Leipzig: Wilhelm-Leuschner-Platz + Areal an der Nonnenmühlgasse

  • "Revolution" und "friedlich" passten zusammen, und zwar im Herbst 1989 in der DDR und vor allem am 9. Oktober in Leipzig. Dieser historische Moment hatte mit Wucht, aber nicht mit Gewalt zu tun. Und weil das in der Weltgeschichte so etwas Besonderes war, wird in dieser Stadt daran erinnert. Der Name "Friedliche Revolution" soll dieses Ereignis weg vom Begriff "Wende" bringen und auf das Besondere hinweisen.
    Ich finde den beantragten Platznamen auch nicht gut, aber "Königsplatz" wäre mehr als überholt. Dann können wir die Karl-Liebknecht-Straße auch gleich in die "nicht so sperrige" Südstraße umbenennen oder in... ach egal.

  • "Alle Gewalt geht vom Volke aus..." Ich habe nichts von Prügeleien, Schießereien oder sonstwas geschrieben. Das Wort Gewalt ist auch mehrdeutig. Und wenn von den Protesten 1989 keine Gewalt ausgegangen wäre, hätten sie sicher auch kein Ergebnis erbracht.


    Übrigens war die Stimmung ziemlich aufgeheizt. Da hätte jeder Funke gereicht, um das Fass zum explodieren zu bringen. Die Menschen haben den Wechsel erzwungen. Und die Regierung ist auch nicht freiwillig gegangen...


    Wenn, dann soll man doch lieber den Namen "Platz der Revolution von 1989" oder ähnlich verwenden.


    Dass es damals friedlich geblieben ist, hatte übrigens eher damit zu tun, dass sich der Staat zurückgezogen hat, und nicht damit, dass die Menschen in Leipzig irgendwie anders demonstriert hätten als beispielsweise die Menschen jetzt in Ägypten...

  • Die Situation Ägyptens heute mit der DDR zu vergleichen ist sinnlos. Und der Staat hat sich sicherlich nicht aus Spaß an der Freude zurückgezogen bzw. keinen Einsatzbefehl erteilt, sondern schon, weil die Situation und auch die Demonstrationen ausschlaggebend waren (u.a.). Ich halte die Rückbenennung in Königsplatz eigentlich für unproblematisch, aber auch für wenig relevant. "Platz der friedlichen Revolution" passt schon vom Konstrukt her nicht zu dem, was ausgedrückt werden soll, im Gegenteil werden unwillkürlich Assoziationen zu den Platzbenennungen in den sozialistischen Staaten geweckt.

  • Ich persönlich fände es ganz angenehm, wenn wir die Diskussionen zum Denkmal und zu den historischen Hintergründen der zugehörigen eventuellen Benennung des Platzes im entsprechenden Thread im Kaffeeklatsch führen würden.


    Was den "verbleibenden" WLP betrifft, gehe ich davon aus, dass damit gemeint ist, dass das neue Viertel diesen Namen erhalten wird, da im Volksmund momentan die gesamte Brachfläche so bezeichnet wird. Insofern sind die zitierten Suggestionen, ein richtiger Platz würde diesen Namen im Falle der Umbenennung "weiterhin tragen", inhaltlich sicherlich nicht ganz korrekt.

  • Neubau neben katholischer Kirche geplant

    Die Westseite des Wilhelm-Leuschner-Platzes könnte schneller geschlossen werden, als bisher zu vermuten war: laut LVZ-Printausgabe von morgen hat der Grundstücksverkehrsausschuss der Stadt gestern Abend einstimmig grünes Licht für die Aufnahme von Verkaufsverhandlungen für drei Teilflächen auf dem Areal zwischen Neubau der katholischen Kirche und Dimitroffstraße zugestimmt. Laut LVZ plant das katholische St. Elisabeth-Krankenhaus dort den Bau einer Einrichtung, die "medizinischen, rehabilitativen, sonstigen pflegerischen oder karikativen Zielen" dient und hat zu diesem Zweck bereits 2010 Teilflächen von "einer Berliner Gesellschaft" erworben. Dafür verzichtet die katholische Gemeinde auf den Bau des Kindergartens neben der Kirche.


    Mir war bisher immer so, als ob die Stadt sich dort noch Flächen fürs technische Rathaus offen hält. Kann das jemand bestätigen?

