Beiträge von Treverer

    Andere bedienen sich eines für Berlin emblematischeren Stils, des Art Deco, wählen noble Materialien und sind erfolgreich. Wie Chipperfield, Nöfer, Kollhoff oder Langhof.

    Wo bedienen sich denn Chipperfield oder Langhof des Art déco? Nöfer und Kollhoff ganz klar, aber die beiden anderen sicher nicht.

    Im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung findet man, hat die Bundesstiftung zum Wiederaufbau der Bauakademie, nach Veröffentlichung ihrer Thinktank Ergebnisse, ihre "Aufgabe gründlich missverstanden":

    https://www.faz.net/aktuell/fe…sverstanden-18398741.html

    Dem schließe ich mich an. Man hat wohl geflissentlich vergessen, dass hier Schinkels Bauakademie nach Bundestagsbeschluss wieder aufgebaut werden sollte, dass das Motto bis vor kurzem noch war "So viel Schinkel wie möglich" und dass auf den käglichen 45x45 Metern nicht die Moderne oder das Klima gerettet werden soll oder kann.
    Berlin hat für solche Experimente enorm viel anderen Raum. Auf dem Schinkelplatz, und im Rücken von Schinkel, gehören diese Experimente nicht hin, sondern Schinkels Bauakademie.

    Ich persönlich könnte mich durchaus mit einem Hybriden anfreunden, außen originalgetreu rekonstruiert, innen modern und klimafreundlich. Das wäre eine Lösung, die sicher möglich wäre und die beiden Gruppen versöhnen könnte/sollte, Aber die eine Gruppe will leider mehr als einen Hybriden und einen fairen Kompromiss, Sie will Schinkels Bauakademie verhindern. So wird leider jede versöhnliche Einigung schwierg.

    Mein pesönliches Fazit wäre, daß ein Hybrid aus modernem Inneren mit einer vorgesetzten Fassadenreko alle "Handlungsempfehlungen" erfüllen könnte und somit ein annehmbarer Kompromiß zwischen Vollreko und komplett modernem Bau sein könnte. (jedenfalls würde ich mir das wünschen)


    Dass es ein Hybrid sein wird, ist doch eigentlich schon lange ausgemachte Sache. Das Innere wird zu 100% zeitgenössisch gestaltet und zukunfts- und klimafreundlich. Die große, offene Frage ist, ob außerdem das Äußere ein Hybrid aus alt und neu werden wird. Aussagen wie: "Man solle außen ablesen können, was innen geschieht", suggerieren ja, dass man selbst außen nicht komplett rekonstruieren will.

    Hier meinte wer, das passt eher nach Marzahn, leider passt es auch hier perfekt zu den Hochhäusern im Hintergrund.
    Die Gegend ist einfach komplett verbaut. Vollversagen seit gut fünf Jahrzehnten.


    Ich hoffe, dass es in zukunft durch geisel & kahlfeldt besser gelingen wird

    Wie ist das eigentlich...stehen deren Stellungen durch die wahrscheinliche Neuwahl nicht auf der Kippe?
    Würde die beiden ja auch gerne länger wirken sehen... :/

    Sehr schön zu sehen wie sich hier die Platz- und Straßenkannten schließen und hochurbane Orte bilden. Schade, dass es Probleme gibt und die Fertigstellung so lange dauert.
    Beim Wiederaufbau von Dresdens Altstadt kann man aber wirklich sagen: Was lange währt, wird endlich gut.
    Es fehlt nur noch das Hotel Stadt Rom. ;)

    Jockel: Schinkel war Modernist, ihm posthum zu unterstellen, er wäre gegen eine moderne Lösung, bzw. gerade ihn als Argument für eine, am liebsten, Vollrekonstruktion heranzuziehen, ist eher anmaßend.


