Beiträge von lguenth1

    Die vielen ablehnenden Meinungen zur Sanierung sind aus der Ferne interessant. Es mag etliche gute Gründe für einen Abriss und einen Neubau geben - ästhetische, stadtplanerische, sogar wirtschaftliche. Aber 274 Wohnungen wird man dort mit einem Neubau nicht mehr unterbringen können, und schon gar nicht in der Kürze der Zeit wie durch diese Sanierung. Wer die Sanierung ablehnt, stellt auch die häufig und lautstark beklagte Wohnungsnot in Leipzig in Frage - ohne das jetzt selber beurteilen zu können oder zu wollen.

    Die bestehenden Bemühungen können noch nicht so berühmt gewesen sein, sonst gäbe es weder die aktuellen Beschlüsse noch hunderte leerstehende Immobilien. Deren Zahl zeigt natürlich auch, dass es sich dabei um eine Herkulesaufgabe handelt, die der Stadt letztendlich hohe Kosten verursachen wird. Ohne dutzende, sehr qualifiziert besetzte Personalstellen werden Ergebnisse nicht in der gewünschten Breite zu erzielen sein.


    Allerdings bin ich ausdrücklich der Meinung, dass man bei konsequenten und hartnäckigen Unterstützungsangeboten auch relativ schnell erkennen kann, wo diese auf fruchtbaren Boden stoßen - und wo eben nicht. Und dann wäre Leipzig wirklich prädestiniert für § 177 BauGB. In einer der größten deutschen Städte mit einem hochattraktiven Immobilienmarkt und einer lebhaften Investorenszene muss es möglich sein, diesen Paragrafen mit Leben zu erfüllen. Deshalb würden solche Schritte auch meine volle Unterstützung finden, sonst wäre ich hier im Architekturforum nicht zugange. Neben den außerordentlich positiven Effekten auf die Städtebau und Wohnungsmarkt sehe ich darin nämlich auch keinen wirklichen Eingriff in Eigentumsrechte, denn die Eigentümer würden nur zu ihrem Glück gezwungen (oder könnten ihre Immobilien jederzeit zu sehr guten Preisen an echte Investoren weiterveräußern). Ich hatte bisher jedenfalls den Eindruck, dass Sanierungen in Leipzig durchaus mit erheblichen Gewinnen verbunden sein dürften (deshalb dürfte auch der für die Sanierungen anfallende Zuschussbedarf für die Stadtkasse gering bleiben).

    Folgender Teil des Stadtratsbeschlusses hatte mich zuerst verwundert, weil ich mir bisher nicht vorstellen konnte, dass man einen Immobilienbesitzer zu einer Sanierung zwingen kann - es geht da schließlich um hunderttausende Euro, teilweise noch mehr:


    - Erarbeitung einer Richtlinie zum Umgang mit Eigentümern nicht genutzter oder nicht nutzungsfähiger Immobilien, in der Kriterien, Fristen, Bußgelder und Verfahren zur Durchsetzung des Modernisierungs- und Instandsetzungsgebots geregelt werden.


    Könnte aber wohl doch gehen, nämlich nach § 177 Baugesetzbuch (BauGB). Interessant wäre natürlich, ob und wie dieses Mittel anderswo schon erfolgreich zum Einsatz gebracht wurde, um die Sanierung leerstehender Gebäude zu erzwingen. In Plauen wurde das offensichtlich auch diskutiert, gleichzeitig sagte die Baubürgermeisterin aber noch Ende 2020: "Mir ist keine Kommune in Deutschland bekannt, die das Modernisierungsgebot anwendet" (Freie Presse hinter Bezahlschranke). Das wird aus juristischer Sicht also spannend. Am Ende wird wohl das Bundesverfassungsgericht entscheiden, ob der im Grundgesetz garantierte Schutz des Eigentums oder der dort ebenfalls geregelte Satz "Eigentum verpflichtet" im konkreten Fall maßgeblich sind. Auch die Frage, in welcher Höhe sich die Stadt finanziell beteiligen muss, bietet Spielraum für jahrelange Rechtsstreitigkeiten.


    Bei hunderten betroffenen Immobilien wäre die Stadt wohl gut beraten, erst mal unterstützend auf die Eigentümer zuzugehen und dadurch Erfolgsbeispiele zu schaffen. Viel Spielraum bieten sicher auch Zwangsversteigerungen bei ausstehenden Steuerzahlungen, dort ist die Rechtslage klar.