  • Zumindest war mal vorgesehen, einen Neubau auf dem brachliegenden Areal um den Leuschner-Platz zu errichten. M.E. waren da noch keine konkreten Flächen verplant.

  • Dann wird es sicherlich um den hinteren Bereich mit den Brachen gehen. Ich denke hier wird ein Flachbau enstehen, welcher sich städtebaulich nicht gut an der Front zum Wilhelm-Leuschner-Platz einfügen würde. Zumindest hoffe ich das.

  • ich frage mich, ob hier nicht grundstücksinteressen im vordergrund stehen und man sich dort ein paar filetstückchen sichern möchte. eine pflegeeinrichtung fast direkt am ring/leuschnerplatz halte ich für fragwürdig. und vor allem: wird da wieder grundstücksfläche mit parkplätzen versiegelt oder gibt es stellplätze im gebäude? na mal abwarten...

  • Am gesamten Leuschnerplatz ist wie wie bei der katholischen Kirche von Tiefgaragen auszugehen. Im LVZ-Bericht ist auch explizit die Rede von der Front zum WLP, also kein Flachbau.


    Ich weiß zwar auch nicht, wieviele ambulante Kliniken Leipzig noch verträgt, allerdings halte ich eine möglichst hohe Anzahl öffentlicher Einrichtungen am Platz für recht logisch und auch wünschenswert.


    @ Abyssalon: mir war so, als ob zumindest immer von der Fläche westlich des WLP die Rede war. Da der aktuelle Vertrag fürs technische Rathaus an der Prager Straße allerdings auf 20 Jahre ausgelegt ist, hat man wohl edngültig davon Abstand genommen.

  • Zum Thema Markthalle suggerierte die BILD-Leipzig in ihrer Berichterstattung bislang, es käme nur die historische Markthalle von Hugo Licht als Neubau in Frage. Jetzt stößt sie eine polarisierende Diskussion an, in dem sie Wiederaufbaubefürworter der historischen Markthalle (Grünen-Stadtpolitiker Ingo Sasama) und Verfechter eines modernen Neubaus (Ansgar und Benedikt Schulz vom Architekturbüro schulz + schulz) zu Wort kommen lässt. Vermutlich will das Blatt mit diesem Vorstoß eine ähnlich kontroverse und ideologisch gefärbte Diskussion erreichen wie die Diskussion um den Erhalt (oder Nichterhalt) der Hänselfassade am Kaufhaus Brühl. Wir erinnern uns, dass bei dieser Diskussion hauptsächlich die LVZ die Fäden in den Händen hielt, als sie - nachdem der Erhalt der Alu-Fassade längst beschlossen war - einem Architekturkritiker 'ne Plattform bot, weil ihm plötzlich einfiel, dass die Steinfassade erhalten werden müsse (was später in Menschenketten und gewagten Einzelaktionen endete). Diesmal ist die Bild am Drücker...



    http://www.bild.de/regional/le…e-gern-17393474.bild.html

  • BÜRGERFORUM ZUR MARKTHALLE


    Am Mittwoch, 11. Mai 2011, findet um 19 Uhr ein Bürgerforum im Ring-Café zur neuen Markthalle neben dem Wilhelm-Leuschner-Platz statt.


    An der Veranstaltung, welche von den GRÜNEN LEIPZIG organisiert wird, nehmen teil: Martin zur Nedden, Patrik Fahrenkamp (Stadtbau AG), Karl Kübler (Geschäftsführer Märkte Stuttgart), beide angefragt. Die Moderation übernimmt der Stadtrat Ingo Sasama.

  • Kann evtl. jemand zusammenfassend über das am 11. Mai anberaumte Bürgerforum im Ring-Café berichten?


    #30
    Ich habe mir den verlinkten Artikel der BILD nochmals durchgelesen.
    Dass die Schulze Brothers eine moderne, zeitgenössische Gestaltung der Markthalle befürworten, ist naturgemäß alles andere als überraschend.


    Ob die alte Markthalle rekonstruktionswürdig ist und ob die Umsetzung davon sinnhaftig wäre, vermag ich nicht zu beurteilen. Anhand der paar Bilder, die ich bisher sehen konnte, würde ich eher dazu neigen, die alte Markthalle nicht als unbedingt rekonstruktionswürdig anzusehen.


