Stadtplanung | Stadtentwicklung

  • ^ Solche dünn besiedelte Gebiete kann man nicht vernünftig mit dem ÖV erschliessen und so kommen daraus weitere Blechlavinen in die Stadt - zusätzlich zu den bereits vorhandenen. Diese widerlegen übrigens, dass die Dichte solcher Reihenhausgebiete "optimal" sei (wie jemand vor einigen Beiträgen behauptete) - ähnliche wurden bereits in den 1960er/1970er Jahren massenweise gebaut. Wenn das alles so optimal sein sollte, woher kommen die Staus um etliche Städte ähnlicher Größe wie Frankfurt?
    Leute, die in der Innenstadt leben oder sich dort nur temporär aufhalten, haben ebenso das Recht, sich zu wünschen, nicht ewig von Blechlavinen erdrückt zu werden. Da tröstet wenig, wenn diese kurz vor der offiziellen Stadtgrenze den Anfang nimmt statt kurz dahinter. (Vernünftige Regionalpolitik sollte dafür sorgen, dass auch Nachbarsgemeinden ähnliche EFH-Baugebiete nicht ausweisen - in der Region Stuttgart werden solche Begehrlichkeiten schon mal abgelehnt. Dort ist auch laut einer Umfrage die meiste Bevölkerung gegen weitere Zersiedlung.)


    Die Eindämmung der Zersiedlung und des Flächenverbrauchs steht in den Plänen etlicher Bundesländer - in Hessen genauso. Dazu kommen die erhöhten Infrastrukturkosten pro Einwohner, die die Nutznießer solcher Siedlungen am liebsten der Allgemeinheit überlassen wollen.


    Kurzum - vielleicht hätte man das diskutierte Gebiet oder einen großen Teil davon einfach unbebaut lassen sollen - dafür mehr Dichte irgendwo zentraler am ÖV-Netz einplanen.

  • Naja, was ist denn bitte daran so verkehrt, sich von Politik, Verwaltung und Gesellschaft zu wünschen und auch zu fordern, dass im Rhein-Main-Gebiet endlich wieder bauträgerfreie Grundstücke für Einfamilienhausbau vorgehalten werden


    Niemand hier hat etwas gegen EFH-Siedlungen im Rhein-Main-Gebiet, denke ich. Viel mehr geht es um die Forderung nach solchen Siedlungen in Innenstadtnähe, die eben etwas schizophren daher kommt wie #144 schon aufzeigte (besonders merkwürdig scheint hier die Feststellung, dass der "Nanny-Staat" vorschreibe wie Menschen zu leben hätten, nur um im nächsten Satz dann den Wegfall der Eigenheimzulage zu bedauern).


    Ich persönlich finde die Art und Weise der Kritik im Übrigen auch ziemlich dürftig, denn es scheint als würden hier persönliche Vorlieben zu einem Leitbild hochstilisiert und alles was dort nicht reinpasst, entspricht generell erstmal einem negativ belasteten Stereotyp ("unterste Lebensverhältnisse", "Yuppie", etc.). Meine kleine Familie würde sich beispielsweise wunderbar in die Zielgruppe für EFH einfügen und dennoch kann ich mir kein schlimmeres Übel vorstellen als in einer solchen Siedlung zu wohnen. Und wer ernsthaft meint das "Zivilisationsgefälle" zwischen Stadt und Vorstadt/Land sei in Deutschland wesentlich größer als in anderen westlichen Ländern war offenbar noch nie in einer amerikanischen Großstadt oder hat einmal in einer Studenten-WG mitten in der Stadt gewohnt. Jedenfalls finde ich es bedenklich solche "man müsste mal, aber keiner macht, weil niemand unsere Interessen vertritt"-Parolen aufgrund lediglich anekdotischer Evidenz, in Form der bloßen persönlichen Empfindung, rauszuschmeißen.

