Alte TucherBräu Brauerei in der Schillerstraße

  • Als Auslands-Nürnberger lese ich hier schon jahrlang interessiert mit, habe mich bisher aber gescheut mich zu registrieren, da ich aufgrund der räumlichen Distanz zu Sandstein, Fachwerk und neuen weißen Quaderwundern nicht allzu viel an neuen Erkenntnissen werde beitragen können. Hoffentlich gelingt es mir trotzdem, gelegentlich den einen oder anderen überlegenswerten Gedanken beizutragen. Was Nürnberg zum Beispiel von Brüssel lernen könnte, ist - statt dem Totalabriss - der gekonnte Fassadenerhalt bei gleichzeitiger Entkernung und dahinter entstehenden völligen Neubauten. So bleibt zumindest der äußere Charakter der (durchaus schönen) Stadt erhalten, während der Raumnutzer auf die Annehmlichkeiten einer zeitgemäßen Wohnungs-oder Büroausstattung nicht verzichten muss. Um den Bogen zum aktuellen Beitrag zu spannen: Hier hat man, obwohl das Gesamtareal stimmig und hochwertig wirkt, m.E. zumindest die Chance vergeben, noch den Anbau neben dem Brauereiturm zu erhalten. Auch daraus hätte sich mit Sicherheit etwas Feines machen lassen - ob Ateliers, "Lofts" oder Gastronomie.


    Bei meinem ersten Beitrag ist mir hoffentlich noch gestattet, einmal einen herzlichen Dank an den nimmermüden nothor loszuwerden, der mir noch mehr als alle anderen hier Aktiven auch aus der Ferne einen umfassenden Blick auf die Entwicklungen in meiner Heimatstadt ermöglicht. Die Beiträge sind immer kenntnisreich, informativ, photographisch perfekt illustriert und dazu gewürzt mit einer sehr schmackhaften Prise Humor (oder, wenn nötig, auch mal sarkastischer Schärfe). Danke!

  • Danke für die Blumen und willkommen im Forum! :-)


    Du hast da völlig Recht, in anderen Städten, vor allem außerhalb Deutschlands, gibt es ein ausgeprägteres Gefühl für das Stadtbild und die Erhaltung historischer Fassaden. Die Diskussion, wieso es in Deutschland weitgehend anders ist, möchte ich aber gerne abkürzen, die Erklärungsversuche über den 2. Weltkrieg und den Verlusten identitärer Stadtbilder und die daraus entwickelte Tugend, immer den gesamten Tisch abzuräumen um alles von Grund auf neu zu machen, was wiederum identitätsstiftend für das Wirtschaftswunderselbstbild wurde, steht schon genug geschrieben.


    Aber neue Generationen schauen auch wieder kritisch auf ihre Vorgänger zurück. Meine Elterngeration hat mir kein zerbombtes Land mit millionen Toten hinterlassen, aber sie haben durch den unerschütterlichen Glaube an die Omnipotenz des Geldes, des Wachstums und des Konsums anderen Schaden angerichtet. Das lässt mich hoffen, dass künftig eben nicht mehr so lustvoll und leichtfertig abgerissen, unnötig und hässlich saniert oder voreilig zubetoniert wird. Vor diesem Hintergrund finde ich ist speziell in Nürnberg das Engagement der Altstadtfreunde, der Stadtbildinitiative Nürnberg und auch progressive Entscheidungen des Denkmalschutzes modern und gefragt.
    Genug off-topic.
    Sicher kannst du auch aus Brüssel zu unseren Inhalten beitragen, zum Beispiel durch erstaunliche Beispiele von Sanierungen, die es so in Nürnberg mal hätte auch geben sollen.

  • bald wird wieder gebraut!


    Selbstbewusst kündigt sich das Finale am Schillerplatz an! Aktuell findet der Innenausbau im Sudhaus statt und neue Anlagen werden installiert. Am Herbst soll es hier wieder Bauereibetrieb, Verkauf und Veranstaltungen geben, kündigt die Nürnberg-Fürther Tucherbräu an.



    Der letzte Bauabschnitt am Turm ist ebenfalls schon im Rohbau, Ende des Jahres könnte damit die mehrjährige Bauzeit endlich abgeschlossen sein.

