Beiträge von Wagahai

    Scheidender Fritzle im StZ-Interview 19.12.2020:


    Zur Frage des Eindrucks des Stillstands: "Ich habe als OB vieles gesät, werde aber nicht alles ernten können."


    Worauf ist er besonders stolz: "Sanierung Wagenhallen", ihm sei es gelungen "die Villa Berg einer Heuschrecke zu entreißen und der Stadtgesellschaft als Ort der Kultur zurück zu geben"


    Wie sieht er die Zukunft Stuttgarts: "Wenn wir weniger rumschimpfen würden, würden wir mehr erreichen. Stuttgart hat alle Potenziale für eine gute Zukunft".


    Damit schließt sich hoffentlich eine Ära des dauerhaften Schimpfenmüssens. Möge ein neuer OB Nopper weniger Anlass hierzu geben und uns auch städtebaulich wie verkehrlich endlich auf die richtige Spur bringen.

    Hatten nicht ThyssenKrupp Elevators ursprünglich mit einem Standort für einen Testturm in der Nähe von Stuttgart geliebäugelt, bevor Rottweil schließlich den Zuschlag erhielt? Noch mal 200m drauf packen und Fellbach hätte dann den längsten. Testturm. Spaß.


    Man kann nur hoffen, dass sich bald ein neuer Investor findet. Für mich ist das auch schwer vorstellbar, dass man so ein etwa in Ostasien völlig alltägliches Projekt in Dland nicht innerhalb von 1-2 Jahren problemfrei fertigstellen kann. Und das bei einer immer noch ungelösten, Flächen deckenden Wohnungsnot.


    Wenn sich kein Investor aus der Privatwirtschaft meldet: Warum beteiligen sich z.B. nicht die städtischen Wohnungsgesellschaften in der Region an dem Projekt, wo doch hier auf einen Schlag viele Wohnungen realisiert werden können (wobei ich allerdings nicht weiß, ob die Satzungen der Gesellschaften Finanzierung auf „fremder“ Gemarkung zuließen)? Das käme letztlich der Region insgesamt zu gute.

    Äh, ich bin Stuttgarter -- und weiß genau deswegen so gut, warum es in Stuttgart etwas ... speziell ist.


    Nö, überhaupt nicht. Je länger ich in Deutschland lebe und herumkomme, desto mehr hat sich die Erkenntnis verfestigt, dass sich insbesondere die deutschen Großstädte relativ ähneln, sei es Struktur, Menschen, Angebote, Probleme, was einerseits etwas enttäuscht, aber anderseits auch wieder beruhigt. So richtig heraus sticht in Deutschland eben keine Stadt, mit Ausnahme allerdings von Berlin, bezogen auf die Einwohnerzahl, wobei 3,6 Mio Ew. in einem 80 Mio.-Staat eher wenig sind.


    Es ist ja kein Wunder, dass viele Stuttgarter und Schwaben nach Berlin gezogen sind.


    Das ist wohl der Zeit geschuldet, als man (und nicht nur Schwaben) nach der Wende völlig naiv glaubte, Berlin werde jetzt das ganz große Ding - eine Megametropole mit enorm konzentrierter politischer, wirtschaftlicher und künstlerischer Wucht, Verdoppelung der Einwohnerzahlen (konnte in der Bonner wie Berliner Republik mit verfassungsrechtlich garantierter Einheit bzw. Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse im Staatsgebiet natürlich nichts werden). Das haben damals wirklich viele gedacht, ja, mich inklusive (ich kam allerdings seinerzeit aus Tokyo nach Dland). Nach 10, 20, 30 Jahren wich die anfängliche Euphorie dann der Ernüchterung (insbesondere zu deutlich im direkten Vergleich mit den echten Weltstädten wie London, Paris, New York oder Tokyo, aber selbst im Vergleich zu den westdeutschen Halb-Großstädten), phrasige Welt-Boomtown-Phantasmen verblassten ("arm aber sexy" machte später die Runde) mit der Zeit immer mehr (die Hartnäckigkeit der Behauptung hat aber offenbar wie etwa auch in diesem Forum teilweise überlebt). Soviel Geld und Herzblut reingesteckt, der Wunsch nach "Wir sind wieder wer - Weltstadt" war groß - hat nicht sollen sein, zumindest noch nicht, aber nach dem Lauf der Dinge werde ich es sehr wahrscheinlich nicht mehr erleben. Da flüchtet man sich doch lieber wieder in die goldenen 20er, siehe "Babylon Berlin" (tolle Serie).


