Beiträge von Odysseus

    Man sollte sich ferner vielleicht auch mal fragen, wie es in Zukunft weiter gehen soll, anstatt ständig in die Vergangenheit zu blicken.


    Vorausgesetzt man respektiert die Gesetze dieses Landes, dann ist die Stiftung zum Wiederaufbau der Garnisonkirche im Besitz des Grundstücks. Die Stiftung wird wesentlich von der Kirche getragen. Selbst wenn der entscheid negativ ausgegangen wäre, dann bliebe das Grundstück trotzdem im Besitz der Stiftung. Und mal ganz dumm gefragt: Wieso sollte die Kirche ein solches Grundstück zurückgeben wollen. Ich als Eigentümer würde es jedenfalls nicht tun. Somit erhält man dann, wenn man weiter die Spender abschreckt, eine jahrelange Brache in der Mitte der Stadt, das Grundstück bekommt man aber trotzdem nicht wieder.


    Und selbst wenn sich die Stiftung auflösen würde, was soll man dann mit dem Grundstück machen? Einen Kindergarten, einen linken Punktreff, eine Obdachlosenmission? Dieser Ort ist von solch einer historischen Tiefe, dass ich nicht wüsste, was man mit dem Grundstück machen sollte. Und an alle, die jetzt meinen, die modernen Architekten sollten mal eine Chance bekommen, diesen Ort zu gestalten, die seien daran erinnert, wieso wir heute überhaupt eine Reko der Stadtschlösser in Berlin und Potsdam bekommen, weil die Architekten für beide Gebäude kein einziges adäquates Lösungskonzept gefunden haben. Die Versuche waren ja alle da, alle gescheitert. Und hier geht es nicht um ein Schloss, sondern um ein Gebäude wie die Garnisonkirche, die sich, selbst modern interpretiert, noch viel schwieriger konzeptionell nutzen lassen würde. Wie schief das gehen kann, zeigt das Projekt auf dem Areal der ehemaligen Petrikirche in Berlin.


    Auch auf diese Frage haben die Gegner nie eine Antwort geben können. Es ging immer nur darum, etwas zu verhindern, aber nie ernsthaft darum ein Konzept vorzustellen, was man stattdessen wollen würde.

    In Magdeburg gab es einen ganz ähnlichen Konflikt: Hier wurde über den Wiederaufbau der Ulrichkirche gestritten. Auch dies war ein privatrechtliches Projekt. Dennoch gab es hier einen Bürgerentscheid, sogar zeitgleich mit der Landtagswahl, und ein klares Ergebnis gab es auch, es haben 76 Prozent gegen die Kirche gestimmt.


    Diese Aussage zeigt wieder, dass sich einige hier nicht mit den rechtlichen Aspekten auseinandersetzen wollen. Der Unterschied zu Magdeburg ist der, dass das Grundstück der Stadt Magdeburg gehört und solange dies der Fall ist, ist es ein Projekt der öffentlichen Hand. Sobald ein Grundstück an eine Privatperson oder eine private Stiftung übertragen wird, ist es ein privates Projekt. Seit dem die Stadt Potsdam das Grundstück der Stiftung übertragen hat, war man umgangssprachlich raus aus dem Spiel. Und folglich sind die rechtlichen Fragen dann ganz andere.
    Aber genau dieses Verbreiten von Halbwahrheiten macht das ganze Unterfangen so schwierig. Man arbeitet eben mit einfachen Antworten, nur leider ist die Welt nicht immer trivial gestrickt. Aber natürlich werden die Zeitungen morgen genau diese Magdeburg-Vergleiche bringen.


    Es ist das gleiche wie die Aussagen, dass der Bund die 12. mio doch lieber in Kindergärten investieren sollte, wenn die Kirche nicht wäre. Leider sagt den Menschen an den Informationsständen dann aber niemand, dass der Bundeshaushalt über Etats funktioniert. Wenn man 12. mio aus dem Kulturetat zur Verfügung stellt, dann bleibt das Geld auch da. Wenn es nicht an die Garnisonkirche geht, dann eben in die Residenz in München oder in die Reko der Innenräume im Dresdner Schloss.
    Aber leider glauben die Menschen zu gern an die einfachen Wahrheiten und die Medien machen da gerne mit.


    Und deshalb kann man sich in Potsdam den Entscheid auch sparen, weil man gegen diese einfachen Wahrheiten in dieser Presselandschaft gar nicht ankommt.


