Prenzlauer Berg (OT von Pankow) | Kleinere Projekte

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    Du meinst sicherlich diese Entwürfe:




    Bildquelle: Frank Schiffer | Diamona & Harnisch Development GmbH & Co. Kastanienallee 63 KG


    Vom Altbau wäre hier eigentlich nur noch die Geschäftsebene erkennbar gewesen. Sehr unpassend an diesem Entwurf sind m.E. die 2 Alibibalkone. Vielleicht sah der Investor es als problematisch an, dass das EG des Altbaus nicht wirklich parterre liegt. Aber auch dann sind Ladengeschäfte problemlos möglich.

  • @RotesRathaus: Volle Zustimmung. In eine Straße mit intakter (vor)gründerzeitlicher Bebauung Baulücken zu schlagen, weil der Profit nicht stimmt, ist abstoßend. Der Altbau ist zwar nicht herausragend, aber die tabula-rasa Vorgehensweise doch erschreckend. Ist die Stadtplanung wieder bei den 60ern angelangt?


    Weiß jemand, welches Amt diesen Kahlschlag genehmigt? Ist es das Stadtentwicklungsamt Mitte?:
    http://www.berlin.de/ba-mitte/bezirksamt/spallek.html


    Und wie ist das mit dem Denkmalschutz? Als Ensemble steht die Kastanienallee ja nicht unter Schutz. Aber gab es nicht irgendeine Gestaltungssatzung oder so was?

  • Warum soll man denn die Altbauten nicht abreissen dürfen wenn sie nicht unter Denkmalschutz stehen? Es ist doch sonst immer die Modernistenfraktion, die immer neu bauen mag.


    Und Bäume auf einem Baugrundstück werden gefällt, sonst wäre es ja kein Baugrundstück.


    Entscheidend ist doch, w a s neu gebaut wird.

  • Konstantin:
    1. Dieser Altbau ist in einem einwandfreien Zustand. Da wird überall wild über Nachhaltigkeit und Klimaschutz diskutiert, während man hier ohne Not einfach mal ein intaktes Gebäude niederreißt. Das ist doch paradox.
    2. Der Altbau ist zwar keine architektonische Besonderheit (wobei das im Inneren auch wieder anders aussehen kann), aber im Zusammenspiel mit der Nachbarbebauung gibt er der Kastanienallee ihr historisches Gesicht. Er besitzt ein Erdgeschoss mit geriffelten Wände, eine Tordurchfahrt, die von einem Rundbogen abgeschlossen wird, ein klassisches Satteldach und nicht zu vergessen eine auffallend niedrige Traufhöhe, weshalb er vermutlich älter als die typische Mietshausbebauung der Gründerzeit ist.

  • 1. Das Gebäude ist privates Eigentum. Wer soll denn dem Eigentümer vorschreiben wann er sein Haus wie umzubauen oder eben abzureissen hat. Der Zustand des Hauses ist doch irrelevant - Entscheidung des Eigentümers. Es sei denn, das Haus stände unter Denkmalschztz. Der Neubau wird zudem - da nach neuer EnEv - sicher weniger Energie verbrauchen.


    2. Wir haben keinen Geschmacksparagraphen im Baugesetzbuch (wie z. B. in der Schweiz oder in Holland). Deshalb ist Aussehen auch kein Kriterium für oder gegen eine Abrissgenehmigung (mit Ausnahme des Denkmalschutzes). Sonst hätte ich da ein paar Kandiaten für ein Abrissgebot.

  • Ich würde mir einfach ein wenig mehr Respekt im Umgang mit Altbauten und weniger Profitgeilheit wünschen. Sicherlich hat der Investor in diesem Fall zumindest rechtlich gesehen fast freie Hand, aber trotzdem ist es doch legitim, die Vorgänge zu hinterfragen.

  • @ Konstantin (und OT)

    Zu Punkt 2: Jein. Richtig ist, dass im Bauplanungsrecht keine Vorgaben gemacht werden, die ein Bauvorhaben an der Ästhetik scheitern lassen, solange es sich in den durch die vorhandene Bebauung vorgegeben Rahmen einfügt. Der wäre nach der Rspr. dann überschritten, wenn städtebauliche Spannungen verstärkt oder begründet werden, die städtebauliche Harmonie gestört wird oder das Vorhaben eine negative Vorbildwirkung entfaltet. Das betrifft allerdings die Errichtung von baulichen Anlagen.