    Ich weiß daher nicht, ob anno 2020 Berlin immer noch einen Zuzugs-Sog auf die Westdeutschen hat und hätte (müsste man mal Statistik anschauen), ich vermute mal nicht. Viel eher war im letzten Jahrzehnt umgekehrt der Zuzug in die westdeutschen erfolgreichen Großstädte und deren Umland sehr bemerkenswert, insbesondere nach München, Frankfurt und Stuttgart (chronische Wohnungsnot). Daher: Nein es wäre ein Wunder, wenn heute noch Stuttgarter und Schwaben massenhaft nach Berlin zögen. Für ein Jahr würde ich es selber aber durchaus machen (ohne Schwabe zu sein, allerdings).


    Ich wohne übrigens nicht im Prenzlauer Berg und habe dort auch nie gewohnt. Und ich betreibe vor Dritten auch nie Stuttgart-Bashing, sondern habe auf eine Frage von "Regent" geantwortet.


    Das einigermaßen Tragische an den nach Berlin ausgewanderten Stuttgarter Schwaben (Der Schwabe ist ja in Stuttgart eine von vielen Minderheiten, wie auch in Berlin) ist nicht selten - und das ist nur meine persönliche Beobachtung - dass sie nach und nach das Stuttgart-Bashing verinnerlichen (oft sogar unbewusst!), zum einen um sich dem Berliner Umfeld anzubiedern, anderseits auch gegenüber den besorgten Daheimgebliebenen, aber auch gegenüber sich selbst, um sich regelmäßig (bei manchen nimmt das gar manische Züge an) zu rechtfertigen, warum man "immer noch" in Berlin ist (trotz im Vergleich chronisch schlecht bezahlter Jobs, oft Irgendwas mit Medien). Das führte bei dem(r) einen oder anderen folgerichtig zu einer gewissen Verklärung der realen Verhältnisse in Berlin, Feindbilder entstehen, gepaart mit einer gewissen Gereiztheit (kann, muss nicht bei Dir so sein). Das ist eine Beobachtung, die ich bei etwaigen Auszügen von Stuttgarter Schwaben in andere Regionen Dlands so nicht registriert habe (Frankfurt, Köln etwa). Es scheint daher ein Berlin-spezifisches Phänomen zu sein.


    In Stuttgart kann man nicht nur gut, sondern sogar sehr gut leben -- wenn man keinen Wert auf ein schönes Stadtbild und auf eine breite Gastroszene Wert legt.


    Ich bin gerade wegen des für eine deutsche Großstadt sehr seltenen schönen Stadtbilds + Hanglage in Stuttgart hängen geblieben. Und dass Berlin insgesamt "ein schönes Stadtbild" hätte, kann man glaube ich (selbst den "Verklärungsbonus" wie oben berücksichtigt) nicht wirklich ernsthaft behaupten. Es gibt einige beachtliche, toll wieder her gerichtete Viertel (wobei die moderne Architektur mich nur teilweise überzeugt), gar keine Frage, aber in meinem Gesamteindruck ist und bleibt Berlin doch eine Stadt, die in der Mehrzahl aus grauen, breit-flachen Blöcken besteht, wo zwischendrin Unkraut aus Bodenplatten sprießt und damit auch eine gewisse Trostlosigkeit. Was nicht heißt, dass ich Berlin aber insgesamt - trotz des eher (entschuldige) hässlichen Gesamteindrucks - als Stadt (war vor Corona-Zeiten geschäftlich wie privat 3-4 mal jährlich da) nicht sehr gerne hätte, trotz der Jahrzehnte der Enttäuschung, was die Entwicklung betrifft, ist die Stadt immer noch (vor allem historisch) interessant und in seinem mehr oder weniger kreativen Chaos irgendwie doch immer wieder drollig und unique.