    Auf der anderen Seite ist nun aber auch die Stiftung mal gefordert. Statt ständig Geld für temporäre Gebäude, die Wetterfahne, die Ziffernblätter oder sonstige Schmuckelemente auszugeben, sollte man einfach mal mit dem Bau beginnen. Dann lassen wie beim Schloss auch die Diskussionen nach und die Spenden steigen. Dieses sich Verzetteln in Nebensächlichkeiten ist auch ein Grund, warum das Vertrauen nicht gerade wächst. Und hier gebe ich Klarenbach explizit Recht. Die Stiftung hat in den letzten Monaten einen ganz schlechten Eindruck hinterlassen. Nicht nur was die Öffentlichkeitsarbeit, sondern auch was die Fokussierung auf das Wesentliche angeht. Und man merkt eben auch, dass dem Projekt eben ein Idealist fehlt, wie es Wilhelm von Boddien in Berlin ist. Ohne ihn wäre das Schlossprojekt lange tot gewesen. Diese Figur fehlt in Potsdam leider.

    Naja, "privat" mit reichlich finanzieller und personeller staatlicher Unterstützung. Die großen Religionen sind außerdem auch mindestens halbstaatlich. Die ganze Führungsebene wird direkt vom Staat bezahlt und besteht praktisch aus Beamten uvm.


    Es tut mir wirklich leid, aber einige haben hier leider Probleme, rechtliche Grundsätzlichkeiten anzuerkennen. Ich kann ja verstehen, dass einigen hier die Entscheidung nicht passt, aber man muss bei aller Emotionalität doch zumindest bei den juristischen Wahrheiten bleiben und da gilt, dass das Bauprojekt, wofür eine gültige Baugenehmigung vorliegt, ein privates Projekt einer Stiftung darstellt. Und dagegen kann es keinen Bürgerentscheid geben, weil dann theoretisch auch gegen jedes Einfamilienhaus, das irgendjemandem irgendwo nicht passt, ein Bürgerbegehren gestartet werden kann und dann passiert das, was momentan überall im Land mit dem Mittel des Bürgerentscheids gemacht wird, man setzt es nicht konstruktiv, sondern nur noch destruktiv ein. Der erste will das Windrad nicht vor der Tür, der nächste die Stromtrasse nicht (wobei das meist die Menschen sind, die am lautesten für eine AKW-Ausstieg waren und die unbedingt die Windräder wollten, allerdings nur nicht vor meiner Haustür sondern vor der der anderen) und am Ende klagt man das Haus des Nachbar weg. So funktioniert ein Rechtsstaat nicht.
    Die Bürgerinitiative hat gedacht, man wäre besonders klug und hat versucht, einen Entscheid zu einem Thema zu erzwingen, der juristisch dafür gar nicht vorgesehen ist und jetzt hat man eben auch die Hintertür zugeschlagen. Dies mögen die Gegner bedauerlich finden, aber man muss doch wenigstens anerkennen, dass es bestimmte Rechtsgrundsätze in diesem Land gibt.

    Wenn es der Initiative hingegen wie in den PNN angedeutet primär darum ging, Stimmung zu machen und damit potentielle Spender abzuschrecken dann wäre das viel eher ein bewusster Missbrauch demokratischer Mittel.


    So ist es. Leider.


    Trotz der großen inhaltlichen Unterschiede zu Klarenbach stimme ich mit ihm allerdings in einem Punkt überein. Die heutige Entscheidung wird das ganze Thema nicht beruhigen, sondern, aufgeheizt von der örtlichen Presse, eher noch präsenter machen. Man wird sich jetzt an die Verschwörungstheorien und Dolchstoßlegenden machen und die Gräben noch tiefer schaufeln. Ruhe wird es erst dann geben, wenn der Turm endlich sichtbar im Bau voranschreitet. Ähnliches war auch beim Berliner Schloss zu beobachten. auch hier haben Tagesspiegel und co. bis zuletzt versucht, den Bau mit teils abenteuerlichen Aktionen wie zuletzt der Aktion für das "offene Schloss" zu sabotieren. Nachdem der Rohbau nun aber endlich steht, ist es hier sehr ruhig geworden.
    Wenn es stimmt, dass es Großspender gibt, die nur auf die heutige Entscheidung gewartet haben, dann sollten diese jetzt endlich das Geld zur Verfügung stellen. Natürlich würde es kurzfristig nochmal einiges an Protest geben. Am Ende wird aber nur ein schneller Wiederaufbau das ganze Thema befrieden können!

