Beiträge von ungestalt

    nun ja, da dieser clip ja nur händler davon überzeugen soll, ihre läden in dieses center zu stecken, ist es schon ausgezeichnet daraufhin ausgelegt. es besteht zu einem großen teil aus behauptungen und beschönigenden argumenten - ein richtiger werbefilm also.
    ich bin auch gespannt, was grüntuch & ernst nun noch rausholen durften.

    die kirche möchte ihren ausweichbau der st.trinitatis-kirche am rosental entweder sanieren oder einen neubau errichten.
    in diesem zusammenhang wird gemunkelt, dass die stadt der katholischen kirche den platz vorm grassi zur verfügung stellen würde, wenn sie einen kirchenneubau darauf setzen wöllte.
    viel konjunktiv, viel unsicherheit - aber eine option. wobei aber andere standorte im moment interessanter sind.

    und als ich heut abend mit dem rad die richard-lehmann-straße richtung b2 hinunter rollte, habe ich mit großer freude den baubeginn des neuen lidl-marktes an der ecke windscheidstraße feststellen dürfen... gut das diese unansehnliche grünfläche jetzt mit parkplätzen und nem flachbau verschönert wird. und traurig, dass weder bürger noch die stadtverwaltung nein sagen können zu den wuchernden avancen der freundlichen discounter.

    nichts gegen märkte, wo sie gebraucht werden. aber im süden nun alle 400m einen discounter zu haben, halte ich für zuviel des guten. vor allem weil ja sowohl rewe am kreuz aufs doppelte aufstocken möchte als auch das connewitz-stadteil-center der TLG an der scheffelstraße leider noch nicht vom tisch ist. obwohl ein großteil der bürger von connewitz klar ablehnung signalisiert haben.


    um nicht allzu pessimistisch zu klingen ;)
    die stadt könnte ja mal eine brachfläche zu einem platz erweitern, auf dem ganz klassisch markt stattfinden könnte, wie in lindenau, am bayrischen bahnhof oder der innenstadt. das wär was. würde dem einzelhandel auf den magistralen eher zugute kommen. nicht diese anonymen kaufbunker.


    nun ja, vielleicht habe ich heute auch einen schlechten tag.

    na dann bleibt uns doch noch die option, abzuwarten. wenn die hauptpost wieder blitzeblank ist und in ein paar jahren auch das gewandhaus generalüberholt ist (schließlich steuert der bau auch auf seinen 30. geburtstag zu), dann haben wir mit dem augustusplatz doch die einmalige zusammenstellung von gebäuden aus 100 jahren architektur. und wenn das gesicht der stadt leipzig etwas ausmacht, dann das sorgenfreie miteinander von neuer und alter architektur. ich persönlich bin total gespannt auf den high-tech-look von uniriesen bis café felsche. hoffentlich entsorgt die stadt dann zeitnah diese nervigen stahlregenschutzdinger vor uni und krochhochhaus.


    übrigens vielen dank für diese erhellende paulinerkirchendiskussion. war eine freude mitzulesen.

    was mich doch gleich einmal fragen macht, wie bekommt man diese unglaublich deplatzierten regenschutzgänge auf der stadteinwärtigen seite des augustusplatzes weg? für eine nächtliche aktion mit einem schweißbrenner sind sie ja dann doch zu massiv ;)
    nein ernsthaft, alle milchtöpfe und grünflächen kann ich akzeptieren, da sie dem platz seine riesenhaftigkeit nicht wirklich nehmen. die (wieder und diesmal anders) wunderbare stadtfront von uniriese bis krochhochhaus lässt sich so nur mit einer störenden horizontalen betrachten...
    und, mit verlaub, finde ich die extra horizontalbetonung (wenn wir einmal dabei sind) bei der uni-fassade grimmaische straße interessant, weil der baukörper dadurch eine gewisse fliehkraft entwickelt.

