Wie weiter wachsen? Stadtplanung & Siedlungsentwicklung Region

  • Seltsam:


    Während man in der Stadt München sagt: Den Zuzug stoppen, das dürfen wir gar nicht, ist man in den meisten Umlandgemeinden anderer Auffassung.


    Hängt das evtl. mit der Gemeindegrösse zusammen ?

  • Donaukurier online vom 21.12. „Wohnraum bis zum Horizont“:


    Sehr interessant finde ich folgenden Aspekt:


    Das allererste mal nach Jahrzehnten wird hier eine Größenordnung konkretisiert
    und klar ausgesprochen.
    Das erste mal wird bezüglich der Nachfrage der Umfang anschaulich rübergebracht, ohne es wieder unter den Teppich zu kehren !!!


    „um das prognostizierte Bevölkerungswachstum in München unterzubringen,bräuchten wir 11 mal Freiham.“


    Wie gesagt, interessant, dass man das sogar in den Medien hier offen anspricht.

  • ^^ Die Städte und Gemeinden können den Zuzug (und Wegzug) nur mittelbar beeinflussen. Grundsätzlich darf jeder wohnen, wo er will, d.h. bestimmten Personen die Wohnungnahme an einem bestimmten Ort zu untersagen, geht nicht (Grundrecht auf Freizügigkeit).


    Eine Person kann sich aber nur irgendwo anmelden, wenn sie eine Wohnung hat. Hier liegt der Hebel: auf das Wohnungsangebot haben die Gemeinden mittelbar Einfluss, indem sie mehr oder weniger Siedlungsflächen ausweisen, oder dichtere Bebauung zulassen.


    Wenn eine Gemeinde Zuzug stoppen will, dann weist sie keine Baugebiete mehr aus und verabschiedet B-Pläne, die Nachverdichtung abwürgen oder was sonst noch. Manche Gemeinden können aber auch gar nicht mehr wachsen durch Ausweisung zusätzlicher Baugebiete, weil die Landesplanung oder Raumordnung ihnen keine Zuwachsflächen zubilligt; in diesen Fällen geht Wachstum nur durch Innenentwicklung (Baulücken, Nachverdichtung z.B.).


    Wenn Grundstückseigentümer am Ende zusätzlichen Wohnraum errichten, kann die Gemeinde dessen Nutzung nicht untersagen und nicht beeinflussen, wer dort einzieht, siehe oben.

  • Danke @ Tunnelklick !


    Dann dürften sie sich aber nicht über die steigenden Wohnungs und Mietpreise
    beklagen.


    Im übrigen wird der Zuzug dann in Summe gebremst, dafür wird der Austausch hin zu zahlungsfähigeren Einwohnern gestärkt.

  • Wobei die Grundidee, mehr Verdichtung statt Zersiedlung, nicht verkehrt ist. Der Fehler war wieder einmal der Versuch dies mit dem Hammer durchzuboxen und eine "Obergrenze" per Gesetz einzuführen.

  • MiaSanMia , freilich, weniger Flächenverbrauch ist sinnvoll.


    Bei uns haben jedoch viele ( in meinen Umfeld ) unser damaliger Begehren verstanden ( missverstanden ) als „Hilfe“ den Zuzug von
    Firmen und Einwohner einschränken zu können.

  • Ja, leider. Die Grünen müssten viel stärker auf das Thema Verdichtung setzen, z.B. auch bei großen Quartiersplanungen. Unterm Strich wird so weniger Fläche versiegelt. Grundsätzlich hört man ja immer wieder vereinzelte Stimmen der Partei, die sich für mehr Höhenentwicklung etc. aussprechen. Nur so richtig Druck ist dahinter auch nicht. Das ist das Problem vieler Grüner: Die Ideen sind z.T. richtig gut, aber jeder Bürger soll mitentscheiden dürfen und ohne den Bürger geht sowieso gar nichts. Da verläuft sich das meiste leider.