    Die geplante Sanierung der Villa Dresdner Straße 34 war schon bekannt (siehe hier im Forum). Tag24 steuert heute in diesem Artikel jetzt die Informationen bei, dass ISI Home der Bauherr ist, die Arbeiten bis zur ersten Hälfte 2022 abgeschlossen sein sollen und Im Erdgeschoss und dem ersten Stock neben je zwei Wohneinheiten je eine Gewerbefläche vorgesehen werden. Die Arbeiten haben auch schon begonnen.

    Der Beschluss zur Talsperre Euba ist gefallen. Der Abriss ist damit erst mal vom Tisch, weil der Änderungsantrag der etablierten Parteien und des Ortschaftsrates angenommen wurde, der sinngemäß zuerst die niedrigschwellige Sanierung der Mauer fordert, um sich später die Möglichkeit einer Wiederbelebung offenzulassen. Das Problem ist nur, dass das in dem Änderungsantrag nicht so steht, sondern dort folgendes festgehalten wurde (alle Unterlagen noch mal zum Nachlesen):


    "Die Umsetzung der Variante 1 ist in angepasster Form so vorzunehmen, dass nachfolgend eine Realisierung der Variante 3 weitgehend ohne Schwierigkeiten möglich ist und in Abhängigkeit der finanziellen Mittel auch umgesetzt werden kann."


    Das ist juristisch heikel, weil die Variante 1 aus einem Durchbruch der Staumauer bestand. Wenn man die umsetzt, wird eine spätere vollständige Sanierung technisch und kommerziell schwierig, selbst wenn die Beschlussvorlage etwas anderes behauptet. Es wird auch nichts dazu gesagt, ob der bei Variante I, aber nicht bei Variante III vorgesehene Abriss des Schieberhauses stattfinden soll oder nicht. Die Formulierungen sind so schwammig ("in angepasster Form", "weitgehend ohne Schwierigkeiten"), dass sie nach meinem Gefühl der zum Abriss entschlossenen Stadtverwaltung juristische Spitzfindigkeiten ermöglichen könnte, diesen Beschluss zu ignorieren oder Fakten zu schaffen, die eine spätere Sanierung unmöglich machen. Hoffen wir mal, dass ich den Teufel an die Wand male und die Verwaltung den Beschluss so umsetzt, wie er gemeint ist. Die AfD hatte übrigens auch einen Änderungsantrag eingereicht, der die Sanierung zum Ziel hatte.

    Eine neue Webseite namens www.scoperty.de gibt für die meisten Adressen in Deutschland einen aktuellen Schätzpreis an (Quelle Freie Presse, wegen Bezahlschranke nicht verlinkt). Der Zugriff ist für jedermann möglich. Geld verdient werden soll durch Provisionen, und die sollen dadurch fließen, dass Scoperty potentielle Interessenten, die sich auf dem Portalfinden und Unterstützung wünschen, zu einem Makler oder Baufinanzierer weiterleitet, der wiederum im Erfolgsfall eine Vergütung an das Unternehmen zahlt. Eigentümer können ihre Daten aber auf Wunsch löschen lassen.


    Zur Prüfung, was davon zu halten ist, habe ich die angegebenen Preise mal mit den Daten der aktuellen Chemnitzer Immobilienauktion verglichen (siehe hier im Forum). Aufpassen muss man, ob die auf dem Portal angegebenen Preise für das gesamte Haus oder die einzelnen Wohnungen gelten. Im Ergebnis ist das alles jedenfalls noch nicht wirklich ausgereift. Die Anzahl der Wohnungen pro Haus stimmt häufig nicht, und die Preise sind teilweise weit vom Marktpreis entfernt. Wer sich in Chemnitz nicht auskennt und den angegebenen Preis von 212.000 Euro für eine Wohnung auf der unteren Zietenstraße bezahlt, dürfte sich beim ersten Ortsbesuch nur noch an der nächsten Laterne erhängen wollen.


    Vielleicht hat ja jemand Spaß daran...