  • Doch, sehr viele haben etwas gegen neue EFH-Gebiete im Rhein-Main-Gebiet (siehe die obigen saturierten Kommentare) und dennoch sind Sie begehrter und notwendiger denn je, wie ja die Preisentwicklung zeigt.


    Leider sind mittlerweile über 90% der Bevölkerung aufgrund dieser Preise aus diesen Markt gedrängt und das ist nicht fair und ausgewogen.


    Auch die Erbfolge in den bestehenden EFH-Gebieten stimmt mittlerweile nicht mehr und zeigt die künstliche Verknappung - stirbt die Nachkriegsgeneration, die sich mit einem Postbotengehalt noch ein Haus erschaffen konnte, bleibt der Erbengemeinschaft oft nichts anderes übrig, als zu verkaufen - vor 15 Jahren hingegen konnte einer noch eher ausbezahlen und das Haus in der Familie halten. ...


    Dabei muss man noch nicht mal von Frankfurt-Harheim oder -Zeilsheim, also Frankfurter Stadtgebiet, reden - das ist im vorderen Rheingau genauso wie im Landkeis Offenbach etc.


    Wenn man hier der Diskussion folgt, könnte man meinen, dass die gefürchteten Häuslebauer alle in der Innenstadt arbeiten und abends nichts besseres zu tun haben, als in Nordendkneipen abzuhängen und dann mit einer neuen U-Bahnlinie in die Vorgartenidylle wollen.


    Das ist doch ein schiefes Bild und gibt nicht annähernd die Lebenswirklichkeit wider von Leuten, die schon lange oder erst seit kürzerer Zeit in Rhein-Main leben.

  • Man muss bei den EFH-Siedlungen auch noch unterscheiden: Es gibt diejenigen, die bereits etabliert sind, wo die Häuser in dere Masse bezahlt sind, die Altersstruktur gemischt, die Bewohner auch mal auswärts essen gehen wollen und inzwischen verstanden haben, dass es nicht wirklich gut ist, wenn der gesamte Einzelhandel aus den Zigarettenautomaten am Zaun es übernachten Nachbarn besteht. Und es gibt die neuen EFH-Siedlungen, in denen alle gerade frisch gebaut haben, die Bewohner alle Anfang, Mitte Dreißig sind, die Kinder noch in die Kita oder eben gerade in die Schule gehen und man sich typischerweise so aufgestellt hat, dass man gerade eben so über die Runden kommt - entweder weil man sich knapp überhoben hat, oder um möglichst schnell zu tilgen.
    Da gibt es dann keine Restaurants im Umkreis, weil es Abends nur 'n Butterbrot gibt und der Nahversorger muss vier Buchstaben haben, die d, i und l enthalten. Das ist dann echt anstrengend, wenn man nicht exakt zur gleichen Gruppe gehört, denn die Gespräche mit den Bewohnern des Viertels haben meist nur drei Themen - Kinder, Anliegerbeteiligung, Bauprobleme.


    Ich kenne inzwischen die meisten Wohnformen, vom Zweifamilienhaus meines Großvaters (oben er, die Großmutter und meine Mutter, unten sein Sohn mit Familie) in ländlicher Umgebung. Das freistehende Haus das meine Mutter auf'm Kaff gekauft hat. Die Wohnungen, die wir in Frankfurt und OF hatten, 1950er Wohnblock mit erst Kohleöfen, dann Gasheizungen am Stadtrand, Hochhaus in Eckenheim, Azubi-WGs während der Ausbildung, Hochhaus-EG am Atzelberg, höhere Etage in OF - und jetzt sehr ländlich in einer gepflegten Anlage in Köln.


    Was man dabei sieht, ist dass die echte Landbevölkerung (sei es Froschhausen oder ehemalige Eckenheimer Bäuerchen) dazu neigt, pflegeleichte Flächen zu bauen ("Mehr Grün wollense? Na dann streich ich den Beton im Hof..."), während es die Städter sind, die in der Stadt und außerhalb jedes Fitzelchen Boden freilegen und bepflanzen wollen. Meine Großmutter (Landei) wäre nie auf die Idee gekommen, im Hof zu frühstücken, dafür hatte sie doch den schönen Esstisch in der Küche. Meine Freunde aus Frankfurt, Berlin oder der Kölner Innenstadt finden dagegen die Idee, sich zum Frühstück im Park oder irgendwo wo die nächste Wand weiter als 10m entfernt ist, niederzulassen, richtig prima.


