Beiträge von lguenth1

    Ich komme zu einer völlig anderen Einschätzung, auch basierend auf den jahrelangen Bemühungen um die Ernennung des Erzgebirges zum Weltkulturerbe:


    - Grenzüberschreitende Stätten sind deutlich aussichtsreicher als nur in einem Staat befindliche. Das trifft hier noch viel mehr zu, weil es völlig ahistorisch wäre, nur Leipziger Objekte hervorzuheben, während man die Zentren der Revolution in den osteuropäischen Nachbarländern oder in anderen ostdeutschen Städten ignoriert.


    - Man darf sich nicht verzetteln. Am Anfang stand auch das halbe Erzgebirge auf der Liste, was nicht akzeptiert wurde. Erst nach einem großen Ausmisten wurde der Antrag genehmigt.


    - Es ist lustig, dass der CDU-Antrag die Prüfung der Voraussetzungen der Unterschutzstellung verlangt, die kann man in ein paar Sekunden im Internet finden.

    Ich bin grundsätzlich skeptisch, ob sich Revolutionen mit den Unesco-Kriterien vereinbaren lassen. Nur weil auf dem Augustusplatz Demonstrationen stattgefunden haben, wird er nicht zu einem "Meisterwerk der menschlichen Schöpferkraft". Revolutionen erschaffen nicht, sondern zerstören.


    - Als Beispiel für ein "Zeugnis eines historischen Ereignisses in der Menschheitsgeschichte" kommen auch nur Objekte in Frage, die zusätzlich eines der anderen Kriterien erfüllen und einzigartig sind (Lutherstätten, Wartburg). Keines der genannten Leipziger Objekte hat auch nur annähernd eine solch herausgehobene Bedeutung als Einzelobjekt. Meines Erachtens gibt es keine einzige andere Welterbestätte, die vergleichbar mit den Leipziger Objekten wäre.


    Wenn irgendetwas in Leipzig weltkulturerbeverdächtig ist, dann nur das Völkerschlachtdenkmal - und das wäre aus vielen Gründen sogar einer der aussichtsreichsten deutschen Kandidaten überhaupt.

    Danke für die Aufklärung, so dass auch ich jetzt verstanden habe, dass architektonisch ansprechende Neubauten nur möglich sind, wenn kapitalistische Ausbeuter Häuser ohne Fenster und sanitäre Einrichtungen bauen dürfen, in denen drei Familien im Acht-Stunden-Rhythmus jeweils ein einziges Zimmer im Wechsel bewohnen, und die durch den Export von Sklaven aus deutschen Kolonien finanziert werden. Das kann natürlich niemand wollen, da werde ich mich zukünftig über jeden weißen Quader freuen. Falls doch irgendwo Sockel, Simse oder gar Stuck verbaut werden, entlarvt sich das Kapitalistenschwein von selbst.

    Denn interessant ist auch die Frage, woher eigentlich das ganze Geld für die Prachtbauten kam: Ausbeutung der Arbeiter/innen, Imperialismus und Kaiserreich.

    Die Frage ist interessant, aber völlig falsch beantwortet. Die identitätsstiftenden Bauten aus der Kaiserzeit - vom Gerichtsgebäude über den kommunalen Schulbau bis zum Gründerzeitbau - wurden nicht durch Ausbeutung der Arbeiter oder Einnahmen aus den wenigen deutschen Kolonien finanziert. Die Steuerbelastungen waren damals äußerst gering, und die Kolonien eher ein Zuschussgeschäft. Auch die stadtbildprägenden Gründerzeitbauten waren keine Prestigeobjekte schwerreicher Industriemogule, sondern häufig Mietskasernen für den kleinen Mann. Selbst die immer noch großartigen Wohnanlagen aus den zwanziger Jahren wurden in Zeiten größer Not errichtet.


    Es war damals möglich, dem allgemeinen Ästhetikempfinden entsprechend zu bauen, und das wäre es auch heute noch. Oder wie könnte man sonst denkmalgerechte, detailverliebte Sanierungen mit Einbau des aktuellsten Schnickschnacks in diese "Prachtbauten" stemmen?

    Die Frage von Städtepartnerschaften mit autoritären Staaten würde ich jetzt nicht zu hoch hängen, man muss nicht aus jedem kulturellen Austausch oder Besuch von Jugendgruppen eine weltpolitische Grundsatzfrage machen. Interessant wäre eher das Konzept, wozu man für die meist überschaubaren Kontakte in diesem Rahmen eine eigene Immobilie benötigen sollte. Es wird ja nicht so sein, dass sich dutzende Vollzeitstellen im Leipziger Rathaus mit dem Thema beschäftigen oder jede Partnerstadt Personal für eine Schattenbotschaft entsenden wird.