    Den im Artikel angedeuteten interfraktionellen Beschlussantrag für die Stadratssitzung vom 10.02.2021 kann man hier nachlesen. Ich kann da nicht ganz mitreden, aber die DB wird allerhöchstens sagen, dass die Stadt gerne alle möglichen Umbauten auf eigene Kosten planen und umsetzen darf. Ein Nutzerdialog und Gestaltungswettbewerb kommt mir für einen Bahnsteigtunnel leicht übertrieben vor.

    Die SGA-Frühjahrsauktion (Katalog) hat eine Fülle von Chemnitzer Objekten im Angebot:


    - Frankenberger Straße 103 (Luftbild), Hilbersdorf, Mindestgebot 75.000 Euro


    Leerstehendes Gewerbeobjekt aus der Spätphase der DDR mit 150 m² Nutzfläche und 740 m² großem Grundstück mit Bungalow und Schuppen. Hier kann man Kleingärtnern und Kleingewerbe perfekt verbinden...


    - Frankenberger Straße 187, Ebersdorf, Mindestgebot 340.000 Euro (bei einer Jahresnettomiete von aktuell 36.000 Euro, Sollmiete 45.500 Euro)


    Denkmalgeschütztes, teilsaniertes MFH mit 12 Wohneinheiten und 757 m², davon 10 mit 605 m² vermietet (also 5 €/m²). Die kleinen Fotos aus dem Inneren machen einen guten Eindruck.

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    Quelle: (dwt).


    - Zietenstraße 35 (Luftbild), Sonnenberg, Mindestgebot 190.000 Euro (bei einer Jahresnettomiete von aktuell 3.628 Euro)


    MFH mit 9 Wohnungen mit ca. 405 m², davon 2 Wohnungen mit ca. 76 m² vermietet (also 4 €/m²).


    - Fritz-Matschke-Straße 10, Schloßchemnitz, Mindestgebot 850.000 Euro (bei einer Jahresnettomiete von aktuell 22.134 Euro)


    Denkmalgeschütztes, 1996 saniertes MFH mit 14 Wohneinheiten und 875 m², davon 7 mit 358 m² vermietet (also 5,15 €/m²). Erstaunlich, dass das nicht vollvermietet ist und die Mieten nicht etwas höher sind, hier gibt es also trotz des hohen Kaufpreises auch Potential für Einnahmesteigerungen.

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    Quelle: (dwt).


    - Uhlandstraße 3, Sonnenberg, Mindestgebot 550.000 Euro (bei einer Jahresnettomiete von aktuell 18.640 Euro)


    Denkmalgeschütztes, 1993 saniertes MFH mit 8 WE mit ca. 469 m², davon 6 WE mit ca. 337 m² vermietet, 1 leerstehende Gewerbeeinheit im 1. OG mit ca. 141 m². Macht 4,60 €/m².

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    Eigenes Bild


    - Clausstraße 71 (Luftbild), Lutherviertel, Mindestgebot 450.000 Euro (bei einer Jahresnettomiete von aktuell 17.592 Euro)


    1998 saniertes MFH mit 10 WE mit ca. 647 m², davon 5 WE mit ca. 309 m² vermietet (also 4,75 €/m²).


    - Bernsdorfer Straße 187 (Luftbild), Bernsdorf, Mindestgebot 350.000 Euro (bei einer Jahresnettomiete von aktuell 14.730 Euro)


    1993 saniertes MFH mit 8 WE mit ca. 605 m², davon 3 WE mit ca. 210 m² vermietet (also 5,85 €/m²). Die Quadratmetermiete finde ich in der Lage, ohne Balkone und Nachwendesanierungsstand erstaunlich.


    Sonstiges:


    Im ländlichen Raum gibt es bei der Auktion etliche attraktive Angebote, aber absoluter Höhepunkt ist die Ausflugsgaststätte Lochmühle mit Gästehaus, direktem Wasserzugang zu Talspere Kriebstein und Fähranleger und einem Mindestgebot von lächerlichen 49.000 €. Wenn ich mir nicht sicher wäre, dass der Endpreis ganz weit über einer Million liegen wird, würde ich das für mich behalten, es selber kaufen und mich dumm und dämlich verdienen.

