Neue und erneuerte Parks und Grünflächen

  • Den landschaftsplanerischen Realisierungswettbewerb zur Umgestaltung des Franz-Mehring-Platzes (ehem. Küstriner-Platz) gab es bereits 2018. Den ersten Preis holten damals die Landschaftsarchitekten vom Büro gm013 giencke landschaftsarchitektur. Auf deren Webseite findet man eine ausführliche Beschreibung und mehrere Bilder dazu.

  • Die Planer sprechen von einer geplanten „Grünverbindung“ von Spree über FM Platz zum Petri Friedhof.

    Ich weiß nicht auf welche Äußerungen oder gar Planungen sie sich hier beziehen. Könnte jedoch heißen, dass die Breite der Straße der Pariser Kommune in ihrer Gänze unbebaut bleiben wird. Schade für die Urbanität, gut für‘s Stadtklima (wenn gut entwickelt und entsiegelt).

  • Schade für die Urbanität, gut für‘s Stadtklima (wenn gut entwickelt und entsiegelt).

    Und schlecht für Wohnungsssuchende, die ja nun noch mehr werden. Hoffe doch sehr der Zwang des Faktischen beerdigt noch so manche Friedrichshainer Utopien.

  • Es entsteht ein sozialer, multifunktionaler und urbaner Mittelpunkt, ein Ort des Austauschs für das gesamte Quartier. Der Platz wird zur Adresse für das FMP1 und wirkt identitätsstiftend für das sonst heterogene Stadtquartier”


    Ich frage mich wirklich, warum das Geschwafel zur Beschreibung von neu zu geataltenden Plätzen so oft so ähnlich abgedroschen klingen muss.


    Mäuerchen und Freifläche können also als Sitzgelegenheit und Tribünenstufe bei Veranstaltungen genutzt werden & auf dem Rasen darf gepicknickt werden- sensationell multifunktional. Und daraus wird dann ein Ort der Kommunikation oder des Austauschs.


    Diskurs fehlt mir noch beim Worthülsenbingo.

  • Genau das, also ein sozialer, multifunktionaler und urbaner Mittelpunkt, wird ja nicht passieren, solange die Umgebung dermaßen unwirtlich ist. Im besten Fall erhalten wir ein schönes Hundeklo. Woraus soll sich denn dort eine Aufenthaltsqualität ergeben? Ich kann mich den obigen Auffassungen nur anschließen: Mit einer höherwertigen, engen Bebauung der gegenüberliegenden Seite, einem Abriss der Platten am Wriezener Karree und einer mittel- bis langfristigen Entwicklung des nördlichen Bahnhofsumfeldes und des alten Ostbahnhofs (Metro und Hellweg) hätte man hier einen urbanen Platz erhalten können, der mitunter sogar dem schlimmen ND-Gebäude zu einer Berechtigung verholfen hätte. So wird es die Verstetigung einer Brache und städtebaulichen Nichtfläche werden. Und ein bisschen habe ich die Befürchtung, dass auch genau das gewollt ist.

  • Och Leute, der Platz wird ein bisschen aufgemöbelt und es gibt eine Mail mit PR-Lyrik dazu. Das ist alles. Manchmal kann ich die Aufgeregtheiten hier echt nicht nachvollziehen.

  • Na ja, Architektenkind, es geht hier in der Diskussion doch um öffentlichen Freiraum, der im besten Fall belebter und bewohnter Lebensraum sein soll. Dass man hier Geld in die Hand nimmt, um wenigstens an den Details zu schrauben, ist löblich - zumal in einer Ecke, in der insbesondere entlang der Hochhäuser und um die riesige Tunnelrampe zum ehemalige Kaufhaus herum die Anmutung von aus der Zeit gefallenen Brachen herrscht. Wenn in dieser Umgebung dann ein Übermaß an Euphemismen bemüht wird, um einen ausgesprochen großen Unort schön zu reden, dann nährt man auch eine Lüge, die verhindert, dass Berliner hier irgendwann auch jenseits der 5 neuen Büsche ein lebenswertes Stück Stadt für sich nutzen können. Ich bin oft in der Ecke, und außer den 3 Menschen, die auf den Bus warten, will da keiner tot überm Zaun hängen. Warum also Kritik nicht einfach mal zulassen und überlegen, wie man über die Minimalkosmetik diesen Raum einmal neu denken kann.

