Beiträge von Wagahai

    Als Viel-Reisender (leicht reduziert wegen Corona) könnte ich nicht bestätigen, dass der Anspruch in vergleichbaren deutschen Großstädten an die moderne Architektur deutlich höher wäre als in Stuggi, meistens liegt Stuggi eher leicht höher. Es ist daher überhaupt kein Stuggi-spezifisches Problem, sondern ein Problem Dlands insgesamt (auch wenn wir hier mich eingeschlossen, oft aus Frust einen anderen Eindruck erwecken). Ein Blick in die Niederlande, Frankreich, Österreich oder Spanien reicht. Frankfurt und Hamburg sind m.E. die einzig ambitionierten Großstädte, mit Abstrichen vielleicht noch Berlin, die mir in Dland halbwegs positiv auffallen. Der Anspruch in ganz Dland sollte daher angehoben werden, wobei die Hürden hierfür vielfältig sind (Bauvorschriften, Bürokratie, konservative Gestaltungsbeiräte, Bevölkerung, NIMBY), und gar nicht leicht zu überwinden.

    Von der Fassade wurde angesichts des uninspirierten Wettbewerbsentwurfs und der Grünzeug-Querelen in der Folge überschatteten Vorgeschichte wenig erwartet. Nachdem LBBW und Cloud bereits einigermaßen gut daher kommen, war der mittlere Turm für mich aber nicht mehr ganz so wichtig. Hauptsache, die Zahnlücke ist gefüllt (ja, ich weiß, es hätten insgesamt mehr und steilere Zähne sein können) und gut, dass wir hier das leidige Hochhausthema (mit einem zugekniffenen und einem weinenden Auge) abschließen können. Jetzt bitte aber noch die letzten Flächen im Europaviertel ordentlich bebauen, dass das zu lange unfertige Viertel endlich als erstes S21-Ensemble erlebbar wird. Insgesamt lässt sich aber das Ergebnis sehen, zumal das Europaviertel + teilweise Heilbronner Straße das bisher einzige größere Neubauviertel Stuttgarts im Kern-/Mischgebiet (auch bundesweit gibt es freilich wenig wirklich gelungene Beispiele, selbst im europäischen Ausland lassen sich diese wohl an einer Hand abzählen) ist, an dem man einen gewissen Anspruch an die moderne Architektur erkennen kann. Für die nächsten Bauvorhaben wünsche ich allerdings eine kräftigere Farbgebung und eine weniger kantige Formensprache, als Abwechslung.

    Entschuldige, aber auch Prag und Bratislava spielen in keiner Weise in der wirtschaftlichen Liga von Klein-Stuggi. Prag hat sicherlich ganz erheblich mehr Touristen und ist zweifelsfrei wunderschön, Bratislava mit gewissen Abstrichen, aber immer noch recht schön.


    Nur mit Stuggi vergleichbar sind diese Städte abseits der wirtschaftlichen Vergleichbarkeit oder der Einwohnerzahl schon deshalb nicht, weil diese längst nicht so zerstört wurden im Krieg, wie es eben bei allen deutschen Großstadt-Innenstädten der Fall war. Die Ausgangssituation ist eben eine völlig andere. Daher hinkt der gebetsmühlenartig in regelmäßigen Abständen bemühte und bemüht wirkende Vergleich "nicht zerstörte ostdeutsche oder osteuropäische (Alt-) Städte - zerstörte westdeutsche Städte" in den allermeisten Fällen, und nervt entsprechend.


    Du kannst auch nicht New York mit Rothenburg ob der Tauber vergleichen. Oder soll New York die Altstadt von Nieuw Amsterdam in Manhattan wieder aufbauen? Warum reißt man nicht alle Plattenbauten im Osten ab? Findet sie jemand schön? Was ich sagen möchte: Jeder Ort hat eben seine Geschichte, seine Zwänge, seine Chancen. Veränderungen müssen möglich sein, um gewollt zu werden, und anders herum.


    Allein Warschau könnte man wegen der Zerstörung im Krieg noch halbwegs mit Stuggi oder jeder beliebigen deutschen Großstadt vergleichen, wenn auch wirtschaftlich gesehen in der Region Stuttgart das BIP das doppelte des Pendants der Region Warschau beträgt. Allerdings: Warschau wurde im Krieg geradezu vernichtend zerstört - um ein Vielfaches von Stuggi.


    Stuggi ist schon aus diesem Grund bereits 10mal schöner und lebenswerter als Warschau (ja, ich hatte einige Tage Gelegenheit, mir vor allem die Innenstadt intensiv anzuschauen), wohl wissend, dass hier die Deutschen maßgeblich Schuld daran haben, dass die Stadt - ja, trotz der wieder aufgebauten Altstadt, trotz langsam wachsender Glitzer-US-Skyline - heute so aussieht, wie sie nun einmal insgesamt leider aussieht. Du hast daher recht, hier hängt Warschau Stuggi ganz gewaltig ab, nur leider im Negativen.


