Moskau - Europas größte

  • wow wirken die neuen Stationen steril, da kann bestimmt ein paar geile fashion shootings machen!


    Dase: Ich warte schon sehnsüchtig auf weitere Bild, aber eines vorweg, bevor ich es wieder vergesse: Kann man wie in den ganzen neu-russischen Fantasy- und SciFi-Romanen von Lukianenko & Co beschrieben, einfach ein privat Auto am Straßenrand anhalten und als Privattaxi nutzen? :lach:

  • Auch wenn die Ausstattungen der Stationen nach Chruschtschows Donnerwetter gegen die vermeintich selbsherrlichen Architekten erst mal nicht mehr so üppig waren, gab es ab den späten 60ern immer wieder sehr anspruchsvolle Bahnhöfe. Wenn man dann noch die immensen kosten und den zügigen Bau berücksichtigt, ist die Metro in Moskau wahrscheinlich wirklich eines der aufwendigsten Bauwerke des 20ten Jahrhunderts.


    Hier zum Beispiel die Station "Marxistskaja" von 1979:


    oder hier die Station "Puschkinskaja" von 1975:


    Die Station "Mendelejewskaja" von 1988:


    Die Staion "Tulskaja" von 1983:


    Die Station "Sukarewskaja" von 1972:


    Bilder alle gemeinfrei bei wikipedia.



    Ich stimme aber zu, es gab auch so einiges an schlichteren Bahnhöfen aus dieser Zeit, aber die kontiniuierliche Qualität innerhalb der Architektur ist trotzdem beachtlich.


    P.S. DaseBLN, nein, sie wollten kein Geld, abr die Damen haben mit ihren Trillerpfeiffen erst mal ordentlich Lärm gemacht und siend mit hinterher. In der Praxis wird bezüglich der Kameragrößen vielleicht nicht so genau unterschieden. Es war natürlich eine unangenehme situation..


    D

  • Nun zeig' doch nicht schon gleich alle schönen Stationen ;) Das stimmt, im Zentrum wurde immer Aufwand betrieben. Die Station Nagatinskaya von 1983 ist ein gutes Beispiel für eine einfache Metrostation, wie es sie bereits seit den 60ern, natürlich außerhalb des Stadtzentrum, gab. Selbst bei ähnlichem Typus ist aber jede Station zumindest mit unterschiedlichen Materialien versehen. Sieht natürlich trotzdem schick aus, aber eben nicht so toll wie im repräsentativen Zentrum.


    Wer sich für das Thema interessiert, kann sich auch hier noch ein paar Bilder mit Stationsdetails anschauen.


    @ Beschty: Ja. Super System! Sobald du den Arm raus hältst, halten mehrere Fahrzeuge am Straßenrand. Allerdings musst du dafür Russisch können und den Preis wissen, der wiederum nach Tageszeit und Angebot variiert. Im Zentrum bezahle ich normalerweise nie mehr als 100 Rubel (2,50 €), wenn es kalt ist und schnell gehen muss, auch mal 150-200 :) Hat mir einmal auch den Flug gerettet, als die Metro nicht kam und ich gefahr lief, meinen Aeroexpress-Flughafenzug zu verpassen. Die Metrotreppe wieder hochgerannt und das allererste Auto, dass morgens kurz vor 6 am Puschkinplatz vorbeifuhr, hielt doch tatsächlich an :daumen: Allerdings hat das System ohne Taxameter auch seine Nachteile: morgens ist es von einem der Moskauer Bahnhöfe aus beinahe unmöglich, einen halbwegs vernünftigen Preis zu kriegen ("Unser Bahnhofstarif ist 1000 Rubel"). Und die Taxifahrer machen ihrem Ruf als Gierhälse auch gern alle Ehre, da sie in Notsituationen (Moskauer Eisregen-Flughafen-Chaos, Bombenanschlag Domodedowo) gern eiskalt ausnutzen. Die Leute haben dann teilweise 500+ € (!) bezahlt, um in die Stadt zu kommen.