  • ^ Dies ist der Strang über Grünflächen, und eine kleine Grünfläche wird hübscher gemacht. Schön für die Leute, die im ND-Gebäude arbeiten und dort im Sommer einen Pausen-Kaffee trinken. Sonst ziemlich egal, denn an der städtebaulichen Situation ändert sich niente. (Mit dem Städtebau des Viertels beschäftigt sich allerdings ein anderer Strang.)


    Was den Werbetext betrifft: Sowas schreiben halt PR-Leute. Immer und überall. Jede ALDI-Mortadella ist "Gourmet" und jeder Standard-Neubau im Wedding eine "exklusive Residenz im Herzen der Hauptstadt". Alles Quatsch, wissen alle, nimmt keiner ernst. Aber hier muss es gleich eine "Lüge nähren", die die Zukunft des Viertels prägen wird. Herrje: Wer diese Presseerklärung gelesen hat, wird wahrscheinlich glauben, die Straße der Pariser Kommune würde dadurch zum neuen Kudamm, oder so. Weil niemand gucken kann.

    Wenn in dieser Umgebung dann ein Übermaß an Euphemismen bemüht wird, um einen ausgesprochen großen Unort schön zu reden, dann nährt man auch eine Lüge, die verhindert, dass Berliner hier irgendwann auch jenseits der 5 neuen Büsche ein lebenswertes Stück Stadt für sich nutzen können.

    Du kannst Dir sicher sein: Die Leute können gucken. Und Pressemitteilungen liest kein Schwein.

  • Naja das Problem ist ja schon diese leere Weite, von der sich der Platz wenig absetzt.

    Ich würde ja sogar behaupten, wenn man auf die Ecke ein Gebäude setzen würde, würde der Platz profitieren - meinetwegen auch ein Kiosk, ein Eckhaus wäre mir lieber. Ich bin der Meinung die Straße würde an der Stelle mehr von Dichte profitieren als von Grünflächen.


    Es ist aber natürlich ein berechtigtes Argument, dass man, bevor man auf die Idee kommen sollte, den Platz anzutasten erst einmal die zahlreichen Parkplätze auf der anderen Straßenseite hinterfragen sollte.

  • Und Pressemitteilungen liest kein Schwein.

    Doch, ich. Und eben auch die Erläuterungen der Architekten, die ich hier zitiert habe. Ich habe auch, in einem Diskussionsforum nicht unüblich, lediglich meine Unzufriedenheit mit der derzeit üblichen Worthülsenschleuderei für banalste Grüngestaltung, wie hier in Reinform zu bewundern, zum Ausdruck gebracht.


    Sollte es hier zukünftig nur noch um das Einstellen von Bauinfos gehen, die nicht weiter zu kommentieren sind, sag‘ eunfach bescheid.

  • ^ Dies ist der Strang über Grünflächen, und eine kleine Grünfläche wird hübscher gemacht. Schön für die Leute, die im ND-Gebäude arbeiten und dort im Sommer einen Pausen-Kaffee trinken.

    Da muss ich Dir sagen, dass ich dabei Bauchschmerzen bekomme. Nein, ich sehe diese Grünfläche nicht als notwendig an und finde generell diese neuen Grünflächen maximal eine Saison ansehnlich (und das hat nicht unbedingt etwas mit Vandalismus zu tun).

    Da dies in Friedrichshain geschehen soll würde ich als Friedrichshainer gerne darauf verzichten. Stattdessen könnte man den Gärtnern im Volkspark Friedrichshain einen Dampfstrahler spendieren, damit der Märchenbrunnen nicht bald so schwarz wie der Kölner Dom aussieht. Da fehlt es hinten und vorne und am Ende steht wieder eine jahrelange teure Sanierung an.

    Zum anderen lade ich dich gerne zu einem Spaziergang rund um den Strausberger Platz ein. Da wirst du feststellen, dass dieser Platz mittlerweile wie Kraut und Rüben aussieht. Das Pflaster kommt überall hoch, die Bänke sind größtenteils kaputt, die Laternen und Ampeln rosten vor sich hin. Am krassesten ist die Mittelinsel mit Brunnen. Wo Pflaster, wo Gras anfängt oder aufhört kann man nicht mehr sagen. Der Brunnen fällt fast auseinander, am Rand läuft das Wasser aus, weil undicht, für die abgebrochenen Fontänen hätte man sich selbst zu DDR-Zeiten geschämt. Und das als einer der Hauptplätze zum Eingang zur Innenstadt. Wenn schon so wenig Geld da ist, dann bitte dort ausgeben wo es notwendig ist und keine neuen Grünanlagen mehr anlegen, die wieder nicht gepflegt werden können.