    Den Vergleich mit den Footballstadien in Amerika finde ich aus mehreren Gründen etwas weit hergeholt. Die haben 1,4 Mrd. Dollar (Atlanta) bzw. 1,8 Mrd. Dollar (Las Vegas) gekostet. In der NFL als mit Abstand umsatzstärkster Liga weltweit mag das vielleicht irgendwie refinanzierbar sein (?), die Bundesligavereine (oder gar ihre Heimatstädte) stehen da aber vor ganz anderen wirtschaftlichen Zwängen.


    Und selbstverständlich müssen wir eine Diskussion über Budgets führen, weil sich die Diskussion doch gerade darum dreht, worin genau der wirtschaftliche Mehrwert eines verschließbaren Daches fürs Leipziger Zentralstadion bestehen könnte. Ich sehe den noch nicht, bin aber offen für jedes gute Argument.

    Der Entwurf des Verkehrsentwicklungsplanes (VEP) steht jetzt zur Verfügung und Debatte. Anschauen kann man sich den unter chemnitz.de, ich stelle auch noch einen Direktlink zur pdf zur Verfügung. Ausgangspunkt aller Überlegungen ist dabei der angestrebte Modal Split, also die Verkehrsmittelwahl.


    - Anteil Fußgänger; Unverändert bei ca. 30 %.

    - Anteil Radverkehr: Änderung von aktuell 7 % auf 12 % angestrebt.

    - Anteil ÖPNV: Änderung von aktuell 11 % auf 20 % angestrebt.

    - Anteil PKW: Änderung von aktuell 52 % auf 38 % angestrebt.


    Zusätzlich gibt es noch einen weltfremden (um nicht "verrückten" zu schreiben) Alternativvorschlag der Grünen mit 20 % PKW-Anteil. Welche Zahlen hier ausgewürfelt werden, ist aber letztlich völlig egal, relevant sind die konkreten Maßnahmen, die zu deren Erreichung umgesetzt werden sollen. Da werden zwar jede Menge Punkte genannt, keiner davon würde aber auch nur ansatzweise zu der angestrebten gravierenden Änderungen des Modal Splits führen - das gilt auch für die etlichen vorgesehenen Zwangsmaßnahmen gegen den PKW-Verkehr (siehe die laut Punkt 6.6 geplanten nahezu flächendeckenden Geschwindigkeitsbegrenzungen auf 30 km/h oder die laut 6.7 geplante Verknappung und Verteuerung von Parkflächen). Man könnte meinen, hier hätten die Grünen allein die Feder geführt.


    Die strittigen Themen (Innerer Stadtring, Südverbund Teil III und V und zweistreifige Befahrbarkeit des Überfliegers) werden übrigens komplett ausgeklammert und separat diskutiert, erst anschließend werden die Ergebnisse in den VEP übernommen.


    Es kann sich jeder selber überlegen, ob er sich in den Beteiligungsprozess für den Plan einbringt, über die Möglichkeiten (speziell das wohl demnächst beginnende Onlineangebot) werde ich wohl noch mal informieren.

    ^Frankfurt und Düsseldorf waren an mir vorbeigegangen. Das könnte aber auch dafür sprechen, dass deren verschließbare Dächer eher keine große Rolle spielen. Es wäre interessant, wie oft und bei welchen Gelegenheiten von dieser Möglichkeit überhaupt Gebrauch gemacht wurde. Und ist das schließbare Dach in Köln nicht nur wegen der Einhaltung des Lärmschutzes bei Ausbau auf 75.000 Plätze in der Diskussion (siehe Link)?

    Perspektivisch sollten Stadien darüber hinaus u.a. über ein verschließbares Dach verfügen. Dies könnte z.B. in einer der nächsten Ausbaustufen auf der Agenda stehen...

    Das halte ich in Leipzig (und generell in Deutschland) für ausgeschlossen. Für das Brot- und Butter-Geschäft, nämlich Fußball, wäre ein Umbau zu verschließbaren Dächern völlig überflüssig, weil es gigantische Kosten ohne jeden Mehrwert verursacht. Selbst für gelegentliche Konzerte, die eh nur an den allerwenigsten Standorten in Deutschland stattfinden, ist der Nutzen überschaubar. Es hat seine Gründe, dass auf Schalke als erstem Stadionneubau in Deutschland ein verschließbares Dach gewählt wurde, aber kein einziger von dutzenden Nachfolgebauten auf diesen angeblichen Trend aufgesprungen ist.