  • Zuviel gereist, zuviele Bilder gemacht, da dauert es dann schon gern mal eine Weile, bis man zum Sortieren und Bearbeiten kommt. Weiter gehen soll es zunächst mit den Moskauer Bahnhöfen. Ähnlich wie Paris oder London verfügt Moskau noch über eine stattliche Anzahl größerer Endbahnhöfe, die sich rund ums Zentrum, meist entlang der Ringmetrolinie, verteilen. Zur Erbauungszeit handelte es sich dabei stets um Grundstücke knapp außerhalb der Stadtgrenze, ähnlich wie in anderen europäischen Städten. Eine gute, wenn auch metroseitig etwas veraltete Karte zur Lokalisierung der Stationen findet sich hier, wer kyrillischer Buchstaben mächtig ist, ist aber auch mit der Yandex-Karte gut bedient. Los geht es am bereits auf Seite 1 gezeigten Belorusskij Voksal, dann geht es im Uhrzeigersinn herum bis zum Kiewskij Voksal.


    Weißrussischer Bahnhof / Belorusski Voksal


    Der weißrussische Bahnhof liegt im Norden der Stadt am Übergang der Twerskajastraße in den Leningrader Prospekt. Der Bahnhof besteht aus einigen Durchgangsgleisen unter dem internen Namen Moskau Smolenskaja sowie dem Kopfbahnhof, der im Laufe der Geschichte Smolensker Bahnhof, Brester Bahnhof, Alexanderbahnhof (nach einem Bahnhofsteil spezielle für die Zarenfamilie) sowie Baltisch-Weißrussischer Bahnhof und seit 1936 als Weißrussischer Bahnhof bekannt ist. Das Bahnhofsgebäude wurde 1907-1912 im russisch-klassizistischen Stil errichtet. Den Bahnhofsvorplatz krönte ursprünglich ein Triumphbogen, der sich heute an anderer Stelle in Moskau befindet. Seit den 90ern war unter dem Vorplatz ein großes Einkaufszentrum samt Parkhaus geplant, die Pläne haben sich zwar zwischenzeitlich zerschlagen, allerdings ist ein Großteil des Vorplatzes entsprechend seit 15 Jahren eine chaotische Mischung aus Provisorium und Baustelle. Die Stadtreinigungsaktion des neuen Bürgermeisters samt Entfernung zahlreicher halblegaler Kioske und Verkaufsbuden hat hier aber schon eine teilweise optische Verbesserung geschaffen.


    Den meisten ausländischen Besuchern dürfte der Bahnhof als Ausgangspunkt der Aeroexpress-Züge zum Flughafen Scheremetjewo bekannt sein, allerdings enden hier beispielsweise auch die Paris-Berlin-Moskau-Züge oder der neue Luxuszug nach Nizza.


    Der Bahnhof vom Vorplatz ausgesehen, Mitte Rechts der Eingang zur Metrostation der Samoskworezkaja-Linie:


    Schwenk nach links über den chaotischen Vorplatz mit weiteren Bahnhofsteilen, die Bögen rechts vom Laternenmast gehören zum Eingangsgebäude zur Metrostation der Ringlinie - leider schwer fotografoerbar, ähnliche Vestibülgebäude gibt es jedoch auch für andere Stationen der Ringlinie:


    Ein etwas aktuelleres nächtliches Bild mit etwas aufgeräumterem Vorplatz, der jedoch weiterhin völlig ungestaltet ist:


    Dieses Bild war jahrelang nicht möglich:


    Der offizielle Haupteingang führt zum Kassensaal für die Vorortzüge und zur Kamera Chranenja (als zur Gepäckaufbewahrung):


    Seit den letzten Terroranschlägen kommt man an Moskauer Bahnhöfen nicht mehr überall hinein und heraus, daher hier rechts der Hauptausgang, geradeaus geht es zu den Kassen für Langstreckenzüge:


    Der Querbahnsteig mit wartenden Reisenden:


    Es gibt keine Bahnhofshalle, aber alte Gleisüberdachungen mit gußeisernen Säulen. Links der Zug nach Kaliningrad, rechts der nach Vilnius:


    Blick in Richtung Durchgangsgleise im Hintergrund, dort wartet bereits der rote Aeroexpress auf die nächsten Fahrgäste:


    Die Durchgangsgleise des Bahnhofs mit einem angrenzenden Prachtgebäude, das den Auftakt zum Leningrader Prospekt bildet:


    Die Durchgangsgleise während des 2010er Smogs:


    Abschiedsblick auf Moskau aus dem Aeroexpress:


    Früher stand auf dem Vorplatz der Triumphbogen:


    Gegenüber des Bahnhofs, aus der östlichen Seite des Platzes, wurde ein ganz gelungenes Neubauensemble geschaffen:


    Dorthin kommt man durch eine Unterführung, die ich bereits auf der ersten Seite gezeigt hatte:


    Vergleichsbild ~ 1950:


    Die früher dort vorhandenen zahlreichen Verkaufsstände wurden 2011 im Rahmen der erwähnten Säuberungsaktion entfernt:



    Auf dem Vorplatz des Neubauensebles hat man eine recht urbane Atmosphäre geschaffen:



    Einmal die Passage entlang und Blick zurück zur kleinen Kirche:


    Hier gibt es einen weiteren Zugang zur Metrostation der Ringlinie, die im Jahre 1952 eröffnet wurde und zu einer der am stärksten frequentierten Stationen der Moskauer Metro gehört. Im Gewölbe der Bahnsteighalle befinden sich zwölf Mosaike mit traditionellen Motiven aus dem Leben der Weißrussen:


    links sichtbar der Übergang zur Station der (grünen) Samoskworezkaja-Linie...


    ...die 1938 eröffnet wurde und ebenfalls mit weißrussischen Motiven ausgestattet ist. Die Pfeiler sind mit rosafarbenem Marmor aus Birobidschan im Fernen Osten Russlands verkleidet:


    Sawjolowoer Bahnhof / Sawjolowski Voksal


    Als einziger dieser Runde ist der Sawjolowoer Bahnhof kein richtiger Fernbahnhof mehr, seitdem kurz nach der Jahrtausendwende die Züge nach Rybinsk, Uglitsch und St. Petersburg (Nebenstrecke) verlegt wurden. Außerdem liegt der Bahnhof nicht an der Ringlinie der Metro. Das Empfangsgebäude wurde 1897-1902 zunächst einstöckig gebaut und erstaunlicherweise erst in den 1980er Jahren in klassischem Stil auf 2 Stockwerke erweitert. Ähnlich wie der Weißrussische Bahnhof ist der Sawjolower Bahnhof ein Kopfbahnhof mit einigen vorbeiführenden Durchgangsgleisen, die u.A. vom Aeroexpress passiert werden. Der Bahnhof ist als Endstation diverser Vorortzüge allerdings insbesondere als Umstieg zur Metro stark frequentiert.



    Der Haupteingang - die Innengestaltung ist großen Marmorflächen recht dunkel, aber gediegen. Leider habe ich aufgrund des zahlreichen Sicherheitspersonals und des dunklen Erscheinungsbilds kein brauchbares Bild vom Inneren:


    Blick von der Gleisseite mit dem üblichen großen Moskau-Schriftzug:


    Rigaer Bahnhof / Rischski Voksal


    Wie der Name schon sagt, wurde der Bahnhof als Endpunkt der Eisenbahnlinie aus Riga erbaut. Das 1897-1901 erbaute Gebäude wird heute nur noch wenig genutzt, es gibt gerade noch 3 Fernzugpaare, 2 davon in die namensgebende Stadt. Die Vorortzüge benutzen die Elektritschka-Stationen Rschewskaja und Rischskaja, die vom Bahnhof aber durch den Prospekt Mira getrennt sind:


    Blick zur Kreuzung des Prospekt Mira mit dem Dritten Ring:


    Blick vom Verkehrsinsel-Park:


    Zoom zum Haupteingang:


    Wartesaal mit Fernseher:


    Der Zug nach Riga steht bereit:


    Genau wie der Sawjolower Bahnhof liegt der Rigaer Bahnhof nicht an der Ringlinie der Metro, hat die Station Rischskaja an der (orangen) Kaluschsko-Rischskaja-Linie, die mit bunten lettischen Keramikplatten ausgestattet, aber insgesamt doch eher schmucklos ist. Bei der Explosion einer Bombe am 31.8. 2004 wurden hier 10 Menschen getötet und 50 teilweise schwer verletzt. Hinten das Vestibülgebäude der Station mit Wir-erobern-den-Weltraum-mit-unserem-Sputnik-Statue aus den 50ern:


    Weiter geht es dann mit dem Platz der drei Bahnhöfe, an dem sich mit dem Leningrader, dem Kasaner und dem Jaroslawler Bahnhof die architektonisch interessantesten Gebäude befinden.

  • Fährt man vom Rigaer Bahnhof entlang des dritten Rings in Richtung Osten, kommt man nach wenigen hundert Metern auf die 1975 erbaute und 1038 Meter lange "Rigaer Überführung", die die bereits erwähnten Vorortbahngleise der Stationen Rschewskaja und Rischskaja sowie die Fernbahngleise des Leningrader und Jaroslawler Bahnhofs und die Verbindungsbahn zum Kursker Bahnhof überspannt. Im Hintergrund zu sehen von links das Hilton Hotel Leningrad von 1953, das Hochhaus der Gesundheitsabteilung(!) der Russischen Eisenbahnen von 2003, das Hochhaus zum roten Tor / Krasnje Worota, 1953 sowie das Sakharov Business Plaza, fertiggestellt 2008:



    Komsomolskaja ploschtschad / Komsomolskaja-Platz aka. Platz der drei Bahnhöfe
    Im Distrikt Krasnoselskaja befindet sich der Komsomolskaja-Platz, um den sich der Leningrader, der Jaroslawler sowie der Kasaner Bahnhof gruppieren. Eigentlich gibt es noch eine vierte Station, den Vorotbahn-Haltepunkt Kalantschowskaja an der Verbindungsbahn zum Kursker Bahnhof. Von Links nach Rechts der Leningrader Bahnhof, das Vestibülgebäude der Metro sowie der Jaroslawler Bahnhof:


    Vor dem Vestibülgebäude der Metro stehend und auf den Platz blickend sieht man links der Kasaner Bahnhof, mittig das Hochhaus Krasnje Worota, rechts das Hotel Leningrad:


    Definitiv einer meiner Lieblingsorte in Moskau, immer Gewusel und immer Ankommende und Abreisende Fahrgäste aus sämtlichen Teilen Russlands den Asiatischen der Ex-Sowjetunion:


    Das 136 Meter hohe Hotel Leningradskaja wird nach einer aufwändigen Renovierung von der Hilton-Gruppe betrieben:


    Das 1984 fertiggestellte brutalistische Kaufhaus Moskowski befindet sich auf der südöstlichen Seite des Platzes:



    Auftakt zur Krasnoprudnaja Ulitsa am Ostende des Platzes mit einem weiteren Hochhaus der Russischen Eisenbahnen, diesmal das Datenverarbeitungszentrum von 1980:


    Ein Bahnhofscafé gibt es auch ;)



    Leningrader Bahnhof / Leningradski Woksal


    Der Leningrader Bahnhof wurde von 1844-1851 nach einem Entwurf von Konstantin Thon, der Anleihen der italienischen Renaissance aufweist, errichtet und 1855 nach Zar Nikolaus I Nikolaibahnhof genannt. Das Gebäude ist heute das älteste erhaltene Bahnhofsgebäude Moskaus. Zeitgleich entstand in St. Petersburg mit dem Moskauer Bahnhof ein ebenfalls von Thon entworfenes sehr ähnliches Gebäude. Im Laufe der Zeit wechselte der Bahnhof seinen Namen zunächst in Oktoberbahnhof, später in Leningrader Bahnhof und wurde verschiedentlich erweitert, fertigt aber weiterhin hauptsächlich Züge nach St. Petersburg, in den Nordwesten Russlands, aber auch nach Helsinki ab:


    Nachts:


    Dieser Wartesaal entstand in den 1970er Jahren aus der alten Bahnsteighalle, Lenin hält die Stellung:


    Deckendetail:


    Hier fährt unter Anderem der Sapsan, ein Velaro-Hochgeschwindigkeitszug der RZD nach St. Petersburg:


    Erweiterungsbau:


    Jaroslawler Bahnhof / Jaroslawski Woksal


    Das ursprüngliche klassizistische Gebäude von 1862 wurde von 1902-1904 durch ein charakteristisches Gebäude in einer von nordussischen Motiven beinflussten Jugenstilvariante nach einem Entwurf von Fjodor Schechtel ersetzt. Ähnlich wie beim Leningrader Bahnhof gab es in der Folge massive Kapazitätserweiterungen, die sich aber auf An- und Umbauten hinter dem Bahnhofsgebäude beschränkten. Heute ist der Jaroslawler Bahnhof der am stärksten genutzte in Moskau, u.A. deswegen weil seit der vollständigen Fertigstellung der Transsibirischen Eisenbahn fast alle derartigen Züge diesen Bahnhof benutzen. Von hier kann man also regelmäßig Wladiwostok, Peking oder Pjöngjang erreichen:


    Der Haupteingang von Innen:


    Die schwarzen Granitsäulen trugen bis 1966 eines der Bahnsteigdächer:


    Der Flügel links gehört noch zum klassizistischen Ursprungsbau, daneben der moderne rückwärtige Teil - erstaunlicherweise sind zwar die Vorortbahngleise überdacht, die der Fernbahn jedoch nicht:


    Das obligatorische Moskau-Schild auf dem Dach des modernen Erweiterungsbaus:


    Rückseite des Empfangsgebäudes, im Hintergrund das Zentrale Kulturhaus der Eisenbahner aus den 20er Jahren:


    Ankunft aus Peking nach 6 Tagen Fahrt:


    Natürlich mit entsprechend gestalteten Wagen. An diesem Zug hängt ein- bis zweimal im Monat ein Kurswagen nach Pjöngjang:


    Kasaner Bahnhof / Kasanski Woksal


    Der wohl prächtigste der drei Bahnhöfe ist der Kasaner Bahnhof. Das heutige Gebäude ersetzte wie beim Jaroslawler Bahnhof einen klassizistischen Vorgängerbau. Der Wettbewerb wurde noch zu zaristischen Zeiten durch Alexei Schtschussew gewonnen, die Bauarbeiten begannen dann im Jahr 1913, aus der geplanten Fertigstellung 1916 wurde jedoch aufgrund des 1. Weltkriegs, der Oktoberrevolution und des darauf folgenden Brügerkriegs nichts. Die halbwegs vollständige Fertigstellung erfolgte erst 1940, 1990 erhielten die Bahnsteige eine neue Überdachung und erst 1997 wurden zwei Erweiterungsgebäude errichtet, die bereits im Ursprungsentwurf vorgesehen waren. Das Gebäude ist im neorussischen Stil gehalten, der sich an Motiven altrussischer Architektur orientiert, wie sie beispielsweise in den Städten des Goldenen Ringes zu finden ist, der Hauptturm orientiert sich am Sujumbike-Turm in Kasan. Ursprünglich war der Kasaner Bahnhof der wichtigste Bahnhof für Sibirienverbindungen, diese gibt es zwar weiterhin, allerdings liegt der Fokus eher auf Verbindungen in den europäischen Teil Russlands östlich von Moskau sowie auf Verbindungen in Richtung Kasachstan, Usbekistan Kirgisistan usw.



