Gleich zwei Artikel aus der heutigen Rhein-Main Zeitung zum Wohnungsmangel/der aktuellen Wohnungssituation und der künftigen Stadtentwicklung.
Aktuell liegt die Wohnraumversorgungsquote (wieder ein Wort gelernt) bei 90,4 %. das bedeutet, dass 415.054 Haushalten nur 375.006 Wohnungen gegenüberstehen. Somit fehlen aktuell 40.000 Wohnungen für einen ausgeglichenen Wohnungsmarkt. Von 2014 bis 2015 ist die Frankfurter Bevölkerung um 16.000 Einwohner gestiegen, während nur 3.300 Wohnungen hinzugekommen sind. Bei einer durchschnittlichen Belegungszahl von 2 Personen pro Wohnung hat sich der Wohnungsmangel also nochmals deutlich verschärft (Anmerkung von mir).
Auf einer Bürgerversammlung auf dem Riedberg wurden gestern 4 Szenarien für die Stadtentwicklung vorgestellt. Vorangestellt sei, dass der prognostizierte Bedarf bei zusätzlichen 90.000 Wohnungen liegt.
Szenario 1: "Entschleunigung"
Auf eine weitere Außenentwicklung wird verzichtet. Es werden lediglich die vorhandenen Reserven und Nachverdichtungen genutzt. hierdurch können ca. 60.000 Wohnungen entstehen (also zu wenig). Als Folge wird der Druck in die Region gelenkt mit entsprechenden Auswirkungen auf den Frankfurter Wohnungsmarkt und zunehmendem Pendelverkehr.
Szenario 2: "Verhaltenes Wachstum"
In diesem Szenario würde auch bisher landwirtschaftlich genutzte Fläche bebaut. Insgesamt sollen so 100.000 Wohnungen gebaut werden, so sollen 30.000 Wohnungen aus der Baulandreserve, 45.000 aus Nachverdichtung und 25.000 Wohnungen aus umgewidmeten Flächen entstehen. Qualitativ besonders wertvolle Landschaftsräume sollen nicht angetastet werden. Die Stadt würde deutlich dichter, durch die hohe Anzahl der Wohnungen würde aber auch preiswerter Wohnraum gesichert. Durch die Bebauung am Stadtrand nimmt auch in diesem Szenario der Verkehr zu.
Szenario 3: "Klare Stadterweiterung"
In diesem Szenario soll es ebenfalls 100.000 neue Wohnungen geben. Jeweils ca. zu 1/3 aus der Baulandreserve, Nachverdichtungen und neuen Stadtteilen auf der grünen Wiese. Wobei neue Stadtteile mit 40.000 Wohnungen einen etwas größeren Anteil haben. Im Vergleich zu Szenario 2 kommt es also zu einer Verschiebung von Nachverdichtung zu neuen Stadtteilen. Dies führt zu höherem Preisdruck im Stadtkern und zunehmendem Verkehr aufgrund der neuen Stadtteile.
Szenario 4: "Moderate Stadterweiterung"
Keine Verdichtung sondern nur Hebung der Baulandreserve und neu Stadtteile mit ca. 25.000 Wohnungen. Insgesamt werden 60.000 angepeilt. Somit erheblicher Preisdruck im Frankfurter Stadtkern und wie in Szenario 1 erheblicher Druck auf die angrenzende Region mit entsprechendem Pendelverkehr.
Die Szenarien wurden vom Planungsdezernenten Mike Josef vorgestellt und seien "Extrempole" einer denkbaren Entwicklung. Es gehe nicht darum einen der Entwürfe auszuwählen, sondern um vorausschauendes planen. Ohne Tabubruch kein weiteres Wachstum.
Stimmen:
Robert Lange, Ortsvorsteher des Ortsbeirats 10, spricht sich gegen Wachstum auf der grünen Wiese aus.
Yannick Schwandner, Ortsvorsteher des Ortsbeirates 13, warnt vor dem Zubauen von Kaltluftschneisen.
Einige Bürger bezweifeln, dass die Wohnungspreise durch höhere Bautätigkeit sinken. Das sei "Augenwischerei".