Beiträge von Xalinai

    Ich möchte das Geschrei der Ladeninhaber am Rathenauplatz nicht hören, wenn man ihnen die Läden kündigt, um die dort dringend benötigte Gastronomie anzusiedeln.


    Aber wenigstens hat die Post rechtzeitig den McDonalds verdrängt. Der als einziges "Gastro"-Angebot auf dem Platz wäre wirklich übel gewesen.


    Schön wäre ein Café an Stelle der Dreba-Filiale...

    beschubene: Ja, der Samstagsberg ist für mich Frankfurts Klein-Disneyland. Und wenn Du dir die zweite Reihe dahinter ansiehst, dann hat diese bereits die befürchteten Nachteile einer Komplettbebauung mit den alten Gebäudeabständen. Die Wohnungen im ersten Stock sind (auf der Gassenseite) recht dunkel, der geringe Abstand zum gegenüberliegenden Haus führt zum Aufhängen dichter Gardinen um den direkten Einblick der Nachbarn zu reduzieren, etc. Derzeit ist das Ensemble noch unkritisch, was Rettungswege angeht, eine weitere Bebauung in dieser Dichte würde, insbesondere bei Veranstaltungen auf dem als Zufahrt dienenden Römerberg (Weihnachtsmarkt!), ein Risiko für die Bewohner bedeuten.


    Das Museumsufer ist ein anderes Thema. Erstens wurden hier wieder existierende Gebäude einer neuen Nutzung zugeführt - es wurden nicht, nach einem halben Jahrhundert, zuvor entfernte Gebäude neu erbaut, sondern Bestehendes einer neuen Nutzung zugeführt und nicht zuletzt dadurch erhalten. Zweitens zeigt sich gerade hier die Problematik der Nutzung zu kleiner Gebäude für Museumszwecke: Es müssen An- und Unterbauten durchgebührt werden, die, wenn sie nicht den Charakter des Gebäudes zerstören wollen, als kontrastierende Baukörper ausgeführt werden, was jedesmal sofort das Geschrei der Pseudohistoriker auslöst.

    Tobias #257:
    Siehst Du den Unterschied zwischen deinen Beispielen (Goethehaus, Alte Oper) und dem Kulissenbau der beim Bau einer historisierenden Altstadtkulisse entstehen würde nicht oder willst Du ihn nicht sehen?


    Das Goethehaus wurde zerstört, aber es bestand schon in diesem Moment Konsens darüber, das dieses Gebäude ein wichtiger Teil der Stadtgeschichte ist, ebenso wie Paulskirche und Römer. Daher wurden sie relativ schnell wieder aufgebaut und ihrer vorherigen Nutzung wieder zugeführt. Kein historischer Bruch.


    Bei der Alten Oper war die Situation schon schwieriger, da für einen Wiederaufbau auch eine entsprechende Nutzung zur Finanzierung erforderlich war - aber es wurden zum großen Teil Originalteile eingesetz und die heutige Nutzung ist dem Charakter des Gebäudes angemessen.


    Die Römerbergbebauung ist seit 64 Jahren weg. Der städtische Raum wurde inzwischen anders genutzt und dass die Fläche nicht wieder mit "kleinteiliger gemischter Wohn- und Gewerbebebauung" versehen wurde, entsprach über lange Zeit dem Willen einer Mehrheit der Frankfurter - sonst hätten sie sich sicherlich eine andere Stadtregierung gewählt. (Inwieweit hier heute eine andere Mehrheitsverteilung herrscht möchte ich nicht sagen, mein Eindruck ist jedoch, dass, wie stets in der Politik, die Minderheiten lauter und radikaler sind als die Mehrheiten.)


    Eine Herstellung einer historischen Kulisse für ein Gebäude, das in seiner inneren Struktur die nach außen dargestellte Rolle weder in seiner Architektur (Museen brauchen auch große Räume) noch in seiner Nutzung (eben Museum, nicht Wohn- und Gewerbenutzung) wiederspiegelt halte ich nicht für richtig.