    Der Abbruch baulicher Anlagen kann nach § 79 BauO Bln angeordnet werden, wenn die Anlage im Widerspruch zu öffentlich-rechtlichen Vorschriften errichtet oder geändert wurde und nicht anderweitig rechtmäßige Zustände hergestellt werden können. Möglich wäre es daher, dass die Errichtung einer Anlage gegen § 9 BauO Bln und damit gegen das Verunstaltungsverbot verstößt, wonach bauliche Anlagen weder selbst verunstaltet wirken dürfen noch die Umgebung verunstaltet werden darf. Dabei muss der sog. gebildete Durchschnittsmensch in seinem ästhetischen Empfinden verletzt sein, also die Anlage als hässlich empfinden (ständige Rspr. seit BVerwGE 2, 172). Im Bauordnungsrecht spielt daher der „Geschmack“ durchaus eine Rolle; der Verstoß gegen § 9 BauO Bln kann mithin zu einer Abbruchsanordnung führen.

  • Hmm

    ...also als ich gestern am Zionskirchplatz mit einem Freund ausstieg haben wir uns das Bauschild nochmal angesehen und ich meinte, dass der Altbau abgerissen werden würden (man hat mittlerweile alle Fenster rausgenommen, das Ding sieht echt aus...). Aber er sagte daraufhin, dass er nicht glaube, dass das Haus abgerissen würde. Das Bild auf dem Bauschild (ein anderes als online) sieht so aus, als ob man bodentiefe Fenster einsetzen wird und ein Dachgeschoss (2?) aus Glas obendrauf packt....mal schauen.

  • ich bin ganz strikt gegen einen Abriss von Altbauten...was wäre berlin oder paris ohne altbauten, was wäre rom und südeuropa ohne altbauten?? da würde ich ganz klar gegenlenken, was nicht mehr zu retten ist, ist nicht mehr zu retten, dann kann ein abriss in frage kommen.


    ich erinnere mich ein projekt in moabit, tiergarten, wo eine kernsanierung stattfand. da wurde auch alles verändert, von tragenden wänden bis zur verbindung von seitenflügel etc. Von außen ein absolutes tolles altbau und innen hochmodern mit riesigen bodentiefen fenster.


    Mir gefallen heute die neubauten und ein paar neubaten zwischen den altbauten,machen gerade die stadt so wechselreich, so interessant. Ich bin immer dafür, erst das altbau versuchen zu erhalten, dann erst neubau. Was wäre Mitte, prenzelberg oder kreuzberg ohne diese tollen altbauten?? gar nichts!! schaut euch mal die gegend an, wenn ihr vom hallisches tor richtung schlesisches tor fährt. wie es dort aussieht, wo keine altbauten stehen. Wenn ich mich nur an den alten tollen mehringplatz erinnere und wie er heute aussieht. Berlin braucht eine mischung aus altbauten und tollen neubauten

  • @ PrenzlBerg: bei dem vor Ort aufgestellten Schild handelt es sich um die von Batō in #224 geposteten Entwürfe. Die geringeren Geschosshöhen weisen aber darauf hin, dass auch in diesem Fall nur das EG übrig bleiben würde.

  • Sockel

    Welcher Entwurf wir denn tatsächlich realisiert?


    Der alte Sockel würde dem Bau m. E. einen viel verträglicheren und auch feineren Charakter verleihen. Mir fiel beim Betrachten des Bauschildes zunächst gar nicht auf, dass es nur der Sockel ist, der erhalten wird. Man hätte zumindest eine Illusion eines Altbaus. M. E. an dieser Stelle viel besser.

  • Kein Sockel!

    Wie auf der Projekthomepage zu erfahren war wird der Altbau wohl koplett abgerissen und der Entwurf, wie Bato ihn in 210 gezeigt hat, gebaut:


    http://www.kastanienallee63.com/index.html


    Warum der Sockel nicht erhalten wird, geht aus folgendem Zitat indirekt hervor:

    Das Erdgeschoss glänzt mit seinen großen Fensterflächen, die eine gute Einsicht auf die Ladenflächen der dort ansässigen Gewerbe bieten.


    Ich hätte nicht gedacht, dass so eine Vorgehensweise möglich ist. Ich frage mich warum es nach meiner Beobachtung dann doch sehr selten geschieht, dass vergleichbare Altbauten in Berlin abgerissen werden. In Mitte, Prenzl. Berg etc wurden doch hunderte Altbauten, die z. T. in wirklich sehr schlechten Zustand waren, aufwendig saniert. Hier wären Abriss und Neubau zumeist doch auch besser für die Rendite gewesen; oder?
    Berlin hätte dann wie in den 50-60ern einfach eine neue Mitte bekommen. Nach dem Motto: Weg mit dem alten Plunder.

  • Die taz schrieb im Juni 2010 über den Abriss der Kastanienallee 64 übrigens:


    (http://www.taz.de/!53803/)


    In dem Artikel wird erwähnt, dass die Kastanienallee als Erhaltungsgebiet ausgewiesen ist, die Baustruktur also erhalten werden und der Abriss von Altbauten nur in Ausnahmefällen genehmigt werden sollen. Von einem Ausnahmefall beim Abriss der Kastanienallee 42 sprach damals noch Kristina Laduch, Leiterin des Stadtplanungsamtes Mitte und für die Erteilung von Abrissgenehmigungen zuständig...

