Wilhelm-Leuschner-Platz + Areal an der Nonnenmühlgasse

  • ^ Und die Italiener natürlich...

    Wie du schon sagtest: Alle "zusammen" gegen Napoleon. Mit den Leistungen der Befreiungskriege meinst du vermutlich den "Befreiungsschlag" durch den Wiener Kongress und die "befreienden" Karlsbader Beschlüsse? :S

    Herrjemine... natürlich ist Napoleons Herrschaft kein Pappenstiel gewesen (auch hier habe ich nichts anderes behauptet). Aber das macht für mich als Historiker schon einen erheblichen Unterschied ob man sagt, dass die "Befreiungskriege" ein wichtiges historisches Ereignis waren oder ob man sagt, dass alle "[...] Völker Europas [...] sich zusammen vom Joch des Massenmörders Napoleon befreit" haben.


    Nun ist es ja auch nicht so, dass Preußen, Österreich oder Russland (und Schweden) zu der Zeit freiheitliche Vorzeigestaaten waren. Das Napoleons Herrschaft heute wenig umstritten als Diktatur betrachtet wird, wurde damals aber viel breiter diskutiert. Es ist eben so, dass nicht alle Europäer zusammen gegen Napoleon waren. Auch hier lohnt übrigens ein Blick in die Quellen und in die Geschichte des oder besser der Völkis: Ich verweise auf das "erste" Völkerschlachtdenkmal 1814 und der ersten Gedenkfeier. Hier waren ausgerechnet die Leipziger gar nicht einer Meinung, ob sie von Napoleon befreit wurden. Das "Denkmal" (ein Kreuz mit einer Inschrift, die der Errettung vom Joch Napoleons gedachte) wurde geklaut und an dessen Stelle erschien ein Zettel "Hat uns der Preuße das Land gestohlen, kann auch das Kreuz der Teufel holen". Oder sie kommentierten die rhetorische Frage des Festredners August Mahlmann, was passiert wäre, wenn die Schlacht anders geendet wäre mit: "Besser wär's geworden du Kindskopf".


    Aber sicherlich ist es total gerechtfertigt auf Basis dieses Arguments (das nur ein Randthema betrifft, im Vergleich zum eigentlichen Hauptthema dem FED) meine gesamt Darlegung für nichtig zu erklären, weshalb ich mich genötigt sehe nochmals zu antworten ...

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    ©ifl


    Das Leibniz-Institut (oben) mit seiner interessanten Keilform wächst und gedeiht; während beim Global Hub in der Grünewaldstraße inzwischen auch die 3. Etage erreicht ist:


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    ©555Farang

  • Am Freitag findet eine Veranstaltung statt, die sich ausführlich mit dem Leuschner-/Königsplatz befasst:


    "Wilhelm-Leuschner-Platz und Markthallenviertel - einst und heute"


    Auf der Kriegsbrache entsteht in den nächsten Jahren ein neues Stadtquartier.

    Bis 1945 standen hier das "Café Bauer", das Gesellschaftshaus "Harmonie" und

    das Panorama am Roßplatz sowie die prächtige Markthalle, die im 2. Weltkrieg

    zerstört oder schwer beschädigt wurden.


    Vortrag: Dave Tarassow, Stadtforum Leipzig


    18. 07. 2025 / 17:00 - 18:30 Uhr

    Veranstaltungsort:

    Bibliothek Gohlis "Erich Loest"

    Georg-Schumann-Straße 105

    04155 Leipzig





    Vom Stadtforum gab es auch einen Alternativvorschlag zur Bebauung:


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    ...bemerkenswert u.a. die Reminiszenz an den Markthallenturm.

  • Blick von der S-Bahnstation in die Brüderstraße, wo sich das 5. OG des Leibniz Instituts im Bau befindet…


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    … während nebenan das in Holzhybridbauweise errichtete Global Hub im 4.OG angekommen ist:


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    ©555Farang

  • Ich hatte zum Thema Forum Recht und Juristenfakultät hier schonmal was geschrieben. Bei ersterem rührt auch Berlin mit, und beide Nutzer sollen ja ins gleiche Gebäude.