    Bemerkenswert ist auch wieder, wie unverblümt und ungeniert die PNN das ganze Gebaren aufbereitet:


    http://www.pnn.de/potsdam/878369/
    Hinweis der Moderation: Die Einbindung des Zitats wurde editiert. Grund: Unerlaubtes Pressezitat.
    Bitte künftig auf die Richtlinien für das Einbinden von Texten achten. Vielen Dank.
    Bato


    Blöd eben nur, dass es darum im Bürgerbegehren gar nicht ging. Aber mal zu fragen, ob es richtig ist, demokratische Instrumente zweckzuentfremden, dazu reichte der Platz im Artikel wohl nicht mehr:nono:
    In solchen Situationen wird mir wieder bewusst, warum es in Deutschland 60 Jahre keine Bürgerentscheide gab und es wäre zu überlegen, es auch in Zukunft vielleicht dabei zu belassen.

    Wenn man allein den Kommentar der PNN zum Thema liest und ich auch Klarenbachs Einlassungen mit berücksichtige, dann zweifle ich doch daran, ob der Begriff Demokratie richtig verstanden wird.
    1. Man hat jetzt genau das erreicht, was man rechtlich erreichen wollte, das heißt, dass die Forderung, die man mit der Frage formuliert hat, so angenommen wurde.
    2. man hat versucht, mit Tricksereien über eine Fragestellung A ein Ziel B zu erreichen. Dies ist zum Glück gescheitert.
    3. Man beschwert sich nun, dass die Gegenseite auf Winkelzüge mit Winkelzügen reagiert hat. Und jetzt schreit man, wie undemokratisch doch alles ist.


    Ich kann dies alles nicht mehr nachvollziehen. Man bekommt, was man gefordert hat und wittert doch direkt wieder Betrug. Man kann eben über ein privates Projekt nicht abstimmen, denn dann könnte man ja theoretisch jeden Bau verhindern. Diese Grundregel des deutschen Rechtssystems ist scheinbar nicht bei allen angekommen. Man hat versucht, diesen Tatbestand zu umgehen und ist auf die Nase gefallen. Punkt. Alles andere wäre Rechtsbruch.

    Es ist schon bemerkenswert, wie rasant die Baustelle in den Himmel wächst. Auch schön zu sehen sind die Bauarbeiten am Schinkelplatz, auch hier scheint man beim Aushub der Baugrube voran zu kommen, auch wenn die Architektur doch höchst zweifelhaft bleibt.
    Auch bemerkenswert sind die ungeheuren Dimensionen des Schlossbaus. Ich bin gespannt, wie die räumliche Wirkung in natura sein wird.

    Ich kann die Aufregung gar nicht verstehen. So langsam habe ich nämlich das Gefühl, dass die Garnisonkirchengegner unruhig werden, weil sie einsehen müssen, dass ihr Agieren einfach nicht funktionieren wird. Wie bereits oben angesprochen, ist die rechtliche Basis dieser ganzen Aktion äußerst zweifelhaft. Egal wie man es dreht und wendet, mit der im Bürgerbegehren gestellten Frage wird man jedenfalls keinen Erfolg haben, denn entweder wird das Resultat sein, dass es rechtlich keine Möglichkeiten gibt oder die Forderung wird in der Stiftung mehrheitlich abgelehnt werden.


    Die aufkommende Hektik und die nun entstehenden Verschwörungstheorien kommen doch daher, dass man eigentlich nur den Entscheid wollte und es einigen nun dämmert, dass es vielleicht nicht so kommen wird. Man hat versucht, ein demokratisches Mittel zweckzuentfremden und wundert sich jetzt, dass man damit auf die Füße fällt.


    Aber warten wir ab. Ich bin mir fast sicher, dass am Ende des heutigen Abends kein Bürgerentscheid stehen wird.

    @ winnetou


    da hast du recht. Bei der Paulinerlirche wagt man sich was. Von außen ok, von innen spektakulär. Aber dafür bewegen wir uns finanziell hier wohl in ganz anderen Sphären. Und dies sieht man dann natürlich auch. So etwas, was man im Inneren der Paulinerkirche versucht, davon will ich mehr sehen. Dazu kommt, dass man auf den ersten Blick sieht, dass es sich um eine Kirche handelt. Eine Tatsache, die heute leider auch nicht mehr selbstverständlich ist.

