Ernsthaft?
Wer sich einmal mit der Baugeschichte der Paulskirche vertraut gemacht hat, oder auch nur mal einen intensiveren Blick auf das Treunersche Stadtmodell geworfen. sollte eigentlich Bauchschmerzen bei der Vorstellung bekommen, der Paulskirche an Stelle der ästhetisch gelungenen Flachkuppel wieder jenen historischen, aber unförmigen Klops von Dach aufzustülpen. Aufgrund des ovalen Grundrisses war nämlich eine ordentliche, formschöne Kuppel, wie sie andere Kirchen-Rundbauten jener Zeit in Darmstadt, Berlin oder Karlsruhe zierte, nicht zu verwirklichen. Das Ergebnis war schließlich schon seinerzeit eine unbefriedigende Notlösung, das sah selbst der Erbauer, Stadtbaumeister Hess so. Und im Inneren setzte sich das Dilemma fort: mangels heutigem Oberlicht war es duster und die Akustik muß nach Aussagen von Zeitgenossen katastrophal gewesen sein, weshalb man schließlich eine bemalte Zwischendecke aus Stoff einzog um das Problem halbwegs in den Griff zu bekommen. Als Konzertsaal machte die Paulskirche auch danach keine Karriere. Millionen zu investieren, um ein von Anfang an verkorkstes Bauprojekt wiederherzustellen, das in seiner 1948 realisierten Fassung deutlich gewonnen hat? Bei aller Liebe zur Rekonstruktion baugeschichtlich wertvoller Substanz sollte man hier die Kirche im Dorf lassen. Demokratie ist ein abstrakter Begriff, der durch den Einbau von Säulen und die Wiedererrichtung von Altar, Empore und Orgel sicher nicht fassbarer wird.