Beiträge von Baukunst

    An der Wilhelmstraße gibt es praktisch nichts mehr aus der Vorkriegszeit: Zwei Gründerzeitbauten ganz im Süden in Kreuzberg (eines davon ist ein besetztes Haus - Ich glaub Tommy-Weissbecker-Haus oder so), einige Meter nördlich ein stark überformter Gründerzeitler, dann ewig nichts, dann das ehem. Luftfahrtministerium und schließlich im Norden der Altbauteil des Verbraucherschutzministeriums und an der Ecke Behrenstraße ein weiterer preuß. Ministeriumsaltbau. Das wars. Insgesamt sechs Gebäude. Der Rest ist nach 1945 entstanden. Mit viel gutem Willen könnte man die erhaltene Gründerzeit-Rückbebauung nördlich des Eckhauses Leipziger/Wilhelm dazuzählen (auf der anderen Seite der tschechischen Botschaft).

    Muss ich zustimmen Isek! Die SZ kannste als objektive Beobachterin glatt vergessen. Erhobener Zeigefinger und Selbstbeweihräucherung zeichnen die ehemals so großartige Zeitung aus. Naja, sitzt eben ne neue Journalistengeneration drin, die scheinbar München nie verlassen hat, es sei denn nach Italien :) und daher manglels Vergleiche nicht merkt, welches Mittelmaß da aufgeblasen wird zu Weltarchitektur.

    Die Augustenhöfe sind es ein zweischneidiges Schwert:
    1. Gar nicht mal schlechte historistische Architektur, sogar mit Dach, erträglichen Raumhöhen und einer schönen Farbgebung.
    2. Das Problem ist, dass damit die Homogenisierung des Viertels in Richtung teuer weiter voranschreitet. Das ist auch der Hauptkritikpunkt der Gegner, auch wenn gerne von einer hässlichen Architektur, die da entsteht, die Rede ist. Würden Sozialwohnungen so gebaut, wurde sich niemand über die Architektursprache des Hauses aufregen. Aber in unserer dem allgemeinen Selbstverständnis nach so sozialen Gesellschaft sehen Sozialbauten leider fast immer auch aus wie Sozialbauten. Komisch eigentlich. Das hat sogar die DDR in den 50er Jahren besser gelöst (Beispiel Arbeiter"paläste" in der Karl-Marx-Allee, formally known as Stalinallee).
    Die Augustenhöfe sehen nur deshalb so gut (oder erträglich - je nach Geschmack) aus, weil die Wohnungen sündhaft teuer werden. Für den Durchschnittsverdiener bleibt der 25. Aufguss der 60er Jahre Wohnzeile.
    Bedauerlich.

    iconic:
    Das Centre Pompidou oder die neue Staatsgalerie in Stuttgart sind ohne regionalen Bezug, schick zwar, aber eben international. Im Unterschied dazu zitiert die Neue Pinakothek von Branca den Rundbogenstil, der in Bayern Mitte des 19. Jh en Vogue war und verortet sich damit regional. Vielleicht ist das die Besonderheit der Münchner Architektur zu dieser Zeit. Wobei ich zugeben muss, dass der Gasteig nicht unbedingt typische Gestaltungselemente trägt. Oder seht ihr die?
    bayer:
    U-Bahn ja, vor allem die von Branca gestalteten Stationen (etwa Marienplatz), S-Bahn nein. Die S-Bahn-Station wirken 60er Jahre mäßig (Obwohl 70er) piefig und siffig (dieser dunkle scheußliche Kunststein in den unterirdischen Stationen) und haben keinen Style. Mir fällt wirklich KEINE S-Bahn-Station ein, die was hätte, um etwa als herausragendes Bauwerk eines Tages unter Denkmalschutz gestellt werden zu können.

    Die Möglichkeit für eine Clusterbildung befindet sich an der Einmündung der A9 am Frankfurter Ring. Hier lässt sich nichts mehr verschandeln, die ersten Hochhäuser stehen bzw. sind im Bau und die Skyline Münchens würde auch nicht "versaut". Wobei so gesehen auch eine Hochhausbebauung des Arnulfparks nicht geschadet hätte. Die berühmte Ansicht der Münchner Skyline ist sowieso Blickrichtung Nord-Süd mit den Alpen im Hintergrund. Oder ist euch schon mal die "berühmte" Ansicht von der Donnersberger Brücke aus Richtung Hbf in irgendeinem Werbeprospekt aufgefallen?
    Zur neuen Messe: Für sich genommen ganz ok bis zweckmäßig langweilig, aber das städtebauliche Umfeld ist Murks. Wie grandios hätte man die Reste des alten Flughafens einbeziehen können. Stattdessen: Totaler Kahlschlag, die Wappenhalle steht nur noch an einer einzigen Seite frei, der Tower wirkt verloren. Dabei hätte man hier ein Entree gestalten können, das zum Wahrzeichen getaugt hätte. Leider ist auch das Rund des Flugfeldes verloren gegangen. Auch hier wäre es sicher möglich gewesen, die Ablesbarkeit durch eine entsprechende Bebauung zu erhalten. Vielleicht kommt das ja noch, wenn die Messestadt Riem weiter wachsen sollte.
    Zum Flughafen: Er wird immer besser. Schick ist das neue Terminal und der mit Zeltplanen (?) überspannte hohe Innenhof. Etwas trostlos hingegen sind die lichtlosen Gänge mit den Ewig-Förderbändern im Untergrund des ersten Bauabschnitts. Grellfarbige Neonröhren und hier und da mal ein verlassenes Spielgerät komplettieren den Eindruck des Unbehagens.

