeutschen Städte, im Mittelalter nicht planmäßig angelegt wurde, sondern einen ganz "wilden" Grundriss mit engen, geschwungenen Gassen hat. Das konterkarierte die Neubebauung durch ihre technischen Unzulänglichkeiten und Platzerfordernisse bei der Montage aber völlig.

    Gibt es für die Lessing'schen Reliefs am Portal noch irgendwelche Vorlagen oder müssen sie komplett nach Fotografien neugeschaffen werden? Das ist ja ziemlich einzigartig, dass Bronzereliefs dieser Größe aus dem 19. Jahrhundert rekonstruiert werden. Mir ist kein anderer Fall bekannt.

    Von Abrissen kann natürlich (leider) keine Rede sein. Das wäre nicht vermittelbar. Diesbezüglich war der Abriss an der Gerokstraße vorerst sicherlich die letzte Stadtreparatur. Problematisch finde ich hier im Speziellen auch gar nicht so sehr die Hochäuser, sondern die ewig langen Riegel, die rücksichtslos Straßen abschneiden. Die inkonsistenz ist doch extrem ärgerlich. Einmal richtig tolle Sachen wie der Neubau Thomae/Striesener Straße und dann solche Sachen wie Aldi und Edeka. Das kann ich nicht wirklich nachvollziehen.

    Scheint eine komische Studie zu sein. Im Text ist ja die Rede davon, dass Abhängigkeiten von äußeren Faktoren problematisch sind. Als Beispiele werden Pendlerverkehr und Tourismus genannt. Aber meines Wissens ist in Leipzig weder das eine noch das andere übermäßig ausgeprägt. Zumindest nicht im Vergleich zu manch anderen untersuchten Städten. Gerade die in und um Leipzig wichtige Logistikbranche hat doch während der Pandemie einen regelrechten Boom erfahren. Gleiches gilt für Erfurt, dass auch noch als Schlusslicht in der Studie genannt wird.


    Also etwas nebulös. Da müsste man schon in die Studie selbts mal rein schauen.

    Das ist ja schön, dass Herr Jung angeblich seit 5 Jahren in irgendwelchen Hinterzimmern etwas ausheckt. Nicht dass ich unbedingt dagegen wäre. Kommt ja am Ende auch drauf an, wie das aussehen soll. Aber das Vorgehen und die Kommunikation der Rathausspitze erscheint mir schon sehr suspekt. Wenn Diskretion, dann richtig und nicht nebulös von der "ganz großen Nummer" schwafeln.

    Eigentlich schade, dass man sich so am längst eröffneten Lesesaal abarbeitet und nicht die hervorragende Sanierung des Altbaus würdigt. Leider empfinde ich es auch so, dass der Lesesaal einen Wehrmutstropfen darstellt. Es ist sicher ein guter, moderner Lesesaal mit allem, was man heute in einer Bibliothek erwartet. Aber er passt in meinen Augen nicht in dieses Gebäude. Da hätte man sich wirklich mehr an der früheren Formensprache orientieren müssen, die sich eben nicht auf die Funktionalität beschränkte, sondern dem Akt des Literaturstudiums fast etwas sakrales verleihen wollte.

    Bei der Lukaskirche ist weiterer Sanierungsfortschritt zu vermelden. Interessant dürfte für uns dabei vor allem das Bemühen um eine Wiederherstellung historischer Zustände sein. So wurden bei der Sanierung des östlichen Treppenhauses mehrere Zwischendecken entfernt. Man hat sich darüberhinaus der historischen Ausmalung angenähert, wenngleich in etwas wohltuenderen Farben, wie ich finde.

    Besonders erfreulich ist die Entdeckung, eines Denkmals für gefallene Gemeindemitglieder des Ersten Weltkrieges. Makaber: Gefunden wurden die steinernen Tafeln von beachtlicher Größe beim Ausbau von Toiletten im Erdgeschoss....

    Das Denkmal wurde nun unter erheblichem Aufwand in das wiederhergestellte erste Obergeschoss umgesetzt. Dort sind allerdings nur die Gefallenen ab 1916 aufgelistet, was mich vermuten lässt, dass es früher noch einen Teil gegeben haben muss. Oder man zeigt hier nur einen Teil. Vlt. weiß jemand mehr.


    https://www.saechsische.de/plu…-lukaskirche-5264315.html


    Der Artikel ist hinter der Paywall, aber ich verlinke mal einige Bilder:


    Kriegerdenkmal

    https://image.saechsische.de/9…pno20y5ojgt37kkdgnow6.jpg


    Ausmalung

    https://image.saechsische.de/9…1148ky77u0ah5aovfx3g3.jpg


    Saniertes Treppenhaus

    https://image.saechsische.de/9…t9a24ylotk8ywxuor546z.jpg


    Zur Turmspitze wenig Neues. Priorität hat, gesicherte Finanzierung vorausgesetzt, die Sanierung des Kircheninnenraumes mit dem Tonstudio und des Dachstuhles.