    Diese Uhr ist eine Replika aus den 1970er Jahren - das Original von 1923 wurde 1941 bei deutschen Luftangriffen auf Moskau zerstört:


    Nachtblick:


    Ein Wartesaal:


    Der Innenraum mit dem Dach von 1990:


    Bahnsteig vor sommerlicher Zugabfahrt:


    Wieder raus - die Westseite mit Verbindungsbahn zum Kursker Bahnhof:


    Die Westfassade:


    Die Nordwestecke:



    Metro Komsomolskaja


    Zu guter Letzt gibt es hier noch zwei Metrostationen, von denen eine ob ihrer Pracht oft als die schönste der Moskauer Metro bezeichnet wird.


    Das Vestibülgebäude der Metro, aus Kapazitätsgründen heute nur noch Ausgang:


    Zuerst geht es in die ältere Station Komsomolskaja auf der Sokolnitscheskaja-Linie, die am 15. Mai 1935 mit dem ersten Streckenabschnitt der Moskauer Metro eröffnet wurde und nur 8 Meter tief liegt:


    Ungewöhnlich sind die beiden Galerien über den Gleisen:


    Arbeitermosaik in Richtung Ausgang:


    Die 37 Meter tiefe Station der Ringlinie:




    Und der unvermeidliche Lenin:

  • Toll, danke! Als ich die Elektrolok vor dem Zug nach China sah, hab ich mal bei Wikipedia nachgeschaut: Die Transsibirische Eisenbahn scheint ja komplett elektrifiziert zu sein. Krass. Allerdings sehen die Züge auch teilweise schon wirklich alt aus (vlt älter als sie sind). Vlt haben die Russen ja Interesse an unseren alten InterCity-Wagen (die bald ausgemustert werden)?


    Die Moskauer U-Bahn ist faszinierend. Wenn die DDR beim Bau der U5 in Berlin noch mehr Geld gehabt hätte, hätten wir da jetzt vlt auch eine stilistische Anlehnung an Moskau.

  • Zumindest eine Berliner Station erinnert doch recht stark an die Moskauer Metro: der U-Bahnhof Heidelberger Platz, der ulkigerweise bereits knapp 40 Jahre vor den prächtigen Ringbahnstationen der Moskauer Metro entstand.


    Was die Qualität der Züge betrifft: völlig neugebaute Waggons sind zwar noch relativ selten und werden hauptsächlich auf Prestigezügen eingesetzt, die auf den Bildern gezeigten relativ bunten Firmenni-Reisezugwagen, die übrigens größtenteils aus DDR-Produktion stammen, sind aber meistens bereits umgebaut und auf recht hohem Standard. Aufgrund des größeren Lichtraumprofils in der ehemaligen Sowjetunion sind die Wagen auch etwas breiter und bieten damit mehr Platz.

  • Ich finde ja den Jaroslawler besondes geil! Von den Proportionen vielleicht nicht ganz ausgereift, aber... Erinnert bisl an die Kongresshalle am Leiziger Zoo. Die U-Bahnhöfe sind teilweise schon sehr kitschig und voller Pathos, vor allem die letzten Bilder. Das ist schon eher grotesk auf eine disneyländische Weise, als schön. Trotzdem sehr geil :D.

  • Danke für die Blumen, weiter geht's!


    Kursker Bahnhof / Kurski Woksal


    Im Gegensatz zu den anderen bisherigen Bahnhöfen ist der Kursker Bahnhof primär ein Durchgangsbahnhof. Das eigentliche Bahnhofsgebäude stammt von 1896, da man im Gegensatz zu den Kopfbahnhöfen am Komsomolski-Platz das Gebäude nicht zu den Gleisen hin erweitern konnte, hat man hier in den 70ern ein modernes Glas-Stahl-Gebäude vor das alte gesetzt. Der Bahnhof befindet sich direkt am Gartenring oder vielmehr befand, denn kurz nach der Jahrtausendwende hat man ein Einkaufszentrum direkt auf den Vorplatz gesetzt. Tritt man heute aus dem Bahnhof heraus, sieht man nur die fensterlose Rückseite desselben, m.E. eine der größten städtebaulichen Sünden der vergangenen 20 Jahre in Moskau. Von hier starten neben Vorortzügen Fernzüge in Richtung Nischnij Nowgorod über Wladimir, aber auch in Richtung Ostukraine über die namensgebende Stadt Kursk. Außerdem durchfahren den Bahnhof zahlreiche Züge aus St. Petersburg und anderen nordrussischen Städten in Richtung Süden.