    Ich kann mich nur ganz entschieden für die Rückkehr der Rossebändiger, des Neptunbrunnens und der Adlersäule aussprechen. Es wäre meiner Meinung nach kaum nachvollziehbar, wenn man die wenigen Dinge, die vom Schloss noch original übrig sind und auch verwendet werden können, nicht wieder an ihren ursprünglichen Ort zurückversetzen würden. Viele Kritiker sprechen oft von der fehlenden Authentizität von Rekonstruktionen und dann will man die wenigen Originale nicht zurück bringen. Ich könnte dies nicht nachvollziehen. Frau Lüscher sperrt sich da leider, aber von Seiten den Bundes sind die Signale eigentlich recht eindeutig, so dass ich davon ausgehe, dass die Original zurück kommen werden.
    von modernen Interpretationen z.B. des Neptunbrunnes kann ich nur abraten. Die Vergangenheit zeigt, dass da meist nur Mist rauskommt. Die Geschichte der missratenen Wettbewerbe zur Gestaltung der Einheitsdenmäler in Berlin und Leipzig oder die missglückte Kunst am Bau im Innenhof des Potsdamer Stadtschlosses haben bei mir zu der Überzeugung geführt, dass man solche Eskapaden lieber gleich sein lassen sollte. Da kommt meist nichts Gutes bei raus. Leider.

    @ klarenbach


    ich finde es erst mal gut, dass du konsequent deine Meinung vertrittst, trotzdem wirst du nicht behaupten können, dass die pnn und die maz als ausgewiesenen Freunde der Garnisonkirche gelten.
    Ich habe alle Artikel der Zeitungen zu diesem Thema in den letzten zwei Jahren gelesen und wenn man zwei oder drei Kommentare mal herausrechnet, dann geht es um die täglich erscheinenden Artikel und die waren in der Regel nicht kirchenfreundlich, um es mal vorsichtig auszudrücken.
    Aber in einem hast du recht, die Stiftung hat ein äußerst schlechtes Bild in den letzten Wochen abgegeben. Sie hat das ganze einfach laufen Lassen, hat sich nicht selbst auf die Straße begeben und den Gegnern einfach das Feld überlassen. Wenn es dumm läuft, könnte sich dies bitter rächen.
    Aber warten wir erst mal ab, noch ist ja nicht mal klar, ob es überhaupt zum Entscheid kommt.

    Du musst aber wenigstens zugestehen, dass eine ausgewogene Berichterstattung in den Potsdamer Medien derzeit nicht erfolgt. Dies wäre aber die Voraussetzung für eine faire Abstimmung. Demokratie kann nur funktionieren, wenn ein Willensbildungsprozess möglich ist. Die Substanz hierfür ist eine plurale Berichterstattung. Wenn man aber täglich nur eine Position aufgetischt bekommt, dann ist doch klar, was das Resultat ist, dann brauche ich aber nicht abstimmen, außer wann will einer undemokratischen Entscheidung einen demokratischen Anstrich verpassen.

    Ich fand es einfach teilweise extrem schockierend bis hin zu einer gewissen seltsamen Komik. So wurde in der Familie meines Bekannten ernsthaft die mangelnde Qualität deutscher Autos zum Thema, in der DDR hätte man nie solche Qualitätsprobleme gehabt. Am Ende war sogar das deutsche Mineralwasser schlecht und eigentlich generell alles, was seit 1989 passiert ist. Ich dachte erst, er wollte mich veräppeln, aber als seine Frau, die Westdeutsche ist, mir dann erzählte, wie sie dort von den eigenen Schwiegereltern stetig ganz unverblümt beleidigt und für alles Schlechte verantwortlich gemacht wurde, da wurde mir klar, dass hier einiges noch grundsätzlich nicht stimmt. Und es sind dann vermutlich genau solche Leute, die sich ans Mercure ketten, weil Oma dort den 50. Geburtstag gefeiert hat und die jeden Plattenbau als Bollwerk gegen die bösen Westdeutschen begreifen, die jetzt in Potsdam einfallen und hier rücksichtslos ihre Projekte durchziehen wollen.
    ich finde dies extrem schade, weil ich überhaupt keine Probleme mit Ostdeutschen habe und persönlich da überhaupt keine Unterscheidungen mehr mache. Mir sind die Bayern da dann eher suspekt als sie Berliner.
    Aber da müssen sich die Westdeutschen natürlich zum Teil auch an die eigene Nase fassen, weil sie oft wenig sensibel mit den ostdeutschen Besonderheiten umgegangen sind. Trotzdem ist die Garnisonkirche dann nicht der richtige Ort, um diese tiefer liegenden Probleme zu lösen.