    Bei der Zahl an Dönerbuden und -fabriken kann Stuggi sicher nicht mithalten, aber wenn man sucht, findet man mittlerweile schon ein auch qualitativ sehr gutes, breites Angebot, was man aber sicher quantitativ noch steigern kann und auch sollte (hoffentlich findet die Gastronomie hier noch nach Corona die Kraft). Daher kann ich Deine Behauptung oben ganz klar für mich jedenfalls zurück weisen. Natürlich habe ich in Berlin auch schon gut bis sehr gut gespeist.


    Übrigens wird im Stuttgarter Forum mehr gemeckert als im Berliner Forum, und das zu Recht. Fakt ist, dass Stuttgart durch viele Neubauten in den letzten 10 - 15 Jahren spürbar abgebaut hat. Mit dem "KronprinzCarré" wird jedenfalls das Hofbräueck "kongenial" ergänzt.


    Wenn Du Stuttgarter bist, solltest Du das eigentlich wissen, ich musste es erst lernen, aber der Stuttgarter wird seine Stadt nie wirklich loben, sondern in erster Linie zubruddeln, ist aber gekränkt, wenn andere diese (Selbst-)Kritik (zu) ernst nehmen. Bei den Berlinern ist es eher so, dass sie nicht selten die Stadt (fernab jeder Realität) zu sehr über den Klee loben, dass man ihnen darauf relativ schnell die Ernsthaftigkeit insgeheim oder offen abspricht, worüber er natürlich auch nicht amused ist.


    Nein, Stuttgart hat in dieser Zeit sicher nicht abgebaut, sondern hat erstmalig nach dem Krieg viele auch qualitativ gute Neubauten hinzugewonnen. Allein in den letzten Jahren kam die eigentlich ganz gute Entwicklung ins Stocken, nicht zuletzt durch den Euphemismus "Wachsen nach Stuttgarter Maß" fürs tatsächliche Nichtstun im Städtebau. Richtig ist, dass man an der einen oder anderen Stelle mutiger hätte sein können und eigentlich müssen, aber auch das ist kein Alleinstellungsmerkmal Stuttgarts. Wäre es so, wäre die moderne Architektur etwa in Berlin auch aufregender.

    Fertigstellung ist aber nicht 2050? Nein, mir gefällt der Entwurf auch relativ gut. Schön, dass hier weder Riegel noch zu kleinteilig vorgeschlagen wurde, die Innen/Draußen-Höfe sind recht mutig. Gerne mehr davon.

    Was soll das sein?


    Ja, ich spreche Niederländisch, habe auch mal in Amsterdam gewohnt, bin auch regelmäßig geschäftlich dort, Du auch? Und kein Einheimischer dort fand und findet die deutsche moderne Architektur für besonders interessant. Außer das Mercedes Benz Museum, allerdings ist es auch von einem Niederländer. Oder das Porsche Museum. Ups, von einem Österreicher. Mist.


    Ich denke schon, dass ich weiß, was u.a. im europäischen Ausland abgeht, ja, ich interessiere mich schließlich schon ca. 25 Jahre dafür und habe so gut wie alle Länder i.d.R. auch mehrfach bereist. Du auch? Das Netz allein führt ja leicht zu Fake News.

    D(T)rollig. Soll ich mir das alles durchlesen?


    Witzig, im Schwesterforum heulen Niederländer und besonders Österreicher über die Qualität ihrer Neubauten und schauen neidisch nach Deutschland.


    Seit wann ist das SSC unser Schwesterforum?


    Welchen Beitrag meinst Du konkret? Behauptungen sind ja dem Beweis zugänglich.


    Behauptung: Österreicher und Niederländer finden die deutsche moderne Architektur im Vergleich so dufte, dass sie in SSC sogar heulen müssen.