    Das wäre etwa so, als hätte man in den Siebzigern einem Warenhauskonzern die Ruine der alten Oper übergeben um darin ein Kaufhaus einzurichten. Selbst wenn in diesem Fall das Äußere heute ebenso aussehen würde (also ohne übermäßige Werbung, Leuchtreklamen, etc.) wäre es doch nicht "richtig".

    Fachwerkhaus, siehst Du, das ist genau der Unterschied.
    Der Römer-Komplex ist ein über Jahrhunderte gewachsener Bau, der sich tatsächlich in seiner Nutzung verändert hat und dessen Geschichte sich am lebenden Objekt nachvollziehen lässt. Und natürlich hat die heutige Erscheinung durch die Veränderungen, die der jeweilige Zeitgeist hinterlassen hat, kein einheitliches, durchgängiges Bild (und den Erbauer des ursprünglichen Gebäudes würde es vermutlich gruseln, wenn er den Balkon sehen würde der an sein schönde Haus geklebt wurde).
    Eine historisierende Fassade vor einem modernen Gebäude wirkt für mich irgenwie wie die Kneipe, deren Besitzer ein paar Balken Pseudo-Fachwerk an das Erdgeschoss eines 50er Jahre Wohnblocks klebt. Ich trag' ja auch keine Blechuhr mit imitiertem Rolex-Gehäuse - nicht weil die schlecht aussehen, sondern weil ich weiß, dass sie unecht ist.


    Möglicherweise hätte sich ein Historisches Museum, falls es denn an dieser Stelle überhaupt entstanden wäre, auch in den Altstadtgebäuden ausgebreitet.
    Wahrscheinlicher ist, dass sich in diesem Bereich der Stadt nach mehr oder minder aufwendigen Sanierungs- und Abrissarbeiten ähnlich wie in Alt-Sachsenhausen ein "historisches" Kneipenviertel entwickelt hätte, in dem bei Tag niemand auf den Straßen zu finden ist und des Nachts keiner wohnen will, weil an Schlaf nicht zu denken ist.


    Sonstiges:
    Die Vernichtung er Altstadt als quasi außer-geschichtlichen Unfall darzustellen, der nichts mit den geschichtlichen Ereignissen der Zeit zu der sie sich zutrug zu tun hat ist meiner Meinung nach ein schlechter Scherz. Ein Bombenangriff auf Frankfurt war eine absehbare Konsequenz der Kriegsführung, die daraus resultierende Vernichtung der Altstadt (in ihrer Absolutheit nicht nur resultierend aus der Intensität des Angriffs sondern auch aus der Art der Gebäude, der bekannten allgemeinen Brandgefahr, der Bebauungsdichte, etc.) also ganz konkret das Wirken geschichtlicher Prozesse.


    RobertKWF: Willst Du sagen, dass man historische Relikte nach ihrer Attraktivität präsentieren soll? Also das was schön und ansehnlich an der Geschichte der Stadt ist nach vorn, so dass es jeder sehen kann, und das was vielleicht nicht (mehr) so attraktiv ist eher in den Hintergrund? Damit wird dann deine Vorstellung der Geschichte, nach der die Vergangenheit in erster Linie schön und ansehnlich ist und die Gegenwart eben häßlich, zur allgemeinen Wahrheit: Denn niemand kennt die hässlichen Seiten der Vergangenheit, sie ist also in der Wahrnehmung der Menschen zu fast 100% schön, während man von der Gegenwart irgendwo auch die häßlichen Seiten sehen wird, so dass die Gegenwart durch ihren wahrnehmbaren Anteil an Häßlichkeit im Mittel stets weniger schön ist als die Vergangenheit.

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    Wirklich weit von Diffamierung entfernt sind deine Äußerungen hier, die sich nicht auf den Entwurf des Gebäudes, sondern den Wettbewerb an sich beziehen, nicht.


    Viel weiter vom Ziel entfernt ist dagegen dein Verständnis für den Unterschied zwischen einem die Vergangenheit verklärenden Blick des Heimatmuseums in einem malerischen Fachwerkweiler und der Aufgabe eines historischen Museums einer Metropole, das eben nicht nur die "schöne" Vergangenheit sondern auch den Weg von dort zur Gegenwart zeigen soll.