    Schinkel war außerdem Romantiker. Wie viele seiner Zeitgenossen schwärmte er von einer romantisierten Antike und dem Mittelalter. Dies spiegelte sich immer in Schinkels Architektur, in seinen Gemälden und Designs wieder.
    Ich finde es ziemlich anmaßend, und ignorant dazu, Schinkel zu unterstellen, er wäre heutzutage ein Verfechter der Moderne. ;)

    Ja, das ist von Juli. Zwischenzeitlich (vor einigen Wochen) hat aber die Bausenatsdirektion (Petra Kahlfeldt) festgelegt oder festlegen wollen, dass zumindest die äußere Gestalt originalgetreu rekonstruiert werden soll:
    https://entwicklungsstadt.de/b…algetreue-rekonstruktion/

    Ich kenne mich ja nicht so genau aus, aber wenn die Bausenatsdirektion dies so festlegen will, dann nehme ich an, hat sie wohl auch die Befugnis dazu, zumindest ein Mitspracherecht, auch wenn der Bund derjenige ist, der hier baut.
    Im übrigen hat die Stiftung der Bauakademie, bzw. ihr Direktor, Guido Spars, sich bereits ebenfalls mehr oder weniger deutlich für eine Reko ausgesprochen mit: "So viel Schinkel wie möglich", und damit, dass man die Forsa-Umfrage pro äußerliche Reko sichtbar auf die Startseite des offiziellen Internetauftritts gepackt hat.

    Zu dem Plan der Grünen:
    Dies ist der Schinkelplatz, Schinkel höchstpersönlich steht auf hohem Sockel davor, alles andere als Schinkels Bauakademie an diesem Ort, zumindest äußerlich, ist schlicht beknackt, ein Schildbürgerstreich.

    Vielen Dank für das Bilderupdate. :) Das Hotel interessiert mich ja schon lange sehr.
    Wie muss man sich denn die erwähnte Eingangshalle des Hotels vorstellen, wenn du sagst, das wird "ziemlich vielversprechend"? "Halle" suggeriert räumlich großzügig? Ist hier noch etwas von der Pracht um 1900 übrig oder hat man wieder etwas hergestellt? Wie sieht es mit Möblierung aus? Eher klassisch oder modern?

    Weiß jemand was vor dem Reichstag los ist? Seit einigen Monaten ist der Bereich vor dem Haupteingang weiträumig abgezäunt, es stehen Bagger und anderes Baugerät herum, man sieht ein paar Erdhaufen, aber ansonsten scheint sich da nicht wirklich irgendwas zu tun oder zu verändern. Gleiches Bild seit Monaten. Ich hatte in Erinnerung der geplante Graben vor dem Gebäude verschiebt sich um einige Jahre, also das kann es noch nicht sein?

    Ich nehme mal an, die Arkaden/Rundbögen der Annenhöfe bleiben so, also so unverfugt? Schade, historisierende Neubauten mit unverfugten Betonplatten wirken auf mich persönlich immer irgendwie billig und schludrig ausgeführt. Da muss ich außerdem sofort an die historisierenden Platten im Berliner Nikolaiviertel denken. Die finde ich ziemlich hässlich.

    Meinst du die neben dem Dom? Da sind ca. 70m Weg neben dem Dom, die bei allen Umbau- und Umgestaltungsmaßnahmen der letzten Jahrzehnte immer ausgenommen worden sind. Da gibts noch immer Flickenteppich-Pflasterung, olle Peitschenmasten und ungepflegtes Gestrüpp am Rande.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass der Abschnitt der Domgemeinde gehört, und die scheint generell klamme Kassen zu haben und konzentriert sich gerade auf die Sanierung der Domfassade und der Hohenzollerngruft. Auf deren Webseite steht auch, dass sie noch immer einen Wiederaufbau der Denkmalkirche anstreben. Sich um den Bereich an der Liebknecht-Straße zu kümmern, steht wohl weit hinten an.

    Patzschke-, Treese- oder Kahlfeldt-Bauten sind historisierend, die Fassaden des Berliner Schlosses sind waschechte Rekonstruktionen, bis ins Detail und bis in die Baustruktur. Ziegelbau mit eingemauerten Sandsteineinlagen. Es wird oft salopp (vielleicht etwas abschätzig) gesagt, die barocke Fassade sei "vorgehängt". Falsch. Die rekonstruierte Fassade ist massiv und selbsttragend, ihr eigenes Bauwerk sozusagen, der größte Ziegelbau der Nachkriegszeit in Deutschland, und käme ohne den Betonkernbau aus.