    Vielleicht auch deshalb konnte der Architekturwettbewerb noch nicht starten, für den ja bereits Mittel bereitstehen.

    So ist es. Der Bund steht auf der Bremse und die LVZ hat höchst erhellende Informationen dazu.


    https://www.lvz.de/lokales/lei…TKAVB5LGMERNXY2PGUUE.html


    Das Forum Recht habe zum Beispiel einer "Agentur 87.500 Euro bezahlt, um 'ein Leitbild im Umfang von einer Seite zu erstellen und Überlegungen zur Namensgebung anzustellen.'" Nach jahrelangem Verpulvern von Geld stand das Leipziger Forum Recht daher nach dem verheerenden Bericht des Bundesrechnungshofs auf der Kippe. Ich hatte mich schon gewundert, warum in letzter Zeit so viel Wind um die etwas nebulösen Veranstaltungen des Leipziger Forums gemacht wird.


    Mich erinnert das Gebaren der Stiftung Forum Recht stark an die Stiftung Bauakademie, die schon seit 7 Jahren weitgehend ergebnislos um sich selbst kreist. Der Bundesrechnungshof sollte sich auch die Berliner Stiftung mal genauer ansehen. Wer weiß, was dabei alles ans Licht käme...


    Doch mit einer Deckelung auf 70 Millionen soll es weiterhin einen Neubau in Leipzig geben. In sechs Monaten soll eine "überarbeitete Raumbedarfsplanung" fertig sein. Hoffentlich entfallen damit Schnapsideen wie ein „Moot Court“ (ein Raum zur Darstellung von Gerichtsverhandlungen). Öffentliche Gerichtsverhandlungen am Amtsgericht sind realitätsnaher und kostenlos.


    Auch der Freistaat will weiterhin für die Juristenfakultät auf dem Leuschner bauen. Ob gemeinsam mit dem Forum oder separat, ist offen.


    https://www.lvz.de/lokales/lei…TKAVB5LGMERNXY2PGUUE.html

  • […] Grad im Vergleich mit den völlig lustlosen Objekten der letzten Jahre, wie dem Hyperion, dem Motel One an der Grimmaischen Straße und vermutlich auch dem Global Hub am Leuschner Platz.


    Ich befürchte auch, dass das Global Hub kein Schmankerl wird:


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    ©euroluftbild.de l robert grahn


    Wirklich traurig für die Architektenzunft und die Bau“kultur“ im Allgemeinen - der Flachdach-Schulkiste am Addis-Abeba-Platz wird einfach eine weitere Kiste ohne Dach und ohne jegliche Fassadenbetonung gegenübergestellt... 👎🏻

  • Ich verstehe nicht, warum ein Gebäude wegen eines Flachdachs abgelehnt wird - seit Jahrhunderten baut man Gebäude mit flachen Dächern, auch in der bei vielen hier beliebten Gründerzeit war das vielfach Standard (schaut Euch mal in Halle oder Berlin um). Was für ein Dach sollte denn eine Schule idealerweise aufweisen und sollte sich insb. bei einer Schule nicht die Form v.a. auch an ihrer Funktion orientieren?

  • Das Flachdach ist auch nicht das Problem sondern der Fakt das es minimalistische Quader sind, ohne irgend eine Variation der Form oder Gebäudehöhe. Kein Risalit, kein Erker, kein Staffelgeschoss, gar nichts. Sieht man ja auch auf dem Bild oben, die umgebenden Gebäude haben entweder ein Schrägdach oder die mit Flachdach haben eine Erhöhung zur Betonung der Ecken etc etc. Von fehlender Fassadendekoration ganz zu schweigen.

    Ich denke die prominente location verdient mehr als nur stumpfe Kistenform.