    Weiterhin ist es ja auch so, dass Du die Darstellung und Bedeutung des historischen Frankfurts ausschließlich in der (bewußt nicht: Wieder-) Herstellung einer Fachwerkkulisse im Bereich der ehemaligen Altstadt abbilden willst. Alles was noch älter ist als die von Dir bewunderte Epoche (Archäologischer Garten) oder an einem anderen als dem gewünschten Ort liegt (Mauerfunde im Anlagenring) soll ja möglichst schnell beseitigt und zugeschüttet werden, weil es ja keine "Wiederherstellung" der Altstadt sondern vielleicht bloß noch ältere Originalfunde sind.


    Aber was reg' ich mich eigentlich auf....


    Die jetzigen Pläne mögen dem Historisierer nicht gefallen, besser als das jetzige Museumsgebäude sind sie allemal (ist auch nicht schwer) und ich lass' mich mal überaschen.


    Freust Du dich eigentlich wenigstens, dass mit der Verlagerung des U-Bahn-Zugangs der Platz für eine Rekonstruktion der Goldenene Waage frei wird?


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    Mod: Nicht unterscheidbares (und überflüssiges) Zitat des Vorbeitrags entfernt.

    Das halte ich für eine sehr Sinnvolle Sache, allein schon um für mögliche Umbauten und Sanierungsarbeiten an der Hanauer eine Ausweichstrecke zur Verfügung zu haben.
    Ich schätze mal, dass wir spätestens zum Bau der Mainbrücke Ost noch eine umfangreiche Sanierung der Hanauer zu erwarten haben, bei der der existierende Teil der Ferdinand-Happ-Straße intensiv genutzt wird.

    @jret01: Vielleicht weil die das (mit Ausnahme Kaufland/Edeka, die aber im Rhein-Main-Gebiet noch keine ausreichende Infrastruktur haben) nicht können?


    Tengelmann hat keine Großflächen, real,- ist für eine edle Innenstadtlage zu sehr Massengeschäft und auf große Parkflächen angewiesen, Hit wird sich nicht unbedingt mit der Rewe anlegen wollen - bleibt als einzige wirklich interessante Alternative nur tegut aus Fulda.


    Aber die können wir ja bald im KOMM in Offenbach betrachten.

    A661 Talbrücke Westfahrbahn

    So, es tut sich wieder was.
    Gestern wurden neue Tempo-80-Schilder aufgestellt und Fahrbahnmarkierungen an der Baustellenein- und -ausfahrt angebracht.


    Und schon letzte Woche gab es unter der Brücke folgendes vielversprechende "Containerdorf" zu sehen:


    Das heißt für mich, dass es jetzt nach Ferienende richtig los geht.


    Das ganze Album mit den Bildern vom Baustellenbereich gibt es hier:
    http://www.arcor.de/palb/thumb…?catID=47&albumID=4427817

    Wenn man über die Webcam 3 in den Canyon reinschaut sieht man eine geschwungene Kante in der Verglasung oberhalb derer sie matt/weiß wirkt, unterhalb glänzend/blau - ist das ein Materialwechsel? Bleibt das so?

    Du bist dir schon bewußt, dass die Brandschutzvorschriften für private Wohnhäuser und öffentliche Gebäude mit Publikumsverkehr unterschiedlich sind?


    Dazu kommt, dass das Gebäude äußerlich so aussehen soll wie das Original - dadurch sind die ansonsten vorgeschriebenen Fluchtwege über Außentreppen oder mehrere unabhängige Ausgänge nicht umsetzbar, was im Ergebnis wieder eine Verringerung der Brandlasten und der Beeinflussung der Gebäudestatik durch einen möglichen Brand erfordert - Resultat: Dachkonstruktion aus Stahl.


