Kleinere Projekte Prenzlauer Berg

  • Kleinere Projekte Prenzlauer Berg/Pankow

    Laut freitag.de wird ein Altbau von ca. 1860 in der Kastanienallee 42 in Mitte abgerissen. Laut Investor hätte eine Wirtschaftlichkeitsberechnung ergeben, dass sich eine Sanierung nicht lohnen würde. Bis vor wenigen Wochen war das Haus noch vollständig bewohnt. Meiner Ansicht nach eine bedenkliche Entwicklung. Bisher war der Abriss von Altbauten in Innenstadtnähe eher die Ausnahme, vermutlich vor allem aufgrund ihrer Beliebtheit auch unter der finanzstarken Schickeria. Traurig, dass Berlin Investoren schalten und walten lässt wie sie wollen. Die geschlossene für Berlin außergewöhnliche Bebauung mit Altbauten in dieser Ecke MUSS geschützt werden!


    hier der Link zum Artikel
    http://www.freitag.de/communit…--abriss-und-verdraengung

  • Bisher war der Abriss von Altbauten in Innenstadtnähe eher die Ausnahme, vermutlich vor allem aufgrund ihrer Beliebtheit auch unter der finanzstarken Schickeria.


    So wird es wohl auch bleiben. Allerdings ist der betroffene Altbau ohnehin nicht gerade ansehnlich... da sehen viele "Townhäuser", die zuletzt gebaut wurden, doch deutlich besser aus. Das ganze kann also auch eine Verbesserung zur Folge haben.

  • ^ Mal unabhängig vom eigentlichen Problem, der halbkriminellen Vorgehensweise: fast alle Altbauten waren zum Ende der DDR hin unansehlich. Welche Relevanz hat dies also für die Erhaltungswürdigkeit des Gebäudes?

  • Mal ganz ehrlich, in diesem Fall würde ich rein vom architektonsichen Standpunkt aus den Abriss und einen Neubau befürworten. Der momentane Bau ist ja eher 0815.

  • ^^
    Das Gebäude ist 150 Jahre alt und gehört damit sicher zur Erstbebauung der Kastanienallee. Nach Äußerlichkeiten zu urteilen reicht da m.E. nicht aus, vor allem weil der jetzige Zustand gerade mal die letzten 20 Jahre DDR repräsentiert. Das Haus hätte besser schön saniert werden sollen, ob historisch anmutend oder modern. Hauptsache, es hätte gehalten werden können.

  • So wird es wohl auch bleiben. Allerdings ist der betroffene Altbau ohnehin nicht gerade ansehnlich... da sehen viele "Townhäuser", die zuletzt gebaut wurden, doch deutlich besser aus. Das ganze kann also auch eine Verbesserung zur Folge haben.


    Denkt eigentlich jemand auch mal an die Mieter? :nono:

  • Baukunst : Volle Zustimmung. Einerseits waren Vorgründerzeitbauten meist etwas schlichter, andererseits würde es mich nicht wundern, wenn da im Inneren noch einiges erhalten ist. In Leipzig gibt es da ja genügend Beispiele. Schade ist es in jedem Fall, auch wenn es kaum städtebauliche Bedeutung hat. Hier ein Bild von letzte Woche:


    NewUrban : Willkommen im Jahr 2010. Verdrängung ist insbesondere in der Ecke ja nun leider nichts Neues. Im den letzten Jahren hat sich das aber gefühlt noch einmal verstärkt.

  • Bei Flickr gibt es einen Photostream zur Kastanienallee 42. Beim ansehen der Bilder dürfte klar sein, dass das Gebäude komplett in Stand gesetzt bzw. saniert werden müsste. Was für den Hauseigentümer für die Verwertbarkeit eventuell auch ein Problem sein könnte, ist die relativ kleine Größe des Hauses mit nur 3 Geschossen und 2 Ladenzeilen. Ein Neben- oder Hinterhaus ist nicht vorhanden. Eine Aufstockung um ein weiteres OG sowie eines Dauchneubaus könnte recht teuer werden, da eventuell massive Eingriffe in die Bausubstanz von Nöten wären. Ist das Fundament bspw. stark genug und wie sieht es mit der Statik aus?
    Auf der anderen Seite gibt es natürlich genug Beispiele vor allem in Berlin Mitte, wo aus Ruinen wahre Prachtbauten entstanden sind. Schade drum...

