Beiträge von jan85

    ICC soll doch bleiben...

    Das ICC soll nun doch mit einem privaten Partner saniert werden. 200 Mio will der Senat selbst zur Verfügung stellen, den Rest muss besagter Partner generieren. Bisher war mW von Hotels und Casinos die Rede und auch die Messe könnte Teile weiter nutzen. Angewiesen (etwa für Großverantsaltungen) ist sie aber dank City Cube wohl nicht mehr. Ein genaues Konzept steht aber ohnehin noch aus und vorher soll kein Geld fließen.


    Zwei Dinge erscheinen mir bemerkenswert: Zum einen hatte Wowereit gerade erst signalisiert, eine Sanierung sei äußerst problematisch (es klang fast schon nach einer entsprechenden Entscheidung, aber doch irgendwie bedauernd und zögerlich) und nun diese scheinbar sehr rasche und deutliche Kehrtwende. Außerdem haben sich die Koalitionspartner mW bisher bei allen teuren Großprojekten spendabel gezeigt und sich für eine Realisierung ausgesprochen. Wenn dieser Trend anhält und die Kosten beim einen oder anderen Projekt doch wieder explodieren, kann es also noch sehr, sehr teuer für die öffentliche Hand werden. Vielleicht ein letztes Aufbegehren bevor die Schuldenbremse greift und solche Investitionssummen abwürgt.


    http://www.berliner-zeitung.de…en,10809148,18448018.html

    70 Mio für Beuth-Campus in Tegel

    Der Teilumzug der Beuth-Hochschule nach Tegel ist nun beschlossene Sache. Ab dem Wintersemester 2015/2016 sollen 1500 von ca. 10.000 Studenten hier studieren. Dafür werden vermutlich ca. 15.000m² zur Verfügung gestellt. Dort sollen vor allem die Studiengänge und Forschungsschwerpunkte rund ums Leitprofil "Urban Technologies" angesiedelt werden, u.a. Erneuerbare Energien, Gartenbau und Landschaftsplanung. Hierfür soll es Teststrecken und "modernste Labore" geben und auch die Gründerwerkstatt soll mit nach Tegel umziehen. Ein Komplettumzug der Hochschule ist somit aber offensichtlich vom Tisch. Die Beuth-Hochschule freut sich dennoch über die Planungen und die geringe Entfernung zum alten und neuen Hauptcampus in Wedding (ca. 3,5km).


    http://www.berliner-zeitung.de…en,10809148,18448018.html

    Die Berliner Zeitung hat einen frischen Artikel zum Thema, der trotz einiger womöglich spöttischer Tendenzen und Kritik an der konkreten Realisierung recht positiv auf das Projekt zu sprechen ist. Man komme gewissermaßen zurück zu den Anfängen der Aufklärung. Kritisiert wird insbesondere, dass kein Versammlungsraum für Nichtgläubige geplant ist, um den/ die Glauben auch mit dem Säkularismus zu versöhnen (ein primäres Ziel der Aufklärung, dass inzwischen noch wichtiger erscheine), denn Nichtgläubige seien hier so Gäste aber nicht zu Hause. Außerdem werde eine jeweils sehr traditionelle Auslegung der Religionen zu Grunde gelegt: Sogenannte "Frauenemporen" kämen den orthodoxen Juden und Muslimen entgegen, seien aber womöglich eine Zumutung für die Liberalen und auch der christliche Betraum weise eine geradezu mittelalterliche Hierarchisierung zwischen Priester/ Altarraum und Gemeinde/ Kirchenraum auf. Auch deshalb spricht sich der Autor für den viertplatzierten Entwurf aus, der einzig nicht so sehr auf die traditionellen Formen setze. Dieser bette zudem die prinzipielle Ähnlichkeit der drei monotheistischen Religionen in eine überzeugende architektonische Entsprechung. Auch sonst erschien mir der Artikel lesenswert, da er interessante - auch historische - architektonische Bezüge herstellt. Also am besten selber lesen.


    Nur noch einige relevante/ interessante Fakten (ich hoffe, nichts davon ist alt):
    -Die Finanzierung ist bisher keineswegs geklärt, das Projekt gilt aber wohl für diesen historisch und symbolisch wichtigen Ort als gewünscht und gesetzt.
    -Der Einzelraum für Muslime wird sich nach Mekka, der für Juden nach Osten gerichtet. Frauenemporen sollen den jeweiligen Orthodoxen entgegen kommen (siehe oben).
    -Im Wechsel soll je eine der drei Religionen Lessings "Nathan der Weise" inszenieren (bzw. einen Regisseur vorschlagen) und zwar stets am 14. April, dem Jahrestag der Uraufführung von 1783. Das alleine halte ich für einen sehr mutigen und höchst interessanten Einfall. Ich bin auf die jeweiligen Interpretationen gespannt.


    Quelle: http://www.berliner-zeitung.de…wg,10809150,17899086.html

    necrokatz: Ich würde auch gerne Wolkenkratzer am Alex sehen (sonst gibt es ja in der Innenstadt mW keine konkreten Planungen), aber den entsprechenden Markt für Hochhäuser scheint es momentan eher am Zoo und im weiteren Umkreis der Mediaspree zu geben (auch das Estrel ist nicht soo weit davon weg). Entstehen halt erst einmal dort ansehnliche kleine Cluster. Der Alex kommt vielleicht auch noch dran, wenn die Nachfrage entsprechend bleibt.