    Das Thema hatten wir auch schon in anderen Threads: Es ist ein Unterschied, ob ein bestehendes (denkmalgeschütztes!) Gebäude erhalten wird, wo nach heutigen Vorschriften mangelhafter Brandschutz im Rahmen des Bestandsschutzes geduldet wird, oder ob, wie hier, ein kompletter Neubau erstellt wird, der dann so sicher gebaut werden muss, wie es heute möglich ist.

    zu #1168:
    Wie wäre es, bevor du Zeug vom Stapel lässt, das bereits vor Jahren in diesem Thread durchgekaut und widerlegt wurde, du dich erstmal informierst, anstatt die übliche modernistische Propaganda an die Wand zu werfen? Ich finde das ehrlich gesagt nur noch unverschämt.


    zu #1168:
    P. S.: Beim nächsten Mal Schauermärchenrunde über die böse Altstadt bitte mit Literatur- oder Quellenangaben. Ich habe diesen wiedergekäuten Mist mittlerweile einfach satt. Liegt der beim BDA im Empfang aus?


    Zunächst stelle ich mal fest, dass auch hier die alte Regel gilt, dass Mangel an Argumenten zu persönliche Angriffen führt und halte fest, dass ich deine Ausdrucksweise und Wortwahl für unzuträglich zu einer sachlichen Diskussion halte.
    Ich vertrete hier meine eigene Meinung und betreibe keine Propaganda.


    Aber weiter mit deinen Argumenten

    zu #1168:
    Deine Behauptung, dass eine "Nachrüstung" historischer Bauten nicht verfügbar war / wäre ist schon dadurch ad absurdum geführt, dass es gerade in Hessen hunderte von vergleichbaren, teils sogar noch kleinteiligeren (Limburg!) Altstädten gibt, die nicht leer stehen, sondern wo in denkmalgerecht sanierten Häusern mit Strom, fliessend Wasser und modernen sanitären Anlagen Menschen wohnen und wo es keinen Leerstand gibt. Schon komisch was?


    Habe ich irgendwo bestritten, dass es funktionierende Sanierungen von Altstadthäusern gibt oder gefordert dass noch existierende historisch Bausubstanz zerstört werden soll?


    Eine Sanierung setzt allerdings voraus, dass noch irgendetwas an originaler Substanz und Form vorhanden ist.
    Die Sanierungen in den hessischen Ortskernen wurden im Allgemeinen von den Menschen durchgeführt, die heute diese Häuser besitzen und auch, von den geringen Zuschüssen aus Denkmalschutzmitteln abgesehen, bezahlt.


    Im Gegensatz zu einem der Gebäude außerhalb Frankfurts, die üblicherweise als Ein- oder Zweifamilienhäuser genutzt werden (also bis ca. 8 Personen) und typischerweise ein bis zwei Vollgeschosse und emanchmal in ausgebautes Dach haben, handelt es sich bei den Häusern der alten Frankfurter Innenstadt um Gebäude, die durch immer wieder durchgeführte Aufstockungen bis zu sechs Etagen haben.


    Was ihr hier fordert ist der Bau neuer Gebäude, vom Keller bis zum Dachfirst, die nach außen das Bild der zerstörten Altstadthäuser wiedergeben.


    Damit sind, im Gegensatz zum Erhalt existierender Gebäude,[/] auch die heutigen Sicherheitsregeln zu beachten. Daraus ergeben sich Anforderungen über Treppenhäuser, der Brandschutz stellt Anforderungen zu Gebäudeabständen, Fluchtwegen und Zufahrtsmöglichkeiten.


    zu #1168:
    Mal abgesehen davon rate ich dir mal zur Fachliteratur über die Altstadtsanierung in den 30er Jahren, und welche Ergebnisse sie gebracht hat. Nämlich schon damals die selben.


    Und wieder: Die Voraussetzungen waren damals andere, es existierte eine Altstadt.
    Auch wenn Du es nicht verstehen [B]willst
    , die damals zu sanierenden Altstadthäuser kann man nicht mehr sanieren, weil sie in einer Bombennacht im März 1944 bis zu den Grundmauern zerstört und in den folgenden vierzig Jahren, bis unter das Kellerniveau hinab, bewußt entfernt wurden.


    Was immer da entstehen wird ist ein Neubau, weil selbst eine Wiederherstellung mit den Originalmaterialien durch das "Fehlen" der Verformung der Teile über die Jahrhunderte ihres Bestehens einen anderen optischen Eindruck ergäbe.