    lieber stahlbauer,
    ich arbeite mit einigen tourismusverbänden im leipziger neuseenland (welches ja länderübergreifend verstanden wird) zusammen und darf dir versichern, es gibt auch menschen hier, die diese ganzen politischen buntstiftlinien auf dem schönen mitteldeutschland völlig bekloppt finden und demnach versuchen, unter den strukturen hindurch ein gemeinsames touristisches miteinander zu finden. leider gibt es aber immer genügend menschen, deren horizont nur bis zur ortsgrenze geht. das wird sich auch nicht ändern lassen ;) und ich glaube nicht, dass es irgendwas mit der platzierung auf der deutschlandkarte zu tun hat.

    von was für Bebauungsplänen sprichst du da? Ich hab nur in den Tiefen von leipzig.de mal einen Beitrag aus dem Jahre 1992 gefunden. Kennst du das vielleicht noch etwas mehr?
    Übrigens fände ich den Namen Königsplatz für den Südteil durchaus auch angemessen. Hat so einen prosaischen Klang. Und irgendwie haben wir eigentlich genug "Namensplätze" in der Stadt.

    NewUrban


    ich denke es ist ein wenig drastisch formuliert, das die über jahrzehnte in einem experimentalsozialismus eingesperrten menschen der ehemaligen ddr "geil" waren, eigenheime auf die grüne wiese zu setzen. findige unternehmer haben es ihnen als den "traum des eigenen heimes" so verkauft und wußten sie es besser nach 40 jahren unmündigkeit?


    das leipzig aufgrund seiner schätzenswerten altbausubstanz wohl zu recht um jedes stückchen geschichte kämpft, erachte ich als lobenswert und nicht umsonst mögen wohl einheimische wie auch besucher die stadt nicht wegen ihrer breiten straßen.
    wann immer du das letzte mal in leipzig warst, dann würdest du staunen, wie wenig hier mittlerweile (und wenn nurunter bürgerlichem protest) hier noch abgerissen, sondern wie viel hier (einer mir unverständlichen abrißliebe des sächs. innenministers zum trotz) mit liebe zum detail saniert wird.


    irgendwo habe ich mal ein zitat eines italieners gelesen, das da lautet: "wenn du ein haus baust, denke an die stadt" - und wenn ein investor/unternehmer sich irgendwo niederläßt, um geschäfte zu machen, dann sollte er das mit respekt machen - denn sonst ist er wertlos.


    was die brühlfassade angeht: auch buchhalter sollen ein gefühl für ästhetik besitzen, vielleicht ist noch nicht alles verloren ;)

    das sich das Zentrum Halle/Leipzig als Landeshauptstadt eignen würde, liegt mehr an der geografisch zentralen Lage, weniger an der Gier beider Städte. Die anfänglichen Bedenken der thüringischen Gemeinden sind m.W.n. mittlerweile durch umfangreiche wirtschaftl. Absprachen und Kooperationen aufgefangen. Demokratie hat nicht nur Vorteile (ist natürlich dennoch die wunderbare Regierungsform), denn oftmals werden Entscheidungsprozesse unglaublich verlangsamt oder ganz gelähmt, weil das große ganze durch einzelne Positionen verwässert wird. Damit es nicht falsch aufgefasst wird: ich möchte keineswegs dieser Art der Zusammenarbeit abschwören, gemeinsam erreichte Ziele sind die Wertvollsten.


    Zum Beispiel habe ich aus zuverlässiger Quelle erfahren, wie eine bereits funktionierende Kooperation mehrerer Interessenverbände aus dem touristischen Sektor in Mitteldeutschland durch Neuzugänge stark in ihrer Arbeitskraft ausgebremst wird - und zwar aus unangebrachtem Geltungsdrang der Neuzugänger.
    Viele Köche verderben den Brei, wenn alle denken, sie haben das beste Rezept.


    Bin ja noch neu im Forum - sind wir jetzt diskussionsmäßig schon zu sehr offtopic (ist ja eher wirtschaftspolitisch als baupolitisch derzeit) ?


    Deshalb noch eine Frage zum Ende: Glaubt ihr, das die nationalstaatlichen Verwaltungsgrenzen, bzw. der Förderalismus aufgrund der Wirtschaftlichen Entwicklungen bereits am regulatorischen Ende angekommen ist und eigentlich nur noch Wirtschaftsräume das schulische Kartenmaterial zieren sollten?