    Ein attraktives Hochhaus am Estrel wäre aber für den Bezirk wirklich wünschenswert. Das wäre mal ein positives Aushängeschild für den Wirtschaftsstandort. Schließlich gibt es dort viel Gewerbe auch wenn viel davon nicht so ansehnlich ist... Außerdem wird Nordneukölln immer mehr vom Tourismus erschlossen, wenn auch teils zum Leidwesen der Anwohner.

    Glaub ich erst wenn ich es sehe...

    Das Estrel ist mW bisher ein großer Erfolg und es gab schon lange Pläne mit der Kongresshalle und einem EKZ. Aber ein Hochhaus von über 120m kann ich mir dort kaum vorstellen. Das wäre natürlich ein echter Paukenschlag und würde der Gegend (viel Gewerbe, eher mittelmäßige Wohngegend) sicher gut tun und auch ein weithin sichtbares Aushängeschild für den Bezirk werden.


    Würde, wäre, falls - es bleibt erst einmal abzuwarten. Auch die bisherigen Planungen kamen ja lange nicht voran. Auch letztes Jahr tat sich entgegen Ankündigungen nichts. Arbeitsplätze würden natürlich so oder so entstehen, wenn mal wieder investiert und expandiert wird.

    Ich werde den Entwurf jetzt nicht in den Himmel loben, aber irgendwie finde ich ihn auch nicht so schlecht. Er wirkt sehr solide, hat eine eher dezente aber mE doch einigermaßen gelungene Strukturierung und ich habe generell eine Schwäche für Backstein. Markant ist er sicher nicht, da gebe ich Bato völlig recht. Aber auch Schlichtheit, Bescheidenheit, Solidität haben halt ihre Liebhaber...


    Nur einen deutlich abgesetzten Sockel und ebenso ein markant abgesetztes Dachgeschoss hätte ich mir schon gewünscht, meinetwegen sogar ein Staffelgeschoss. So wirkt das Ganze etwas zu monolithisch, was ich schade finde da mir wie gesagt die sonstige Strukturierung zusagt. Auch die Farbgebung ist (sicher gewollt) sehr zurückhaltend, was nicht so ganz meine Sache ist.

    Klarenbach: Also bei aller Sympathie, ich glaube nicht, dass man alle wichtigen Einrichtungen nach Marzahn, Lichtenberg & Co verlagern sollte wie Du es scheinbar gerne hättest ;) Freu Dich doch erst einmal über die IGA und den Cleantech-Park (je 40 Mio-Projekte, die zudem jeweils bestehende Stärken weiter ausbauen). Zudem gibt es doch schon die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin in Karlshorst und Oberschöneweide (vgl. Post 36: http://www.deutsches-architekt…tschaft+Campus#post237510 ) und auch Adlershof und Buch liegen im ehemaligen Ostteil der Stadt. Sicher sollte man die Infrastruktur weiter verbessern und mit diesen Pfunden wuchern, aber irgendetwas muss sich doch schließlich auch im Westteil (weiter-)entwickeln dürfen. Und auch dort ist viel Potential vorhanden, was man keinesfalls vernachlässigen sollte.


    Die Beuth-Fachhochschule sitzt zudem schon in Wedding und will nun einmal gerne in Tegel expandieren, nicht zuletzt um an der Speerspitze einer neuen Entwicklung zu stehen. Ich kann es ihnen nicht verübeln und gönne allen solchen Projekten gleichermaßen Erfolg.


    necrokatz: Ich weiß nicht inwiefern bei der Bayer-Entscheidung dieser Zusammenhang tatsächlich besteht, denn 170 Stellen sollen ja nach Wuppertal und Leverkusen. Ich sehe es daher schon als eine Schwächung des Standortes an, auch wenn sonst offenbar eine gute Dynamik vorhanden ist (Pfizer kam erst vor kurzem an die Spree und mW plant ein anderes Pharmaunternehmen einen neuen Firmensitz in der Europa-City: Post 469 http://www.deutsches-architekt…ht=Sitz+Pharma#post313596 ). Es ist schade, dass Bayer hingegen seine Berliner Ambitionen mehr und mehr zu begraben scheint, auch wenn in Interviews immer wieder das Gegenteil beteuert wird.

    Bayer streicht 300 Stellen in Berlin

    In der Antike wurden Überbringer schlechter Nachrichten angeblich hingerichtet. Naja, aber leider gehören auch solche Entwicklungen dazu. Bayer schleift offenbar die chemisch-pharmazeutische Entwicklung in Berlin. 170 Stellen wandern nach Wuppertal und Leverkusen, 130 werden komplett gestrichen :(


    http://www.focus.de/finanzen/n…wegfallen_aid_822236.html
    RBB-Text, S. 130


    Aktuell gibt es in Berlin noch ca. 5000 Angestellte bei Bayer HealthCare Pharmaceuticals, bald also 6% weniger...
    http://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaft_Berlins


    Das unterirdische Besucherzentrum wird zunehmend in Frage gestellt. Es wird insbesondere eine Kostenexplosion befürchtet, von 500 Millionen Euro ist die Rede. Damit würde man das US-Vorbild toppen, trotz einer deutlich geringeren Bruttogeschossfläche von 6000m² auf 2 Etg (US-Zentrum ca. 54.000m² auf 3 Etg). Grund sind potentielle bauliche Probleme wie Wärme- und Geothermie-Anlagen des Reichstages, die neue Trasse der U5 sowie Probleme mit Grundwasser und Sandboden. Eine „Machbarkeitsstudie“ soll bis Ende Oktober belastbare Zahlen liefern.


