Beiträge von leipziger


    Hinsichtlich der "Blechbüchse" gebe ich zu bedenken: Der Zeitgeist ändert sich. Was sagen wir der nächsten Generation, wenn wir gefragt werden, warum wir die Gebäude der z.B. 1960er Jahre alle entsorgt haben?


    Die Argumente für den Abriss der Gründerzeitbauten nach dem 2. Weltkrieg waren doch ähnlich.


    Man Bedenke nur einen kleinen Unterschied:
    Wenn die Blechbüchse heute verschwinden würde, würde dort ganz selbstverständlich wieder etwas ähnlich grob-modernes entstehen wie die alte Blechbüchse (= Wiederholung der vorgefundenen Qualitäten).


    Als nach 1945 die Gründerzeitbauten weggerissen wurden, entstand bewust was ganz anderes. Eine fein-handwerklich gearbeitete Fassade verschwand beispielsweise zugunsten einer glitzernden industriell gefertigten Matallfassade. Oft veränderte sich der Städtebau radikal.

    Wenn Du den Konsum an der Kö meinst, er wird einst drei Etagen haben. Wobei das Parkdeck in der zweiten Etage wahrscheinlich höher sein wird. Also ein moderner Flachbau wirds eher nicht. Wird schon was großes. Fünf Monate haben sie ja noch Zeit, bis der neue Konsum an der Kö stehen soll ;-)


    Sorry, aber ich finde, dass es im Vergleich der umliegenden Bebauung doch eher ein Flachbau ist. Wenn ich das schön wieder lese, Parkdeck im 2. OG.... in den 90ern war man froh, dass immer öfter Gründächer gebaut wurden (nein... ich bin kein Öko...)
    Gibt es denn außer der Meinung von Cowboy keine weiteren Meinungen dazu? Findet ihr diese Flachbauwelle in Ordnung? Man kann Supermärkte doch auch durchaus in den die geschlossene Zeilenbebauung integrieren, wie in 2007 beim Konsum Jahnallee geschehen...

    Bezüglich der Portaits sehe ich es wie Stahlbauer. Aus meiner Sicht spielt die Art der Ausführung (wie von dj trinitus angesprochen) nur eine untergeordnete, wenn auch nicht ganz unwichtige Rolle. Das Weimarer Beispiel zeigt sehr gut im Vergleich zu der historischen Fassade im Hintergrund, wie sehr masstabsprengend diese riesigen Portaits sind. Für die Autofahrer ist dies an der Front Tröndlinring vielleicht angemessen. Aber eigentlich möchten wir es doch für die Leute in der Stadt, die sich zu Fuss oder mit dem Rad... bewegen, schön machen, und nicht für die Autofahrer, die rein zufällig über den Ring brausen und für 2 1/2 Sekuden im Augenwinkel die Fassade sehen, während sie die andere Zeit damit beschäftigt sind, unter dem 5 Fahrspuren die richtige auszuwählen.... :Nieder:

    Ich möchte an dieser Stelle die von Cowboy gezeigten „Bruchbuden“ ein wenig näher beleuchten. Für einige sieht es m.E. gar nicht so schlecht aus.
    Um die Bilder nicht wiederholen zu müssen, setze ich nur einen Link:


    http://i196.photobucket.com/albums/aa170/Slache/P6170168.jpg
    Breite Straße 2/Ecke Täubchenweg: Für dieses, relativ alte, um 1860 im Stadtteil Anger-Crottendorf (noch vor der Eingemeindung nach Leipzig) gebaute Haus dürfte es kritisch werden. Die ältere Generation der Gründerzeithäuser besteht im Inneren größtenteils aus dünnem Holzfachwerk (Innenwände und Decken), dazu kommt, dass die massiven Außenwände vor allem in den oberen Geschossen sehr dünn sind.
    Breite Straße 2 war mal im Gebäudesicherungsprogramm der Stadt zu finden (wobei es mir scheint, als sei bisher nichts geschehen), die Stadt weiß also um die Wichtigkeit des Objekts.