    Auch in den 30ern hätte niemand, unter der Annahme es wäre von jetzt auf gleich eine freie Fläche entstanden, dort das Gewühl wieder aufgebaut - im Gegenteil, man hat ja gerade in dieser Zeit außerhalb der Kernstadt Siedlungen geschaffen um den Menschen, die im Bienenstock der Altstadt lebten, menschenwürdigen Wohnraum zu schaffen.


    Das damalige Sanierungskonzept bestand darin, aus den Häusern einige auszuwählen, die erhalten und modernisiert wurden und darum herum diejenigen abzureißen, die den erhaltenswerten Gebäuden Licht und Luft wegnahmen. Das so entstandene Stadtbild entspräche dem, was beim gezielten Wiederaufbau wichtiger Einzelhäuser und Ensembles entstünde (was auch durchaus meine Zustimmung fände).


    Wichtig ist dabei noch, dass natürlich auch immer der Eigentümer des jeweiligen Gebäudes mitspielen mußte, da er einen Teil der Sanierungskosten zu tragen hatte. Dafür fielen während der Sanierungsarbeiten die Mieteinnahmen ganz und nach ihrem Abschlus teilweise aus, weil die Wohndichte in den sanierten Häusern geringer wurde. Das war einer der Gründe, warum die damalige Sanierung nicht so recht voran kam.


    zu #1168:
    Der gesamte Alsfelder Stadtkern besteht aus Fachwerkhäusern, von denen sicher 80 % bis 1600 gebaut sind, und dort findet man alles von der Apotheke über Supermärkte, Einzelhandel, Gastronomie etc. - wie passt das mit deinen Befürchtungen zu einer Nutzung rekonstruierter Altstadthäuser zusammen?


    Gut. Wie bereits gesagt, es handelt sich zwar um eine geschlossene Altstadt, aber die Bebauungsdichte ist um ein vielfaches geringer als in der ehemaligen Altstadt, die Gebaudeabstände (Straßenbreite) und auch die Räume innerhalb der Häuser sind größer als sie es in Frankfurt waren. Niemand muss über eine gewendelte 50-Zentimeter-Stiege in die sechste Etage (den dritten Dachboden) klettern - sowohl weil die Gebäude eben nicht so hoch sind, aber auch weil ihre Größe moderne Treppeneinbauten erlaubt und die geringere Bewohnerzahl Treppen im Wohnbereich erlaubt, die obendrein auch noch seltener genutzt werden als diejenigen in den schmalen hohen Häusern der Frankfuerter Altstadt.


    Wie soch anderenorts gesagt, und auch in den derzeitigen Konzepten zur Rekonstruktion der Straßenverläufe bei neuer Bebauung: Die Zusammlenlegung der Flächen historischer Gebäude zur Herstellung "moderner" Grundrisse, die ein Wohnen und Arbeiten auf wenigen Ebenen erlaubt, kann unter Nutzung der historischen Gebäudekontur Teile des städtischen Eindrucks wieder herstellen und das Gebiet einer neuen Nutzung zuführen.


    Wenn man dabei bei "wichtigen" Gebäuden die historische Fassade rekonstruiert (was die Etagenhöhen festlegt) und eventuell zu einer Nutzung notwendige Flächen in klar abgegrenzt modernen Anbauten auf der Gebäudekontur der Nachbargrundstücke dazubaut mag das auch alles einen neuen Zweck erfüllen.

    #1167: Deine Beschreibung der Annäherung and die Kunsthalle Schirn erinnert mich an eine Beschreibung eines Menschen, der sich erstmals einer gotischen Kathedrale näherte - und ja, das ist vermutlich ein Teil dessen, was die Architekten beider Gebäude erreichen wollten. Der Mensch soll aus seinem Alltagstrott und dem blinden Dahinstolpern herausgerissen werden und sich mit der so erhobenen Aufwerksamkeit dem widmen, was dort geschieht.


    Und so wie seinerzeit nicht nur der Ritus sondern auch die künstlerische Gestaltung dem Bauwerk Sinn und Gestalt gaben, unterwirft sich auch der Besucher eines modernen Museums der Kombination aus Ritus und eben moderner Gestaltung.