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    Quelle: Aagnverglaser, Wikipedia, keine Änderungen vorgenommen, Lizenz CC BY-SA 4.0

    Prilblumen musste ich erst mal recherchieren. Da kann ich mich auch mal wieder ein bisschen jung fühlen, wenn ich die „bekannteste Blume der 70er“ nicht kenne :-). Ansonsten hat sich die DB mit diesen einfallslosen Kindergarten-Motiven nicht wirklich mit Ruhm bekleckert (Sonne, Menschen. Blume, Zug). Wenn schon Kulturhauptstadt, dann bitte auch in solchen Details.

    Die Abstimmung zur Talsperre Euba ist erst in der Stadtratssitzung vom 10. Februar, dort sind jetzt auch alle Details in der Beschlussvorlage zu finden (Link). Man merkt, dass man ausschließlich nach Gründen gegen die Sanierung gesucht hat. Das absurdeste Gegenargument ist das erwartete jährliche negative Betriebsergebnis - in Höhe von 6456 Euro! Irgendwie sind da bei den lebenden Aktendullis in der Verwaltung alle Sicherungen durchgebrannt...


    Glücklicherweise kommt aber wohl so viel Bewegung in die Sache, dass eine Entscheidung für die Talsperre absehbar ist. Laut Freier Presse (Link mit Bezahlschranke) arbeiten Ortschaftsrat und Fraktionen an einem Änderungsantrag.

    Laut verschiedenen Medienberichten in den letzten Tagen (unter anderem Freie Presse mit Bezahlschranke) soll der Stadtrat am 3. Februar über die Zukunft der Talsperre Euba entscheiden - komischerweise findet sich der Tagesordnungspunkt aber nicht im Programm (Ratsinformationssystem). Drei Varianten werden vorgeschlagen:


    - Sicherung und Entwidmung der Talsperre mit Erhalt des technischen Denkmals für 1,5 Millionen Euro

    - Teil- oder Komplettabriss

    - vollständige Sanierung und Instandsetzung für 5,7 Millionen Euro und weitere 3 MIllionen Euro für Parkplätze, Gebäude, Spiel- und Sportflächen


    Die Verwaltung schlägt in der Beschlussvorlage die erste und mit 1,5 Millionen Euro kostengünstigste Variante vor (immerhin nicht den Abriss). Man kann nur hoffen, dass sich die Stadträte für die komplette Wiederbelebung entscheiden und dann nach einem klaren Bekenntnis mit möglichen Betreibern ein sinnvolles Nutzungs- und Bewirtschaftungskonzept erarbeiten. Man sollte dabei auch nicht vergessen, dass in ein paar Jahren der Südring unmittelbar die Erschließung der Talsperre gewährleisten wird. Man darf gespannt sein.

    Das mit den 130.000 m² neu vermieteter Fläche habe ich gelesen, habe aber den Eindruck, dass Du das für den Saldo, also den Zuwachs an Mietfläche hältst, während es eigentlich nur der Flächenumsatz ist (Link). Ausgelaufenen Mietverträge sind dort nicht enthalten. Mit laut der Quelle 215.000 m² verfügbarer und 211.000 m² projektierter Fläche wird Leipzig kaum auf den befürchteten Engpass zusteuern. Zudem sieht man auch, dass von 2019 auf 2020 selbst der Leerstand von normalen und modernen Flächen prozentual gestiegen ist, wenn auch zugegegebenermaßen auf extrem niedrigem Niveau.


    Ist letztlich auch egal, da wir gerade in einer disruptiven Lage sind, man mit dem Fortführen früherer Entwicklungen in die Zukunft ganz vorsichtig sein muss und man bei solchen Prognosen problemlos zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen kann. Nur die Zukunft wird zeigen, wer die bessere Glaskugel hatte.


    Zur angeblich fehlenden rechtlichen Grundlage kann ich nichts sagen, weil mich das genausowenig interessiert wie Millionen andere Büroangestellte, die seit einem Jahr zuhause arbeiten und zufrieden damit sind. Wo kein Kläger, da kein Richter.

    Wenn in den nächsten 10 Jahren weiterhin lt. Wirtschaftsdezernat im Schnitt 6000 neue Arbeitsplätze pro Jahr hinzukommen, werden Bürogebäude wie jenes von AOC in der Goldschmidtstraße dringend benötigt.

