Beiträge von Baukörper

    Jockel, deinen Ausführungen würde voll zustimmen, wenn die Bauakademie noch vorhanden wäre.

    Da das leider nicht der Fall ist, muss das Gebäude voll und ganz den heutigen Ansprüchen, nicht nur seitens des Gesetzgebers, sondern auch des zukünftigen Nutzers, entsprechen.

    Da sehe ich halt ausführlichen Duskussionsbedarf, hinsichtlich der Vereinbarkeit der historischen BA mit modernen Gegebenheiten.

    Und: Ich glaube auch nicht, dass Schinkel, der ja hier vielfach als oberstes Argument für die Rekonstruktion genannt wird, diese befürworten würde.

    Wir machen uns bzw. unsere Zeit und unsere Möglichkeiten klein, wenn wir, weil es vielleicht schöner aussah, heute wieder so bauen wollen wie früher und das ist bestimmt nicht in Schinkels Sinne.


    Auch ich erwarte hier letztendlich eine hybride Lösung. Mein Tipp: zwei Seiten Fassadenrekonstruktion (Nord- und Westseite), die anderen beiden Seiten und das Dach modern gestaltet. Damit könnte ich leben.

    Ich widerhole mich, aber ich glaube nicht, dass Schinkel heute seine Bauakademie genau so wieder aufbauen würde. Er wäre wahrscheinlich begeistert von den Möglichkeiten moderner Architektur und Technik, daher würde seine neue Bauakademie bestimmt anders aussehen als 1832.


    Mir selbst würde die äußerliche Rekonstruktion auch gefallen, aber das sollte kein Dogma sein. Es muss schon ein funktionierendes Gebäude entstehen, eine Kulisse weil es am Schinkelplatz steht und früher mal so aussah, brauchen wir nicht.

    Das liegt daran, das es nicht nur um die Gebäude, sondern gerade um den Kontext geht und den gibt es halt nicht quer durch Osteuropa noch ein halbes dutzend mal, sondern nur und in der Art einzigartig in Berlin (damit meine ich die Kombination zweier Bauensembles die zu gleicher Zeit, nur wenige Kilometer vom einander entfernt, aber unter verschiedenen Vorzeichen entstanden sind).


    Und das es im UK (God save the king), "nur" 33 Weltkulturerbestätten gibt, liegt vielleicht auch an der wesentlich kontinuierlicher verlaufenden Geschichte dort, die viele Vorteile hatte, aber eben nicht diese Diversität wie sie auf deutschen Boden bestand, hervorgebracht hat.

    Eine Frage: Warum ist denn ein verputzes und nicht verklinkertes Gebäude in dieser Lage "enthistorisietend"?


    Das es auch irgendwo anders stehen könnte, ist ja bei fast allen Gebäuden so und führt in der Diskussion nicht weiter.

    Es passt zur mittlerweise ebenso gewachsenen Nachkriegsbebauung besser, als wenn da jetzt ein Haus mit Sandsteinelementen oder Stuck und Sattel- oder Walmdach hin käme.

    Ich finde es gar nicht schlecht, was mich aber stört, ist, dass es nicht zu erkennen ist, warum das Gebäude mit der Funktion "archäologisches Fenster und Forum", so aussieht. Ich hätte z.B. eine grosse Glaswand erwartet, durch die man ins Innere schauen kann.


    Wofür ist z.B. der Laubengang? Wofür die unregelmäßige Wand zum HoO?


    Wenn das irgendwann klar wird und natürlich wenn das Gebäude und das Umfeld erstmal überhaupt fertig ist, kann das Ergebnis gut werden!

    Es geht ja auch nicht darum, dass in diesen Schneisen dauerhaft Durchzug herrschen soll, sondern dass es überhaupt Flächen gibt, durch die Frischluft in die Innenstadt strömen kann.


    Der Vorschlag mit den schattenspendenden Überdachungen wird bestimmt auch in Berlin mehr Bedeutung finden. Ist ja auch keine neue Erfindung und wird südlich der Alpen, also z.B. auch schon in Südtirol seit Jahrhunderten mit Laubengängen praktiziert.


    Problem ist halt, dass bis vor wenigen Jahren alles nach mehr Licht und Sonne verlangte und es jetzt ganz schnell zuviel davon gibt (zumindest im Sommer).