    ^^
    Geht mir genauso. Blöd, wenn einen Architektur so sehr interessiert - es kann einem eben nicht wurst sein, wie schrecklich manche Gebäude daherkommen. Wobei man im Fall Wilhelmstraße leider sagen muss: Hier ist es auch schon egal. Eine hässlichere Straße findet sich in solch prominenter Lage nicht nochmal in Berlin. Beginnend an den Pollern der britischen Botschaft, nachkriegsmäßig am Willy-Brandt-Haus abknickend (sie mündete ursprünglich in den Belle-Alliance-Platz, auch bekannt als Hallesches Tor) hat diese Straße weder würdigen Anfang noch Ende. Sie wurde im Zuge der DDR-Bebauung verbreitert und der Wilhelmplatz ist auch verschwunden.

    Wie München tickt

    Ich darf noch dazu sagen, dass ich kein Berliner, sondern geborener Münchner bin. Daher hab ich mir die Freiheit genommen, München mal zu kritisieren. Natürlich wird mich vielleicht der ein oder andere als Netzbeschmutzer abtun. Aber das ist ok, ich hab nix dagegen, wenn man seine Stadt verteidigt, nur sollte man ein wenig reflektieren, ob wirklich alles sooo toll ist, wie man sich gerne einredet. Aber das ist vermutlich bei jedem Lokalpatrioten so.
    Ob Gasteig oder Neue Pinakothek, in den 70er/ 80er Jahren wurde wie bayer schon sagt "münchnerischer", besser gebaut. Schade, dass die Zeiten vorbei sind.
    Ganz vorne mit dabei war München übrigens in den 50er Jahren, da sind sehr viele tolle Sachen dabei, etwa die neue Maxburg oder die Allianz am Königsplatz - zum Niederknien! Selbst einfachste Wohnhäuser der Zeit, in der Maxvorstedt zu sehen, strahlen trotz bescheidenster Mittel mehr Flair aus, als was heutzutage in dieser wirtschaftlich so potenten Stadt hingesetzt wird. Auffällig ist jedoch, dass vielfach grausige Klötze stehenbleiben dürfen, während die besseren Sachen weggerissen werden. Um auch hier ein Beispiel zu nennen: Das Schwarze Haus.
    Aber ich hab noch Hoffnung.... immerhin gibt es Lichtblicke der Jetztzeit wie die neue Synagoge oder das Ritz am alten botanischen Garten.

    Wie München tickt

    Hallo liebe Freunde der Baukultur.
    Ich bin seit vielen Jahren begeisterter Leser dieses Forums, und zwar aller Städte und Regionen. Für meinen ersten Beitrag habe ich München, meine Geburtsstadt, gewählt. Hier hab ich die knappe Hälfte meines Lebens verbracht, die andere in Berlin. Deswegen bayer: wenn es in München eins nicht gibt, dann eine Berlinisierung! Und zwar weder architektonisch noch was die "Urbanität" als solche angeht (also keine Sperrstunde, ranzige billige Viertel, verschiedenste Szenen etc.) Du beschwerst dich über "Fleischkäse" und so. Find ich im Grunde genommen sympatisch, weil ichs ähnlich sehe. Aber dafür die Zugezogenen verantwortlich zu machen, ist falsch glaube ich. Zu meiner Schulzeit (in Muc) kannte ich viele Schüler, eigentlich fast alle, die zwar Münchner Eltern hatten, aber selbst kein Wort bayerisch mehr konnten. Die Münchner schämen sich für ihre Herkunft, das ist das Geheimnis. Zur Wiesnzeit tun alle bayerisch, aber sonst hat man seinen Lieblingsitaliener und ist sowieso total mediteran ;) Wer Bayern sucht, sollte München meiden...


    Zum Städtebau:
    Man kann über die Qualität des Städtebaus in Berlin streiten (ich halte ihn neben Frankfurt a. M. für den besten in Dtld.), aber München hat für eine Millionenstadt nun wirklich keine adäquate Architektur. Mir scheint, man ist hier in den 60ern/70ern einfach stehengeblieben. Siehe Riem, alte Messe oder Arnulfpark. Alles samt und sonders Müll. Sorry für die harten Worte, aber Städte, die halb so groß sind, wie Leipzig oder eben Frankfurt, bauen wesentlich urbaner. Damit meine ich nicht in diesem langweiligen Bürohausriegelstil, wie er für München so typisch ist. Und von Moderne kann auch nicht die Rede sein. In Hamburg, da wird wirklich modern gebaut und auch mal was gewagt, in München ist, wie im gesamten Leben hier, der Deckel drauf. Wenn man also die Mentalität einer Stadt anhand ihrer Bauten abzulesen versucht, bleibt für München leider nur eins: langweilig!


    So, Schluss jetzt mit Schimpfen, wollte mich und meine Gedankengänge nur mal vorstellen. Meine künftigen Beiträge werden weniger allgemein.