Beiträge von Georges Henri

    Ich denke, die rückseitige Traufe unterhalb des Staffelgeschosses entspricht der allgemeinen Traufhöhe der Umgebung. Dass die gesamte Baumasse aber Richtung Mahnmal um ein Geschoss höher ragt, ohne sich wie sonst in der Umgebung schrittweise nach oben hin aufzulösen, tut dem gesamten Ensemble nicht gut, denn es betont an prominenter Stelle die ordinäre Anmutung eines sperrigen Kastens.

    Ich muss feststellen, dass der Stream - diese kleine, dicke Plunschkuh unter den Berliner 'Hochhäusern' - am Ende als gedrungener Knubbel wenigstens so eigen ist, dass er dadurch einmalig erscheint. Und als Vermittler zwischen dem Edge und der Umgebung wird er vermutlich sogar ganz wohltuend wirken. Auch als Point-de-vue in der Rotherstraße verbreitet er eine ganz gute, urbane Wirkung.

    Hatten wir eigentlich schon diese Abbildung von der Eingangssitution auf unterem Straßenniveau? Aktuell ist das ja noch eine ganz schön schaurige Kloakensituation da unten. Bleibt die Frage, ob ein Hauptzugang zum Turm hier eine neue Energie verbreitet oder ob der East EDGE am Ende edgyer wird als gewollt...


    Man sieht hier übrigens auch, dass es zwischen Turm und Brücke ein breite Distanz gibt. Irgendwie rechnet man ja intuitiv damit dass der Turm - wie die anderen Bauten dort auch - die Straße bündig begleitet. Aber das gilt wohl nur die für vorkragenden Stockwerke weiter oben.



    Bildrechte: EDGE Technologies

    Quelle: https://www.accu-rate.de/de/pr…erlin-warschauer-bruecke/

    Lieber Popper, jetzt schreibst du aber wirklich wie Omma Kasupke.


    Beton ist doch nicht gleich Beton. Und Sichtbeton ist zwar ein sehr alter Hut, aber dennoch lohnt sich vermutlich sogar für dich bei Suhrkamp ein genauer Blick. Nicht nur, weil der Beton bei diesem Bau bewusst besonders fein und qualitätvoll gegossen wurde. Er hat schon hierdurch ganz und gar nicht die ordinäre Anmutung, welche du mit Begriffen wie "Schuppen" und "Garagen" schlecht zu reden versuchst. Zudem erzeugt der hermitsch-plastische Betonteil der Fassade hier einen ästhetisch gut nachvollziehbaren Kontrapunkt zu den stark durchfensterten, silbrig schimmernden Anteilen, die ihn zur Straße hin umklammern. Ich selbst bekomme bei dem ganzen Bau zwar dennoch kein feuchtes Höschen, aber man muss hier schon die Kirche im Dorf lassen.

    Der Altbau ist - erstaunlicherweise - nicht denkmalgeschützt. Ob die kommenden Entwürfe tatsächlich alle nur die Fassade beibehalten, werden wir sehen. Für mich hat es immer etwas Ekelhaftes, wenn sich hinter einer alten Fassade ein reiner Neubau offenbart. Das hat etwas von Face Transplant. So ein alter Bau ist für mich etwas Gesamtes, ihn im Erhalt auf die Fassade zu reduzieren, erscheint mir absurd und denkmaltechnisch nicht ehrlich.

    Es soll doch hoffentlich der offene Platzcharakter erhalten bleiben. Wie oben vorgeschlagen sähe es aus, als stünde die Kirche in einer Duschtasse. Auch wäre es irritierend, wenn die unverwechselbare Gestaltung der Tauentzien-Mittelachse plötzlich nach rechts auf die Platzfläche rutscht. Ich würde die Teile konsequenterweise dann auch gleich an der U-Bahn und im Tiergarten vermuten. ;-) Kurz gesagt: Der Tauentzien ist der Tauentzien, und der Breitscheidplatz ist der Breitscheidplatz. Partnerlook fände ich da ziemlich unpassend. An der Einmündung zur Kantstraße hat man die Sache doch mit extrem dicken Pollern gelöst. Diese sind dann nur war für Terroristen in LKWs ein Hindernis, ermöglichen aber - andesr als Blumenwannen - einen freien Fußgängerverkehr.