    #1166: RobertKWF, Du sprichst von einer Katastrophe - die Zerstörung der Altstadt war brutal, heftig, plötzlich, aber eben doch Ausdruck menschlichen Handelns als Folge der damaligen Politik. Damit ist sie ein Zeichen der geschichtlichen Entwicklung.


    Ebenso wie die Zerstörung der historischen Stadtmauer (auch das Ergebnis einer militärischen Niederlage), als deren Folge die Innenstadt heute vom Anlagenring umgeben ist, ein Zustand, den wohl niemand in Frage stellt und den auch Du nicht zur "Wiederherstellung historischer Bausubstanz" zurückbauen willst.


    Ansonsten komm doch mal zurück zum Thema: Ein Gebäude wird errichtet, weil es eine bestimmte Funktion haben soll. Die Altstadtgebäude waren Wohn- und Geschäftsgebäude, zum größten Teil kleine Handwerker und, in den Schirnen, Metzgereien. Die Existenz der letzteren wurde bereits vor der Zerstörung der Altstadt mit dem Aufkommen moderner Vorstellungen einer hygienischen Warenherstellung und -präsentation in Frage gestellt.


    Die Wohnungen in der Altstadt verfügten bei kleinen Grundrissen weder über Bäder noch über separate Toiletten und Raum, diese nachzurüsten war nicht verfügbar. Die Treppenhäuser waren üblicherweise so eng, dass Wendeltreppen ohne Mittelsäule errichtet wurden, mit einem snekrecht herunterbaumelnden Seil als innerem Handlauf.


    Wenn also nun die gesamte Altstadt wiederhergestellt werden soll, dann müssen die neu entstehenden Gebäude ja irgendwie genutzt werden.


    Eine Wiederherstellung aller Gebäude nach historischen Grundrissen zu Wohnzwecken ist aber allein aufgrund der Anforderungen an Treppenhäuser, Sanitäreinrichtungen und Brandschutz nicht machbar.


    Bei gewerblich genutzten Objekten (Büros, Praxen) verschärfen sich die Anforderungen aufgrund des zu erwartenden Publikumsverkehrs noch, erst recht für gastronomische Nutzung.


    Also, welche Art der Nutzung stellst Du dir denn vor und in welcher Weise willst Du den Spagat zwischen historischem Erscheinungsbild und einer Nutzung, über die sich der Bau finanzieren lässt hinbekommen?

    Eine Wiederherstellung einzelner historisch wertvoller Gebäude oder kleinerer Ensembles - dann aber auch wirklich korrekt als Anschauungsobjekt (vielleicht auch gerade um klar zu machen warum man eben nicht Die Altstadt wieder aufbaut) mit historischer Raumaufteilung wäre ja in Ordnung.


    Das Bekenntnis zur Wiederbelebung der Innenstadt durch Wohn-Nutzung ist auch in Ordnung.


    Eine Wiederherstellung von Straßenverläufen und Gebäudekonturen unter Verwendung moderner Materialien und unter Berücksichtigung gegenwärtiger und erwünschter zukünftiger Nutzungsprofile ist auch fein.


    Aber bloß den optischen Eindruck eines spezifischen Zeitpunktes in einer Stadt wiederherzustellen, die durch ihren Baueifer und den stetigen Wechsel bekannt ist - das bringt niemanden weiter. Warum gerade den Stand vom 11. März 1944 und nicht den 12 Juli 1897? Warum gerade den Stand vor dem 2. Weltkrieg und nicht den Stand vor dem Durchbruch der Braubachstraße?
    Oder sah das alles nicht doch besser aus bevor der Dom gebaut wurde?
    Historische Wiederherstellung der gesamten römischen Siedlung im Ausgrabungsgelände?


    Die Zeit fließt. Städte wandeln sich. Und was erhalten wird, entscheidet derjenige, der das zu Erhaltende nutzt und den Erhalt finanziert.


    Und wir können eine bestimmte Fläche nur einfach nutzen, nicht mehrere historische Eindrücke gleichzeitig erhalten - beim historischen Museum dürfte Einigkeit bestehen, wer weiß, ob nicht der Abriss des technische Rathauses in weiteren 20 Jahren als Vernichtung eines typischen Gebäudes der 1970er bedauert wird. (Mir gefällt's auch nicht, aber eben, wer weiß...)