  • „Kürzest du des Hauses Dach, liegt sein Rhythmus völlig brach“ - da hat Hans Erlwein auch heute noch recht, und es ging bei diesem Streit damals zufällig auch um ein Schulgebäude, das als Stätte der Bildung, eine der wichtigsten Ressourcen unserer Gesellschaft, gerne repräsentativ daherkommen darf. Ich erinnere mich zudem an sehr funktionale Geschichts- und Chemiestunden im Dachgeschoss besagten Schulgebäudes; es wurde übrigens kürzlich wieder in den Ursprungszustand versetzt.

  • Ich bin auf den Global Hub gespannt und denke, dass Dinge wie Mittelrisaliten, Erker oder auch Fassdaendeko eher in den Bereich des Geschmacks fallen. Der Neubau bildet doch wie auf dem Bild zu sehen ist einen symmetrischen Abschluss des Platzes, der durch die 50er Jahre Bebauung im Zuckerbäckerstil einiges an Deko zu bieten hat. Insofern kann das auch ein guter Kontrast werden mit dem Neubau, der eher im Motto form follows function errichtet wird.

  • Ich bin auf den Global Hub gespannt und denke, dass Dinge wie Mittelrisaliten, Erker oder auch Fassdaendeko eher in den Bereich des Geschmacks fallen.

    Schon richtig, aber Jurymitglieder urteilen aller Erfahrung nach auch zu guten Teilen nach ihrem persönlichen Geschmack. Ein mitunter sehr spezieller Geschmack, der durch Studium und Berufspraxis geschult wurde, um es nett zu sagen. Für alle anderen, die nicht über die Macht der RPW verfügen, gibt es nur wenige Möglichkeiten zu artikulieren, dass man sich die Stadt anders wünschen würde. Zu diesen Möglichkeiten gehört dieses Forum.


    Gerade bei öffentlichen Bauvorhaben einer gewissen Größenordnung und in prominenter Lage sollte es endlich mal niedrigschwellige Beteiligungsmöglichkeiten in Gestaltungsfragen geben.


    Bei der Schule am Addis-Abeba-Platz bin ich übrigens gar nicht so kritisch. Trotz dem städtebaulich total langweiligen Baukörper gibt es doch etliche Gestaltungsdetails, die der Bedeutung einer Schule gerecht werden.


    Der Global Hub hat doch noch einmal eine ganz andere Bedeutung, wird aber daherkommen, wie ein Container-Ausweichstandort für die Schule. Für "Symmetrie und Form follows function" hätte tatsächlich ein Container-Bau gereicht. Hätte auch ganz gut zum Thema Globalisierung gepasst.

  • Von der Uni gibt es eine Videoreihe zum Global Hub. In einer Folge wird auch Architekt Ansgar Schulz mit seiner Mitarbeiterin Elisa Thänert interviewt. Großen Erkenntnisgewinn zu deren - Zitat - "Forschungskiste" gibt es eigentlich nicht, aber als Sozialstudie ist es ganz interessant.


    Ihnen sei "die Festigkeit von Gebäuden sehr wichtig, das heißt, dass sie vernünftig konstruiert sind". Kurz vorher sieht man das DBFZ Technikum, dessen schwarze (!) Holzfassade kurz nach der Einweihung mit Sicherungsnetzen versehen wurde, die da heute noch hängen. Eingeblendet wird natürlich ein Foto ohne Netze. Und "vielleicht am allerwichtigsten" sei ihnen die "Schönheit von Gebäuden".


    In Minute 16.35 wird tatsächlich gefragt: "Wie gehen Sie mit der Herausforderung um, ein historisches Erbe in zeitgemäße Architektur zu übersetzen?" Viel Spaß mit der Antwort!