    Falls das Zentrum kommt, soll es im Kern ein Forum mit Filmräumen, Konferenzbereich und Seminarräumen aufnehmen. Ferner soll es Ausstellungsflächen sowie "Repräsentationsbereiche" für den Bundespräsidenten geben und auch spezielle Flächen für Kinder. Zudem sollen bekanntlich Sicherheits- und Röntgenschleusen eingebaut werden. Das Zentrum soll schließlich u.a. einen häßlichen Container ersetzen, der bisher dem Sicherheits-Check dient. Auch soll es ein Pendant zur sehr positiv aufgenommenen begehbaren Kuppel des Reichstags dienen. Es ist für 1500 Besucher ausgelegt.


    http://www.tagesspiegel.de/ber…tag-zu-teuer/7145364.html


    Fazit: Es gilt also, abzuwarten was die Machbarkeitsstudie aussagt und wie der Ältestenrat des Bundestages darauf reagieren wird. Eine Bereicherung für Berlin-Touristen wäre es sicher, denn dadurch wird das "politische Berlin" vermutlich greifbarer. Zudem wäre es natürlich eleganter so den Sicherheitsanforderungen Rechnung zu tragen und gleichzeitig eine neue Attraktion anzubieten.

    Naja, man setzt ja nicht voll auf Solarenergie. Es klingt eher so als wenn man alles nimmt, was grob ins Schema "CleanTech" passt und es gibt ja scheinbar sogar schon zwei ernsthafte Interessenten für eine Ansiedlung. Wobei auch Akkus ein hartumkämpfter Markt sind und die Konkurrenz aus Fernost bisher übermächtig erscheint. Linde hingegen ist mW sehr stark aufgestellt. Insgesamt gilt Deutschland bei Grünen Technologien noch als innovativ und wettbewerbsfähig auch wenn in China und den USA in anderen Größenordnungen geforscht und investiert wird und manche Felder inzwischen praktisch uneinnehmbar erscheinen. Verpackung und Recycling etwa sind hingegen einige der Branchen wo Deutschland weltweit ziemlich weit vorn ist. Außerdem könnten einige internationale Unternehmen auch auf Berlin setzen um neue Märkte zu erschließen oder ihr Image zu verbessern (frommer Wunsch).

    Naja, da die Prototypen erst 2015 fertig werden sollen, kann man wohl noch nicht mit der Veröffentlichung von Visualisierungen rechnen zudem es sich wohl ähnlich wie bei den Flexity-Straßenbahnen um Spezialanfertigungen handelt. Denn die neuen Fahrzeuge sollen das Tunnelprofil wohl optimal ausnutzen, um mehr Platz im Innenraum zu erzeugen. Das typische Gelb (nicht etwa Silber wie auch mal überlegt) ist aber sicher, ebenso dass sie durchgehend begehbar und mit einer LED-Innenraumbeleuchtung sowie einem Infotainment-System ausgestattet sein werden. Ich rechne also weitgehend mit einer kleinen Schwester der aktuellen Großprofil-Bahn. Die angekündigte Luftfederung sollte sie zudem deutlich leiser und komfortabler aber vermutlich auch teurer machen, als die alten Züge.


    Wenn doch bald Visualisierungen veröffentlicht werden, dann vielleicht beim Radler-Rail Stand bei der nächsten Innotrans in
    Berlin (18. bis 21. September 2012
    Halle 2.2, Stand 207)
    vgl. http://www.stadlerrail.com/


    Jetzt gibt es offenbar doch erste Visualisierungen zu den neuen Kleinprofil-U-Bahnen, leider habe ich es nur im TV gesehen (rbb um 6). Vielleicht gibt es das ja im Medien-Archiv: http://mediathek.rbb-online.de/ oder dann evtl. nochmal bei der Abendschau um 19:30.


    Falls es nicht klappt: Sie sehen von vorne etwas aus wie die Flexity-Trams. Seitlich scheinen sie leicht geschwungen zu sein. Innen wirken sie mE sehr geräumig und angenehm. Die Züge sollen wie gesagt auf den Linien U1-U4 zum Einsatz kommen und sollen bald getestet werden (genaue Daten habe ich mir leider nicht merken können).


    Auf der InnoTrans gibt es aber wie gesagt bestimmt mehr zum Thema!


