Freiheits- und Einheitsdenkmal

  • ^ Fledermäuse sind toll, aber was mich wundert ist, warum beim Ersatzquartier im Pläntnerwald eine Uferrenaturierung gefordert wird, obwohl die betroffenen Tiere in ihrem derzeitigen Lebensraum, dem Spreekanal, offensichtlich ohne dergleichen zurecht kommen. Auch die Aussage, dass das Einheitsdenkmal das Fledermausquartier zerstöre, halte ich für voreilig. Der Raum, den die Pfeiler einnehmen, ist dafür einfach zu klein, im Verhältnis zum gesamten Sockel, so bleibt noch genug Platz für die 30 bis 40 kleinen Tiere.


    Interessant ist ebenfalls, dass jetzt in der Süddeutschen Zeitung von einem Baubeginn in diesem Winter die Rede ist. Da kommen schon eine Menge unterschiedlicher Informationen zusammen.


    Ich bleibe aber dabei, gebaut werden kann m.E. erst, wenn nebenan Platz für die Baustelleneinrichtung wird.

  • Der SPIEGELberichtet, dass es wegen der Fledermäuse in diesem Jahr keinen Baustart mehr geben wird. Weil jetzt der Winterschlaf ansteht, wird es erst im Mai 2020 los gehen können. NABU hatte gegen die Ausnahmegenehmigung zum sofortigen Baustart geklagt. Weil die Klage eine aufschiebende Wirkung hat, wird zunächst keine Bauerlaubnis erteilt, so ein Sprecher der Umweltverwaltung...

  • Staaten, Städte und andere Gemeinwesen erbauen sich durch Monumente eine Erinnerungskultur. Deshalb bin ich grundsätzlich für die Errichtung eines Denkmals, das an eines der wichtigsten Ereignisse der dt. Geschichte nach 1945 erinnert.


    Doch das Freiheits- und Einheitsdenkmal, so wie es heute projektiert ist, steht am falschen Platz. Der Bezug zur Umgebung fehlt.

    Die Idee für den Standort entstand aus der Annahme auf dem Sockel des Kaiser-Wilhelm-Statue etwas vergleichbares / modernes zu erbauen. Das alte Denkmal jedoch bezog seine Legitimation aus dem Zusammenspiel mit dem Stadtschloss, einem Machtzentrum und der damals repräsentativen Wirkung, die das Denkmal dadurch entfaltete. Das demnächst entstehende Humboldt-Forum hat keine politische Funktion. Deshalb kann ein direkt daneben stehendes neues Denkmal keine weitergehende symbolische Wirkung ausstrahlen.


    Ein F&ED würde seine Bedeutung eher in der räumlichen Nähe der staatlichen Organe Deutschlands entfalten. Im Regierungsviertel, irgendwo zwischen HbF, Reichstag und Bundeskanzleramt.


    Und nebenbei: Der gegenwärtige Entwurf wirkt auf mich popelig, gemessen an der historischen Bedeutung, die hier dargestellt werden soll.

  • ^ Noch jemand, der es in den ehemaligen Westteil der Stadt verschieben möchte. Was soll es da? Der Fall der Mauer wurde im Osten Berlins erzwungen und ohne das Engagement, Risiko und Leid so vieler Ostdeutscher wäre es nicht dazu gekommen.


    Und selbstverständlich ist der Sockel des alten preussischen Nationaldenkmals nicht der falsche Platz , sondern ein sehr guter, der bewusst ausgewählt wurde, als Symbol für die Entwicklung vom selbstverschuldet untergegangenen Preussen über die aufgezwungene Zweistaatlichkeit BRD/DDR zum selbsterlangten wiedervereinigten Deutschland.


    Das muss man nicht gut finden, aber man könnte es wenigstens tolerieren. Immerhin haben sich damit zwei gewählte Bundesparlamente lange beschäftigt und schließlich nicht leichtfertig eine Entscheidung getroffen.

  • Ich denke, die Argumente, Sichtweisen und Positionen sind mittlerweile ausgetauscht. Jene die gegen das Denkmal sind (hier gibt es zahllose Gründe warum man das sein kann) werden es bleiben, jene die dafür sind auch, ist wie Stuttgart 21 in klein.


    Was bei mir nach diesen endlosen Diskussionen einfach hängen bleibt, ist, dass hier kein Bahnhof und auch kein Schloss entsteht, sondern ein Denkmal. Und nicht irgendein Denkmal, sondern eben jenes, was die Einheit unserer Nation symbolisieren soll. Doch ein Denkmal, was im öffentlichen Diskurs derart spaltet, hat meiner Meinung nach diese intellektuelle Aufgabe verfehlt. Es mag sein, dass man sich irgendwann dran gewöhnt. Aber der große Wurf, hinter dem sich möglichst viele versammeln können und sich auch damit identifizeiren, ist es nicht. Vielmehr habe ich die Vorahnung, dass es am Ende irgendwas zwischen Eventarchitektur für ein schönes Instabild wird oder eben ein beständiges Ärgernis, wenn die Technik mal wieder kaputt ist oder es wegen Regen, Eis oder sonstwas nicht betreten werden kann.