    Nebenbei ist den wenigsten Wohnungsbewohnern, die vom EFH mit großem Garten träumen, klar, wie viel Arbeit ein solcher Garten macht.


    Was das Einkommensthema angeht: Man zur 8%-Zins-Zeit früher mal gesagt, dass man, wenn man bislang 25% seines Einkommens für die Kalt-Miete ausgibt, etwa fünf Jahres-Nettogehälter finanzieren kann. Gemeint war, dass man in 28 Jahren schuldenfrei sein wollte. Bei aktuellen Zinsen sind das etwa sieben Nettogehälter bei entsprechend höherer Einstiegstilgung. Zwanzig Prozent Eigenkapital erschien damals sinnvoll, das kann heute auch wegen der niedrigeren Zinsen etwas weniger sein, aber knapp zehn Prozent gehen für Grunderwerbsteuer, Notar und Abwicklungskosten drauf.
    Der statistische Durchschnitt Thomas Müller, der mit seiner Frau Sabine auf rund 50000€ netto im Jahr kommt, kann also 350.000€ stemmen. Das gibt reichlich 100m² Neubau ETW in Offenbach-Zentrum, schon deutlich drunter im Hafenviertel und in Frankfurt kann er damit die Garage zum EFH bezahlen.
    Für welche Zielgruppe die EFH-Neubaugebiete gedacht sind, ist damit ablesbar - das sind Leute, die durchaus eine Lobby haben.

  • Doch, sehr viele haben etwas gegen neue EFH-Gebiete im Rhein-Main-Gebiet (siehe die obigen saturierten Kommentare) und dennoch sind Sie begehrter und notwendiger denn je, wie ja die Preisentwicklung zeigt.


    Es gibt unzählige Studien über Probleme, die EFH-Siedlungen bringen von den Finanzen (Infrastrukturkosten) bis zum Verkehr und Flächenverbrauch, von vielen Forschungseinrichtungen und Unis - viele habe ich hier im DAF verlinkt. Wozu werden Millionen für die Wissenschaft ausgegeben, wenn die Erkenntnisse ignoriert werden würden?


    Dass etwas von einigen Leuten begehrt ist, bedeutet nicht automatisch, dass es für die Allgemeinheit gut ist, also auch nicht dass es 'notwendig' sein sollte. Die Kommunalpolitik und die Stadtplanung sollten die Allgemeinheit vor Augen haben und nicht den Begehrlichkeiten jeder Einzelperson nachjagen.


    Leider sind mittlerweile über 90% der Bevölkerung aufgrund dieser Preise aus diesen Markt gedrängt und das ist nicht fair und ausgewogen.


    Um den Populismus dieser Formulierung zu veranschaulichen: Über 90% der Bevölkerung sind aus den Märkten der mehrgeschossigen Penthouses und der Wohnungen mit vergoldeten Wasserhähnen 'verdrängt', vom Markt der Privatjets mindestens 99,99%. Höchste Zeit offen darüber zu reden, dass in einer Metropole wie Frankfurt (die einzige Global City der Alpha-Kategorie in Deutschland) Fläche knapp, also ein Luxus ist. Es gibt zwar ein Recht auf ein Dach über dem Kopf, aber es gibt kein Naturrecht auf einen Privatgarten. Man kann ohne ihn ganz gut leben, das tun Millionen Menschen in vergleichbaren Metropolen.

  • Also dass sich alle Familien mit Kindern nach einem Häuschen im Grünen sehnen, das kann ich nicht bestätigen. Sind wir denn wieder zurück in den 70ern? In meinem Freundeskreis sind viele junge Familien, und sie alle träumen von, sparen für oder finanzieren schon eine schöne, große moderne Wohnung in der City. Es fehlen bestimmt nicht EFH in Frankfurt, es fehlen 3- und 4-Zimmer Wohnungen.