  • Der letzte Bauabschnitt nähert sich in großen Schritten der Vollendung. Dabei wird auch der spektakuläre Turm zu Wohnraum umgebaut. Dessen zerklüftete Außenhaut stellt soweit auch eine großer Herausforderung für den Architekten dar, da das Mauerwerk mit diversen Löchern, Ausbrücken und Materialwechseln gestört ist und alles andere als schick aussieht. Aktuell werden Löcher geschlossen und Lücken aufgemauert.





    Die Visualisierung verspricht, dass der Turm am Ende ebenso Backsteinsichtig sein wird wie das Sudhaus. Es könnte aber auch so kommen, dass der Turm in Wärmedämmung gehüllt wird und eine Außenhaut aus diesen Klinkerriemchen entstehen wird, so wie sie bei den übrigen Neubauten des Quartiers als zentrales Gestaltungsmerkmal gemacht worden ist.

  • Jetzt, wo sich das Projekt am Schillerplatz langsam der Vollendung nähert wird der neue Stadtraum erkennbar, der hier geschaffen wurde. Der Schillerplatz ist jetzt doppelt so groß und schaut nach meinem Dafürhalten auch nicht schlecht aus. Hier dominiert das Grün und nicht das Blech.



    Auch die Gestaltung des neuen Viertels finde ich ziemlich gelungen. Es schaut alles aus wie aus einem Guss, aber keines der Gebäude hat einen Zwilling. Architektonisch zurecht anspruchsvoller und zufriedenstellender als die geclonten Reihenhaussiedlungen am Stadtrand.



    Der Turm wird das Wahrzeichen und erfährt gerade die maximale Aufmerksamkeit. So wie es aussieht wird er eine vorgesetzte Schale erhalten, denn seine außenmauern liegen gegenüber der Betonaußenhaut des angesetzten rechten Neubau zurückgesetzt. Wenn der neubau noch seine Dämmung erhält wird er gut 50 cm oder so über die bisherige Baukante herausragen. Daher vermute ich dass der Turm eine Dämmung erhält und außen eine Vorsatzschale hochgemauert werden könnte.



  • Es könnte aber auch so kommen, dass der Turm in Wärmedämmung gehüllt wird und eine Außenhaut aus diesen Klinkerriemchen entstehen wird, so wie sie bei den übrigen Neubauten des Quartiers als zentrales Gestaltungsmerkmal gemacht worden ist.


    Und genau so kommt es. Jetzt, da sich der Turm als das Wahrzeichen des Quartiers so langsam enthüllt wird genau das sichtbar.



    Der gesamte Turm ist in Wärmedämmung eingepackt worden und wird nun mit den Riemchen beklebt. Aufgrund der vielen Oberflächenschäden an der alten Turmhaut scheint das am Ende wohl sogar billiger gewesen zu sein. Na hoffentlich fallen die Riemchen nicht in 20 Jahren bereits von der Wand, wie es bei hastig verlegten Fließen gerne mal vorkommt, wenn man die offene zeit des klebers nicht beachtet.



    Unterdessen wird ja im Sudhaus bereits wieder gebraut, und Besichtigungen mit Bierverköstigungen werden angeboten. Die meisten Fenster sidn bereits denkmalgerecht erneuert und haben sogar originalgetreue Schabracken, als Jalousiekasten-Zierabdeckungen montiert bekommen, womit das Gesamtbild überzeugt:



    Auch das alte Tor, das eingedrück war, ist gerichtet und restauriert.

  • Ich bin da über Weihnachten auch mal vorbeigekommen. Das ist wirklich ein Vorzeige-Quartier geworden. Nicht nur die Abwechslung in der Gebäudegestaltung und der Erhalt der Wahrzeichen Sudhaus und Tucherturm, sondern auch der ingesamt grüne Charakter des Viertels mit dem Schillerplatz haben mir sehr gefallen.


    Der Schillerplatz zeigt übrigens anschaulich, was einen gelungenen Platz ausmacht: Nicht, wie die Stadt Nürnberg oft zu denken scheint, das Pflaster oder die "Möblierung" mit Parkbänken o.ä. Ein gelungener Platz zieht seine Wirkung zuvorderst aus den ihn umgebenden Gebäuden.