    Global Hub Leipzig – Folge 3: "Architektur" – mit Ansgar Schulz und Elisa Thänert

  • Ich finde die Aussagen der beiden sehr überzeugend und bin weiter gespannt auf das Gebäude. Hilfreich ist doch der Hinweis aus der Ausschreibung: "offene und kommunikative Arbeitsplätze". Ich erkenne am Global Hub durchaus Anleihen am Bauhaus, welches uns bspw. mit der ehem. Seidenfabrik in Krefeld einige eindrucksvolle und durchdachte Gebäude hinterlassen hat . Nicht jedes Gebäude aus Bauhaus-Hand erfüllt vielleicht die eigenen Ansprüche, dennoch ist das Credo, bei Gebäuden zunächst einmal von deren Zweck her zu denken doch sinnvoll. Was das Umfeld betrifft: der Global Hub ist keine Lückenschließung in der Augsut-Bebel-Str. sondern steht auf einer riesigen Brache. Wo sonst sollte man Neues ausprobieren?


    Herr Schulz sagt übrigens sehr schön was das Problem des Bauens heute ist: die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel ("Deutschland baut zu billig" - ca. Minute 7), dass mit Werten kalkuliert wird, die Jahre alt sind. Dann wird versucht an jeder Stelle zu kürzen und es kommen am Ende Kompromisse raus.


    Auch die Antwort auf die Frage überzeugt: erhalten was da ist und eine gewisse Zeitlosigkeit. Letztere traue ich dem Gebäude zu.

  • Ich erkenne am Global Hub durchaus Anleihen am Bauhaus, welches uns bspw. mit der ehem. Seidenfabrik in Krefeld einige eindrucksvolle und durchdachte Gebäude hinterlassen hat . [...] Was das Umfeld betrifft: der Global Hub ist keine Lückenschließung in der Augsut-Bebel-Str. sondern steht auf einer riesigen Brache. Wo sonst sollte man Neues ausprobieren?

    So ist es. Auch ich erkenne im Global Hub die Seidenfabrik wieder, die vor hundert Jahren entworfen wurde. Ich hätte gar nichts dagegen gehabt, wenn am Leuschner mal etwas kreatives Neues ausprobiert worden wäre. Allerdings wäre ein Forschungs-Neubau im Stil der zeitlos schönen August-Bebel-Straße auch etwas ziemlich Neues und auf jeden Fall origineller als die x-te "Forschungskiste".


    Und überdies handelt es sich beim Global Hub um ein Leuchtturm-Projekt des Freistaats Sachsen. Etwas anderes als Krefelder Fabrik-Vibes wäre da schon angebracht gewesen.


    Dass es am Geld liege, kann ich nicht mehr hören. Jede der Forschungskisten auf der Alten Messe, zuletzt das neue iDiv, finde ich ästhetisch interessanter als das, was Herr Schulz da für unser Stadtzentrum entworfen hat.


    Überhaupt, dass man in Deutschland "billig bauen" könne, ist ja wohl ein Witz. Hier ist das Bauen ganz besonders teuer, das sollte eigentlich bekannt sein. Bspw. im Wohnungsbau liegen die reinen Baukosten pro m² im Schnitt bei über 3.400 Euro. Zum Vergleich: in den Niederlanden sind es 1.740 Euro. Obwohl dort laut Studie der staatlich induzierte Kostenanteil sogar Spitzenreiter ist.


    Über die Gründe ausufernder Kosten könnten wir ruhig mal reden, vermutlich dürften dabei auch die Industrie und deren DIN-Verein keine unerhebliche Rolle spielen. An hohen Baukosten verdienen auch die Architekt/innen gut, denn deren Honorar wird daran bemessen. Kein Wunder, dass eher höhere Budgets als eine Absenkung unnützer Standards gefordert werden. Und auf Kostentreiber wie großflächige Verglasungen etc. könnte man in den Entwürfen ja von vornherein verzichten, wenn man nicht immer noch so auf das "funktionale" (Haha!) Bauhaus fixiert wäre.