    Es war eine extrem schwierige Bauaufgabe, es war eine sehr undankbare Ortwahl, in der Summe muss man aber zu dem Ergebnis kommen, dass große Teile der Gesellschaft in dem Prozess der Denkmalgenese nicht mitgenommen werden konnten. Für ein Denkmal der Einheit, was eher verbinden als spalten soll, ist das kein guter Start!

  • Jedes weitere Jahr in dem man erkennt, dass Fledermäuse unter dem Sockel gemütlich weiter existieren können ist ein gutes Jahr.

    Das gesamte Areal rund um den zukünftigen Standort ist bereits mit wichtigen Gebäuden und Bedeutung aufgeladen.

    Da die Gegend auch keinen tatsächlichen Bezug zu den Ereignissen 1989 hat würde der Vorplatz des Humboldt Forums nur überfrachtet.


    Stellt das F&ED vor den Bundestag, denn dort werden die Werte die das Denkmal verkörpert auch gelebt und verteidigt.

  • ^ Der Platz hier vor dem ehem. Palast der Republik ist wohl der millionstel Mal geignetere als der vor dem Reichstag, der mit der ganzen Sache überhaupt nichts zu tun hat.

    Nur mal zur Erinnerung das DDR-Parlament hatte seinen Sitz im PdR, die Regierung im angrenzenden Staatsrat. Es waren die Bürger der DDR die hier auf diesem Platz marschierten, Winkelemente schwenkten und schliesslich gegen ihr eigenes Land demonstrierten und dann etwas anderes nämlich die Einheit haben wollten.

    Der Reichstag in West-Berlin lag sehr weit weg hinter der Mauer und war von den Ereignissen völlig unbeleckt.

    Wenn man später das gesamte Umfeld um den PdR völlig verändert bis zur Unmöglichkeit der Ablesbarkeit eben dieser Geschichte, der Ereignisse um den 9. November herum und noch mehr, so spricht das Bände über den Umgang mit unserer jüngsten Geschichte und derer authentischen Orte.

    Dann braucht man natürlich ein Denkmal um sich zu erinnern, und dann natürlich hier an diesem herausgehobenen, authentischen Ort.

  • ^^

    Nein. Es ist kein Ossi-Denkmal.


    Das Monument erinnert sowohl an die Freiheitsbewegungen im ganzen Osten & ist zugleich Symbol für die Einheit der neu entstandenen Bundesrepublik.


    Die vermeintlich zukünftigen Nachbarn, räumlich, sind das Humboldt Forum (ein Museum), der Berliner Dom, eine Uni (ESMT), die Museumsinsel und vielleicht, so Gott will, die neue alte Bauakademie.


    Symbolisch wird das Denkmal in der geplanten Umgebung keine sinnstiftende Funktion entfalten, denn es fehlen die baulichen Bezugspunkte. Es trägt eher zur Überfrachtung der Gegend bei. Im Umfeld der staatlichen Organe hingegen potenziert sich die Bedeutung eines den Gesamtstaat repräsentierenden Denkmals.

  • Weil hier alle immer so Ehrlichkeit anmahnen, sollte man doch auch mal sagen, wie es wirklich war.


    Es war doch nie so, dass es ein breites gesellschaftliches Bedürfnis nach einem Einheitsdenkmal gab, denn seien wir ehrlich, das Denkmal für die Einheit steht bereits und heißt Brandenburger Tor!Und es war doch auch nicht so, dass man diese großartige Idee des Einheitsdenkmals hatte und dann Fachleute beauftragt hat, dafür einen passenden Standort zu finden oder dass man die Bevölkerung gefragt hätte, welcher Platz für sie der richtige wäre, was ich ganz nebenbei eine ziemlich schöne Idee gefunden hätte, wenn man so etwas mit einer kommunalen Wahl kombiniert abgefragt hätte. Und dann gehe ich jede Wette ein, dass der Standort vor dem Schloss niemals von der Bevölkerung ausgewählt worden wäre. Und ich bin mir auch sicher, dass keine Expertenkommission diesen Ort präferieren würde.


    Letztlich war es doch so, dass man ein Schloss bekommen sollte, was damals ca. die Hälfte der Beteiligten nicht wollte und man dann zwanghaft versucht hat, alles andere, was nach Schloss aussehen könnte, zu verhindern. Das fing bei Namen Humboldt an und endete bei allen Fragen, die den Außenbereich betreffen. Jedem war klar, dass sich mit dem Wiederaufbau des Schlosses die Frage nach dem Sockel des Denkmals stellen würde. Jedem war auch klar, dass wenn das Schloss erst einmal steht, die Hemmungen, zumindest die Kolonnaden zu rekonstruieren, kleiner werden würde.