    Edit: Hat mir keine Ruhe gelassen und ich habe jetzt doch Bilder gefunden, ich werde aber nicht direkt verlinken, das kann wer anders machen. Quellen:


    http://www.bvg.de/index.php/de…ngen/article/1128273.html (offizielle Meldung)
    http://www.berliner-zeitung.de…15,10809148,17275676.html (komplette Bildergalerie)
    http://www.drehscheibe-foren.de/foren/read.php?5,6071046 (Forum mit Hintergrund-Infos)

    Startschuss für "CleanTech Business Park"/ Tegel am Horizont

    Große Hoffnung setzt der Berliner Senat in den CleanTech Business Park, ein Leuchtturmprojekt des neuen Masterplans Industrie, der sich ab 2015 auf 90ha zu Berlins größtem Industrieareal entwickeln soll. 42 Mio (90% Bund, 10% Senat) lässt man sich vorbereitende Maßnahmen und Infrastruktur kosten (ÖPNV- und Kraftverkehr, Strom, Wasser, Fernwärme usw.), die EU unterstützt immerhin die Vermarktung des Areals. Heute fällt der offizielle Startschuss mit der symbolträchtigen Sprengung eines alten Schornsteins - denn hier sollen sich bekanntlich nur zukunftsorientierte Produktionsbetriebe ansiedeln, u.a. aus den Branchen emissionsarme Kraftwerktechnologie, Solar- und Windenergie, Biomasse-Nutzung, Biokraftstoffe, Batterien, Wassertechnologien, Recycling und Entsorgung sowie CO²-Abscheidung.


    Der CleanTech Park befindet sich im Gewerbeareal "Berlin eastside" wo sich auf 1200ha bereits ca. 2500 Firmen aus diversen Sparten angesiedelt haben und auch weiterhin Platz sein wird für die nötigen Zulieferer-Betriebe. Große zusammenhängende Flächen für Industrieansiedlungen gibt es hingegen wenige in Berlin, in Adlershof wird es zunehmend eng und Tegel ist noch nicht ganz so weit wie Marzahn. Inhaltlich gibt es aber sicher einige Überschneidungen mit Adlershof wo sich bereits entsprechende Unternehmen und Werke angesiedelt haben und auch Tegel das unter dem Motto "Urban Technologies" entwickelt werden soll (siehe unten). Es bleibt also zu hoffen, dass die Areale ein je eigenes Profil entwickeln und Erfolg finden werden, ohne sich gegenseitig zu kannibalisieren. Zumal Kritiker bezweifeln, dass die Interessenten wirklich gleich Schlange stehen werden, sobald nur die teuren Grundlagen geschaffen seien und die Flächen auf dem Markt beworben würden. Für den CleanTech Park gibt es wohl immerhin sehr vielversprechende Kontakte zur Linde Nippon Sanso GmbH (Spezialgase) und der BAE Batterien GmbH (bisher Bleibatterien, künftig aber wohl auch Lithium-Ionen-Akkus). Gleichzeitig betonte der BAE-Chef es dürfe nicht nur um die Fertigung einzelner Komponenten gehen, sondern es müsse eine "echte Berliner Wertschöpfungskette" entstehen. Alles oder nichts, heißt die Devise.


    Die Entwicklung in Marzahn wird auch international mit großem Interesse verfolgt. Die maßgeschneiderten Flächen in Marzahn haben der Stadt große Anerkennung gebracht. Das „Business Facility Magazine“ etwa listete Berlin jüngst darauf eingehend in der Kategorie "Green Tech/ Clean Tech Industries" als Nummer eins und es prägte sich der Titel „Epizentrum des europäischen Clean Tech“, gewissermaßen komplementär zum Berliner StartUp-Boom in der IT-Branche. Diese Vorschusslorbeeren muss man sich in diesem Segment natürlich erst noch wirklich verdienen. Generell profitiert Berlin aber bereits jetzt von der führenden Wissenschaftslandschaft und einem entsprechend gut qualifizierten aber gleichzeitig auch preiswerten Personalangebot sowie sehr konkurrenzfähigen Grundstückspreise und Förderbedingungen.


    Der IHK Bereichsleiter "Infrastruktur und Stadtentwicklung" sieht aber speziell bei der Verkehrsanbindung der Areale im Osten der Stadt noch deutliches Potential für Verbesserungen. Wichtig sei die zum Ende des Monats bevorstehende Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig zum Ausbau der A 100, der die nordöstlichen Stadtteile besser an den Flughafen anbinden soll. Auch der Ausbau der neuen Tangentialverbindung Ost wird als fundemental wichtig für den CleanTechPark und das umliegende Areal angesehen, denn der Flughafen wäre so in ca. 20 Minuten erreichbar und man hätte zudem eine sehr gute Anbindung an den WISTA-Park in Berlin-Adlershof.


    http://www.tagesspiegel.de/wir…t-produziert/7116900.html
    http://www.cleanthinking.de/be…in-marzahn-beginnt/30081/
    http://www.welt.de/newsticker/…stes-Industriegebiet.html
    Website des CleanTech Parks (noch sehr überschaubar): http://www.cleantechpark.de/


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    Ich erlaube mir mal, mich selbst zu zitieren. So wird ein direkter Vergleich zur Entwicklung in Tegel möglich:


    Ich danke Klarenbach trotz der Kritik für seine Ausführungen und natürlich auch Konstantin für seine Ergänzungen und Klarstellungen, ohne die es hier für uns andere kein komplettes Bild gegeben hätte. Ich möchte dennoch zu bedenken geben, dass Klarenbach einen ausführlicheren Bericht angekündigt hat, nicht aber ein lückenloses und objektives Protokoll (auch wenn gerade der einleitende Absatz aber auch der allgemeine Stil des Beitrags diese Erwartungshaltung erzeugen können und die besagten Lücken dann verwundern/ irritieren mögen). Ob er also absichtlich etwas ausgelassen hat oder lediglich von seiner eigenen Wahrnehmung/ Erinnerung geleitet wurde, bleibt sein Geheimnis (wenn es ihm überhaupt selbst bewusst ist). Die Wahrnehmung ist bekanntlich nie objektiv und man merkt sich oft die Dinge am besten, die bereits den eigenen Vorkenntnissen und Einstellungen entsprechen. Gerade wenn man kein sachlich orientiertes Protokoll führt, kann dann im Nachhinein die Erinnerung keinen vollen Anspruch auf Objektivität und Ausgewogenheit mehr erfüllen. Deshalb wundert mich nicht, dass gerade Konstantin mit einer völlig anderen Grundeinstellung das Gefühl hatte auf einer anderen Veranstaltung gewesen zu sein und einige Punkte sehr anders wahrgenommen hat. Deshalb können wir anderen im Forum mE nur froh sein, dass beide da waren nicht nur einer. Ferner wundert mich auch nicht weiter, dass ein solcher (womöglich wirklich gut gemeinter Beitrag) für viele Klarenbach noch deutlicher in einer Ecke verortet, in der ihn die betreffenden ohnehin gesehen haben. Der ganze Diskurs von Protokoll, über "alte Gewohnheiten" bis hin zu der Interpretation eben dieser ist geradezu exemplarisch. Dazu gibt es viele interessante Studien, die aber jetzt absolut den Rahmen sprengen würden. Grundsätzlich möchte ich Klarenbach aber vor allzu heftigen Unterstellungen in Schutz nehmen, denn diese decken sich zumindest nicht mit meinen Wahrnehmungen in anderen Threads.


    Am meisten verwundert mich aber die starke Diskrepanz zwischen den wiedergegebenen Aussagen zu einer Umbauung und hier insbesondere bezüglich der Haltung des Kirchnvertreters. Da kann ja nur eine Version stimmen. Alles andere sind für mich zwei Wahrnehmungen eines Ereignisses. Weiterhin offen bleibt mE auch die Frage, was jetzt aus dieser Veranstaltung folgen wird.
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    Edit: Oranien war schneller und hat es auch noch besser auf den Punkt gebracht, Frechheit ;)

    Ich stimme Hobbyist zu. Man sollte schon den Ehrgeiz aufbringen dieses schöne Denkmal komplett wieder zu errichten, alleine schon um die Kirche optisch etwas zu ergänzen. Der einzelne Luther sieht hingegen fast schon verloren davor aus, das kann doch auch nicht der Sinn sein. Ich weiß nicht wie teuer eine komplette Reko wäre, aber man sollte es mE zumindest versuchen - auch ein phasenweiser Ansatz wie von Hobbyist vorgeschlagen kann in Betracht gezogen werden. Zusammen mit einer grünen Einfassung wäre das dann in der Tat ein harmonischer Übergang zu der modernen Bebauung.


    Aber inwiefern besteht denn jetzt überhaupt noch Spielraum für neue Anregungen und Modifikationen? Das ist mir jetzt nicht so klar geworden. Das nach einem Entwurf stets auch (mehr oder weniger berechtigte) Kritik geäußert wird ist ja nichts Neues, aber wie stehen die Chance?

    Klarenbach und Hobbyist:
    Also ich finde das Sonnenblumenmotiv durchaus angenehm. Die Bauten sind ohnehin mit ihren riesigen Flächen sehr präsent und dann kann man auch was draus machen. Diese Bauten sind mE auch nicht um jeden Preis schrill und bunt, sondern vielmehr harmonisch und ruhig. Ich mag aber auch mal etwas Buntes wie an der Storkower so lange es eben nicht zu viel des Guten ist und dann auch wieder gediegenere Varianten im Umkreis zu finden sind.


    Ich finde es übrigens toll, wenn Genossenschaften so auf die Mieter eingehen, wie Klarenbach an anderer Stelle ausgeführt hatte. Auf jeden Fall ist der Unterschied etwa zu meiner Vermietung schon deutlich. Aber die Mieter sind ja dort i.d.R: wohl auch Anteilseigner, sodass es Sinn macht. Ein wirklich gutes Modell wie ich finde.

    Adlershof weiter im Aufwind/ persönlicher Ausblick für Berlin

    Auch wenn ich langsam wieder das Gefühl bekomme, diesen Subthread inzwischen fast alleine zu betreiben, mal wieder ein paar nette Meldungen:


    Adlershof freut sich über eine wichtige und überaus prestigeträchtige Forschungsansiedlung: Der US-Technologiekonzern Corning Inc. eröffnet heute sein neues Forschungszentrum mit 50 Mitarbeitern. Diese stellen sich zusammen aus Kräften von anderen Standorten sowie Neuanstellungen. Corning war in seinen Anfängen so etwas wie der "Daimler" und dann bald darauf der "Ford" der Glühlampentechnologie (Achtung: meine Worte, nicht offiziell geprägter Vergleich ;) ), denn 1879 stellten sie zusammen mit Thomas Alva Edison die ersten Glas-Glühbirnen der Welt her und waren 1926 wiederum die ersten die sie zur Massenproduktion brachten. In den Sechzigern schufen sie dann die Grundlagen für die heutigen LCD-Fernseher und Toch-Screens. Sie liefern heute z.B. kratzfestes Glas für Geräte wie den IPad von Apple und sind entwickeln zudem wichtige Bausteine für die Kommunikations- und Umwelttechnologie sowie für Laborgeräte. In Adlershof soll jedoch primär an neuartigen Produkten für die Kommunikatinstechnik geforscht werden. Wowereit sprach in seiner Begrüßungsrede von wichtigen neuen Impulsen für den ganzen Standort durch ein in seiner Branche führendes und hochinnovatives Unternehmen. Dies seige inmal mehr das Potential der Wissenschaftsmetropole Berlin und sei ein Zeichen für die vorbildliche adlershofer Vernetzung zwischen Forschung und Wissenschaft auf der einen und Wirtschaft und Industrie auf der anderen Seite. Berlin Partner hat die Ansiedlung übrigens unterstützt.


    http://www.adlershof.de/newsvi…93ee54af2924032275f03a0ca


    Auch die Humboldt-Universität will weiter auf ihrem Standort in Adlershof expandieren. So soll u.a. Am Großen Windkanal ein ehemaliges Kasernengebäude in eine Forschungseinrichtung umgewandelt werden. Mit Geldern aus der Exzellenzinitiative können die begrenzten Mittel aus dem eigenen Universitätshaushalt entlastet werden und den Prozess so beschleunigen.


    http://www.adlershof.de/newsvi…9d168acb0e1d2803f732c7228


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    Ausblick:
    In Adlershof ist die kritische Masse sicher erreicht und die Entwicklung hat eine starke Eigendynamik entwickelt. Für Buch gilt bekanntlich ähnliches. Spannend dürfte der geplante Campus Charlottenburg (TU und UdK) sowie die Entwicklung von Tegel und den vielen kleinen Planstellen werden. So oder so hat Berlin vor einiger Zeit München als forschungsstärksten Standort Deutschlands abgelöst und die Dynamik sieht weiterhin sehr gut aus. Großes internationales Ansehen, tolles Personal und hin und wieder auch solche Ansiedlungen sind der Dank (vgl. u.a. die jüngste Expansion von Jenoptik). Man kann es fast als historische Entwicklung ansehen, dass jetzt auch ein Pionier der Elektrifizierung (einem Berliner Vermächtnis) in seiner modernen Ausrichtung wiederum auf Berlin setzt. Wowereit kann sich bald eine kleine Wohnung in Adlershof nehmen, so oft muss er inzwischen hin um die Lorbeeren einzuheimsen (bewusst überspitzt).


    Die Frage ist aber weiterhin, ob es in großem Stil gelingen wird Unternehmen anzulocken, private Investitionen zu forcieren und Arbeitsplätze für alle Bildungsschichten zu schaffen. Das ist ein Mammutprojekt, denn auch die Infrastruktur und die Bildungspolitik gehört letztlich dazu. Gleichzeitig darf die Schuldenlast nicht weiter steigen (allerdings bedeutet ja jeder Arbeisplatz steuern, während jeder Arbeitslose die Volkswirtschaft belastet). Ich bin sehr gespannt, ob dies innerhalb und außerhalb der identifizierten Wachstumsfelder gelingen und auch der Industriesektor stärker etabliert werden kann. Zuletzt waren die Zahlen ja eher positiv. Interessant ist aber auch stets, in welchem Lohnsektor die Jobs entstehen. Bei Call-Centern oä. ist Berlin ja schon lange sehr wettbewerbsfähig und auch Großkonzerne wie Daimler oder Deutsche Bank nutzen offensichtlich gerne die günstigen Büros und Lohnregelungen für bestimmte Konzernbereiche. Interessant finde ich auch, dass viele marode Unternehmen hierher umziehen um sich zu sanieren (zuletzt u.a. einige Verlage).

    Konkret interessiert mich momentan u.a. die jüngste Entwicklung um die Lufthansa. Die Leiharbeiter am Standort sollen ja feste Verträge und gleichwertige Gehälter erhalten. Wird der Konzern trotzdem versuchen, einen Billig-Bereich in Berlin zu etablieren wie FTD jüngst spekuliert hatte, oder traut man sich nun nicht mehr. Durch die Streiks und Verhandlungen wurde ja entgegen Ankündigungen für Ende August noch keine Standortentscheidung und Profilierung des angesprochenen Konzernbereichs kommuniziert.

    Zu guter letzt - last, but not least, denn es ist mir mindestens ebenso wichtig - frage ich mich wie sich die Lebensqualität für die breite Bevölkerung entwickeln wird. Kann die Stadt das Kulturangebot und den hohen Freizeitwert erhalten (mehrere hochklassige Opern, Museen etc. zwei große Zoos und diverse Parks und Grünflächen usw.) und die Mieten auf einem tragbaren Niveau halten? Gelingt die Integration der vielen Zuwanderer? Werden alle diese Menschen gute Jobangebote, einen leistungsfähigen ÖPNV und durch einen maßvollen, breit verteilten Wohlstand auch einen gewissen sozialen Frieden vorfinden?