    Der Aufgang in der schmalen Spalte ist aber extrem ungewöhnlich. Die Bilder lassen mir als erstes das Wort "Angstraum" in den Sinn kommen. Das muss extrem sauber und vor allem hell erleuchtet sein, damit sich dort jeder und jede hineintraut. Oder gibt es noch andere, großzügigere Zugänge?

    Angeregt von der Diskussion zu Filetstücken für Wohnbebauungen habe ich mal einen Realitätscheck gemacht, wie die Einwohnerentwicklung in den Stadtteilen eigentlich aussieht. Im Ergebnis sind solche Neubaupläne wohl Pustekuchen. Chemnitz schrumpft insgesamt und auch in Stadtteilen wie dem Zentrum (massiv!), Schloßchemnitz oder dem Sonnenberg - zumindest bei Bereinigung der Zahlen um die Personen "mit asylbezogenem HIntergrund", die als Mieter oder Käufer von neugebauten Wohnungen ausscheiden, da die heutzutage unter Mieten von 10 €/m² kaum realisierbar sind. Wer sich hier ein Filetstück sichert und das mit den heutigen Baupreisen vermarkten will, muss sehr mutig bis verwegen sein.


    Krass sind auch die Unterschiede in der Bevölkerungsentwicklung je nach Charakteristika der Stadtteile. Die Plattenbaugebiete verlieren weiter massiv (bereinigt um die dorthin einquartierten Asylbewerber). Im Vergleich mit 2016 beträgt der Rückgang der Einwohnerzahlen zwischen 3 % (Markersdorf und Morgenleite) bis zu fast bzw. sogar über 10 % (Yorckgebiet, Helbersdorf, Hutholz). Die wirklichen Gewinner sind nicht die Gründerzeitviertel, sondern die Stadtteile etwas außerhalb. Herauszuheben sind da Rabenstein mit + 8 %, Erfenschlag mit + 4 %, Klaffenbach und Adelsberg mit +3 % und Glösa-Draisdorf mit + 2 %.


    Fazit: Wenn schon investieren, dann in Rabenstein oder in Eigenheimstandorte in den genannten ländlichen Gebieten.


    P.S. zum vorherigen Beitrag: 2020 steht auch bei mir auf der Seite und wollte ich auch schreiben, auch das ist aber schon eine Weile her. Der Hinweis auf den weit fortgeschrittenen Bau beantwortet die Frage aber, dann ist es nur eine überschaubare Verzögerung im Bauablauf.

    Warum sollte eine Firma auch einen Kindergarten bauen? Das ist einzig und allein Aufgabe der öffentlichen Hand. Mit solchen fachfremden Vorhaben kann man ganz schnell ein funktionierendes Geschäftsmodell gefährden, weshalb auch schon Neubau und Betrieb der Kita in Altendorf von der Heimgesellschaft an die Stadt zurückgegeben wurde.


    DIe Kritik an der Nutzung der Flächen zwischen Chemnitz und Schloßteich teile ich hingegen voll und ganz, schon der Kindergarten ist dort völlig deplatziert. Was ist aus dem eigentlich geworden? 2018 hatte (dwt). mal von ein paar bauvorbereitenden Maßnahmen berichtet (siehe hier). Auf der Webseite der Stadt steht ein Bauende August 2020, gleichzeitig ist man aber "noch in der Ausschreibungsphase". Einfach nur eine veraltete Webseite, während man schon auf Hochtouren baut? Ein weiteres Beispiel der mittlerweile extrem ausgeprägten Unfähigkeit der Stadtverwaltung, Baubeschlüsse auch umzusetzen? Oder wurde das Vorhaben mittlerweile beerdigt, weil sich die Voraussetzungen mittlerweile geändert haben (siehe stagnierende bis sinkende Geburten- und Asylbewerberzahlen)?


    Da die Fläche auch 2002 nicht überschwemmt war und nicht als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen ist (siehe Karte auf chemnitz.de), wäre hier eine Vorhaltung als Wohnungsbaustandort wirklich sinnvoll. Die Einschätzung als Filetstück ist absolut korrekt (auch wenn sich das architektonisch bei Neubauten nicht widerspiegeln würde).

    Die Brücke wurde doch von Anfang an von der Firma für Ihre Mitarbeiter gebaut. Da es in unmittelbarer Nähe weitere Brücken über die Chemnitz gibt, sehe ich keinen Grund, warum die dort unbedingt Außenstehende über ihr Firmengelände laufen lassen sollten. Fördergelder sind dafür der nachrangigste Grund, sofern ein öffentliches Wegerecht nicht Teil der Förderbedingungen war.