    Und es war auch klar, dass man gar keine inhaltliche Auseinandersetzung mit diesem Ort wollte, die ergebnisoffen ist. Wenn man sich ehrlich macht, dann ist das Einheitsdenkmal nichts anderes gewesen als eine aus der Not geborene Idee, um die Frage nach der Zukunft des Sockels möglichst zügig von der Agenda zu nehmen, bevor die Rekofreunde auch dafür noch Spenden am Ende übrig haben. Und wie man einst Humboldt aus dem Ärmel zauberte, um irgendeinene inhaltliche Füllmasse für das Schloss zu bekommen, hat man das gleiche beim Sockel gemacht. Wer kann schon etwas gegen die Einheit haben?


    Aber genauso künstlich wie die Idee des Humboldtforums ist auch die Idee des Einheitsdenkmals an diesem Ort. Beiden Ideen merkt man einfach an, dass sie keine logischen Ideen aus den Orten sind, sondern intellektuelle Kopfgeburten, die in Wahrheit nur dazu dienen, den gesamten Komplex ja nicht zu sehr nach Schloss aussehen zu lassen. Nix anderes ist die Idee hinter diesem Denkmal. Nur man sollte es einfach mal sagen, anstatt immer irgendwelche Legitimationen herzuleiten, die es so nie gab und die nie Intention des Denkmals waren!

  • Wenn man sich ehrlich macht, dann ist das Einheitsdenkmal nichts anderes gewesen als eine aus der Not geborene Idee, um die Frage nach der Zukunft des Sockels möglichst zügig von der Agenda zu nehmen, bevor die Rekofreunde auch dafür noch Spenden am Ende übrig haben. Und wie man einst Humboldt aus dem Ärmel zauberte, um irgendeinene inhaltliche Füllmasse für das Schloss zu bekommen, hat man das gleiche beim Sockel gemacht. Wer kann schon etwas gegen die Einheit haben?


    Das ist sicherlich ein Teil der Wahrheit. Und deshalb ist der gegenwärtig angepeilte Standort auch nicht wohl überlegt.


    Nichtsdestotrotz ist es richtig und wichtig, dass sich die Deutschen ein selbstgeschaffenes Monument erbauen, dass die neue Einheit bzw. den Weg dahin symbolisiert. Das Brandenburger Tor ist durch die seine lange Existenz mit vielen Ereignissen verknüpft. Es steht vielleicht für "Berlin" aber kann nicht als reines Wiedervereinigungssymbol herhalten.


    Und nebenbei, die Ausführung und Ideenentwicklung von derart bedeutenden Denkmälern ist selten von der Masse der Bevölkerung getrieben. In erster Linie sind die intellektuellen und politischen Eliten daran beteiligt. Das ist auch gut so. Wenn man die breite Masse fragen würde wie denn der 9. November oder die Einheit Deutschlands darzustellen sei käme wahrscheinlich heraus, dass Bananen und Trabbis auf einen Sockel gehören.


    ^.^

  • Und selbstverständlich ist der Sockel des alten preussischen Nationaldenkmals nicht der falsche Platz , sondern ein sehr guter, der bewusst ausgewählt wurde, als Symbol für die Entwicklung vom selbstverschuldet untergegangenen Preussen über die aufgezwungene Zweistaatlichkeit BRD/DDR zum selbsterlangten wiedervereinigten Deutschland


    Quatsch. Preußen ist nicht "selbstverschuldet" untergegangen, sondern wurde vom Alliierten Kontrollrat aufgelöst. Lustig, dass ich als Bayer das hier einem Rheinländer erklären muss. Übrigens war der Freistaat Preußen unter Ministerpräsident Otto Braun (SPD) das letzte Bollwerk der parlamentarischen Demokratie in der Weimarer Republik.


    Genug Geschichte. Was sagen eigentlich die Berliner Grünen zur Vertreibung der Fledermäuse aus dem Denkmalsockel? Die Grünen sind doch sonst immer für den Tierschutz. Ich würde ja sofort auf die Straße gehen - Fridays for Fledermäuse!

  • Das ist ein zweischneidiges Schwert. Dass der Stadtbild-Deutschland-Verein (oder ein Follower) dem dem Projekt den NaBu auf den Hals gehetzt hat, ist irgendwie niederträchtig und wird sich über ein schlechtes Karma rächen. Dass sich der Architekt sich nicht vorbereitet hat und geglaubt hat, dass einmal ausgesiedelte Tiere nach Jahren nicht einfach zurückkehren könnten, ist ziemlich dämlich. Man hätte zum Wintereinquartierungszeitraum einfach nur ein Abspielgerät mit Elektromusik aufstellen müssen. Im Übrigen hätte das auch der NaBu tun können. Der war ja seit dem Sommer informiert.

  • Quatsch. Preußen ist nicht "selbstverschuldet" untergegangen, sondern wurde vom Alliierten Kontrollrat aufgelöst.

    Sehr lustig, es wurde aber auch nicht aufgelöst, weil es zu gut für die Nachkriegszeit war!


    Aber Du hast recht. Zur Geschichte ist genug gesagt und wir sollten uns hier nicht zu sehr dadurch aufreiben.