    Ich finde auch die von Stahlbauer gezeigten Beispiele nicht übel. Gerade die markanten Hochhäuser am Johannstädter Elbufer sind gut saniert. Nicht alles mit Dämmung zugeklebt, die Baustruktur bleibt erkennbar und vor allem nicht wahllos Farbe rangeschmiert.

    ^ Sag ich ja: Hochinteressant! Wobei als Pendant zur Puschkinallee vielleicht eher Mark-Twain-Allee gepasst hätte. Clayallee wäre ja die Entsprechung zum Bersarinplatz gewesen...

    Vielleicht "Demokratisches Forum"? Da hätte man den alten Namen mit dem neuen Vorschlag versöhnt und ein hübsche Doppeldeutigkeit eingebaut... ;)

    Die Benennung in Bersarinplatz ist allerdings noch vom Groß-Berliner Magistrat 1947 vorgenommen worden, also vor der formalen Teilung. Hier nochmal das Bild aus dem Spiegel. https://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/44437016

    Ich finde es hochinteressant, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Straßennamen während der Teilung herauszuarbeiten. Um als Widerständler geehrt zu werden, musste man in der DDR Kommunist gewesen sein und in der alten Bundesrepublik Wehrmachtsoffizier oder in der Weißen Rose. Georg Elser hatte auf beiden Seiten keine Chance. Auf beiden Seiten gab es dagegen Marx-, Engels- und Bebelstraßen bzw. -Plätze. Warum? Weil die drei Persönlichkeiten von der SED wie von der SPD für ihre Traditionspflege beansprucht wurden.


    Berlin ist in Sachen Straßenumbenennungen ein besonderer Fall. Man hatte sich nach 1948 im Westen der Stadt relativ früh darauf verständigt, nur selten Straßenumbenennungen vorzunehmen. Populär war das ohnehin nicht und außerdem hatte man immer die Vorgänge im Osten der Stadt im Auge. Grundsätzlich ist ja in anderen SPD dominierten Gemeinden des Westens recht viel umbenannt worden, gerade im Rhein-Main Gebiet oder Nordhessen. Aber nachdem die SED 1950 im Osten in Hinblick auf die Weltfestspiele der Jugend 1951 eine wahre Umbenennungsflut gestartet hatte, hielt man es in Berlin (West) für geboten, an den historischen Namen umso mehr festzuhalten. Die Umbenennungen die es gab, waren meist sehr gezielt und bezogen sich häufig auf Vorgänge im Osten (17. Juni, Luftbrücke). Manchmal kamen Umbenennungen auch simultan vor. 1949 bspw. benennt die SED die Allee vorm Treptower Ehrenmal in Puschkinallee um und 14 Tage später wird im Westen die Kronprinzenallee zur Clayallee. Ein Foto davon hats damals sogar in den Spiegel geschafft.

    kurze Frage zu dieser Debatte an dich: Warum ist dir die Kirche "völlig bummi", die StaSi-Zentrale jedoch nicht?

    Nicht generell, versteht sich. Die Geschichte des Areals als Kirchengelände wurde hier benutzt, um den späteren Missbrauch als Stasi-Zentrale zu relativieren. So funktioniert das aber nicht.


    Im Übrigen gehe ich mit hedges natürlich völlig d'accord. Unbenommen der späteren Neubebauung muss der Stasi-Bau abgerissen werden. Anders ist eine sinnvolle Entwicklung des Areals nicht möglich.

    Um das Pro-Seminar an der Karl-Marx-Universität mal wieder zu verlassen: Die prekären Wohnverhältnisse Mitte und Ende des 19. sind in erster Linie auf das enorme Bevölkerungswachstum zurückzuführen. Die Industriezentren waren darüberhinaus noch einem enormen Zuzug ausgesetzt. Für diese

    Menschen musste erstmal Wohnraum geschaffen werden.

    Was da bis 1914 geleistet wurde, kann man durchaus als reife Leistung bezeichnen. Wir profitieren ja heute noch im erheblichen Maße davon. Nicht nur Gebäude, auch fast die gesamte großstädtische Infrastruktur wurde damals geschaffen. Die Wohnungsfrage ist darüberhinaus in Deutschland eigentlich erst in den 70er Jahren (Westen) wirklich gelöst gewesen, im Osten erst nach 1990. Also auch die Abkehr von aufwendigen Baustilen des Historismus nach 1918 und der Beginn der Moderne hat trotz deutlich geringerem Bevölkerungswachstum hierzulande nur punktuelle Abhilfe schaffen können. Darüber sollten die gefeierten Siedlungen des "Neuen Bauens" nicht hinwegtäuschen. Das waren immer noch viel zu wenige.

    Wenn man sich das heutige Desaster im Wohnungsbau, in der Digitalisierung etc. anschaut, da muss man vor den Leistungen Ende des 19., Anfang des 20. Jhds. um so größeren Respekt haben. Ich habe ernste Zweifel, dass wir die Herausforderungen denen man sich damals stellen musste, heute ähnlich bewältigen könnte.