  • Bei den Münchner Grünen schlagen aber auch zwei Herzen in ihrer Brust - die Fraktion um Christian Hierneis, die jedwede Weiterbebauung der Stadt verhindern möchte, und die Fraktion um Katharina Schulze und co., die eine möglichst urbane und kompakte Bebauung fordert. Den Hierneis könnte ich nicht wählen. Die anderen schon.

  • Wohnraum vs. Arbeitsplätze

    Aus dem SEM Nordost Thread:


    Daher ist eine Abwägung zwischen der Schaffung von Arbeitsplätzen und Wohnraum nötig.


    Um diese grundsätzliche Frage mal in einem allgemeineren Rahmen zu erörtern, mache in diesem Thread damit weiter. Dabei kann es auch um die Frage gehen, ob die Verwaltung durch die Anzahl von ausgewiesenen Arbeitsplätzen das regionale Bevölkerungswachstum gewissermaßen "regulieren" und somit theoretisch auch bremsen kann.


    Dass es bei zu entwickelnden Arealen längst eine harte Konkurrenz zwischen den Nutzungsarten Wohnen und Arbeiten gibt, beschreibt dieser aktuelle Beitrag im Handelsblatt:


    https://www.handelsblatt.com/f…ueros-knapp/24077824.html


    Da das Angebot an Gewerbeimmobilien in den Städten immer rarer und teurer wird, verlassen viele Unternehmen die Städte und verlegen ihre Arbeitsplätze in umliegende Gemeinden oder in weiter entfernte Städte.

  • Der euklidische Raum hat drei Dimensionen, wieso in München nur zwei ?
    In einigen Städten der Welt entstehen gleichzeitig jede Menge Büro und Wohnfläche bei gleichbleibender Grundfläche.....

  • Zitat

    Der euklidische Raum hat drei Dimensionen, wieso in München nur zwei ?


    In der Tat! Wir müssen in der logischen Konsequenz endlich anfangen, wie viele Tierarten unser Erdreich stärker zu nutzen. Es ist doch ein Unding, dass dieser wertvolle Raum unter unseren Füßen nur für düster beleuchtete Tiefgaragen und ranzige Kellerabteile verschwendet wird. Es hätte so viele Vorteile. Man braucht sich keine Gedanken mehr über ansprechende Fassadengestaltungen und Verschattung zu machen, nie mehr lästiges Fensterputzen und viel Grünfläche bleibt oben auch noch. Mit dem Hyperloop geht es dann unterirdisch bequem von A nach B, wer braucht schließlich schon Flugtaxis. Das wäre doch wirklich eine smarte Stadt der Zukunft. Und das beste daran: R. Brannekämper könnte auch weiterhin durch seine traumhafte Kulturlandschaft im Münchner Nordosten spazieren... es wäre so schön ...:toll3:

  • FDP: Dachau soll nur noch um 0,5% wachsen, Erding als Vorbild.


    Quelle: SZ online/ Merkur online.


    Fazit: Die Politik im Umland verfolgt gegenläufige Ziele als die Empfehlungen von Planungsverband
    (Christian Breu) sowie die Fakultät der Raumstruktur der TU (Prof. Thierstein).


    Wenn jetzt die Wachstumsbremse weiter um sich greift, müsste entweder in der Kernstadt das Neubauvolumen von Wohnungen stark angehoben werden, bzw
    könnte eine große Entlastungsstadt wahrscheinlicher werden.

  • Ich fände es sinnvoll, wenn im Münchener Umland kein einziger Quadratmeter Boden mehr versiegelt werden dürfte. Die Gemeinden müßten dann - wenn sie überhaupt bauen wollten - bereits versiegelte Flächen höher und/oder dichter bebauen.


    "Entlastungsstädte" machen ökonomisch und ökologisch keinen Sinn.


    Dafür sollte in und um München - das bedeutet für mich die gesamte Fläche innerhalb des Autobahnringes - zur dichten Bebauung völlig freigegeben werden.


    So ein Konzept bräuchte es für ganz Bayern/Deutschland: Wenige Ballungszentren dürfen moderat in die Fläche wachsen. Das Land darf aber nicht weiter versiegelt werden. Qualität statt Quantität.