Wie weiter wachsen? Stadtplanung & Siedlungsentwicklung Region

  • Dieses Jahr ist tatsächlich mit das Erste seit langem, in dem die Neuschaffung von Wohnraum das Bevölkerungswachstum übersteigt.

    Von den 8500 WE kann man nochmal ca. 1000 abziehen, bei einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von ca. 2 Personen/WE ist damit im letzten Jahr Wohnraum für 15.000 Menschen entstanden. Schaut man in die vergangenen Jahre, war das sonst nie der Fall (der Knick in den Einwohnerzahlen Münchens ist auf eine Registerbereinigung zurück zu führen).


    Tatsächlich habe ich auch eine Immoscout- Suchanfrage gespeichert, zu der es vor Corona noch ca. 30 Inserate gab, jetzt 150. Die ganz unverschämten Angebote gehen also scheinbar nicht mehr so leicht weg. Mit ein bisschen Glück sinken die Preise also wirklich minimal oder stagnieren zumindest.


    Für die Wohnungspreise als freie Marktpreise sind aber natürlich noch mehr Faktoren ausschlaggebend. Das Zinsniveau ist zum Beispiel dank Corona und der daraus resultierenden Erwartungen an die EZB-Politik nochmals ein Stückchen gefallen.

    Außerdem ist in den 8500 WE natürlich alles von Sozialwohnungen/ Genossenschaftwohnungen/ KMB/ Mietshäuser institutioneller Anleger mit dabei. Das Angebot an frei finanziertem Wohnungsbau für Privatpersonen geht meinem Empfinden nach momentan eher leich zurück, viele momentanen Neubauprojekte werden wenige bis keine freifinanzierten Wohnungen liefern (allen voran Freiham und Bayernkaserne, aber auch Kreativfeld, die Wohnungen der Stadibau am Olympiapark, Nachverdichtungen der GWG/GEWOFAG etc.). Auch bei der Prinz-Eugen Kaserne wurden zuletzt nur noch die GEWOFAG-Wohnungen entlang der Cosimastraße fertiggestellt.


    Was ich mich allerding schon seit langem frage ist, wie weit die Wohnungspreisindizes lage-normalisiert sind. Weil ein reiner Durchschnitt wäre sehr abhängig davon, in welchen Lagen wie viele Angebote vorhanden sind. Weiß das zufällig jemand hier, ob das in der Praxis auch wirklich rausgerechnet ?

  • In der Pandemie gibt es wenig Zuzug. Das ist nur eine kurze Verschaufpause. Weiterhin wird im München zu wenig gebaut.


    Neben der Einwohnerzahl muss man auch qm pro Einwohner und Anzahl der Singlehaushalte berücksichtigen.


    Bei Baukostensteigerungen wie aktuell können die Mieten langfristig auch nicht fallen.

  • ^^


    Kurioser Weise wird reihum von sinkenden Gehältern bei Berufseinstieg von Bauingenieuren seit Monaten gesprochen. Vor allem in Planungsbüros und größeren Baufirmen. Dabei ist die Auslastung mehr als enorm. Dieses ganze Berufsbild des Bauingenieur ist ohnehin schon ruiniert. Das wird in Bezug auf mögliche Leistung und Kompetenz noch übel in den kommenden Jahren. Bauherren wie Bahn oder Stadt pfeiffen ja jetzt schon aus dem letzten Loch.

  • Ich lese momentan viel bezüglich der Erweiterung von der Firma Apple in München (Bezug des Gebäudes in der Karlstrasse usw)

    Sehr stark wird auch von vielen sogar aus der Tech Branche darüber geklagt, dass dieses Engagement mehr Nachteile als Vorteile für den Standort München bringen würde, hauptsächlich wegen dem angespannten Wohnungsmarkt und der Gefahr der zu gravierenden Veränderung der Stadt.


    Frage an die Forumsmitglieder :


    Ist es wirklich so schlimm bestellt mit den negativen Einflüssen dieser Ansiedlungen, dass das so viele Menschen so extrem betrifft.?


    Evtl bin ich doch nicht sensibel genug für die Verhältnisse hier.