  • Kastanienallee

    Hier zwei Fotos des ersten neuen Gehwegabschnittes mit den neuen Laternen.
    Man beachte die neuen gepflasterten Parkbuchten, die Einfassungen der Bäume und die Fahrbahnbreite (noch ohne Radweg-Markierung).



    Shot at 2012-02-19



    Shot at 2012-02-19


    Das eine inzwischen offenichtlich gescheiterte Bürgerinitiative hier von einem vierspurigen Ausbau sprach, finde ich mit Verlaub etwas grotesk.


    Als Radfahrer kann ich jedenfalls bestätigen, dass der zusätzliche Meter zwischen Autotüren und Schiene zu einem wesentlich besseren Sicherheitsgefühl bei Fahren führt. :daumen:

  • Czarnikauer Straße 10

    Hier der Baustand von heute. Das Haus ist so gut wie fertig:



    Shot at 2012-02-29
    Von der Seite ist die Wellenformation schon ziemlich martialisch ...



    Shot at 2012-02-29
    ... In der Aufsicht wirkt die Fassade durch das Holz jedoch warm und freundlich.



    Shot at 2012-02-29



    Shot at 2012-02-29
    Das EG verbirgt hinter den Glasbausteinen Technikräume, Farradräume etc.



    Shot at 2012-02-29
    Ich finde es insgesamt geglückt, auch wenn ich filigranere Balkone bevorzugt hätte. Aber das Holz ist :daumen:

  • Das Grundstück Kastanienallee 97 - 99 hatt offenbar einen Käufer gefunden (siehe #51). Es wurde September 2011 von der Hamburg Team Gesellschaft für Projektentwicklung mbH hat erworben. Kaufpreis unbekannt.
    Die Bebauung des Grundstückes erfolgt nach den Plänen von huber staudt architekten. Ihr Wettbewerbsbeitrag im damaligen Gutachterverfahren, genannt Puhlmann-Höfe, sieht Neubauten entlang der Brandwände zu den Nachbargrundstücken vor. Der Blockrand zur Schönhauser Allee wird mit Ausnahme eines überbauten Durchgangs komplett geschlossen.
    Der Investor möchte lieber heute als morgen mit der Bebauung loslegen, da aber der B-Plan noch nicht verabschiedet ist kann man wohl eher mit einem Baubeginn Anfang 2013 rechnen. Zudem gehe ich mal noch davon aus, dass der Investor möglicherweise einen anderen Architekten mit der Fassadenplanung beauftragt (hat).


    Artikel "Vor Ort" Ausgabe März (pdf)
    Architektenseite

  • betrifft: Czarnikauer Str.10

    Das Gebäude mit den geschwungenen Balkonen gefällt mir wirklich gut.Sowohl die Balkon als auch die Fensteranordnung finde ich gelungen,obwohl ich hier grössere Fensterflächen bevorzugt hätte.


    Die Holzverkleidung bzw.eine komplette Holzfassade sehe ich bei mehrgeschossigen Stadthäusern eher kritisch.Holzfassaden sind ein Stilmittel des ländlichen Bauens. Überdies sind Holzfassaden pflegebedürftig,besonders wenn sie der Witterung ungeschützt ausgesetzt sind,wie hier im obersten Geschoss.



    Gut gefällt mir der Einsatz von Glasbausteinen im EG.Dies ist ein guter Ersatz für Glasfenster,die häufig geputzt werden müssen,wenn sie was hermachen sollen.

  • Ich sehs wie rotes Rathaus. Von Vorne wirkt es ansehnlicher als von der Seite. Durch die Vielzahl an Balkonen fällt so nicht mehr viel von der eigentlichen Fassade auf. Wahrscheinlich entstehen viele kleinere Wohnungen in dem Gebäude die alle einen Balkon haben sollen? Andernfalls hätte ich wohl auf die Hälfte reduziert um den Blick auf das Gebäude freizugeben.

  • Kastanienallee 63/64

    Offensichtlich wird doch der Entwurf aus http://www.deutsches-architekt…hp?p=326950&postcount=224 verwirklicht und die Fassade des Altbaus bleibt zumindest im EG erhalten.


    Denn wie auf den heutigen Fotos zu sehen blieb eben dieser Teil beim Abriss verschont:

    Shot at 2012-03-03



    Shot at 2012-03-03



    Shot at 2012-03-03
    Auch die Grafiken vor Ort bilden diese Planung ab.
    Korrigiere: Das Schild bildet diese Planung ab, die Plane die Andere (wie auf den Fotos zu erkennen)...??


    M.E. viel besser! Ein echter Trost, wenn auch der Rest der Altbaufassade weg ist. Würde mich interessieren, wer für diesen nicht unwesentlichen Akt der Schonung verantwortlich ist.