    Die Pläne dürften nach wie vor aktuell sein. Es gab zwar noch keine Vorstellung irgendwelcher Detailpläne, aber die früheren Meldungen ließen erahnen, dass man beim Neubau der Brücken den Platz dafür schon mit eingeplant hätte. Wohin auch immer das Autohaus ausufert, halte ich es für ausgeschlossen, dass es irgendeinen Effekt auf die Pläne hat. Falls es um die (barrierefreien) Zuwege geht: Auch die sollten wohl wie auch immer von der Brücke auf die Straße gehen.

    Doch: "Die Stufe 5 soll künftig im Bahnhof Stollberg an die im Betrieb befindliche Strecke anschließen und diese bis nach St. Egidien und weiter bis nach Glauchau verlängern."

    Die Oberschule am Hartmannplatz kostet 33 Millionen Euro. Die ist zwar vierzügig und dürfte damit ca. 50 % mehr Schüler als das Internationale Gymnasium haben, trotzdem bin ich mir hundertprozentig sicher, dass F+U niemals auch nur annähernd so hohe Kosten im Verhältnis zur Schülerzahl hat. Das würde sich niemals rechnen. Unabhängig von den tatsächlichen Kosten sollte es aber für die Stadt die Revitalisierung leerstehender oder mindergenutzter Gebäude vorrangig sein.

    Die Bildungsgesellschaft F+U will ab dem Schuljahr 2022/23 in der früheren Papier- und Kartonagenfabrik Robert Winckler in der Seumestraße 2 (Luftbild) ein Internationales Gymnasium betreiben (Freie Presse mit Bezahlschranke). Der Umbau soll ab Frühjahr, spätestens Sommer beginnen, so dass letztlich Platz für 400 Schüler ist. Im Dachgeschoss könnte ein Internatsbereich mit bis zu 30 Plätzen in Doppelzimmern entstehen.


    Vorbildlich ist, dass hierfür ein altes Fabrikgebäude umgenutzt wird. Man fragt sich, warum die Stadt darauf nicht gekommen ist, sondern an der Hartmannstraße für vermutlich ein Vielfaches der Kosten einen Schulneubau errichtet. Gleichzeitig dürften sich damit auch die angedrohten Anbauten an den städtischen Gymnasien erledigt haben, weil zusätzliche Kapazitäten entstehen.

    Die Plattenbauten am Rosenhof stehen nicht unter Denkmalschutz. Ich wüsste auch nicht, worin dort der Denkmalwert bestehen sollte - allerhöchstens die Platzgestaltung und die Ladenzeilen lassen einen minimalen Unterschied zur 08/15-Platte im Heckertgebiet erkennen. Die Läden vegetieren aber auch nur so vor sich hin und wären deshalb auch kein Verlust. Für den Riegel zur Theaterstraße hatte man ja sogar schon mal die Vision eines Abrisses geäußert, aber natürlich nicht das Geringste in diese Richtung unternommen. Deshalb ist das mal wieder eine Diskussion um des Kaisers Bart, den Abriss eines Plattenbaus im Chemnitzer Zentrum wird niemand von uns zu seinen Lebzeiten erleben. Die "Qualität" von Chemnitzer Neubauten lässt das wiederum gar nicht so schlimm erscheinen, wie es tatsächlich ist.

    Der fehlende Denkmalschutz bei der Hans-Sachs-Straße 1 und das dadurch erfolgte Begraben im Styropor sorgt zwar für Punktabzüge, aber das wird durch die wunderschöne Sanierung der Hans-Sachs-Straße 11-13 überstrahlt. Im weihnachtlichen Lichterglanz und mit den beleuchteten Hauseingängen ist das ein echter Augenschmaus. Es drängt sich die Frage auf, warum das dem Vor-Eigentümer GGG nicht möglich war. Schon das eine Bild lässt erahnen, dass hier eine Vollvermietung zu sehr ordentlichen Quadratmeterpreisen erreicht worden sein dürfte. Da muss ich einfach noch ein paar Vorher-Bilder ergänzen, um den Einfluss dieses Vorhabens aufs Stadtbild gebührend herauszustellen.


    Vorher (leider nicht aus der gleichen Perspektive):

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    Hans-Sachs-Stra%C3%9Fe_11_%26_13._Bild_6.JPG


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    Bilder: (dwt).


    Nachher:

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