  • Gutverdiener die zuziehen mögen auf bestimmte Bereiche des Wohnungsmarktes tatsächlich (geringe) Auswirkungen haben. Aber das ist auch schon alles, und offen gestanden spielt der Durchschnittsarbeitnehmer nicht in der gleichen Preisklasse wie Google-Mitarbeiter, und die, die es tun haben auf dem Wohnungsmarkt kein Problem.

    Vor allem aber sichern diese Arbeitsplätze ein gewisses (Über-) angebot an Arbeit, das für Lohnsteigerungen auch in anderen Unternehmen unerlässlich ist. Es versorgt die Stadt mit Gewerbesteuer-Einnahmen. Der gesamte Unterhaltungssektor - Gastronomie, Kunst & Kultur, Sportevents & co. - ist darauf angewiesen, dass auch genügend zahlungskräftige Personen konsumieren können.


    Die Argumentation von Google/ Apple-Kritikern geht gefühlt meistens so:
    - Die gutbezahlten Stellen gehen nicht an Münchner, also profitieren wir nicht davon (ich kenne in meinem direkten Bekanntenkreis alleine zwei Personen, die bei Google arbeiten bzw. mehr Gehalt bekommen, weil Google sie sonst abwirbt; es wundert aber nicht, dass einige Arbeitgeber sich ärgern, selbst BMW tut sich seit Jahren schwer Top-Leute in Informatik von der Uni zu holen).

    - Die neuen Arbeitsplätze erzeugen Zuzug und tragen damit zu Preissteigerungen bei (korrekt in einem gewissen Umfang, aber bei durchscnittlich 15.000 Menschen pro Jahr die letzten 5 Jahre machen 5.000 neue FAANG-Mitarbeiter in 5 Jahren, von denen vielleicht 75% zuziehen gerade mal 5% aus)

    - München ginge es am Besten wenn wir niemanden mehr reinlassen, die Zeit 10 Jahre zurückdrehen (und alle Unternehmen in Zukunft verpflichten, alle Arbeitsplätze auch dauerhaft zu erhalten!?)[Sorry, der Sarkasmus musste sein].


    Fazit: Es ist eine Illusion die leider zu oft von populistischen Politikern beschworen wird, dass man eine Großsstadt zusperren und einfrieren kann und ohne Investitionen und Neuerungen seine Lebensqualität langfristig erhalten kann, München kann froh sein für seine Wirtschaftskraft.

  • Danke Truderinger für erste Einschätzung.


    Ich denk, dass einige Leut einem Verständnis Problem ausgesetzt sind:


    Wachstum kann nicht unendlich so weiter gehen.


    Meine Ansicht:

    Es gibt schon ewiges Wachstum, das ist auch kein so grosses Problem, da es ja gleichzeitig ewigen Zerfall gibt, oft von alten Branchen.

    Oft sind die Lebensumstände besser geworden, sogar die Luftqualität wurde wesentlich besser

    In der Natur ist das sehr ähnlich.


    Evtl ist bei den Leuten die Vorstellung eher statisch als dynamisch?

  • Ich hoffe nur, dass Apple hier dann auch Gewerbesteuern liegen lassen wird. Den amerikanischen Tech Unternehmen traue ich da überhaupt nicht.


    Generell ist es für die nächsten 100 Jahre in München natürlich sehr lohnend, wenn sich hier mehr und mehr ein europäischer high tech cluster herausbildet. Die Bedeutung der Münchner Top Universitäten ist hierbei denke ich gewaltig.


    Die beiden Münchner Unis gehören gemäß der Studentenzahl eh schon zu den größten in Deutschland. Vielleicht brauchen wir perspektivisch eine 3. Uni in München. ( Fh, Bundeswehruni u.a. mal ausgeklammert)

  • MiaSanMia,


    Fortsetzung Sonderrolle Chicago :


    Ich hab extra darauf hinweisen wollen, dass ich den Bau-technischen Aspekt betrachtet hab und nicht den Markt - technischen und auch nicht die Bevölkerungszusammensetzung.


    Wenn nämlich der Markt ähnlich angespannt wär wie in München oder San Francisco, dann wird doch dieser technische Effekt verdeckt.

    Deshalb find ich gerade dort die Beobachtung so interessant, ähnlich einem nackten Skelett.


    In diesem Zusammenhang ist es für mich unverständlich, dass wir in München überhaupt neue Flächen für den Wohnungsbau benötigen.