    Sind die 6000 Arbeitsplätze im Jahr nur die Büroarbeitsplätze? Oder stecken da auch Stellen im verarbeitenden Gewerbe oder der Logistikbranche rund um den Flughafen mit drin? Egal wie, ich sehe es ganz wie 555Farang und würde weder geschäftlich noch privat auch nur einen Euro in Gewerbeimmobilien stecken. Die meisten Firmen dürften mittlerweile gemerkt haben, dass sie seit einem Jahr immense Mieten für ungenutzte Büroflächen bezahlen, die Arbeit aber trotzdem gemacht wird - vielleicht sogar besser, mein Arbeitgeber fühlt sich bspw. zu Hinweisen genötigt, dass auch im Home Office die tägliche Höchstarbeitsdauer von 10 Stunden gilt. Und die meisten Mitarbeiter dürften sich fragen, warum sie früher teilweise jeden Tag stundenlang gependelt sind. Sowohl der Kostenwettbewerb unter den Firmen als auch der Druck der Mitarbeiter werden dafür sorgen, dass nicht mehr für jeden einzelnen ein Schreibtisch vorgehalten wird, sondern man nur ab und zu vorbeischaut und sich mehrere Mitarbeiter Plätze teilen.


    Durch die stagnierenden Mieten an den führenden Standorten im zweiten Halbjahr sehe ich mich bestätigt (Quelle) - und das sind die Angebotsmieten, die nur zum Teil die tatsächlich erzielten Mieten widerspiegeln dürften. Natürlich können attraktive Neubauten immer noch funktionieren, aber dann eher mit niedrigeren Renditen als bisher und vor allem zum Nachteil schlechterer Objekte.

    Die im vorherigen Beitrag genannten Zahlen beinhalten auch Geburten und Sterbefälle in Chemnitzer Krankenhäusern durch Personen mit Wohnsitz außerhalb von Chemnitz. Eine weitere Pressemeldung (Quelle) liefert jetzt auch noch die vorläufigen Zahlen der Chemnitz-spezifischen Bevölkerungsentwicklung nach. Die gehen in eine ähnliche Richtung, bemerkenswert ist aber der deutliche Umschwung von einem positiven zu einem negativen Wanderungssaldo:


    Einwohnerstatistik 2020


    Die Einwohnerstatistik für 2020 verzeichnet 1.857 Chemnitzer Einwohner weniger als im Vorjahr. Zum 31. Dezember 2020 lebten 245.051 Menschen mit Hauptwohnsitz in der Stadt. Zählt man noch die Personen mit Zweitwohnsitz dazu, so hat Chemnitz zum Stichtag 248.431 Einwohner.


    Von den Einwohnern mit Hauptwohnsitz hatten 223.395 eine deutsche Staatsbürgerschaft (2019: 225.507) und 21.656 waren Ausländer (2019: 21.401). Hierunter werden zum Beispiel Studierende der TU Chemnitz, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Chemnitzer Unternehmen sowie seit vielen Jahren in der Stadt lebende Bürger und Flüchtlinge gezählt.


    Insgesamt sind im vergangenen Jahr 11.388 Menschen in die Stadt gezogen (2019: 12.715), 11.616 Menschen haben sie verlassen (2019: 12.222).


    Die Anzahl von neu geborenen Chemnitzern liegt bei 2.118 (Erfassungsstand 31. Dezember 2020). Die Zahl der Geburten in 2020 ist aber noch vorläufig, da zahlreiche Geburten erst im Verlaufe des Folgemonats gemeldet werden. Zum Vergleich waren am 31. Dezember 2019 2.130 Geburten erfasst. Endgültig wurden 2.226 Geburten für das Jahr 2019 registriert.


    Gleiches gilt für die Zahl der Sterbefälle. Diese Zahl lag zum 31. Dezember 2020 bei 3.688. 2019 wurden 3.372 Sterbefälle vorläufig am 31. Dezember 2019 registriert. Die endgültige Zahl lag für 2019 dann bei 3.522 Gestorbenen.

    Wie jedes Jahr der aktuelle Jahresrückblick des Standesamtes (Quelle). Der Vergleich mit den Vorjahreswerten zeigt weiterhin einen leichten Rückgang der Geburtenzahlen, diesmal aber bei einem deutlichen Anstieg der Sterbefälle. Der ist nur teilweise coronabedingt, da mit Stand heute 252 Tote vermeldet werden, während insgesamt 572 Personen mehr verstorben sind.