    Konstantin: Amen, kann ich da nur sagen. Das konnte ich mir jetzt in diesem Zusammenhang nicht verkneifen ;) Zurück zum Thema.


    Städtebaulich betrachtet finde ich, dass die Kirche von den vorhandenen Strukturen her schon irgendwo dorthin passt und es stand ja auch vorher mal eine dort. Architektonisch bin ich wie gesagt nicht so begeistert, da ich wie gesagt gerne eine nach außen hin sichtbare kleine Kuppel gesehen hätte und mir das Ganze zumindest auf dem Modell etwas zu langweilig vorkommt. Ich bin aber schon froh für die Ziegel, die den Wänden etwas Struktur geben werden. Und man darf natürlich so ein Modell auch nicht überbewerten, die geben ja kaum etwas wieder als die Proportionen und die groben Strukturen.

    Widerstand gegen neues EKZ und sonstige Entwicklungen

    ^Fortsetzung:
    Wie könnte es anders sein? Natürlich wird auch der Verkauf an die niederländischen EKZ-Entwickler nicht gut aufgenommen von der Initiative Mediaspree versenken. Sie befürchten wohl, dass es den kleinen Läden an der Warschauer Straße zu große Konkurrenz machen wird. Franz Schulz, der Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, fürchtet außerdem „eine weitere Schwächung“ des EKZ am Ostbahnhof. Die Dichte an EKZ sei mit den Zentren am Alex und dem Lichtenberger Ring-Center schon jetzt zu groß, sodass die Läden beim Ostbahnhof bereits einige Probleme haben. Das Projekt ist aber durch einen Vertrag zwischen Senat und Anschutz-Gruppe von 2004 gesichert, der insgesamt 27.000m² Ladenflächen für das Areal zusichert.


    Die Entwickler, deren Boulevard Berlin bisher recht positiv aufgenommen wird, versprechen aber "sensibel" zu verfahren. Zunächst gilt es, sich mit den Baubehörden abzustimmen, vorher wird es keine offiziellen Entwürfe geben. Fest eingeplant sind jedoch ein direkter Zugang vom Center zur Warschauer Straße sowie eine Kapazität von 900 Parkplätzen im Souterrain.


    Laut Angaben der Anschutz Bürokomplexes will man zudem 2014 mit dem Bau des Hotels und eines Bürokomplexes beginnen. Auch für weitere Neubauten auf dem Vorplatz (weitere Läden und auch Wohnungen) und für die geplanten Bars und Kinos gibt es laut Anschutz bereits Interessenten. Bin ja mal gespannt, welche Argumente dann wieder gegen die Pläne hervorgebracht werden.


    http://www.tagesspiegel.de/ber…n-konkurrenz/7113304.html

    Also ich möche diese interessante Debatte jetzt nicht zu sehr ausweiten, glaube aber weiterhin an die Sinnhaftigkeit dieses Projekts. Wieso wird von einem erzwungenen/ von oben herab verordneten Dialog gesprochen, wenn alle drei Gruppen klar für das Projekt waren und es nun in gemeinsamer Initiative vorantreiben, loben und propagieren? Auch in der Beschneidungsdebatte (man mag dazu stehen wie man will, das ist nicht mein Punkt), waren sich alle drei Seiten völlig einig und haben gemeinsam demonstriert (ein hochrangiger Moslem mit Kippa ist doch mal ein Anblick). Man muss das nicht überbewerten, aber es hat eine breite Akzeptanz und Beteiligung bei allen drei Gruppen gegeben. Ich wehre mich zudem gegen die nun suggerierte Aussage, dass Toleranz ein Merkmal der kleinen, gebildeten Eliten ist (es würde den Rahmen sprengen, über die Rolle von Eliten bei der Entstehung und Eskalation von Gruppenkonflikten zu diskutieren). Selbst unter den ungebildeten, unterprivilegierten Menschen jeglicher Art sind radikale Chaoten zumeist eine absolute Minderheit ohne breite Akzeptanz - auch nicht jeder arme und schlecht gebildete Moslem ist ein potentieller Schläger oder Attentäter ebenso wie gekonnte Frustrationsbewältigung durchaus von der Erziehung, nicht aber allein vom Bildungsstand abhängig ist. Leider ist die Wahrnehmung oft eine andere. Ein Gefühl der Ausgrenzung und Diskriminierung ist mE das eigentliche Problem, dass zu einer radikaleren Identitäts-Suche in der eigenen Gruppe und im Gegenzug zu einer eigenen Abschottung und auch mal gewalttätigen Abgrenzung zu andern Gruppen führt. Deshalb sind solche Gebäude mE als konkreter Treffpunkt schon sinnvoll. Wie das Angebot dann von den Massen wahrgenommen und angenommen wird, muss sich erst noch zeigen und hängt wohl auch von der Kommunikation und Meinungsbildung innerhalb der drei Gruppen ab. Es von vornerein als weltfremden, akademischen Schnickschnack abzutun halte ich bereits für etwas zynisch. Zumal die Alternative des Fatalismus kaum förderlicher sein dürfte als das hier versuchte Engagement. Eine Chance hat es mE verdient.