  • Zu 150:


    Also, wenn wir den jeweiligen Generationen in der Familiengründungsphase wieder mehr Fläche zugestehen, damit sie, wenn sie denn wollen und es sich wieder bezahlbarer wird, auch in Ballungsgebieten ein eigenes Haus bauen / umbauen können; dann hat die Politik Deiner Meinung nach nicht mehr die Allgemeinheit vor Augen sondern jagt den Begehrlichkeiten von Einzelpersonen hinterher?


    Sorry, aber diese Gleichsetzung von Fläche = Luxus finde ich sehr unausgewogen und doktrinär.

  • ^ Ganz genau - ausgedehnte EFH/RH-Siedlungen verursachen genau die gleichen Probleme wie seit den 1960er/1970er Jahren; kein Grund sich noch mehr davon aufzuhalsen. Es gibt mehr als genug vorhandene. Wie etwas weiter darüber unter #151 steht, ein Großteil der Generationen in der Familiengründungsphase will ohnehin eine vernünftig zugeschnittene Geschosswohnung, möglichst zentral (Ähnliches beobachte ich auch in meinem Bekanntenkreis) - falls manche Leute zersiedeln und enorme Flächen zupflastern möchten, muss die Allgemeinheit/Politik es nicht mit künstlicher Verbilligung fördern.


    Sorry, aber diese Gleichsetzung von Fläche = Luxus finde ich sehr unausgewogen und doktrinär.


    Dann begib sich nach London und schaue, wieviel dort Häuser mit eigenen Gärten kosten. Die Wohnungsbau-Musik spielt im mehrgeschossigen MFH-Bau. Was ist "unausgewogen und doktrinär" daran, dass Millionen Menschen (das Rhein-Main-Gebiet hat um 5 Millionen Einwohner) auf einem begrenztem Raum leben wollen (möglichst nah des Zentrums) in dem noch etwas Natur verbleiben sollte?


    Übrigens - in Düsseldorf wurde kürzlich ein 18geschossiges Hochhaus in ein Wohnhaus umgebaut, darin eine KiTa eingerichtet - auch in Deutschland kann es Familiengründungsphase-orientiert ohne viel Flächenverbrauch gehen.

  • Jeder so wie er möchte. Es sollten alle Optionen zur Verfügung stehen. Ich selbst könnte mir beides vorstellen: City Apartment oder Suburbia mit Hund. Beides finde ich durchaus attraktiv.

  • Na dann frage ich mich wer denn die ganzen frei plan- und bebaubaren Grundstücke im Rhein-Main Gebiet so kauft? Frankfurt Riedberg - die für 600 €/qm von der Hessen-Agentur abgegebenen Grundstücke sind alle reserviert, wo hingegen Ballwanz auch nach 2 Jahren seine Buden (Rosenbaumhöhe) nicht wegbekommen hat. Oberursel Altkönigsportplatz Preise von über 1.000 €/qm alles weg; Offenbach An den Eichen ab 360 €/qm - ruck zuck weg; Heusenstamm 500 €/qm - weg; Dreieich Heckenborn - nur noch Bauträgerobjekte, Grundstücke (angekündigt mit 410 €/qm dann waren es am Ende >500 €/qm) weg; Rödermark Rennwiesen 360 €/qm - weg; Egelsbach Brühl ab 320 €/qm - alles weg; Mainz Gonsbachterrassen 470 €/qm ruckzuck weg . Und wie schon angegeben - großteils werden im Umland qm-Preise erreicht welche die Werte des Gutachterausschuss Frankfurt noch übertreffen.


    Zusammen mehrere hundert frei plan- und bebaubare Grundstücke! Alle innerhalb kurzer Zeit vertickt, dagegen Bauträgerobjekte (mit dicker Gewinnmarge!!) in den gleichen Neubaugebieten Vermarktungszeiträume von teilweise über 2 Jahren!