    Betrachte ich allerdings den von der BILD-„Zeitung“ verlinkten Entwurf (Bild 4 von 4) Weimarer Bauhaus-Studenten, dann komme ich zum Schluss, dass solch eine Markthalle zusammen mit dem Neubau von St. Trinitatis den gesamten Platz - im Sinne einer urbanen Platzgestaltung mit ausgeprägter Aufenthaltsqualität - „töten“ würde.

  • Richtig. Der Platz braucht nicht noch eine x-Meter hohe fensterlose Front. Der Siegerentwurf zur Platzgestaltung ist eh schon unglücklich genug, was die zu erwartende Aufenthaltsqualität angeht.

  • Im März letzten Jahres gab es einen Workshop, aus dem ein Siegerentwurf hervorging (vgl. #1). Eine festgelegte Platzgestaltung in Form eines Bebauungsplans ist das sicher nicht. Gleichwohl wird es m.M. nach aber auch keine Überrachungen mehr geben.

  • Aus dem Text in der LVZ folgt, dass man einen unterirdischen Parkplatz vorsieht. Ich frage mich wozu? Um mehr Autos ins Zentrum zu locken? Darüber hinaus sehen die Bilder auf der von Ranger verlinkten Webseit nicht schlecht aus, obwohl ich glaube, dass der Platz für das Denkmal zu groß ist. Das sieht man schon sehr deutlich, dass es in der Umgebung viel Raum gibt. Die Stadt sollte in dieser Stelle aus meiner Sicht dichter sein.

  • ^ Auf welchen LVZ-Artikel beziehst du dich denn? Wenn es um den Ursprungsbeitrag geht, dort ist (indirekt) die Rede davon, dass die Markthalle eine Tiefgarage erhalten soll, was zur Anlieferung sowie aufgrund der teilweisen Nutzung als Supermarkt m.E. auch angebracht ist. Der WLP selber wird keine Tiefgarage erhalten, ist ja aufgrund der CT-Station auch gar nicht möglich.


    @ TomLE: was sind denn deine genauen Kritikpunkte, was die Aufenthaltsqualität angeht?

  • Da kommen m.M.n. zwei negative Faktoren zusammen.


    Zum einen wird der Königsplatz (nach dem Wolf/Pelcák-Entwurf) nicht in alter Form und Ausdehnung wieder hergestellt. Stattdessen gibt es einen riesigen Platz, auf dem sich alles verläuft (nicht im Sinne v. Herumirren) und zerfließt. Zum anderen werden auch die alten Starßenfluchten nicht wieder hergestellt. Sattdessen wählt man einen riesigen Block, der sich die komplette Grünewaldstraße entlang zieht und die Brüderstraße überdeckt. Ich möchte bezweifeln, dass dieser Umstand viele Leute zum Verweilen einlädt.

  • Da es sich um ein grobes Massenmodell vor allem in Bezug auf Freiraum und Baumasse handelt und um keinen fertigen Entwurf in allen Details, ist nicht davon auszugehen, dass es keine Gliederung und Straßen geben wird. Da die genauen Nutzungen und deren Größen eh noch offen sind, hat der von mir sehr geschätzte Herr Wolf sinniger Weise auch keine Aussagen diesbezüglich im Modell getroffen.. Feingliedrichkeit oder Masse sind in jeder Ausprägung noch vollkommen frei... also don't worry!

  • ^ Naja, wahrscheinlich irritiert da die Abbildung auf der ersten Seite, hier zwei direkt von Pelcak:




    Quelle: Pelcak und Partner Architekten


    Wie man sieht, werden sowohl Brüder-, als auch Leplay fortgeführt und damit auch nicht einer, sondern 3 Blöcke entstehen, von denen einer von der Markthalle gebildet wird. Ich fände allerdings auch gut, wenn die beiden anderen zumindest nicht mit einem Solitär bebaut werden.


    Mit deinem ersten Einwand hast du natürlich recht, wobei ich die Idee, das frühere Oval zum Trapez zu machen, dass aufs ehemalige Peterstor zuläuft, eigentlich ziemlich gut finde. Die als Esplanade erdachte Fläche, die eventuell auch Freiluftstände der Markthalle erhalten soll, hat m.E. durchaus das Potential, zugegebenermaßen wird hier allerdings eine wirklich durchdachte Gestaltung benötigt, um das Auseinanderfließen des Platzes (wurde übrigens auch von den Leipziger Blättern kritisiert) zu Verhindern.