    Ben: Orthodoxe Juden mit Kippa etc. habe ich auch schon in Neukölln Süd, am Potsdamer Platz und anderswo in der Stadt getroffen. Da müsste Charlottenburg ja voll davon sein ;)


    EDIT: Ich will keine neuen Beiträge zum Thema schreiben, weil ich mE meinen Standpunkt bereits deutlich gemacht habe und es zu sehr OT wird. Aber ich kann Baukunst trotzdem nicht zustimmen und möchte das noch einmal betonen. Auf so einfache Formeln kann man das mE nicht runterbrechen (es gibt mehr als eine Dimension dieser Problematik und daher kann man mE auch nicht per se sagen, dass Streetworker die Universallösung sind) und auch die Feigenblatt-Vorwürfe teile ich in diesem konkreten Fall nicht.

    Zur Stadtentwicklung:
    Also bitte, wer erwartet denn überhaupt, dass sich alleine hieraus jahrhundertelange Konflike nachhaltig lösen lassen - welcher der Beteiligten hat das denn so "gutmenschlich naiv" formuliert oder wird das jetzt einfach mal unterstellt? Man kann sich Andersdenkende auch nach seinen eigenen Vorstellungen und Vorurteilen prägen und dann passt so ziemlich alles ins vorgefertigte Schema. Religion mag zudem für viele ohnehin out of date wirken (Ansichtssache), aber schon alleine im Zuge der Einwanderung kommen auch wieder viele neue Muslime und auch Christen nach Berlin und sogar die hiesige jüdische Gemeinde wächst langsam vor sich hin (Tatsache). Gerade in Anbetracht der jüngsten Anfeindungen gegen Juden und Anschläge auf Moscheen halte ich ein gemeinsam geschaffenes Begegnungszentrum für ein gutes Signal, ohne gleich Wunder zu erwarten. In Nordengland wo ich zwei Jahre gelebt habe, habe ich noch ganz andere Konflikte erlebt und dort schotten sich die Religionen untereinander deutlicher ab. So was will ich hier gar nicht sehen und befürworte jeden Versuch in die andere Richtung. Man kann - sicher mit einiger Berechtigung - zynisch sein und sagen es hilft ja doch alles nichts, oder man kann es zumindest versuchen und sich als naiver Gutmensch verunglimpfen lassen. In meinen Augen sind "naiver Multi-Kulti-Glaube" und völliger Zynismus die beiden Extreme eines ganzen Spektrums möglicher Herangehensweisen - ich sehe mich dazwischen, denn ich betrachte die Andersartigkeit schon als gewisse Bereicherung aber gleichzeitig durchaus als eine ernsthafte Herausforderung im menschlichen Zusammenleben. Übrigens sind Synagogen schon immer auch kulturelle Zentren gewesen, nicht nur Bethäuser und auch Moscheen haben oft angeschlossene kulturelle Einrichtungen (wenn ich mich korrekt erinnere, war das bei christlichen Kirchengebäuden und ihrem Umfeld früher auch der Fall). Kulturelle Treffpunkte (ob mit oder ohne religiöse Bedeutung) sind zumindest mir allemal lieber als neue Spielcasinos oder Einkaufszentren. Der interreligiöse Ansatz ist mE zumindest ein interessanter Versuch für eine Alternative gegenüber exklusiven Treffpunkten wo man sich gewissermaßen doch auch abschottet - egal ob bewusst oder nicht. Ob das nur ein Entwicklungsschritt hin zu einer areligiösen/ atheistischen Gemeinschaft ist, wage ich nicht zu beurteilen.


    P.S.: Wer "Anachronismen" wie nach dem Krieg neugebaute christliche Kirchen interessant findet, kann sich mal mit der Liverpool Metropolitan Cathedral (architektonisch sehr abgefahrene katholische "Kathedrale": http://en.wikipedia.org/wiki/L…ol_Metropolitan_Cathedral) beschäftigen - die Stadt hat wie Gesamtengland viele katholische Iren und Polen aufgenommen und diese sind inzwischen mehr als die Anglikaner. Oder mit St Joseph du Havre (Kirchenhochhaus in Leuchtturmoptik, die sich optisch völlig in die restliche Nachkriegsbebauung einbettet und Teil des UNESCO Weltkulturerbe ist: http://fr.wikipedia.org/wiki/%…ise_Saint-Joseph_du_Havre ). Der Anbau der Gedächtniskirche in Berlin ist aber eigentlich auch so ein Fall. Und Moscheen werden ja ohnehin ständig neue gebaut.


    Zur Architektur:
    Die sagt mir persönlich nicht besonders zu. Sicher ein Fall für "form follows function" (Raumkonzept) und "form follows purpose" (keine optische Dominanz einer der drei Religionen). Herausgekommen ist mE ein relativ nichtssagender Klotz, der nicht unbedingt schlecht proportioniert aber doch sehr glatt und irgendwo leider doch auch etwas abweisend auf mich wirkt. Schade finde ich, dass man keine sichtbare Kuppel plant, denn die gibt es bei allen drei Religionen und sie machen so ein Bauwerk mE deutlich attraktiver. Weiß man schon, welche Materialien eingesetzt werden sollen? Ich hoffe ja auf strukturstarke Materialien wie Backstein und Holz in Kombination mit hellem leicht strukturiertem oder unebenen Putz, nicht aber auf glatte, einfarbige und übergangslose Oberflächen, etwa eine Dominanz aus Beton.