    Vielleicht auch mal hinterfragen warum "die Bekannten" nun eine Wohnung statt Haus kaufen? Vielleicht resigniert man und holt sich lieber jetzt noch eine Eigentumswohnung bevor noch weiter auf das eigene Haus gewartet wird, und wenn dies nicht kommt auch die Wohnung nicht mehr finanzierbar wäre?


    Mal als Gegenbeispiel: von meinen Arbeitskollegen nur auf dem Flur (18) wohnt nicht einer in einer Wohnung geschweige zur Miete - alle im eigenen Haus! Dafür nehmen die teilweise Anfahrtszeiten mit Bahn/Auto von >1 1/2 Stunden aus dem tiefsten Hochtaunus-, Wetteraukreis oder Kreis Bergstraße in Kauf! Vorherige Bleiben (Wohnungen z. B. in Hofheim, Neu-Isenburg, alles viel näher) wurden verkauft oder sind nun Vermietobjekt und das Sprichwort "Wohnungen hat man zur Vermietung und wohnen tut man im eigenen Haus" gilt.

  • Benzin ist halt noch viel zu billig. Und die Fahrzeit wird nicht korrekt bewertet. Bei halbwegs guten Informatikfuzzis mit vielleicht 30€/h Netto sind 1,5 Stunden Fahrtzeit - also 3 Stunden hin und zurück mal 20 Arbeitstage immerhin 1800€ im Monat wert, da Informatiker rechnen können, kannst Du die die Sätze für sehr gute selber ausrechnen.
    Dabei hat man von der schönen Anlage in der Walachei noch nicht mal was, schließlich sieht man sie nur am Wochenende und in den Sommermonaten ein paar Wochen lang bei Tageslicht. Den Rest der Zeit hockt man drinnen, die Kinder vielleicht eine Etage höher (könnte man auch in der Stadt-Maisonette haben).
    Ich denke, das Häuschen im Grünen ist nichts, was die Leute rational entscheiden. Vielleicht sind die Interessen da auch zu unterschiedlich, ich brauche Kino, Theater, Oper, Kneipenszene und will da auch nicht unbedingt das Auto rausholen oder länger als 30 Minuten unterwegs sein - und im Zweifel soll auch das Taxi zu spätester Stunde noch bezahlbar bleiben.


    Was die Grundstücke und die Verkaufsgeschwindigkeit angeht: In Frankfurt und Umgebung leben genug Gehaltsempfänger, für die ein Haus für 2 Millionen auch nach meiner Formel von oben - 7 Jahres-Nettogehälter - finanzierbar ist, wobei irgendwann ja auch der für den Konsum notwendige Anteil des Einkommens deutlich abnimmt und entsprechend höhere Finanzierungsbeträge zusammenkommen, die Formel gilt für Normalverdiener und es gibt auch einige, die schlicht drauf schei***, ob sie sich so eine Hütte langfristig leisten können.

  • Vielleicht auch mal hinterfragen warum "die Bekannten" nun eine Wohnung statt Haus kaufen?


    Ganz einfach, alle meine Freunde und Bekannte sind Stadtkinder so wie ich, die in Bockenheim, Nordend und Bornheim ausgewachsen sind. :) Klar gibt es die Leute, die lieber ein Häuschen im Grünen haben wollen, aber es ist nicht die Mehrheit, wie manche hier suggerieren möchten. Es wird so getan, als ob die Leute, die an der Berger wohnen da leben müssen. Die Leute wollen da leben.


    Es braucht in Frankfurt mehr Wohnungen mit 3 und 4 Zimmern in der City, für Familien ist das wichtiger als EFH.

  • Nun ja. Mir hat ein euphorischer Bankberater der örtlichen Genossenschaftsbank einmal, nachdem er die Gehaltseingänge von mir und meinem Partner gecheckt hat, vorgerechnet, dass wir bei einer Vollfinanzierung derzeit bis zu 1.800.000 € solide finanzieren könnten (bei 2 % jährlicher Tilgung, 10 Jahre Zinsbindung).