    Daraus resultierend: Woran identifizieren sich die Menschen dann? Vielleicht nur noch an ihrem Lebens- und Schaffensort?

    Stahlbauer:


    aus persönlichen erlebnissen muss ich mal anmerken: leipziger, die sich über den citytunnel oder die dresdner eigennützigkeit beschweren sind wohl meist die, denen der eigene tellerrand reicht.


    warum sind wirtschaft und forschung in den alten bundesländern besser vernetzt, warum baut sich dresden sein altes stadtzentrum mühe- und qualvoll wieder auf, warum hegen leipziger lokalpatrioten ihren vielzitierten größenwahn.


    der grund liegt einfach in nachkriegsgeschichte. während die neuen bundesländer zu zeiten der ddr in einer art wirtschaftlichen kälteschlaf / politischen retorte lagen (man verzeihe mir diese oberflächliche metaphern), wurde im alten bundesgebiet mit viel reibungsverlusten fleißig an einer funktionierenden marktwirtschaft gewerkelt.


    kampf ist das prinzip des freien marktes - gekämpft wird an allen fronten. nur ein beispiel vielleicht: große deutsche immobilienportale kennen als lebenswerteste städte nur münchen, hamburg, frankfurt a.M. oder stuttgart (und wer schon mal in stuttgart war fragt sich sicherlich: warum? ;p)


    nachdem vor einigen jahren die bildung des bundesland mitteldeutschland (thüringen, sachsen und sachsen-anhalt) wegen einem veto des freistaates bayern (und wohl auch aufgrund bedenkens des schönen elbflorenz, wieder in eine randposition zu schlittern) gescheitert war, haben sich die städte jena, leipzig, halle & dessau versucht, wirtschaftlich zu arrangieren. die wirtschaftliche zusammenarbeit über (oder gern auch unter) lähmenden ländergrenzen hinweg (hindurch) funktioniert mittlerweile und trägt früchte: die einzelnen standorte stimmen sich in ansiedelungspolitik ab und treten so nicht in konkurrenz zueinander. unlängst erfuhr ich, das wohl auch auf gewerkschaftsebenen mittlerweile abstimmungen zwischen leipzig und halle stattfinden, von der florierenden kulturellen zusammenarbeit (z.b. bach und händelfestspiele) mal zu schweigen. wenn es nach den wüschen der leipziger und hallenser stadtväter ginge, wären wir schon länger ein stadtpaar. doch ein paar wohlbeleibte herren in den landeshauptstädten passt das leider nicht.


    es geht also schon so einiges in der region.
    es wird aber (trotz internet und globalisierter beschleunigung) dennoch lange dauern, bis das der schnitt durchs alte kaiserreich einigermaßen geheilt sein wird (man verzeihe mir noch einmal)


    die allerwichtigste grundvoraussetzung ist erstmal: stolz auf seinen standort. ob das nun eine stadt, eine region oder ein geschichtlicher aspekt ist, spielt nur untergeordnet eine rolle. nur aus diesem stolz wächst die hingabe etwas zu bewerkstelligen.


    und hier gefällt mir wieder eine kleine leipziger eigenschaft, die sonst eher den schwaben zugeschrieben wird: schaffensdurst.

    danke dj tinitus. schön von einem leipziger mal solch argumente gegen die allgemeine dresdenphobie zu lesen. wahrscheinlich steckt in den kindern der städte dd und le ein lokalpatriotismus, der die wahrnehmung gern mal trübt.
    auch wenn ein gewisses maß an abgrenzung gesund und förderlich für den "wettbewerb" sein kann.


    dresden ist als landeshauptstadt in der position, für sich vorteile zu erwirtschaften und es wäre ja ganz schön naiv zu glauben, dass es das nicht mit voller kraft nutzen würde.


    natürlich ist und bleibt leipzig (zumindest für mich) die schönste stadt der welt ;)