  • Das gefällt mir richtig gut und erinnert mich in seiner Mischung aus relativ Banalem, der wilhelminischen Säule und gestalterisch anspruchsvollem Landscaping ein klein wenig an den Washington Square (NYC).


    Zu hoffen wäre, dass dann die Friedrichstraße im südlichen Abschnitt auch noch ein bisschen mehr vom kaputten Image wegkommt, so dass der Mehringplatz ein würdiger Anfangs- bzw- Endpunkt des entsprechenden Spaziergangs wird.

  • so dass der Mehringplatz ein würdiger Anfangs- bzw- Endpunkt des entsprechenden Spaziergangs wird.

    Ich glaube das wird erst etwas wenn die Ringbebauung wegkommt. Die Logik der hinteren Gasse der Bebauung macht es jeder Urbanität schwer.

    Aber daran ist zumindest jetzt nicht zu denken und zudem ist der heutige Mehringplatz ja nebem dem Strausberger Platz der einzige neu geschaffene geschlossene (!) Platz, der nach dem Krieg entstand.

    Hiflreich wäre schon die Überbauung zum Halleschen Tor abzureissen und das Hallesche Tor von mir aus kritisch nachzuahmen oder zu rekonstruieren. So hätte der Platz zumindest wieder einen Anfang.

  • Neu geschaffen? Hab ich da was verpasst, der Belle-Alliance Platz war doch auch ein Platz?

    Und für mich - auf alten Postkarten - einer der Hübschesten Plätze die es in Deutschland gab, im entfernten vielleicht ein wenig wie republique in Paris. An dieser Stelle eine Schande dass man den Wert nicht erkannt und eine Reko angestrebt hat. Was muss die Gegend zwischen Friedrichstraße und tief nach Kreuzberg hinein früher prächtig und urban gewesen sein. Es fehlt der bauliche Anschluss an die europäischen Hochkulturen. Wer heute aus Barcelona, Paris, Mailand oder Wien in diesen Gegenden herumläuft kann sich nicht vorstellen das Berlin Mal baulich eine europäische kulturstadt allerersten Ranges war.

  • Neu geschaffen? Hab ich da was verpasst, der Belle-Alliance Platz war doch auch ein Platz?

    Nicht falsch verstehen. Gemeint ist der einzige Platz mit einer geschlossenen (Gesamtensemble) Bebauung der Nachkriegszeit. Zum Beispiel der Ernst-Reuter-Platz ist in einer offenen Bebauung gestaltet worden, nur der Strausberger Platz hat (wenn auch in einem anderen Stil) eine geschlossene Form erhalten. Es ist eine Seltenheit nach dem Krieg, dass klassische Form und Architektur einhergehen (unabhängig vom Geschmack).

    Aber selbstverständlich unterstreiche ich den Rest deines Textes. Mit dem einstigen Platz Belle-Alliance ist das heute nicht vergleichbar. Am krassesten tritt auch hier die verschrobene Devise der Moderne hervor was den Verkehr betrifft. Dort ruhiger Dorfanger und eine Scheibe weiter: Blech- und Asphaltlawine.

    Wenn nur die Öffnung zum Halleschen Tor gelingen würde und dort eine Bebauung zur Straße möglich wäre, dann hätte der Platz schon viel gewonnen. Aber nachdem aktuell auch schon Werner Düttmann ins ikonische aufgestiegen ist, habe ich was Ästhetik in Berlin betrifft keine zu großen Erwartungen mehr.

  • Die Cantian - Säule is aber nicht Wilhelminisch sondern feierte schon 1843 Einweihung- cantian ist unter anderem auch für die Lustgartenschale oder die Skulpturensockel der Schlossbrücke verantwortlich - die auch so genannte Friedenssäule wird bekrönt von der Victoria nach Christian Daniel Rauch, diese gehört zu den Glanzstücken der Untergegangenen Berliner Bildhauerschule - das ist nicht wirklich wilhelminischer Pomp sondern eleganter, gut proportionierter Klassizismus - das hier anspruchsvoll genannte landscaping ist für mich, gerade mit Blick auf dieses schmuckplatzrelikt in seiner heutigen, zweifelhaften Architektonischen Fassung und der damit einhergehenden völligen Umwidmung von platz- und Millieustatus, eher deprimierend als erhebend oder augenschmeichelnd.