    Eine auf den ersten Blick für mich bizzar und lächerlich große Summe für ein Eigenheim. Bis wir uns mal angeschaut haben, was das Häuschen am freien Markt derzeit so kosten würde, was wir uns vorgestellt hätten; keine Extravaganzen einfach geräumig und nicht total von der Stange, also keine WDVS Styroporhölle und auch ein Grundstück, wo ich an den Seiten des Hauses ein paar Male umfallen kann, ohne schon an Nachbars Zaun zu stoßen... und das ganze jetzt nicht komplett in der Pampa. Ja, solche Summen muss man dafür heutzutage dann tatsächlich hinlegen.


    Wir haben uns den Hauskauf daher erstmal verkniffen. Meine Rede kommt durchaus auch aus persönlicher Betroffenheit. Diese furchtbare Baulandpolitik der öffentlichen Hand in der Bundesrepublik verknappt hier den Traum von Eigenheim, den nun einmal auch heutzutage Millionen Bürger träumen, auf eine solche Weise, dass sich das selbst sehr gut verdienende DINKs wie ich und mein Partner kaum noch leisten wollen. Es kann doch nicht wahr sein, dass man in Deutschland, wenn man nicht komplett in der Pampa wohnen will, den Traum vom Eigenheim nicht mehr ohne Mio.-Budgets im Rücken verwirklichen kann. Da läuft was ganz grundsätzlich schief und das kann man mir auch noch so wortreich nicht "erklären". Da stimmt was nicht.


    Und es komme mir bloß keiner mit dem Pseudoargument des Flächenverbrauchs. Ich sehe doch, was gleichzeitig für Flächenorgien im Gewerbebereich stattfinden. Ohne Not ein Gewerbegebiet nach dem anderen, mit gigantischen, platzfressenden Parkplätzen vor jedem Discounterbungalow. Discounter an Discounter, Filialist an Filialist, während die Läden in den Stadt- und Dorfkernen absterben. Da komme mir keiner damit, dass die öffentliche Hand halt versucht den Flächenverbrauch zu stoppen und Flächen zu schonen. Bei Gewerbe wird alles genehmigt, wenn überhaupt, dann wird nur auf Verkaufsflächen reglementierend geachtet, wieviel Flächen für Parkplätze und Zufahrten und Abfahrten und Ladezonen usw. diese eingeschossigen 0815 Bungalows in den Gewerbegebieten verzehren, sch*egal. Und dieses Bauland wird dem Gewerbe von den Kommunen offenbar so billig verkauft, dass es für die billiger ist, diese verschwenderischen Parkplatzwüsten anzulegen, als eine Tiefgarage für Kundenparkplätze unter dem eigentlichen Geschäft anzulegen (wie man das zB im ländlichen Raum in Österreich selbst in Dörfern sehr häufig sehen kann, dort geht man anders mit Flächen um!). Das gleiche mit Gewerbebetrieben, fahrt mal durch Industrie- und Gewerbegebiete, die in den letzten 30 Jahren genehmigt und ausgewiesen und erschlossen wurden. Wie da mit Flächen umgegangen wird.


    Aber der Pöbel soll sich ins Arbeiterschließfach quetschen, weil durch den künstlich erzeugten Mangel ein popliges Häuschen, was sich in den späten 60ern und 70ern noch normale Arbeiter (in der Einverdienerehe wohlgemerkt!) haben leisten können, inzwischen nur noch was für Millionäre sein soll, solange man nicht tief ins Erzgebirge oder den Bayerwald ziehen möchte? I - DON'T - THINK - SO!

  • Und es komme mir bloß keiner mit dem Pseudoargument des Flächenverbrauchs. Ich sehe doch, was gleichzeitig für Flächenorgien im Gewerbebereich stattfinden. Ohne Not ein Gewerbegebiet nach dem anderen, mit gigantischen, platzfressenden Parkplätzen vor jedem Discounterbungalow.