    Ich denke, dass Hauptproblem, ist hier und an Vielen anderen Orten in der Stadt, der Vergleich mit dem, was früher mal war. Da ranken sich halt viele Mythen und Geschichten und auch viel Historie.


    Heute ist es ein, mehr oder weniger, normales Stadtviertel und die Geschichte lässt sich zwar ablesen und wird auch ganz gut erläutert, aber vorstellen kann man sich das alles doch nur, wenn man wenigstens die achtziger Jahre in Berlin mitbekommen hat.


    Im Vergleich dazu fällt die Bedeutung des Platzes heute eher ab und es gibt auch nichts besonderes zu sehen, was es nicht woanders auch zu sehen gäbe.


    Ich bin nach wie vor gerne mal dort (nicht in den Arkaden oder der Mall, sondern am Platz selbst), weil ich die Atmosphäre mag und mir die Vorstellung und Erinnerung, was dort alles mal war, immer noch ein Kribbeln im Bauch macht!

    Allein schon die Abfolge der Friedrichs und Friedrich-Wilhelms und die offensichtliche Unübersichtlichkeit, macht deutlich wie hilfreich genau hier eine zusätzliche sachliche Erklärung wäre.


    Hinzu kommt dann noch die Bauabfolge, also Tafeln im Original aus dem 20. Jh., die Ereignisse aus dem 15. Und 18. Jahrhundert zeigen, am rekonstruierten Gebäude aus dem 21. Jh., das ursprünglich im 19. errichtet wurde...


    Natürlich darf sich auch jeder seine eigene Wahrheit aus Büchern oder dem Internet herraussuchen, aber historische Zusammenhänge lassen sich auch ohne Interpretationen gut und für alle verständlich darstellen.

    Was ich halt gut fände, wenn man als Interessierter dazu nicht in ein Museum gehen müsste, das es als Museum des Ortes dort gibt, sondern an Ort und Stelle Informationen abrufen könnte. Und das auch spontan, also ohne sich vorher damit zu beschäftigen. Dazu braucht es dann kein dutzend Tafeln, da reichen auch Infostelen oder auch kleine Tafeln, die im Boden eingelassen sind und auch digitale Hintergrundinformationen bieten können.

    Nun, ja... die geschichtlich Interessierten werden das vielleicht wissen, aber das ist so ähnlich wie mit der "Mehrheit der Bevölkerung " die die Reko der Bauakademie befürwortet, obwohl ziemlich sicher die Mehrheit die Bauakademie gar nicht kennt...


    Und absolut sicher braucht das Dritte Reich keine "Repräsentation", aber hier stehen Marx und Engels ggü. von Herrschaftssymbolen preußischer Könige und Kaiser, da könnte es wenigstens ein paar Erklärtafeln geben, so wie es sie z.B. im Verlauf der ehemaligen Mauer auch gibt.

    Die Darstellungen finde ich heute unproblematisch aber der historische Kontext erklärt sich nicht von selbst, insbesondere im Zusammenhang mit den anderen Relikten aus verschiedenen Epochen.

    Da ist ja zwischen Schlossbrücke und MEF viel versammelt und das Einheitsdenkmal kommt bald noch hinzu.

    Das sollte m.M.n. ausführlich beschreiben werden und das weniger um etwas aus heutiger Sicht zu interpretieren, sondern um die vielfältigen Zusammenhänge zu erläutern.


    Vor allem gibt es zwei Zeitschichten, die sichtbar sind: Preußen und die DDR, was dazwischen war und ersteres beendet hat und das Zweite ermöglicht hat, also die Weimarer Republik und das Dritte Reich, sind dort weitestgehend unsichtbar aber dennoch unauflöslich damit verbunden und brauchen eine angemessene Präsentation.

    Im Endeffekt ist das Eosanderportal mit der Kuppel, so wie es wiederhergestellt wurde, ein Museum und dazu gehören m.A.n. entsprechende Erläuterungen, wie es sie für das blaue Spruchband schon gibt.


    Aber das gilt nicht nur für das Portal, auch die anderen Darstellungen und Gestaltungen am Schloss und auch drum herum, bis hin zu Karl und Friedrich auf dem MEF und selbstverständlich das doppelte Portal im ehemaligen Staatsratgebäude, gehören sauber abgegrenzt kommentiert. Sonst besteht die Gefahr, dass das ganze Umfeld zur "Kuriositätensammlung" wird, die keiner versteht.