    Auch wenn Pflaster und Pflanzung noch so artig frisch daherkommt, die platzfassende Architektur bestimmt die Wirkung und diese bleibt eher regide, das harsche klobige neue Sitz-Mobiliar ist eher darauf hin orientiert.


    Ich habe deutliche Zweifel an der Potenz des Vorhabens, diesen Platz wieder als einen der 3 ikonischen Stadtplätze, der barocken Stadterweiterung erkennbar machen zu können.


    Welche signifikanten Gestaltungsmittel und Strukturen die auf die Biografie und Charakteristik vor 45 oder gar die Begründung verweisen will man denn da noch einweben wenn
    schon die Stilmittel bei der Platzgestaltung ausgerechnet auf eine pathologische Stadtplanung, ihren Architekt. Leerlauf und das destruktive städtebauliche Irrlichtern der 60er an dieser Stelle verweisen.


    Da bleibt doch nur noch verschulte Text- und Bildlastige Erklärdeko ohne Räumliche Wirkung


    Dem Platz und der städtischen Anbindung ist m.E nicht mehr zu helfen.

    Die ganze Manege hängt an diesem misslungenen Architekten-Experiment zu einer gänzlich anderen städtischen Situation und einer irrwitzigen stadtentwicklungsfiktion fest.

    Loswerden, wird und will man dieses Düttmann-Sharoun -Machwerk auch nich - hier zählt die Momentaufnahme einer zeitgeschichtlich aufgeladenen städtebaulichen Entwicklungsepisode mit Promi-Erblast einfach mehr als das Schleudertrauma dass diese Gegebenheit bis heute auslöst.


    Das Areal ist beim Wiederaufbau von einer repräsentativen Stadtplatzanlage zu einem geschlossenen, prekär gelegenen Vorortwohnkreisel umgewidmet worden und hat sich seinen heutigen Brennpunktcharakter auch architekt. begründet,
    redlich verdient.


    Sowohl die Schmuckplatzkonzeption des 19.jhd, sein urbaner Charakter als auch seine organische Integration im Stadtraum sind komplett zerstört worden und beim Wiederaufbau ohne Interesse gewesen.

    Die Barocke Genetik des Platzes ist nicht mal ansatzweise identifizierbar - eine städtebaulich schlüssige architektonische Dramaturgie zur Friedrichstraße ist aus seinem Kapselnaturell heraus nahezu unmöglich. Man müsste erheblich zurückbauen und Durchlässigkeiten schaffen um eine sich aufdrängende stadtzugewandte Logik ansatzweise wieder zu ermöglichen damit würde man aber diese Denk(mal)Würdigkeit substanziell angreifen

  • Genauso wichtig wie der Platz selbst ist aber auch die unmittelbare Umgebung, denn zu einem Platz gehört eben auch ein dichtes, urbanes Umfeld, das Leben in den öffentlichen Raum spült. Auch das ist hier ein wesentliches Problem, da die umgebende (Nicht-)Bebauung aus weitläufigen Parks und Nachkriegsriegeln besteht. Der Mehringplatz wird nie von Menschen zufällig durchquert und es gibt in der wüsten Umgebung keinerlei belebte Orte von denen der Platz profitieren könnte. Somit bildet der Platz nicht nur eine räumliche, sondern auch eine städtebauliche Sackgasse, da es keine nennenswerte Ziele gibt, die man von dort aus ansteuern kann. Ein Verdichtungs-/Urbanisierungskonzept des Bücherplatzes, des Halleschen Tors, entlang der Linden- und Wilhelmstraße , etc. wird also ebenso notwendig für eine Belebung des Ortes sein.


    Dass immer wieder weiträumig verkorkste Stadtgebiete der 60er/70er Jahre aufgrund wissenschaftlichen Interesses konserviert werden und deswegen derart unwirtliche Orte von den Bürgern langfristig geduldet werden müssen, leuchtet mir ebenso nicht ein. Die städtebauliche Korrektur sollte in solchen Fällen zum Wohl der Stadt und ihrer Bewohner Vorrang haben.