    Ich glaube auch, dass es sehr sinnvoll ist, diese Spaltung zu überwinden, wie ich oben bereits angemerkt habe. Allerdings ist die Garnisonkirche nicht das richtige Symbol dafür.
    Es ist vielmehr eine gesellschaftliche Auseinandersetzung notwendig. Die Garnisonkirche ist doch nur ein Blitzableiter für gesellschaftliche Spannungsprozesse, die sich dann häufig in solchen Projekten äußern, in Wahrheit aber nichts damit zu tun haben.
    ich bin sehr gut mit einem Ostdeutschen befreundet, der seit Jahren im Westen wohnt und dessen Familie noch in Ostdeutschland wohnt. Er hat mir erzählt, dass die Enttäuschung bei vielen Einheitsverlierern noch immer groß ist und zumindest bei seiner Familie nicht ab, sondern mit den Jahren eher zugenommen hat. Die empfundene westdeutsche Bevormundung, wirtschaftliche Probleme und zumindest die in einigen ostdeutschen Städten gefühlte Übernahme durch westdeutsche Neubürger , wie es in Potsdam auch zu sehen ist, führt zumindest bei einigen zu seltsamen Verklärungstendenzen. Mein Bekannter sagte mir, dass dies teils groteske Züge annehmen kann, so dass er selber dort kaum noch zu Besuch hinfahren will.
    hier müsste man vielleicht mal ansetzen und fragen, wie es dazu gekommen ist. Allerdings ist dies wohl eher ein Phänomen der älteren Bevölkerungsgruppen, so dass mit zunehmender Zeit die Probleme sinken werden. Aber viele klammern sich dann aber ans Mercure oder sind gegen die Kirche, weil sie indirekt das Gefühl haben, dass man ihnen nach ihrer Arbeit und ihrem gewohnten Leben nun auch noch ihre Erinnerungen und ihre Wiederaufbauleistung wegnehmen will. Ich war ehrlich gesagt fast geschockt, als mir mein Bekannter davon erzählte, wie groß die Vorbehalte bei einigen im Osten gegeguber Westdeutschen noch sind.

    Ich finde den Bau auch hervorragend gelungen. Einer der wenigen positiven Lichtblicke, was moderne Bauten in Berlin angeht. Dies liegt am Willen zur innovativen Gestaltung und man sieht eben, dass hier nicht die Gewinnmaximierung im Vordergrund stand.
    ich hoffe inständig, dass die verwendeten Materialie ein würdevolles Altern zulassen. Gerade dieser Bau lebt auch von seiner cleanen Optik. Ob dies in 5 Jahren auch noch der Fall ist, bleibt abzuwarten.
    das einzige, was mich etwas stört, ist der Standort. Ob das Zentrum des alten Berlin der richtige Ort für solche Bauten ist, wage ich zu bezweifeln, ist aber sicher Ansichtssache.

    Ach, wenn es nur um die Kosten gehen würde, dann dürfte man gar keinen Entscheid machen, weil das Ergebnis sich gegenüber der jetzigen Situation nicht ändert, nämlich dass die Stadt Potsdam rechtlich gar nichts machen kann außer die Auflösung der Stiftung zu beantragen und dieser Antrag wird wohl zurückgewiesen und diese Entscheidung kann man auch jetzt haben indem man das Bürgerbegehren direkt annimmt und so gar keine Kosten entstehen lässt.
    Aber wie hier schon festgestellt wurde, ist dies ja eigentlich gar nicht die Intention der Gegener, die einfach nur den Entscheid wollen, ob dieser danach formal irgendetwas bewirken kann, ist eigentlich sekundär, hauptsache die potenziellen Spender werden durch die dann aufkommende Medienkampagne ausreichend abgeschreckt.
    Als jemand, der Politik studiert hat, muss ich sagen, dass diese Absichten eigentlich nicht der Sinn eines Bürgerentscheids sein sollten.
    danaben stellt sich auch die Frage, ob im derzeitigen Klima eine Abstimmung wirklich sinnvoll ist. Ich glaube, dass auch eine Mehrheit für das Stadtschloss schwierig gewesen wäre., heute hat es vermutlich Zustimmungsraten von weit über 60%. Ich glaube nicht, dass in der derzeitigen Situation und bei der Mediensituation, die gar keine wertfreie Informationsbeschaffung zulässt, eine Abstimmung so sinnvoll ist.