    Also ich weiß nicht recht.
    Was Du hier verlangst ist eine revision der gesamten Geschichte der letzten 64 Jahre bezogen auf die Entwicklung der Innenstadt.


    Ich denke, die historische Altstadt Frankfurts in der Erinnerung zu behalten ist wichtig, das Anstreben einer Totalrekonstruktion halte ich jedoch aus mehreren Gründen für verfehlt.


    Fangen wir mit dem wichtigsten an: Was immer da entstehen würde wäre ein Fake, beginnend mit den Materialien, über die technische Ausstattung bis hin zur Raumaufteilung hinter den historisierenden Fassaden.


    Dann kommt die Frage nach der Nutzbarkeit, denn die Frankfurter Altstadt war bekannt für ihre extreme Enge, die Dunkelheit in den Räumen und die Unpassierbarkeit der Gassen für größere Fahrzeuge (die meisten aktuellen 3,5-Tonner wären nicht durchgekommen).


    Damit wären natürlich auch Nachbauten entweder von der Raumaufteilung sehr beengt oder durch Zusammenfassung mehrerer alter Fassaden vor einem modernen Inneren bloße Kulisse. Die Dunkelheit in den Räumen resultierte aus kleinen Fenstern in engen Gassen, die nach oben durch Überbauung immer enger wurden - das muss bei Wiederherstellung des Straßenbildes ja wieder entstehen, damit stellt sich die Frage, wer in da entstehenden Wohnungen denn am Ende tatsächlich wohnen will.
    Ach ja: Bei der Zusammenfassung mehrerer Fassaden vor einem modernen Gebäude stellt sich das zusätzliche Problem der unterschiedlichen Fußbodenniveaus der verschiedenen historischen Gebäude - entweder werden die Gebäude dann angepasst, das ergibt ein verändertes Straßenbild, oder im Gebäude entstehen viele unterschiedliche Ebenen, was die Nutzbarkeit (behindertengerecht?) deutlich einschränkt.


    Die Frankfurter Altstadt zu rekonstruieren ergibt also entweder ein Mickymaus-Frankfurt, aus Kulissenfassaden vor neuen Häusern, das man besser in Disneyland aufstellt als im einem realen Stadtzentrum oder ein Konglomerat nicht vermietbarer Wohnungen, die nach heutigen Standards zu eng, zu aufeinandergepackt und zu dunkel sind.


    Dass das gesamte Gebiet entkernt, ausgedünnt und dabei eben auch größtenteils abgerissen werden muss, war den Frankfurtern bereits vor 100 Jahren bewußt und die entsprechenden Maßnahmen wurden ja auch schon in den 1920ern begonnen.


    Nicht zuletzt deshalb dürfte die Art des Wiederaufbaus in den Fünfzigern - die ja noch von Leuten durchgeführt wurde, die die alte Altstadt kannten - so radikal mit dem Bestand gebrochen haben.

    Ob das ein Millionengrab bleibt wird sich zeigen - ÖPNV-Strecken haben ein paar seltsame Eigenschaften. Beispielsweise kann eine Linie die mit einem 30-Minuten-Takt meist leer fährt, bei einem 10-Minuten-Takt plötzlich gut belegt sein, weil dadurch potentielle Nutzer, denen die Abfahrtszeiten wegen unpassender Anschlüsse nicht passten, plötzlich eine schnelle Verbindung entdecken.


    Und gerade hier, wo eine bis Mainkur/Fechenheim verlängerte U6, die an der Mainkur und am Ostbahnhof Umsteigemöglichkeit böte und dann die Feinverteilung auf fünf existierenden Stationen entlang der Hanauer Landstraße sowie in der Gegenrichtung zum Zoo übernehmen könnte, besteht eine solche Chance.


    Vom Umsteigevorteil für die Langstreckennutzer aus dem Osten, die dann bereits vor dem Knoten an der Konstablerwache mit Sitplatzchance in die U6 Richtung Westend steigen könnten, mal ganz abgesehen.