  • Wenn ich Dich richtig versteht, wünschst Du Dir einfach etwas mehr gründerzeitliche Formensprache an Neubauten im Stadtbild. Das ist halt Geschmacksache. Ich tue das nicht, was auch Geschmacksache ist. Ich verurteile aber weder das eine noch das andere und spreche ja auch bspw. nicht von "nutz- und funktionslosen Verzierungsorgien" oder "Gesimsschlachten" (was auch für die meisten Bauten nicht zutreffend wäre, was aber an manch neuem Gebäude in diesem Stil so ausartet - hier ein groteskes Beispiel). Man kann Gebäude im Stil der klassischen Moderne (man sehe mir nach, wenn die Zuordnung nicht komplett korrekt ist) nicht mögen - sie immer nur als Kisten zu bezeichnen ist jedoch auch despektierlich. Ich arbeite bspw. aktuell in einem Gebäude, welches mal vor 130 Jahren als Kaserne gebaut wurde und würde mich sehr freuen, in einem hellen, gut belichteten und den heutigen Anforderungen an ein Gebäude zum Arbeiten entsprechenden Bau zu arbeiten.

  • Ivar Nein, du verstehst mich in Bezug auf unser Beispiel nicht richtig.

    Ich hätte gar nichts dagegen gehabt, wenn am Leuschner mal etwas kreatives Neues ausprobiert worden wäre.

    Ich finde es schrecklich, dass am Leuschnerplatz bis dato ein Langweiler-Bau nach dem anderen geplant wurde. Ob Geschäftshaus an der Stadtbibliothek, St. Tetris (auch von Schulz und Schulz), IfL, Global Hub oder Urbanum – alles keine "billigen" Entwürfe, aber alle ohne Witz und Esprit. Selbst die Originale der "Klassischen Moderne" finde ich heute noch eleganter, aufregender, detailreicher als den tausendsten Abklatsch.


    Verzierungen, dazu zählen auch Gesimse, sind Teil unserer jahrtausendealten Architekturgeschichte und das trifft auch auf andere Kulturkreise zu. (Die Fassade von St. Tetris besteht übrigens nur aus Gesimsen, da würde die Wortwahl "Orgie" ganz gut passen.) Dass es ein großes Unbehagen gegenüber dem Durchmarsch der Moderne gibt, mag auch daran liegen, dass sie mit diesem offenbar sehr tiefsitzenden menschlichen Bedürfnis nach Abwechslung durch Gestaltung bricht.


    Ich bin nicht der Meinung, dass man heute 1:1 im Stil des Historismus, mit den alten Stuckformen usw. bauen sollte, obwohl ich ich mich über Rekonstruktionen wie das Melia freue. Aber es gibt inzwischen viele Beispiele, Bau- und Gestaltungstraditionen in unsere heutige Zeit zu übersetzen. Sogar die langweiligste Kiste wie die Turnhalle der Wilhelm-Busch-Schule wird mit Ornament enorm aufgewertet.


    sie immer nur als Kisten zu bezeichnen ist jedoch auch despektierlich.

    Den Begriff "Forschungskiste" hat Herr Schulz selbst eingeführt.


    Und damit sind wir irgendwie auch schon beim Städtebau. Die Vielfalt an Formen und Blickbeziehungen ist auch auf dieser höheren Gestaltungsebene verlorengegangen. Aber selbst einfachste Basics werden nicht mehr berücksichtigt. Es ist doch bezeichnend, wenn Frau Thänert im Interview (7:48) sagt: "Vielleicht war eine große Herausforderung – städtebaulich gesehen – dass wir die Frage hatten, wie machen wir eine Rückseite zu der Vorderseite. Also wir befinden uns mit unserem Baugrundstück eigentlich von der dem Leuschnerplatz abgewandten Seite. Und die Programmatik forderte aber trotzdem, dass man einen Bau schafft, der irgendwie eine Außenwirkung nach außen ausstrahlt und eben auch diesen Bezug zum Leuschnerplatz herstellt."


    Ich finde das eine irre Aussage. Man plant ein Gebäude, das mit seiner großen Fassade den Addis-Abeba-Platz einfassen wird, spricht dort aber von einer "Rückseite", während die Vorderseite zum Wilhelm-Leuschner-Platz zeige. Der Leuschner wird jedoch durch ein anderes Gebäude, nämlich die direkt an das Global Hub angebaute Markthalle, gefasst werden. Wenn sie nicht einmal mehr in der Lage sind, Vorder- und Rückseite richtig zuzuordnen, wie soll ich dann von solchen Architekten guten Städtebau erwarten? Zum Addis-Abeba-Platz, für den der Bau stadtbildprägend ist, durfte wohl demnach keine prägnante Fassade entstehen, so verstehe ich das, weil man das Gebäude zum Leuschner orientieren wollte, auf dem man aber nur in zweiter Reihe steht und auf dem der Bau so gut wie gar nicht sichtbar sein wird.