  • Ich denke der Abriss in der Kastanienallee ist hochproblematisch. Wenn so etwas erstmal in Mode kommt folgen weitere Abrisse. Die schlechte Bausubstanz ist ein fadenscheiniges Argument. Nach der Logik hätte in den 90er Jahren sehr Vieles im Prenzlauer Berg abgerissen werden müssen. Es wurden dort Gebäude saniert die in einem wesentlich schlechtern Zustand waren.

  • Dito. Ich sehe das genau so. Hinzu kommt natürlich, dass hier ganz gezielt bezahlbarer Wohnraum zerstört wird. Ich wette, dass der Neubau mal wieder mit "exklusiven Luxuswohnungen" wirbt. Schade auch, dass diese Entwicklung nun auch die Kastanienallee erfasst, die bisher immer noch eine recht nette, da bodenständige Gegend war. Und noch trauriger, dass ein ROT-ROTER Senat diese Entwicklung fördert :mad:

  • Da es nur noch wenige unsanierte Altbauten gibt, wird das kaum in nächster Zeit zum akuten Problem werden. Höchstproblematisch finde ich dagegen, wie einfach man offensichtlich die Ämter mit "angepassten" Kostenrechnungen und Gutachten auf gut Deutsch verarschen kann.


    Die Kastanienallee würde ich ansonsten als alles Andere als eine klassisch-bodenständige Gegend Berlins bezeichnen.

  • Höchstproblematisch finde ich dagegen, wie einfach man offensichtlich die Ämter mit "angepassten" Kostenrechnungen und Gutachten auf gut Deutsch verarschen kann.


    Woher willst du das wissen? Die Bausubstanz ist womöglich wirklich in denkbar schlechtem Zustand so dass eine Sanierung sehr aufwändig würde. Selbst Bauten unter Denkmalschutz dürfen abgerissen werden, wenn die Sanierungskosten nicht durch die Nutzung erwirtschaftet werden können. Siehe dazu auch Bato's Beitrag.

  • @ Jai-C: wenn du zur Diskussion beitragen möchtest, solltest du dir natürlich auch den ursprünglichen Link zu Gemüte führen. Insbesondere das Interview mit dem Bewohner ist da recht erhellend.


    @ dieselbär: allzuviele Freiflächen gibt es in der Castingallee nicht mehr. Auch für dich der Tipp: der Originalartikel informiert über die Hintergründe.


    Allen, die die Bausubstanz als nicht schützenswert betrachten, empfehle ich einen Blick in den Thread Stadterneuerung im Bestand - Leipzigs gerettete Gründerzeit mit zahlreichen Vorher-Nacher-Fotos von Gebäuden in weitaus schlechterem Zustand.

  • @ Jai-C: wenn du zur Diskussion beitragen möchtest, solltest du dir natürlich auch den ursprünglichen Link zu Gemüte führen. Insbesondere das Interview mit dem Bewohner ist da recht erhellend.


    Sorry, aber Blogs sind nicht gerade seriöse Quellen und die darin enthaltenen Interviews mit den (verständlicherweise) betroffenen Mietern auch nicht.


    Wenn der Eigentümer Gutachten vorlegen kann, die seine Berechnungen stützen, dann ist das erstmal ernstzunehmender als die Mutmaßungen der Mieter.

  • ^ Deine persönliche Medienpräferenz ist da doch erst einmal irrelevant. Die "etablierten" Medien haben schließlich gar nicht berichtet - also gibt es auch keinen Abriss? Die betroffene Mieterin hetzt nicht gegen den Hausbesitzer, auch werden explizite Zahlen und Daten genannt. Da muss man dann schon recht naiv sein, daran zu glauben, dass da nichts dran ist, auch wenn man sicherlich nicht jeden Buchstaben für bare Münze nehmen darf - wie in sämtlichen Medien.

