Kulturdenkmäler in Frankfurt am Main

  • Stiftstraße 34-36 ("Nitribitt-Haus")

    Das in den Fünfzigern errichtete "Nitribitt-Haus" ist jetzt ein Kulturdenkmal. Dazu die heutige =19732750"]Pressemitteilung der Stadt:


    [INDENT]Das sogenannte „Nitribitt-Haus“ ist jetzt ein Kulturdenkmal. Das Landesamt für Denkmalpflege hat das Geschäfts- und Appartementhaus in der Stiftstraße 34-36 „aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen“ in die Denkmalliste aufgenommen. Diese Entscheidung ist für Bürgermeister und Planungsdezernent Olaf Cunitz gleich mehrfacher Grund zur Freude: „Ein weiteres markantes Bauwerk der Frankfurter Nachkriegszeit steht unter Denkmalschutz. Damit erhält die Architektur der 50er Jahre allmählich die Wertschätzung, die ihr gebührt – denn bislang sind diese Gebäude häufig ungeliebt. Mich freut besonders, dass die Entscheidung auf Initiative unseres städtischen Denkmalamtes zustande kam. Denkmalschutz und der sorgsame Umgang mit dem baukulturellen Erbe genießen in Frankfurt eben einen hohen Stellenwert.“


    Das Gebäude an der Stiftstraße 34-36 entstand ab 1955. Architekt und Bauherr war Wilhelm Berentzen. In der Begründung des Landesdenkmalamtes heißt es: „Der Architekt Berentzen entwarf mit Stiftstraße 34-36 ein Gebäude, das städtebaulich geschickt auf die vielschichtigen Anforderungen der Nutzungen und des Standorts reagierte und gestalterisch nicht zuletzt konstruktiv bedingte Funktionalität mit dem gewünschten leichten Flair eines Geschäftshauses der Nachkriegszeit verband. Von den Nachkriegsbauten Frankfurts gewinnt es dadurch einen eigenen Rang. Weit über Frankfurt hinaus erhielt das Gebäude Aufmerksamkeit durch den Mordfall Nitribitt, der sich 1957 in einem der Appartements ereignete, und erwarb sich dadurch die Bezeichnung als „Nitribitt-Haus“.“


    Für das gesamte Areal zwischen Bleichstraße, Katzenpforte, Stiftstraße und dem Eschenheimer Tor erarbeitet das Stadtplanungsamt gegenwärtig einen Bebauungsplan, der eine geordnete städtebauliche Entwicklung gewährleistet, die Blockrandbebauung planungsrechtlich sichert und in ihrer Wohnnutzung weiterentwickelt. „Durch seine prominente Lage ist das innerstädtische Areal von großer Bedeutung für die Entwicklung der Frankfurter Innenstadt“, sagt Planungsdezernent Cunitz. „Dabei trägt das ‚Nitribitt-Haus‘ ganz wesentlich zur Wiedererkennung dieses Teils der Frankfurter Innenstadt bei. Durch die nun erfolgte Unterschutzstellung wird das auch in Zukunft so bleiben.“ [/INDENT]



    Bild: Eva K. (mit GNU-Lizenz 1.2 für freie Dokumentation @Wikipedia)



    Bild: Giszmo23

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    Eine sehr begrüßenswerte Entscheidung! Im Grunde ebenso schützenswert finde ich die Leuchtreklame (insbesondere die rote Tudor-Reklame auf der Westseite mit dem 60er/70er-Jahre-Schreibstil); diese Art von Reklame-Gestaltung wird man leider mittelfristig so gut wie nicht mehr sehen können.
    Top finde ich auch die Gastronomie & den Einzelhandel im EG, die dieser Ecke mit seiner Kleinteiligkeit durchaus Flair und einen gewissen Charme verleiht.
    :daumen:

  • An und für sich begrüßenswert, aber es wäre mal interessant zu wissen, ob das Gebäude gegenwärtig tatsächlich die originale Farbfassung besitzt. Da habe ich nämlich so meine Zweifel. Und auch die Brüstungsverkleidungen der Balkons wirken ein bisschen arg billig. Hat da jemand der zahlreichen Kapazitäten im Forum hier vielleicht bauzeitliche Bilder von (mein Bildarchiv hat bekanntlich den Schwerpunkt Vorkriegszeit)?