    Und dass Stuggi bereits jetzt "attraktiv, gepflegt und durchaus auch dicht und urban" ist (nach München und Berlin und mit Frankfurt die am dichtesten besiedelte Großstadt Dlands, und das bei gleichzeitig 60% Wald/Grünfläche), da habe ich eigentlich auch überhaupt keine Zweifel. Es ist vielmehr so, dass Stuggi in den letzten Jahrzehnten - ähnlich wie Frankfurt und München - derart von Talenten, und die es sein wollen, förmlich überrannt wurde (nicht zuletzt durch Osteuropäer), dass wir seit Jahren ein chronisches, massives und ungelöstes Wohnungsdesaster haben, in Stuggi und im Umland, so dass die Stadt - und hier die berechtigte Kritik - die seit Jahren verschnarchte Wohnungs- und Baupolitik "nach Stuttgarter Maß" (OB Kuhn, Grüne, kürzlich abgewählt) auf keinen Fall fortsetzen kann.


    Und - bei allem Respekt, auch wenn hier vor allem die Stadtpolitik in den letzten Jahren in dieser Hinsicht richtig schwach war, Stuggi war und ist noch in den meisten Disziplinen längst seit Jahren auf der Pole Position, wo andere, auch die von Dir genannten Städte des "Neuen Europa" im Vergleich noch eher bescheiden um die Ecke kommen (Warschau und gepflegt passt wohl nur auf wenigen qkm). Auch das kein Wunder nach voran gegangenen Jahrzehnten des gescheiterten Sozialismus, so gesehen sind die vor allem in Polen doch einigermaßen rasanten Entwicklungen der letzten Jahre - freilich unter sehr aktiver Nutzung des EU-Strukturfonds u.a. - natürlich immer noch eine tolle Sache, auch wenn man angesichts der politischen Lage wieder drauf und dran ist, alle bisher erworbenen Sympathien leichtfertig zu verspielen.


    Sicher ist das so, dass Stuggi aufpassen muss, nicht auf dem bisher Erreichten zu verharren, und sich - trotz der für eine deutsche Großstadt außergewöhnliche Schönheit in Lage, aber auch in der Bebauung, mit viel weniger Brutalismus als in anderen Großstädten, wobei München ausgenommen werden muss - ggf. auch drastisch verändern muss, auf eigene Weise, aber durchaus mit Tempo. Dabei ist Architektur aber immer nur ein Baustein von vielen, wenn auch der schönste fürs Auge, wenn es gut läuft. Hier wünsche ich mir in der Tat mehr Mut, mehr Mut zu interessanten Formen, zu neuen Höhen, meinetwegen auch zu ökologisch innovativen Konzepten, sofern die Vorteile in der Summe überwiegen. Dort, wo der Krieg seine Spuren noch immer sichtbar hinterlassen hat und wo immer sich eine Chance auftut, die Flickschusterei nach dem Krieg zu reparieren, meinetwegen auch mit völlig neuen Konzepten, die sich nicht am Vorkriegszustand orientieren können, sollte das auch getan werden, ohne sich im leidigen Parteien- und Ideologie-Hickhack zu verlieren. Das lief nämlich exakt Jahrzehnte so. Da haben viele deutsche Städte ähnliche Herausforderungen zu bewältigen, die einen machen es besser, die anderen schlechter.

    Alle Jahre wieder, BS-Diskussion live aus dem vorurteilstriefenden Schneckenhaus. Was mich unweigerlich leicht philosophisch angehaucht (wieder) fragen lässt: Gibt es noch menschliche Evolution?


    Wir können doch nicht ernsthaft eine westdeutsche, erfolgreiche Wirtschaftsmetropole, 2,7 Mio. Ew. im Ballungsraum wie Stuggi mit ostdeutschen Kleinstädten oder gar mittelbedeutenden Städten in Polen vergleichen - auch noch mit einseitig tendenziöser Bilderauswahl, was natürlich an Fake News/Kindergarten grenzt. Schon der Gedanke ist ziemlich absurd.


    Dass hier im Stuggi-Forum hin und wieder bis regelmäßig über die Stadt und ihre lokale Stadtspitze geklagt wird, heißt doch nicht, dass wir, zumindest sollte es den meisten wie mir gehen, Stuggi nicht (offen oder insgeheim) für die schönste, lebens- und liebenswerteste Großstadt (hier meine ich nur Städte über 500.000 Ew.) Dlands halten. Dass das bei der Imagebildung bei Auswärtigen nicht selten zu groben Missverständnissen führt, ist allerdings bekannt und sicherlich auch verbesserungsfähig.