    Natürlich werden die Mieten dann steigen, dies werden sie aber auch, wenn man umfassend saniert.
    auch wenn ich weiß, dass ich hier dafür vermutlich keine Lobeshymnen ernten werde, aber ich habe nie verstanden und dies ist ein eigentümliches Phänomen, welches ich nicht nur in Berlin sondern auch in Potsdam beobachte, wie man einen Anspruch auf sozialen Wohnungsbau in Toplagen in einem derart quantitativen Ausmaß ableiten kann. Ich bin für die gesunde Durchmischung von unterschiedlichen sozialen Schichten, einen Anspruch auf ganze Quartiere von niedrigpreisigen Wohnungen in Toplage kann ich allerdings nicht unterstützen, weil dadurch auch der Wille zu Investitionen sinkt, weil am Ende müssen sich Bauten eben auch rechnen.

    Naja, so einfach kann ich dich dann doch nicht davon kommen lassen. Es gibt natürlich eine Lösung. Man könnte z.B. im Areal östlich des Alex zwei der Riegel abreißen. Lediglich beim ersten Intervall müsste man die Menschen dann woanders unterbringen. Sind die Bauten fertig, könnten dort die Menschen aus den nächsten zwei benachbarten Riegeln einziehen, während man sich dann an den Abriss der nächsten Bauten macht. So könnte man sich durch das gesamte Gebiet arbeiten, ohne dass die Menschen aus der Gegend weg ziehen müssten. Ich glaube auch, dass der Flächengewinn für Wohnungen und die Ausnutzung des Platzes am Ende für mehr Wohnraum sorgen würde.
    Es wird aber wohl am fehlenden Mut und den fehlenden Visionen scheitern. Zudem wird es erst mal Geld kosten und auch habe ich meine Zweifel, ob die architektonische Qualität am Ende zufriedenstellend wäre. Am Ende wird es wohl ein jahrzehntelanger Prozess sein, bis man hier wirklich zu einer zufriedenstellenden Lösung finden wird.

    Ich muss gestehen, dass ich mit Plattenbauten ob der oben beschriebenen Aspekte große Probleme habe. Daher hatte ich vor 10 Jahren an einer dreitägigen wissenschaftlichen Exkursion nach Berlin teilgenommen und ein Professor der Uni hat uns dann durch die östlichen Siedlungen geführt.
    Positiv waren mir damals Teile der ehemaligen Stalinallee aufgefallen. Während ich vor dem Besuch noch für einenAbriss plädiert hatte, bin ich heute strikt für den Erhalt dieser Straße. Als Begründung möchte ich hier die schon oben erwähnten Kriterien anbringen, nämlich dass hier der Wille zur Gestaltung erkennbar war. Allerdings wurde die Allee schon teilweise von Bauten durchbrochen, wo mir damals schien, dass hier frühzeitig das Geld ausgegangen war.
    schlimm wurde es städtebauliche aus meiner Perspektive, wenn man die Straße verließ und sich in die Areale dahinter begab. Hier ließ nicht nur die architektonische Qualität sichtbar nach, die Fragmentierung des Stadtraums ist mir derart negativ aufgefallen, dass ich das Gefühl hatte, mich gar nicht mehr in der Stadt zu befinden. Ich liebe eben dieses Stadtgefühl, die Urbanität und die geht hier leider völlig verloren. Daher kann ich mich neben der künstlerisch doch sehr beklagenswerten Leistung einfach mit dem städtebaulichen Konzept nicht anfreunden, weil es meiner Meinung nach die Idee der Stadt konterkariert. Aber das ist meine persönliche Meinung.
    Natürlich hast du recht, die Bauten sind nun da. Trotzdem muss man sich fragen, ob man Fehlentwicklungen nun weiter zementiert oder sich traut, Heilung zu betreiben.