  • Der Denkmalschutz äußert sich in der FNP

    Der für Frankfurt zuständige Konservator am Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden hat der FNP ein Interview gegeben. Die überwiegend realitätsfremde (und deshalb hier häufig kritisierte) Sicht des Denkmalschutzes wird darin mal wieder bestätigt:


    • Der Zustand des Gaswerks Ost (mir bis zu diesem Artikel überhaupt nicht bekannt) wird beklagt und postuliert, dass ein Abbruch auf Unverständnis in der Bevölkerung treffen würde. Eben jenes wage ich doch mal arg zu bezweifeln. Ich postuliere mal, dass einem Großteil der Bevölkerung das Gaswerk Ost kein Begriff ist und man bei einem Abriss keine Träne verdrücken würde.
    • Die häufig kritisierte Einbindung der Großmarkthalle in den EZB-Neubau wird aufgrund der hohen Sanierungsqualität gelobt.
    • Beim anstehenden Umbau des Hauptbahnhofes (Öffnung der B-Ebene) ist man skeptisch, aber kann sich durchaus auch für die Vorzüge dieser Planung begeistern.
    • Wir erfahren, dass das Telenorma-Gelände im Gallus kurz vor der Stellung unter Denkmalschutz stand. Was das für die Entwicklung des ganzen Areals und der Umgebung bedeutet hätte, kann man sich bei einem Rundgang dort ja mal ausmalen.
    • Auch der Henninger Turm war kurz davor unter Denkmalschutz gestellt zu werden. Man sei dann davon abgerückt, da eine zukünftige Nutzung mittels Umnutzung als Wohnungen dann nicht mehr möglich gewesen wäre,
    • Aktuell denkt man darüber nach ein altes Rechenzentrum aus den 70ern im Industriepark Höchst unter Denkmalschutz zu stellen.
    • Auch der Silberturm war schon mal im Fokus des Denkmalschutzes. Loben tut der Konservator die Fassadensanierung, die von Schneider und Schumacher geplant wurde. Aus dem Denkmal-Schneider ist der Silberturm aber nicht.
    • Mittlerweile geraten auch Gebäude aus den 80ern in den Fokus, so z.B. das Gebäude des MMK.
    • Selbstverständlich gelobt wird die Teilerhaltung des alten Bundesrechnungshofes, insbesondere seine städtebauliche Grundform.
    • Die hier kürzlich erwähnte Planung für eine Neuordnung des Gebiets westlich des Römerbergs sieht der Denkmalschutz kritisch, denn die dortige 50er-Jahre-Bebauung habe ihre Qualitäten, z.B. die durchgrünten Innenhöfe. Auch der Stadtraum um das Personal- und Organisationsamt habe durchdachte räumliche Motive.


    Es bilde sich bitte jeder sein eigenes Urteil.

  • Wie man derzeit in den Stadgärten an der Villa Schubert sieht ist der Denkmalschutz zwar keinen Pfifferling wert, aber trotzdem würde ich einen Schutz des Silvertower sehr begrüßen. Dessen Fassade hat in meinen Augen etwas einmaliges, schützenswertes.


    Zum Rest äussere ich mich jetzt nicht...

  • Ich muß zugeben das mich das Thema Denkmalschutz nicht kalt lässt. Man sollte nicht vergessen wie wichtig es ist, daß jemand ein Stop verordnet. Es passiert sonst zu schnell, daß Gebäude oder Epochen zum Opfer des "Zeitgeist" werden. Auch mir würde die Idee von Altstadt 2.0 gut gefallen, aber als ich mir neulich die Gegend genauer angesehen habe ist mir auch aufgefallen wie schade es um die grünen Innenhöfe wäre. Auch die zwei 50er Jahre Häuser am Römer, welche jenen Rekontruktionen geopfert werden sollen, sind trotz der kleinstädischen Wirkung extrem schöne und filigrane Gebäude, genauso überzeugt das Personal- und Organisationsamt. Natürlich kann man das alles abreißen und ein schönes mittelalterliches Ambiente schaffen, die Wirkung wäre sicherlich phänomenal, doch wären sie dann für immer weg sie Schönen der 50er.