    Und der Grund, warum ich u.a. nach Tokyo, München, Amsterdam und Frankfurt letztlich als Wahlstuttgarter (noch) hängen geblieben bin, sind eben die schönen Gründerzeitviertel S-Süd und -West, die Weinberge in U´türkheim & Co., das viele Grün, die die Stadt, bei zugleich allem erdenklichen Großstadtkomfort (und das sagt am Ende ein waschechter Tokyoter), auf den ich nicht verzichten muss, außergewöhnlich lebenswert und teilweise ganz erheblich attraktiver machen als die anderen, brauchbaren deutschen (Halb-)Metropolen, wobei für mich aber auch leider nur Hamburg, Ddorf, München oder Frankfurt, mit deutlichen Abstrichen gerade noch Berlin überhaupt in Frage kämen. Und ich kenne alle diese Städte sehr gut, weil ich berufsbedingt regelmäßig in diesen zu tun habe und/oder zeitweise auch gelebt habe.

    Ja, sie war insgesamt völlig amateurhaft, was nicht per se unsympathisch sein muss, aber für einen OB-Posten einer auch bundesweit doch wichtigen Großstadt schwer vorstellbar, dass sie repräsentieren soll. Bei Nopper oder dem Jungen war das unproblematisch vorstellbar.

    Als gescheitert kann man auch den Versuch Rockes betrachten, dem Jungen den Schwarzen Peter als „Noppermacher“ zuzuschieben, indem er diesen bezichtigte asozioökologisch zu handeln, wenn er nicht zugunsten von Frau Kienzle zurück zöge. Tatsächlich aber war Rocke natürlich der Ego Shooter: Ähnlich wie Körner wollte er nicht zulassen, dass ein Neuling in der Stadtpolitik (Rocke: Ich seit 25 Jahren Kommunalpolitiker) aus dem Stand locker an ihm vorbei zieht. Dass ein Kandidat der Mitte wie der Junge nach Rückzug von Kienzle sowieso die besten Chancen gegen Nopper hat, war dabei aber für jeden vernünftig Denkenden offensichtlich. Daher muss sich Rocke diesen Schuh schon anziehen. Hoffen wir, dass Nopper die Probleme der Stadt sauber erfasst und sich als echter Impulsgeber und nicht als Verwalter begreift. Für mich klang das alles etwas zu zurückhaltend. Bitte mehr Mut.

    Hier tut sich endlich was, Parkhaus ist weg, Bauschild steht, in Bau.


    Offenbar drei Scheiben, 6 Geschosse, wma sind wohl die Architekten. Hallesche ist Ankermieter.


    Projektwebsite

    https://www.unmuessig.de/proje…/stuttgart-degerloch.html


    Visualiesierungen

    https://www.unmuessig.de/filea…tuttgart_1_2bbbd95d93.jpg

    https://www.unmuessig.de/filea…ung_Neubau_86876dacb1.jpg


    Immobilienzeitung

    https://www.immobilien-zeitung…nmuessig-baut-headquarter

    Böse Kritik in der StZ an Lederer-Bauten gab es solange ich mich erinnern kann, noch nie und das wird sich vermutlich mit Frau Kabatek auch nicht groß ändern. Einigermaßen markant ist der Bau sicherlich, indes aber auch zu wenig fantasievoll wie ästhetisch nicht dominant genug, um die LaBi-Alt, die ich nach wie vor für ziemlich grausig halte - halbwegs vergessen zu machen. Ich hoffe, dass bei anderen Projekten in der nächsten Zukunft endlich auch mal andere interessantere Architekten zum Zuge kommen, etwa wenn der Akademiegarten bebaut werden könnte (und sollte, auch im Sinne einer Stadtreparatur). Allgemein: LRO-Prägung in der Innerstadt haben wir m.E. wirklich langsam genug.

    Die Grünen haben - warum auch immer - zu lange gehofft, dass die Wahl in Stuggi wie der Trend in den letzten Jahren anderorts auch ein Selbstläufer wird, egal mit wem man ins Rennen geht. Dem war nicht so, warum: 1. Vergangene acht katastrophale Jahre der Nullleistung, wenn nicht Negativleistung, in fast allen, elementaren Disziplinen, die diese wunderbare Stadt allerschleunigst zu meistern hat, 2. Eine Kandidatin, der man das - zugegeben nicht einfache - Amt schlicht nicht zutraute, weil es an Management-Skills fehlt, wobei ich ihr allerdings am Ende aber doch mehr zugetraut hätte als Fritzle, da sie wenigstens ausreichend kommunikativ gewesen wäre, um für wichtige Entscheidungen alle Akteure einzubeziehen und mit diesen zu ringen, statt sich einzuigeln wie manch anderer in der Stadtspitze.


    Der Tagesspiegel indes sieht die Chancen für den Jungen aus der Ferne bei 50/50 und lobt seinen unkonventionellen bzw. modernen Wahlkampf.


    https://www.tagesspiegel.de/th…len-gewinnt/26667044.html


    Spannend.