    Im Inneren der modernen Empfangshalle:


    Das alte Empfangsgebäude ist noch auf der Gleisseite sichtbar, dort gibt es auch zwei ganz hübsche (aber unfotografierbare) Wartesääle.


    Der Bahnhof verfügt über drei Metrostationen, die Stationen Kurskaya an der (blauen) Arbatsko-Pokrowskaja-Linie sowie der Ringlinie wurde in den 1950ern eröffnet und sind u.A. Über dieses Vestibülgebäude erreichbar:


    Im Inneren entspannte sich vor ein paar Jahren eine Kontroverse – bei der Sanierung wurde auch ein Spruchband mit dem Text der Staatshymne in der Fassung der Stalinzeit im Original wieder aufgebracht („Durch die Schrecken schien uns die Sonne der Freiheit, Und Lenin der Große erleuchtete uns den Weg. Uns erzog Stalin – zur Treue zum Volk, Zu Arbeit und Heldentaten regte er uns an!“). Die Moskauer Metro begründete dies mit Denkmalschutzerwägungen, es gab jedoch lautstarke Proteste (aber auch Zustimmung) aus der Bevölkerung:


    Big brother is watching you: am Standort dieser Kamera stand bis 1956 eine Stalin-Statue. Die Plaketten befinden sich in jeder Station und geben Auskunft über den Eröffnungsmonat (in diesem Fall Januar 1950):


    Die beiden Stationen selber entsprechen dem Standard auf den entsprechenden Linien und ähneln anderen Stationen, interessanter ist daher die 1995 eröffnete und in 51 Meter Tiefe liegende Station Chkalowskaja, an der die Züge der (hellgrünen) Ljublinski – Linie halten:


    Die Bögen erinnern von der Form her ein wenig an russischen Jugenstil:



    Arma / Winzawod


    Kleiner Ausflug hinter den Bahnhof: dort befinden sich direkt anliegend zwei Fabrikgelände, die sich momentan in der Umnutzung befinden. Das interessante dabei ist, dass das Ganze work in Progress ist und keine vollständigen Edelsanierungen, wie man es von umgenutzten Fabrikgeländen in Deutschland gewohnt ist, durchgeführt werden. Dadurch hat das Ganze trotz Umnutzung immer noch einen gewissen abgefuckten Charme.


    Nachdem man die verwinkelte Angströhre, die sich an den Gleistunnel des Kursker Bahnhofs anschließt, überwunden hat, gelangt man an eine kleine Gasse, deren südliche Seite durch die ersten Gebäude des Arma-Geländes, einem alten Gaswerk, gebildet wird:


    Das Arma-Gelände ist in Moskau relativ bekannt durch den großen Techno-Club Arma17 sowie durch das Wosduh. Auf dem Gelände haben sich außerdem diverse Firmen aus dem Medien- und Modelbereich angesiedelt:



    Streetart:


    Die vier Gasometer wurden Anfang 2012 gerade um- und ausgebaut:


    Direkt nebenan liegt das Winzawod – Zentrum für Gegenwartskunst. Es handelt sich dabei um einen komplex aus 7 Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert, die früher als Brauerei und Weinkelterei fungierten (daher der Name – Winzawod = Weinfabrik), 2007 durch einen Geschäftsmann teilrenoviert und wiedereröffnet wurde und jetzt verschiedene Galerien beherbergt:



    Anfang 2011 gab es hier eine Ausstellung mit nordkoreanischer Propagandakunst zu sehen:


    Man beachte das Spielergebnis ;)


    Eine permanent gutgelaunte Gesellschaft:




    Paweletser Bahnhof / Paweletski Woksal


    Der Paweletser Bahnhof wurde 1898-1900 erbaut, das zunächst 87 Meter breite Empfangsgebäude wurde im Laufe der Zeit im gleichen stil symmetrisch zu beiden Seiten auf die heutige Breite von 265 Metern erweitert, von denen die 11 Bahnsteiggleise aber nur knapp die Hälfte einnehmen. Ähnlich wie der Kursker Bahnhof liegt das Gebäude direkt am Gartenring, leider ist auch hier der Vorplatz seit Jahren eine Baustelle, auf der nichts vorangeht:


    Schüler auf dem Weg ins Ferienlager:


    Direkt neben dem Bahnhofsgebäude befindet sich das Museum der Moskauer Eisenbahn, wo u.A. der Begräbniswagen Lenins zu sehen ist.


    Obwohl hier hauptsächlich Züge in Richtung mittleres und unteres Wolgagebiet und den Kaukasus bis nach Baku fahren, dürfte der Bahnhof auch westlichen Fahrgästen bekannt sein, endet hier doch die Aeroexpress-Linie vom Flughafen Domodedow. Diese werden wie an den anderen Bahnhöfen ebenfalls typografisch willkommen geheißen:



    Hier die Metrostation der (grünen) Samoskworetskaja-Metrolinie, eröffnet 1943, der Abgang in der Mitte führt zur Station der Ringlinie:

    Einmal editiert, zuletzt von DaseBLN () aus folgendem Grund: Ortho

  • Interessantes Detail: Die Anzeigetafeln im Kursker Bahnhof wowie die Notrufsäulen der Metro sehen genauso aus wie bei der Deutschen Bahn.

  • Bei den Metrostationen kommt man aus dem Staunen wirklich nicht mehr heraus. Tolle Bilder, aber mir ist selbst Berlin mitunter zu kalt und trist, Moskau würde mir dann wahrscheinlich erst recht nicht schmecken.

  • Moskau

    Ich war in Moskau und finde diese Stadt genial. Vor allem das Metro... habt ihr das gesehen? Das ist ja Goldwert. Es ist so viel Fleiss und Geld darein inverstiert worden... Klar, ist die Stadt nicht die sauberste aber ich finde sie so polarisierend und auch authentisch.

  • was würden denn die moskau-kenner einem architekten empfehlen, wenn dieser das moderne moskau besuchen möchte? (also abgesehen von den touristischen bauten).

  • Moscow-City

    was würden denn die moskau-kenner einem architekten empfehlen, wenn dieser das moderne moskau besuchen möchte? (also abgesehen von den touristischen bauten).


    Zu empfehlen wäre dann Moscow-City.

  • Habe erst heute die Seite gefunden und mit großem Interesse die Diskussion durchgesehen.
    Was mich an Moskau unglaublich breindruckt hat, sind die zum Teil gigantischen Hotels. Besonders die alten Zuckerbäckerbauten aus der Stalinzeit-man kann dazu stehen, wie man will-geben in der umgebauten und renovierten Form beeindruckende Bauten ab, als Hotels nicht zu toppen. Ich kenne keine Metropole in Europa, die solche Bauten vorzuweisen hat, und in den USA bin ich zumindest mit den Hotels in Chicago bestens vertraut, kann man auch nicht vergleichen.
    Moskau habe ich als unfertig, chaotisch, aber unglaublich spannend emfpunden. Kaum eine Stadt strahlt auch eine solche Dynamik aus, überall wird gebaut und renoviert. In dem Thread ist ja auf die zahlreichen Kirchen und Klöster hingewiesen, sehr viele sind unter Putin wieder aufgebaut worden bzw. ihrer alten Verwendung zugeführt worden. Man hat den Eindruck, dass die Russen trotz 70 Jahre Sozialismus sehr fromm sind.