  • In den gleichen 50er Jahren hat man es auch viel besser gemacht - etwa in Polen wurden altstädtische Straßenblöcke mit begrünten Innenhöfen mittendrin rekonstruiert (wie hier in Breslau - südlich vom Marktplatz und westlich vom Salzmarkt), mit Giebelhäusern mit stilechten Fassaden, was man in Frankfurt genauso machen könnte. Ein sehr schwacher Vorwand, das gestalterische Einerlei bar Funktionsmischung in der Frankfurter Altstadt zu konservieren. Man bedenke jetzt - wie hier besprochen eines der wenigen echten Fachwerkhäuser der Stadt (Töngesgasse 37) wird immer wieder nur fernab ursprünglicher Farbgebung gestrichen, was die Herrschaften trotz direkter Ansprachen nicht die Bohne interessiert - die im APH erwähnten Kontaktversuche wurden schlicht ignoriert. Da fragt man sich gleich, ob es um Pflege seltener Schätze geht oder das Torpedieren der Stadtreparatur nach Gutdünken - ich bin richtig empört.

  • "... aber trotzdem würde ich einen Schutz des Silvertower sehr begrüßen. Dessen Fassade hat in meinen Augen etwas einmaliges, schützenswertes."


    "Silvertower" ist der Ex-Dresdner-Bank-Turm ?! - Wenn ja, dann sehr gerne.



    Noch wichtiger finde ich aber die Denkmal-Schützung des alten EZB-Tower (sog. "Euro-Tower" - Das war in den 70ern mal das "BfG-Haus"). Weil hier seit 1994 bzw. 1998 die EZB residierte hat das Gebäude Geschichte geschrieben und MUSS unbedingt unter Denkmalschutz ! (oder ist es ggf. schon ?) Gestalterisch sieht es auch nicht schlecht aus, jedenfalls mindestens so gut wie der schon etwas klobige "Silvertower".

  • Der Silvertower gehört sicherlich zu den schönsten Hochhäusern von Frankfurt. Mit seinem individuellen Erscheinungsbild ein richtiges Schmuckstück auf das Wörter wie klobig sicher nicht zutreffen. Man sollte sich einfach mal eine Weile an seinen Vorplatz setzen (der ganze Platz ist als extrem geglück zu bezeichnen) um sich seiner Wirkung bewußt zu werden.

  • Auch mir würde die Idee von Altstadt 2.0 gut gefallen, aber als ich mir neulich die Gegend genauer angesehen habe ist mir auch aufgefallen wie schade es um die grünen Innenhöfe wäre.


    ... die dort aber weder städtebaulich noch historisch hingehören. Meine Meinung: Denkmalschutz ist dort angezeigt, wo ein Gebäude Geschichte im positiven Sinn geschrieben hat - sei es technisch, architektonisch, städtebaulich oder von der Nutzung her. - Denkmalschutz sollte aber keine Fehler manifestieren.


    Es gibt in Frankfurt einige herausragende Architektur der 1950er-Jahre, für die sich der Denkmalschutz stark machen sollte, beispielsweise die Rentenbank und das Bayerhaus. Erstere ist eine Kandidatin für eine Aufstockung, trotz Denkmalschutzes. Das Bayerhaus (= fleming's) wurde durch eine Erweiterung ziemlich vergewaltigt bzw. verstellt.

  • Ich bin mir bewusst das dies weder städtebaulich noch historisch dorthin gehört und ginge es nach mir würde noch so manche Ecke um den Dom verändert und aufgehübscht werden, was ja Gott sei Dank auch geschieht. Die 50er sind eine wichtige Epoche für Frankfurt und leider wurden schon viel zu viele herausragende Beispiele platt gemacht oder verändert. Und ja, eine Aufstockung der Rentenback wäre eine Katastrophe welche man dringend verhindern muß.

  • Also von den aufstockungsplänen der Rentenbank habe ich jetzt zum Ersten Mal gelesen. Ist das überhaupt noch aktuell? Der Post ist ja doch schon ein paar Jahre alt.


    Ich hoffe jedenfalls, dass die Rentenbank nicht verändert werden wird. Es ist ein wirklich schönes Gebäude der 50er wie ich nicht viele kenne. Da Bayerhaus ist bereits massiv verändert worden. Aber zumindest sollte es in der jetzigen Gestalt erhalten bleiben.


    Weis jemand zufällig ob und wenn ja welche Wolkenkratzer, in Frankfurt bereits unter Denkmalschutz stehen?


    m.Ro80
    Ja, der Silvertower ist das ehemalige Dresdner Bank Gebäude. Und ich stimme dir zu: Die Fassade des Eurotower ist meiner Meinung nach ebenfalls ein Kandidat für einen Denkmalschutz.

  • Den Strang bitte nicht zum Wunschzettel umfunktionieren, auch Aufzählungen persönlicher Vorlieben dürften nicht im Sinne des Erstellers sein. Warum es gehen soll, ergibt sich aus den ersten Beiträgen. Fragen bitte hier stellen.