    Ich versteh gar nicht, warum wir hier plötzlich eine Rekonstruktionsdebatte haben.


    Beim Pergamonmuseum gibt's ja nichts zu rekonstruieren und jetzt die nie gebauten Elemente nachzuholen kann doch keiner im Ernst verlangen...


    Ich bin ja immer mehr für Weiterentwicklung, von daher bin ich, bis auf die genannte Kritik, insgesamt sehr zufrieden.


    James-Simon-Galerie, Erweiterung Pergamonmuseum in modern, Kritische Rekonstruktion des Neuen Museums, sehr sorgsame Rekonstruktion der erhaltenen Bauteile und jetzt auch die Rekonstruktion der Säulengänge an der Spree und die Perspektive auf die rekonstruierten Schlossfassaden, was will man noch?


    Insgesamt ein perfekter Ort, der völlig zu Recht Weltkulturerbe ist.

    Das Neue Museum war eine Ruine, gut das es in den heutigen Zustand versetzt wurde.


    Bein Pergamon Museum gab es keinen "historischen" Zugang sondern nur den von 1982 (ist ja eigentlich auch schon historisch),

    Der neue Portikus mag schlicht sein, fügt sich, wie ich finde, aber gut ein.


    Was mich mehr stört ist die Bauweise. Bei so viel massivem Stein drum herum, wirkt ein Eingang aus verkleidetem Stahlgerüst zu leicht, zu wenig massiv, zu instabil.

    Wenn ich das richtig erkenne, ist es Skelettbauweise, das erklärt das hohe Tempo in dieser Phase, ähnlich wie beim Edge.


    Vor Ort werden nur die Pfeiler und Decken gegossen, parallel können die Fassadenbauteile industriell vorgefertigt werden.


    Ist natürlich trotzdem beachtlich und auch eine große logistische Leistung :daumen:

    Es geht mir nicht um den Denkmalschutz, es geht mir um die Entwicklung von Häusern.


    Wir bauen mit heutiger Technik und Wissen. Das verändert so ein Gebäude und das darf man m.A.n. auch sehen können. Dann kann man einen Teil der Fassade verändern, ein anderes Dach aufsetzen oder auch was ganz neues bauen (und die Backsteinfassade nur teilweise oder in Bruchstücken wieder errichten) weil einfach der Badarf ganz anders ist und dennoch kann es dann Schinkels Bauakademie sein, aber eben im Jahr 2030 oder so...

    Die Friedrichwerdersche Kirche (bzw. Kirchen im Allgemeinen) ist sicher eins der Gebäude, die kaum verändert wurden, aber grundsätzlich werden bei den meisten alten Gebäuden zum Glück viele Veränderungen vorgenommen (neue Farbe bzw gereinigte Fassade, neue Fenster, neues Dach, Dachausbau, neue Haustechnik, möglicherweise Umbauten bei Geschäften, moderne Beleuchtung usw, usw...) und das ist auch gut so, denn die Gebäude sollen ja im 21 Jahrhundert noch genutzt werden können.


    Das gleiche gilt für die BA. Wegen mir kann es gerne eine weitgehende Fassadenreko geben, aber schlussendlich muss es ein modernes Gebäude werden und wenn dazu Einschnitte bei der Rekonstruktion nötig sind, dann sollen die bitte sein.


    Ich habe lieber eine BA mit nur drei rekonstruierten Seiten oder anderem Dach, wenn dadurch ein gutes Nutzungskonzept ermöglicht wird, als ein Gebäude das nur als Musuem für sich selbst dient.

    Ja, ich kann eure Argumentation nachvollziehen, aber ich finde, wenn ein Gebäude wiederaufgebaut wird, dann kann man auch darüber nachdenken, wie das Objekt heute aussehen würde, wenn es die Zeiten überdauert hätte.

    Ich bin der Meinung, dass die wenigsten Gebäude, noch so aussehen würden wie damals, wenn sie heute noch in aktiver Nutzung stehen würden, Beschädigungen im Krieg eingerechnet.

    Das beste Beispiel dafür ist für mich immer noch das Reichstagsgebäude. Der Aufschrei war bei Fosters Plänen groß und mir selbst haben die ersten Visualisierungen gar nicht gefallen, aber als es fertig wurde, war es perfekt.

    Warum sich also auf eine reine Rekonstruktion beschränken?