    http://i196.photobucket.com/albums/aa170/Slache/P6170170.jpg
    Diese jüngeren, um 1905/1910 gebauten Gründerzeithäuser in der Tiefen Straße in Anger-Crottendorf werden noch eine Zeit lang von selbst stehen bleiben. Das Haus mit dem Eckerker vorn ist inzwischen gesichert oder sogar saniert worden (als ich letztes Mal vorbei kam, standen Gerüste, die Fassade wurde saniert/gestrichen). Das ich glaube wohl anschliessende Haus Nr. 5 ist vor kurzem für rund 30.000 EUR versteigert worden. Vielleicht tut sich bald was. Die folgenden Häuser (z.B. Nr. 7) sind bewohnt und damit erstmal noch auf der sicheren Seite, auch wenn an der Fassade der Putz blättert.


    http://i196.photobucket.com/albums/aa170/Slache/P6170161.jpg
    Dieses um 1890 erbaute Haus in der Dresdenerstr. Ecke Kapellenstr. im Zentrum von Reudnitz ist auch erstmal noch bewohnt, die Fenster sind nach der Wende erneuert.


    http://i196.photobucket.com/albums/aa170/Slache/P6170175.jpg
    Das 1889 von Arwed Rossbach errichtete Salomonstift in Reudnitz (Oststr./Rieckbeckstr./Eilenburgerstr.) wird definitiv in Kürze saniert. Damit wird die neben den Meyerschen Häusern älteste private Wohnanlage „für arme Leute“ der Stadt definitiv gerettet.


    http://i196.photobucket.com/albums/aa170/Slache/P2100538.jpg
    Diese drei hochwertigen, um 1890 erbauten Häuser in der Eisenbahnstr. 41-45 wurden in das Gebäudesicherungsprogramm aufgenommen. Bisher ist m.E. nichts geschehen, der Erhalt aber von der Stadt gewollt.


    http://i196.photobucket.com/albums/aa170/Slache/P2270038.jpg
    Dieses Hintergebäude in der Goldschmidtstraße gehörte zu der unmittelbar an der Ecke Goldschmidt- und Talstraße gelegenen neugotischen Villa des Verlags Ernst Keil. Die Villa war 1861 durch Constantin Lipsius (jenem Architekten, der später die viel kritisierte Dresdener Kunstakademie an der Brühlschen Terrasse mit der „Zitronenpresse“ baute) erbaut worden und im Zweiten Weltkrieg bis auf die Umfassungsmauern ausgebrannt und später abgerissen worden.
    Das erhaltene Hintergebäude dürfte ebenfalls um 1861 erbaut sein. Der Verlag Keil war seinerzeit Herausgeber und Erfinder der bekannten Zeitschrift „Gartenlaube“.
    Aktivitäten zur Rettung des Gebäudes sind mir leider nicht bekannt. Es ist jedenfalls eine wichtige Erinnerungsstätte an das Buchgewerbe in Leipzig.
    (siehe auch: Leipzig und seine Bauten, S. 397)


    http://i196.photobucket.com/albums/aa170/Slache/P2270084.jpg
    Das zur Langen Straße gehörende Gebäude links mit der langen Brandwand dürfte mindestens um 1870 gebaut sein. Es steht momentan zum Verkauf.
    Das Gebäude rechts an der Ecke zur Kreuzstraße gehört zu den ältesten des Quartiers „Grafisches Viertel“ und dürfte um 1850 erbaut worden sein. Für dieses Haus dürfte es kritisch werden.


    http://i196.photobucket.com/albums/aa170/Slache/P2270055.jpg
    Dieses sehr opulente, 1880 erbaut Wohnhaus Rabensteinplatz/Täubchenweg 1 unmittelbar am Grassimuseum ist derzeit noch bewohnt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es irgendwann vollständig saniert werden wird.
    Zusammen mit dem ehemals links anschließenden, zeitgleichen Nachbarhaus wurde es seinerzeit in dem Buch „Leipzig und seine Bauten“ (S. 406) abgebildet. Es wurde für einen Fabrikbesitzer Wolff von Architekt Bruno Grimm erbaut.


    http://i196.photobucket.com/al…120417221674_goldtal2.jpg
    Zu dieser opulenten Villa Goldschmidtstr. 31 sei noch erwähnt, dass die Aufwendungen für die Sicherung durch einen Dachstuhlbrand beträchtlich erhöht wurden. (Denke mal, es war Brandstiftung). Deshalb mussten auch die Sandstein-Dachgauben abgebaut werden.
    Durch das Löschwasser wurde die reiche Ausstattung der Villa nochmals erheblich geschädigt.
    Die Villa wurde übrigens 1882-83 durch den Architekten Carl Weichardt für den Kaufmann M. A. Schröder erbaut. (Leipzig und seine Bauten S. 391).