    Ich arbeite bspw. aktuell in einem Gebäude, welches mal vor 130 Jahren als Kaserne gebaut wurde und würde mich sehr freuen, in einem hellen, gut belichteten und den heutigen Anforderungen an ein Gebäude zum Arbeiten entsprechenden Bau zu arbeiten.

    Was willst du uns mit dieser Aussage mitteilen? Altbauten abreißen? Nur Bauhaus-Stil sorgt für helle Räume?

  • Ivar


    Was willst du uns mit dieser Aussage mitteilen? Altbauten abreißen? Nur Bauhaus-Stil sorgt für helle Räume?

    Ich versuche kurz zu antworten (ich glaube wir kommen hier zu keinem Konsens): natürlich nicht! Mein Punkt ist, dass viele Altbauten heutigen Anforderungen an die Arbeitswelt nicht (gut) entsprechen. Das ist nicht schlimm und deswegen sollte man auch nichts abreißen (was für ein Blödsinn!). Wenn ich jedoch ein neues Gebäude auf einer großen Brache für eine zeitgemäße Nutzung plane, kommt da eben etwas anderes heraus. Klar kann und sollte man alte Gebäude wo immer es geht umnutzen (was im Zweifel auch bedeuten kann sie umzubauen) - aus Gründen der Nachhaltigkeit, des Denkmalschutzes, des Erhalts und Erlebens von Geschichte und was nicht alles mehr. Aus einer alten Fabrikhalle werden dann bspw. Räume für Wohnen und Arbeiten, aus einem Messehaus Handelsflächen. Es kann dann trotzdem sein, dass diese einstmals für einen anderen Zweck errichteten Gebäude schlechter den heutigen Zweck erfüllen als neue. Und u.a. aus diesem Grund (neben sehr vielen anderen) wird eben heutige anders gebaut als vor 150 Jahren.

  • Die "Forschungskiste" ist in der Gestaltung schon sehr auf seine Nutzung bezogen. Und das ist durchaus ein Argument, auch wenn das Ergebnis vielleicht nicht einhundertprozentig überzeugt. Das Argument des Standorts spielt natürlich auch eine gewichtige Rolle. Hier muss man aber auch sagen, dass das LAB nicht an der Platzseite entsteht sondern an der Grünewaldstraße. Es wird ja sogar noch ein Bau zwischen LAB und dem Platz stehen. Also entzieht sich durchaus die Beziehung zum WLP.


    Auch wenn ich von der Dekonstruktion sehr überzeugt bin - vor allem mit dem Umbau der Stadt in Bezug auf Klima und Nachhaltigkeit und den Möglichkeiten durch Baumaterialien - fällt mir da gerade keine hinreichende Begründung für z.B. eine Staffelgeschoss oder Satteldach beim LAB ein. Man könnte die Sachlichkeit sogar durchaus als Dekonstruktion des gegenüberliegenden Stalinismus auffassen.

    Eine amorphe Struktur? Ja, aber mit welcher Begründung würden Forschungsflächen in diverse/arbiträre Grundschnitte aufgeteilt? Fassadenmaterialien für eine komplexe Fassadengestaltung? Ja, aber mit welcher Begründung werden je Arbeitsplatz im innern dunkle und helle Flächen begründet? Finessen am Baukörper selbst? Ja, aber es handelt sich auch im öffentliche Gelder.


    Es liegt also nicht unbedingt am Bau selbst sondern an seiner Bestimmung. Und diese wäre nur durch eine andere Standortbestimmung möglich gewesen. Ich hatte ja schon mehrmals von der Überfrachtung des WLP durch unzählige Nutzungsbestimmungen und den fehlenden Einbezug des Bayrischen Platzes um dies zu entzerren, geschrieben.