    Bisherige Bundesplanungen für Luisenblock sind Makulatur


    Ich freue mich gerade sehr, dass die aus meiner Sicht grausigen Planungen für die Erweiterung des Band des Bundes in die historische Friedrich-Wilhelm-Stadt hinein vom Tisch sind. In der heutigen Morgenpost heißt es dazu, Verdi als Eigentümer des Altbaus am Schiffbauerdamms habe sich erfolgreich dagegen durchgesetzt, den vorletzten Repräsentanten der ehemals schmalen Parzellierung am Ufer zugunsten einen biomorph wabernden Neubaus in Glas und 'Eiform' abzureißen. (An dieser Stelle von mir 1000 Dank an Verdi; dass elyptisch gebogene Fassaden keine lesbaren Stadtäume schaffen, weiß eigentlich jeder, der sein Architekturstudium erfolgreich abgeschlossen hat.)


    Im Artikel heißt es, das Land lege Wert auf Wegeverbindungen durch den Block hin zum Bahnviadukt. Zudem soll es belebte Erdgeschosse, Wohnungen und Platz für Gewerbe geben, um einen reinen Behördenstandort zu verhindern. (DANKE! ;-)) Gerade dieser Wunsch verspricht ein anderes Ergebnis als am Kapelleufer, wo das Bundesministerium für Forschung mit seinem hermetischen Sockel eine tote Uferstraße bedingt.


    Nun gut. Noch in diesem Jahr soll es einen neuen städtebaulichen Wettbewerb geben, dessen Ergebnisse für nächsten Sommer erwartet werden.


    Da der Artikel hinter der Bezahlschranke liegt, erlaube ich mir, auf diesen Beitrag im Nachbarforum zu verweisen, in dem der Inhalt benannt wird:

    https://www.architektur-urbani…enblock-ost.34/post-16370


    https://www.morgenpost.de/bezi…-im-Berliner-Zentrum.html

    ich frage mich immer, wann der Plattenbau in der Friedrichstr. zwischen Jägerstr. und Französichestr. (mit dem orange-schwarz karierten Motiv) eine Aufwertung erfährt...

    https://www.google.com/search?…yEM&imgdii=RCvixgEEDpCoeM


    Diesen Bau fand ich in den 80ern ziemlich shitty. Vermutlich, weil dieses Orange-Rot damals völlig out war. Der Bau hatte in seiner Erscheinung auch immer etwas "Schmutziges". Inzwischen aber finde ich ihn so skurril, dass ich ihn fast ein bisschen mag. Aber das gilt für viele Plattenbauten dieser Zeit. So mancher Vertreter war damals eingentlich ganz schön uncool und in der Ausführung teils lachhaft. Inzwischen aber sind diese Bauten allesamt Repräsentanten einer besonderen Typologie im Stadtbild. Ihre energetische Sanierung bedingt dann leider den vollkommenen Verlust ihrer typologischen Identität. Das Wenigste, was man allerdings tun könnte, ist, sich möglichst eng an der ursprünglichen Gliederung der Fassade zu orientieren. Denn das waren damals ja alles keine schlechten Architekten.


    Aus diesem Grund bedauere ich auch die Art der Sanierung gegenüber dem Friedrichstadtpalast. Dort hat man im Prinzip nur Pappe aufs Haus getackert und dann alles verputzt. Zu DDR-Zeiten indes wurde der Eckbau als eigene Parzelle vom Nachbarn in der Claire-Waldoff-Straße durch eine simulierte Rustizierung bis zum 5. OG hinein abgesetzt, die sich in einer zeittypischen Formensprachen nach oben verjüngt. Wer heute beklagt, dass in den 50er Jahren Stuck von den Häusern geschlagen wurde, müsste den Wegfall solcher Gliederungen genauso kritisieren.

    Ein aktueller TV-Beitrag des RBB blickt unter dem Titel "Weltberühmter Unort" noch einmal generell auf das Kulturforum. Die Haltung des recht mittelmäßigen Films ist weniger kritisch als ihr Titel. Interessant für mich ist eine darin gezeigte Ausstellung zur Historie der Anlage mit Modellen der nicht realisierten Bauten Gutbrods. Auch neu war mir, dass das Stegesystem der Plus-Eins-Ebene die Piazetta per Steg mit dem Tiergarten verbinden sollte. Hierfür stehen bis heute sogar schon manche Stützen.