    Laut der Antwort auf eine SPD-Ratsanfrage (Link) plant ein Investor die Sanierung der früheren Kattundruckerei (Luftbild). Anders als dort genannt ist das aber die Müllerstraße 31. Der Bauantrag ist bereits eingereicht, die Arbeiten sollen 2021 beginnen. Geplant sind Umbau und Sanierung des denkmalgeschützten ehemaligen Fabrikgebäudes mit Dachgeschossausbau, Errichtung einer Dachgaube, Anbau von Balkonen sowie die Errichtung ebenerdiger Stellplätze daneben.


    Diese Investition war überfällig, da hat es wohl erst den kürzlich erfolgten Eigentümerwechsel gebraucht:

    Chemnitz-Kattundruckerei.jpg

    Quelle: Wikimedia, MilhouseDaniel, Lizenz CC BY-SA 3.0, keine Änderungen vorgenommen

    Das sehe ich nicht so. Einen wirklichen Welterbe-Charakter haben eigentlich nur das Thema Musik sowie der Buchdruck.

    Wir haben oben über das Weltkulturerbe diskutiert, die beiden Sachen würden aber unter das "immaterielle Kulturerbe" fallen, was etwas völlig anderes darstellt. Dass Du trotz der begrifflichen Ungenauigkeit aber nicht verkehrt liegst, wird dadurch bewiesen, dass die sächsischen Knabenchöre inklusive Thomanerchor diesen Schutzstatus bereits haben. DIe Pflege des Erbes von Johann Sebastian Bach würde das mit Sicherheit auch bekommen. Beim Buchdruck sehe ich das nicht, zumindest sind mir da keine althergebrachten "Bräuche, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten" bekannt, die heute noch gepflegt werden. Das muss aber nichts heißen.

    Wie schon mehrfach beschrieben, sind für die Bevölkerungsentwicklung die wirtschaftliche Entwicklung und natürlich auch die Bevölkerungsstruktur maßgeblich. Bei beiden Aspekten hat Sachsen schlechte Voraussetzungen - wirtschaftlich dominieren Meldungen über Werksschließungen, die nach der Wende fortgezogenen Frauen kriegen ihre Kinder anderswo, und je mehr ältere Menschen man hat, desto mehr davon sterben auch. So gesehen ist ein Bevölkerungsrückgang von lediglich 0,2 % in ganz Sachsen von Dezember bis September schon fast sensationell gut. In dem Zeitraum haben sogar über ein Drittel der Gemeinden Einwohner hinzugewonnen (Bevölkerungsstand), auch das finde ich mehr als erstaunlich.


    Vom durch Corona induzierten Trend zum Home-Office dürfte Sachsen und auch der ländliche Raum tendenziell auch (auf geringem Niveau) profitieren. Ich sitze auch schon fast ein Jahr zuhause herum und könnte das problemlos auch in Reitzenhain oder Käbschütztal machen. In Mittelsachsen konnte man zuletzt auch sehen, dass neue Wohngebiete in Kleinstädten durchaus auf große Nachfrage bei jungen Familien stoßen.

    Wenn man das erste Video (Stollberger Straße über Zentrum zur Blankenauer Straße) mit "2020 zur Trabiparade mit schlechter Aufnahmequalität" überschrieben hätte, würde es vielleicht gar nicht groß auffallen, dass das keine aktuellen Bilder sind. Die gezeigten Plattenbauten stehen fast alle noch an alter Stelle - nur bei den Abrissen der Altbauten in der Mühlenstraße könnte man es bemerken. Das zu 35 Jahren Stadtentwicklung in Chemnitz.


    Beim zweiten Video sind mit die (vergleichsweise jungen) Menschenmassen im Zentrum ins Auge gefallen. Das zum Nachwendeexodus, der demographischen Entwicklung und dem Einfluss der EInkaufszentren auf der grünen Wiese.

    Die Sanierung der Frankenberger Straße 197 kann man weiter auf Youtube verfolgen (aktuelles Video). Die Sanierungskosten liegen mittlerweile bei 400.000 Euro, auch sonst geht es ziemlich drunter und drüber. Meine Hoffnungen, dass mit diesem Projekt am Ende so viel Geld verdient wird, dass sich Immobilienentwickler aus der ganzen Welt auf den Chemnitzer Markt stürzen, schwinden mehr und mehr...