  • DaseBLN also in Mitte und den angrenzenden Stadtteilen gibt es durchaus noch einige freie Flächen da könnte man ja erstmal bauen, müssen doch nicht alle in Prenzlauer Berg wohnen


    ich würde es mit dem Behörden-Bashing übrigens jetzt auch nicht übertreiben @verarschen und so

  • ^ Deine persönliche Medienpräferenz ist da doch erst einmal irrelevant. Die "etablierten" Medien haben schließlich gar nicht berichtet - also gibt es auch keinen Abriss?


    Um meine Präferenz geht es nicht, sondern darum inwieweit ein Blogger namens Andrej Holm -laut eigenem Profil ein Ostberliner Sozialwissenschaftler, der in Mieterinitiativen aktiv ist - hier unvoreingenommen berichtet oder Lobbyarbeit betreibt. Aus neutraler Sicht muss man die Objektivität dieses Herrn doch zumindest in Frage stellen.


    Die betroffene Mieterin hetzt nicht gegen den Hausbesitzer, auch werden explizite Zahlen und Daten genannt.


    An den Zahlen gibt es nichts auszusetzen, die belegen aber auch nicht, dass die Behörden "verarscht" wurden. Das geht im übrigen auch nicht aus dem Artikel hervor, sondern ist deine Interpretation - Zweifel einer Mieterin sind noch lange keine Fakten, geschweige denn Beweise.


    Da wir hier in einem Architekturforum sind und weder beim Mieterbund noch im Rechtsanwälteforum, ist es ohnehin irrelevant wer hier Recht hat. Es zählen nur zwei Fakten, die wir (im Rahmen dieses Forums) hinzunehmen haben:
    1. In der Gegend schreitet die Gentrifizierung weiter fort und alteingesessene Mieter werden verdrängt.
    2. Altbauten werden saniert, wenn die Aussicht auf Rendite gut ist. Ergibt sich mit einem Neubau ein höheres Renditepotential, dann wird eben auch mal abgerissen.
    So ist halt das Leben im Kapitalismus... ich habe diese Regeln nicht gemacht.


    Aber: Ich würde erstmal den Entwurf für die Neubebauung abwarten... vielleicht liefert der eine angenehme Überraschung, wer weiß.

  • ^ Herr Holm ist ja nun seit geraumer Zeit kein Unbekannter mehr - deswegen zu vermuten, die Bloginhalte wären sämtlichst nicht zutreffend, da subjektiv, ist dann aber doch ein wenig weit hergeholt. Ansonsten Zustimmung. Der Erhalt von Altbausubstanz hat allerdings nicht vordergründigst etwas damit zu tun, wie die Fassade aussieht. Wenn dem so wäre, müsste man ähnlich wie in Leipzig bei Renovierungen teilrekonstruieren, denn die entstuckten Fassaden und vereinfachten Dachlandschaften sind ja meist dann doch eher dem Mittelmaß zuzuordnen. Was mich eben wundert: warum "lohnt" es sich offenbar in einer Stadt mit weit niedrigerem Mietniveau, Häuser in schlechterem Zustand weit aufwändiger zu sanieren? Du schreibst es ja selber schon: nämlich, dass nicht die Sanierungkosten nicht erwirtschaftet werden können, sondern dass bei einem Neubau ganz einfach die Kostenrechnung _noch_ besser aussieht. Aus Sicht des Besitzers zwar verständlich, trotzdem sollte der Erhalt von Altbausubstanz stehts höher gewertet werden, als die Schaffung von neuem Wohnraum. Insbesondere in einer Ecke, in der man alles losbekommt, sobald da ein V&B-Waschbecken eingebaut ist.


    @ dieselbär: müssen nicht, wollen aber. Angebot und Nachfrage. So einfach ist das.