    Da ich diese Entwicklung niemals gelobt habe, sehe ich das "pseudo" beim Flächenverbrauch unbegründet. Natürlich sollten um Frankfurt keine Discounter mit Parkplätzen auf Grünen Wiesen entstehen, was hoffentlich durchgesetzt wird - nicht zuletzt damit die Innenstadt nicht wie jene im Ruhrgebiet ausblutet. Beim produzierenden Gewerbe wird es schwieriger, doch auch dort sollten die Entscheidungsträger etwas Druck auf die Investoren ausüben, ohne sie gleich abzuschrecken. Nicht jede Fabrik muss heutzutage eingeschossig sein - in Düsseldorf wurde kürzlich ein zweigeschossiges Teebeutel-Fabrikgebäude errichtet. Diese mehrgeschossigen Bauten sind das Gewerbegebiet von Monaco, die u.a. produzierende Unternehmen beherbergen.


    Zurück zum Wohnungsbau - letztes Jahr ging der Internationale Hochhauspreis an Bosco Verticale - Hochhäuser mit kleinen Privatgärten. Vielleicht sollte jemand in Frankfurt Ähnliches (natürlich innenstadtnah, am ÖV-Netz) versuchen?


    In einem anderen Unterforum fand ich dieses Plädoyer für dicht bebaute Mischgebiete, die geradezu im Gegensatz zu den EFH-Siedlungen stehen:


    ... echte Mischgebiete gibt es kaum noch bei Neuentwicklungen, obwohl die Bürger diese eigentlich als besonders lebenswert empfinden und sich auch besonders mit solchen Mischgebiet-"Kiezen" identifizieren, aber das passt halt nicht zum Modernismus des 20. Jh. a lá Charta von Athen, in dem die Verantwortlichen noch ganz verhaftet sind ...

  • Also sorry, aber wenn man bei Immobilienscout einfach nur Haus kaufen, Radius 10km (das entspricht größtenteils Frankfurter Stadtgebiet und z.T. direkt angrenzende Orte wie Offenbach, Eschborn) eingibt, kommt man bei der Hälfte deines Betrages, also bei 900.000€ auf über 250 Treffer. Für 500.000€ gibt es diese Anzahl im Radius von 15km, also direkte Urban Area (von Königsstein bis Maintal, von Friedrichsdorf bis Dreieich).


    V.a. wenn du ein Grundstück haben möchtest, auf dem du "ein paar mal umfallen kannst, ohne gleich an Nachbars Zaun zu stoßen", ist das zwar ein legitimer Wunsch, aber ganz ehrlich, für wie viele Leute soll sich das denn in der Stadt verwirklichen lassen? Dafür gibt es doch auf dem Land genug Platz.


    Und auch den Flächenverbrauch bei den Gewerbegebieten sehe ich nicht so - in Frankfurt haben doch die meisten Märkte die Parkplätze in Tiefgaragen / Parkhäusern, zumindest die, die eine größere Zahl an Parkplätzen anbieten. Das, was du ansprichst, der Aldi in Leichtbauweise mit Riesenparkplatz davor, ist doch eher auf dem Land zu finden.

  • Ich sehe doch, was gleichzeitig für Flächenorgien im Gewerbebereich stattfinden. Ohne Not ein Gewerbegebiet nach dem anderen, mit gigantischen, platzfressenden Parkplätzen vor jedem Discounterbungalow. Discounter an Discounter, Filialist an Filialist,[...]


    Bei Gewerbe wird alles genehmigt, wenn überhaupt, dann wird nur auf Verkaufsflächen reglementierend geachtet, wieviel Flächen für Parkplätze und Zufahrten und Abfahrten und Ladezonen usw. diese eingeschossigen 0815 Bungalows in den Gewerbegebieten verzehren, sch*egal.