    Der nun entstehende Bau in seiner Sachlichkeit überzeugt mich dabei schon - vor allem die großen Flächen und Schnittstellen im inneren des Gebäudes. Ob das ausreicht um hier eine wirklich anspruchsvolle Sachlichkeit mit hoher Qualität in Material und Umsetzung zu bilden, bleibt bis zum Ergebnis abzuwarten.


  • Eine Idee des Stadtforums welche mich auch überhaupt nicht überzeugt. Das ist ja fast schon naiv.

    Große Einschnitte in den Freiraum durch Bebauung. Dafür Passagen-Achsen im Stil der 1980/90er Jahre. Keine Sichtachsen-Beziehungen auf dem Platz sondern kleine Flächen dich sich aus den Zuschnitten und Positionen der Gebäude zueinander, ergeben. Dafür dann aber überdimensionierte zusammenhängende Fassadenteil auf der Grünewaldstraße die jede Durchlässigkeit abwürgen (was ich z.B. an der nord-östlichen Ringstraße zwischen Augustusplatz und Wintergartenhochhaus schon ewig bemängle wird hier reproduziert).

    Was ist hier das Ansatz? Dieser freie Entwurf ist für mich völlig inkohärent und vor allem aus der Zeit gefallen.

  • Hier muss man aber auch sagen, dass das LAB nicht an der Platzseite entsteht sondern an der Grünewaldstraße. Es wird ja sogar noch ein Bau zwischen LAB und dem Platz stehen. Also entzieht sich durchaus die Beziehung zum WLP.

    Genau das war mein Argument. Darum ist es Quatsch, beim Entwurf den "Bezug zum Leuschnerplatz" in den Vordergrund zu stellen, wie es die Architektin im Interview macht und wie es auch der Entwurf zeigt. Städtebaulich bildet das Gebäude eine einfassende Seite oder "Platzkante" zum Addis-Abeba-Platz. Das ist die architektonisch weit relevantere Relation.


    Es kann dann trotzdem sein, dass diese einstmals für einen anderen Zweck errichteten Gebäude schlechter den heutigen Zweck erfüllen als neue.

    Das kann so sein, das kann aber auch umgekehrt sein. Beim Tacheles in Berlin (Architekturbüro Herzog de Meuron) wird gerade diskutiert, warum die Leute, die dort arbeiten, gezwungen sind, die Etagen mittels der fehleranfälligen Aufzüge zu wechseln, während die Treppen nur als Fluchtwege nutzbar sind. Angenehme, großzügige Treppenanlagen: in Altbauten meistens Standard. Dabei wäre es auch schon 1900 billiger gewesen, nur enge Treppenhäuser zu bauen.


    Gegen ausreichend (!) große Fenster in Wohn- oder Arbeitsbereichen habe ich gar nichts einzuwenden, das war ja dein Beispiel. Funktional ist, es, wenn man sie auch selbstständig und ohne schwere Technik reinigen kann. Man braucht aber definitiv keine mitunter tonnenschweren Glasscheiben für: überdimensionierte Foyers, Treppenhäuser oder Kaufhaus-Fenster (bei denen eh klar ist, dass die Nutzer nur Kunstlicht wollen und die Glasscheiben verstellen). Genauso unsinnig sind oft bodentiefe Fenster in gut einsehbaren Lagen, wo die Bewohner dann alles verhängen (müssen).


    Und auffallend ist doch: Typ Altbau um 1900 wird in Umfragen immer wieder als beliebtester Immobilientyp genannt, sowohl bei Eigentümern wie Nutzenden. Vielleicht spielen dabei auch noch ein paar andere Kriterien als Zweckmäßigkeit in die Bewertung hinein.


    Alles, was du in deinem letzten Kommentar schreibst, ist richtig. Es ist aber keine hinreichende Erklärung dafür, warum z. B. das Global Hub so belanglos aussehen wird.