    Aus den historischen Gründen ist hier meiner Meinung nach auch nicht von "Schuld" zu sprechen. So haarsträubend es heute wäre, diesen innerstädtischen Raum so behutsam zu bebauen, so sehr ist die Bebauung in meinen Augen bereits heute ein eindrucksvolles historisches Zeugnis, wie dramatisch anders die Situation Berlins noch vor kurzem war. Irgendwie wusste man damals ja, dass wir in Berlin ein bisschen in Never-Neverland gelebt haben, mit recht erschwinglichesn Townhouses mitten in der Stadt und 150-Quadratmeterwohungen für 850 warm. Inzwischen hat uns die Realität eingeholt. Aber diese Häuser am Schlachthof bleiben ein ganz eindrückliches Zeugnis ihrer Zeit.

    Der Verhinderungsgedanke der Berliner Politik klingt für mich hier mal wieder wie eine Posse aus dem Irrenhaus. Da hat man eine breite Ausfallstraße, die nach einer Einfassung schreit. Und zugleich schreit einem die dämliche Brandwand des SoHo-Hauses ins Gesicht. Es kommt ein Investor, um in Zeiten von Büroraummangel und Wohungsnot unweit des Alexanderplatzes eine bereits versiegelte Fläche mit einem anspruchvollen Bau im Sinne der Traufhöhe effektiv zu nutzen, und alles, was man vom Bezirk hört, ist, dass man es leider nicht verhindern könne. Wer wählt solche verrückten Leute eigentlich für diese Ämter aus?

    Die Planungen riechen auf jeden Fall nach etwas mehr Vielfalt und Überraschungen im Stadtbild, weil nicht alles auf die selbe Form herunter gestutzt wirkt. Wie wohltuend, wenn dann auch noch die Formensprache und Behandlung der Volumina etwas variieren sollte. Hoffentlich ist bis dahin auch die Ära der quälenden Raster endlich überwunden.

    ^ Hallo Novaerion, ich habe diese Städte genannt, weil man sich dort unbefangen traut, etwa eine Putzfläche minimal zu profilieren, ohne gleich den Vorwurf des "historischem Dekors" zu ernten. Welcher Neubau in unserer Stadt ist denn zurzeit nicht als historisch zu bezeichnen? All das, was die verbissene Fraktion der angeblich Modernen fabriziert, ist doch auch nur das 1000ste Aufbraten von Zeug aus den Sechzigern und Siebzigern. All die peinliche Verzückung bei ein bisschen Rauhbeton, der in aktuellen Bauten fast ausnahmslos ein kraftlos-uninspirierter Abklatsch von "Historischem" ist. Und, mein Gott, dann sollen sie doch - ganz nostalgisch - für die Spätmoderne schwärmen. Aber dann muss man auch nicht die Nerven verlieren, wenn sich andere eines Minimaldetails aus den Fünfzigern, Achtzigern oder Vierzigern bedienen. Du schimpfst dann gleich von "Kisten mit Altbauflair". Dabei erkennt selbst jeder mit Tomaten auf den Augen, dass es sich um bekennende Gegenwartsbauten handelt, die im ürbigen sehr begehrt und beliebt sind, weil sie proportional vielleicht gar nicht so abartig sind, wie du meinst, und dazu nauch noch nicht einmal die bei dir so verhassten bodentiefen Fenster aufweisen. Kurz gesagt: Ich frage mich, warum ein so lächerlich harmloser Bau zur Projektionsfläche von so vielen, teils zweifelhaften, Feindbildern werden muss.

    ^ Dann müsstest du dein Paris (und auch London, Mailand, Barcelona, Madrid und selbst New York) dem Erdboden gleichmachen wollen. Ich bin im Übrigen sicher, dass 90 % von dem Krempel, der euch so arg gefällt, auch nichts anderes ist, als olle Repetition von architektonischer Sprache, die es schon vor vielen, vielen Jahrzehnten gab. Und dann so ein Fuzz wegen ein bisschen Putz. Lächerlich.