    Wo gibt es das denn bitte im Frankfurter Stadtgebiet - und vor allem in Lagen, in denen man auch wohnen möchte? Mir fällt, zumindest einigermaßen zentrumsnah, gerade wirklich nichts ein. Selbst das, für Frankfurter Verhältnisse, große Scheck-In-Center im Ostend hat eine Tiefgarage/Parkhaus, obwohl da sicherlich irgendwo Platz für Parkplätze gewesen wäre. Ich finde es, im Gegenteil, eher erschreckend auf wie wenig Fläche sich die Discounter in Frankfurt tummeln müssen. Da passen teilweise nicht einmal zwei Personen gleichzeitig zwischen die Regale. Von Parkplätzen ganz zu schweigen. Und richtig große Supermärkte sind ohne kilometerweite Autofahrt (in die Nachbarstädte) eh nicht zu erreichen.

  • Ist halt die Frage, was Sie als richtig großen Supermarkt definieren. Wer aus der City mit dem Auto zum Einkaufen regelmäßig zu diesem schrecklichen Real nach Eschborn oder zum Globus nach Maintal fährt, der hat doch beim besten Willen den Knall nicht gehört.

  • Ich bin auch nur ungern in einem Real. Aber man hatte früher kaum eine andere Wahl. Bis vor zehn Jahren war die Nahversorgung mit Lebensmitteln in Frankfurt eher dürftig. Meistens gab es nur kleine, schmuddelige HLs oder Tengelmänner. Durch die neuen "Vollsortimentler" z.B. im MyZeil, am Polizeipräsidium, Hansaallee, im Sachsenhäuser Depot und am Ostbahnhof, und einigen Discountern wurden Lücken geschlossen und die Situation hat sich wesentlich verbessert.

  • Seh ich auch so. Und die mehr als solide sortierten Lebensmittelabteilungen von Karstadt und Kaufhof sollte man auch nicht vergessen sowie die Kleinmarkthalle etc., alles und seit jeher mitten in der City.
    Die meisten von Ihnen aufgezählten Supermärkte sind außerdem sogar tatsächlich problemlos mit dem Auto erreichbar, wenn das ein Kriterium sein sollte. Und dies nicht, weil sie von Parkplatzwüsten umgeben sind, sondern weil sie über Parkhäuser oder TGs verfügen.
    Ich stimme Ihnen zu, da hat sich aber auch wirklich einiges getan.

  • Ganz falsch liegt er aber nicht damit. Im Umland sowieso, aber auch innerhalb der Frankfurter Stadtgrenzen gibt es so einige Gewerbegebiete (oder beispielsweise auch die beiden Lidl an der Bahnstrecke in Sachsenhausen) nachkriegsdeutscher Art mit vielen eingeschossigen Gebäuden und riesigen Freiflächen die maximal als Parkplatz genutzt werden.
    Die Fundamentalopposition gegen Einfamilienhäuser wie einiger hier im Thread kann ich beim besten Willen nicht teilen. Die Stadt braucht jeden Quadratmeter Entwicklungsfläche den sie kriegen kann, egal ob in Bornheim oder Nieder-Erlenbach. Aber nicht überall macht dabei Geschosswohnungsbau Sinn - und so werden durchaus auch auch in der Zukunft EFHs ihre Berechtigung haben. Andererseits ist es weder möglich noch sinnvoll, bei insgesamt begrenztem Bauland (und dabei bin ich schon der Meinung dass die Stadt vor Allem entlang der A5 noch etliche Quadratkilometer an Reserven für die Baulandausweisung hat) absolut jedem Interessenten das Grundstück für sein Häuschen im Grünen zu offerieren - was auch weiterhin bedeuten wird, dass der Kreis derer die sich die entsprechenden Preise leisten können, deutlich kleiner sein wird als in den 60er bis 90er Jahren. Endless Suburbia ala Nordamerika brauchen wir hier wirklich nicht. Der Schwerpunkt sollte schon eindeutig auf urbaner, dichter Blockrandbebauung mit angemessener Geschosszahl liegen.