    Wenn ich die bisher veröffentlichten Visualisierungen mit dem Ist-Zustand vergleiche und das Ganze richtig verstehe, dann scheint es so, als ob man eine Fensterachse des anschließenden neobarocken Altbaus abreißen wird. Wenn das tatsächlich stimmt, dann finde ich das schon ein starkes Stück. Berlin sollte dass bisschen alten Glanz, den es noch besitzt, hegen und pflegen, vor allem in einem so bauhistorisch kostbaren Raum wie dem Forum Fridericianum.

    Als Freund von traditioneller Architektur und Rekonstruktionen, wo sinnvoll, muss selbst ich sagen, dass ich Ungers Erweiterungen des Pergamonmuseums als gelungen und auch als recht einfühlsam empfinde. Einen gewollten Kontrast kann ich hier nicht erkennen.
    Das Pergamonmuseum ist bereits ein massiver, schlichter, irgendwie archaisch-wirkender Bau. Es erinnert mich mehr an einen altägyptischen oder babylonischen Tempel als an einen jüngeren griechischen.
    Ich finde, die schlichten und in ihrer Form und Materialität angepassten Anbauten daher sehr gelungen.
    Besonders die Innenwirkung des Tempiettos sowie der Verbindungsgalerie finde ich sehr eindrucksvoll und im Einklang mit dem restlichen Gebäude sowie den Exponaten, die dort ausgestellt werden sollen.

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    © SPK / ART+COM, 2015

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    © SPK / ART+COM, 2015

    Es wirkt auf mich als würde ich in alten Tempelhallen wandeln.

    Alles andere als Schinkels Bauakademie am Schinkelplatz und mit Schinkel-Denkmal davor würde ich als absurd empfinden.
    Zumindest äußerlich, finde ich, sollte es daher schon wieder Schinkels Design sein. Im Inneren können sich dann die Architekten austoben. Aber auch wirklich austoben, bitte. Ich erhoffe mir etwas Spektakuläres, eine Besonderheit ihrer Zeit, so wie die Bauakademie es zu ihrer Zeit war.

    In der Tat, das Kranzgesims war vorher im Freien unter den Gerüsten, nun ist es davon bedeckt. Schön, dass man auch dieses vom Schmutz der Dekaden befreit.
    Der Dom wirkt insgesamt sehr viel freundlicher, weniger plump und massiv mit der aufgehellten Fassade.

    Der Aufgang zum Wintergarten, der ja irgendwann auch noch umgebaut werden soll, wann steht wohl in den Sternen.

    Ich hoffe ehrlich gesagt sehr, dass man sich das nochmal genau überlegt.
    Das neu geplante Dach würde den Bau äußerlich sehr an traditioneller Eleganz berauben, ihn wie ein hypermodernes Allerweltsshoppingcenter erscheinen lassen. Die vor nicht all zu langer Zeit erfolgte Wiederherstellung der historischen Schaufenster kann man doch nicht gleichzeitig mit hypermodernem Dach konterkarieren. :/

    Als großer Befürworter von traditioneller/klassischer kontemporärer Architektur muss ich anderen hier zustimmen, dass Patzschke-Bauten in ihrer Ausführung leider oft sehr gegenüber den schönen, handgezeichneten Visualisierungen abfallen und in Realität oft billig und (in Ermangelung eines besseren Wortes) fake wirken.
    Das war aber auch nicht immer so. Frühe Patzschke-Bauten (Kronenpalais, Charlottenpalais, Memhard Ensemble...) wirkten alle noch sehr viel gelungener und wertiger.

    Abgesehen davon freue ich mich dennoch auf dieses neue Projekt. Auch ein eher schlecht als rechter Patzschke ist mir hundertmal lieber als die nächsten faden 08/15 Schuhkartons.