    Insofern sollte man bei den Stadtplanern aus dem gelungenen Ergebnis auf dem Tucherbräu-Gelände die richtigen Schlüsse ziehen.

  • Du sagst es, ich fahre dort auch recht häufig lang und finde das gesamte Quartier als sehr angenehm. Der Weg, der direkt hindurchführt am Turm vorbei z.B. ist Autofrei, und verleiht dem Viertel eine elegante Ruhe. Kritiker sagen zwar, dass die Häuser zu eng beieinanderstehen, aber das mag ich nicht unterschreiben. Ich wohne ja selbst in einem Altbauquartier und kann meinem Nachbarn auf dem Balkon die Butter rüberreichen. Das einzige was mir in den Wohnungen wohl fehlen würde wäre eine angenehme Deckenhöhe.


    Für das nächste KIB-Projekt in St. Peter, beim ehem. Autohaus Krauss werden hier ziemliche Erwartungen geweckt.

  • Brauereiturm fertig

    Mit dem letzten Abschnitt an den Nordstadtgärten geht nun dieses umfangreiche Bauprojekt nach weit über 5 Jahren zuende. Endlich ist auch der Turm fertig umgebaut und abgerüstet:




    Wenn man sich vor Augen hält wie der Turm ausgesehen hatte mit seiner stark beschädigten Fassadenhaut nach dem Abriss sämtlicher Anbauten ist das schon ein Augenschmaus den so zu sehen. Dennoch ist das Ergebnis im Vergleich zu den Visualisierungen nicht ganz so schön. Die Sprossenfenster sind klobiger geworden und lassen die Eleganz eines Industrielofts nicht so ganz zu. Auch die Verblechung des großen Giebelfensters sieht etwas missglückt aus. Man hätte sie aus Kupfer ausführen können, das wäre passender.


    Auch am Sudhaus tut sich was, die Brauerei lädt ja schon seit Längerem ein, nun kommt noch ein Café dazu, das "Espresso Lab". Der Blick durchs Fenster ist vielversprechend, erinnert mich aber auch an die Osteria im alten Trafowerk am Tullnaupark.



    Eröffnung ist am 26. Oktober.


    Unterdessen zeigen erste Teile des ambitionierten Bauprojektes erste Ermüdungserscheinungen. Die massenweise verbauten Klinkerriemchen sind nicht so ganz ohne und müssen sehr sorgfältig montiert werden. Jeder, der schonmal Fliesen verlegt hat weiß um die strengen Herstellervorgaben für die Verarbeitung des Klebstoffes. Rührt man davon zu viel an oder macht unpassender Weise eine kurze Raucherpause ist die "offene Zeit" des Klebstoffes 'rum und schwupp klebt die Masse nimmer richtig. Die Folge ist dass die Fliesen nur durch etwas Adhäsion haften, aber nicht fest verklebt sind. Und so fallen sie halt irgendwann bei wenig Erschütterung einfach ab. Das hier dürfte noch gar nicht lange her sein, denn sie liegen alle noch am Boden.



    Na hoffentlich hat man bei den hohen Gebäuden sorgfältiger gearbeitet. Denn die große Schwäche von Wärmedämmverbundsystemen, nämlich die geringe Trägheit bei der Wärmeaufnahme und -abgabe und die damit verbundenen hohen Ausdehnungen und Schrumpfungen machen jede Oberfläche mürbe. Ich würde auch bei korrekt verbauten Riemchen keine allzuhohe Dauerhaltbarkeit erwarten, nicht mehr als 30 Jahre. Jede massive Altbaufassade, sei es Sandstein, verputzt oder stuckverziert, ist hier weitaus strapazierfähiger und auf lange Sicht kostengünstiger.


  • Das Espresso-Lab ist nun eröffnet und sollte auch noch besucht werden. Es scheint eine im Viertel bestehende Lücke erfolgreich besetzt zu haben. Denn obwohl es hier einige tausend neue Bewohner geben dürfte, es ist wohl kein einziges Lokal dazu gekommen. Entsprechend voll war es. Die industrielle Vergangenheit ist hier ebenfalls deutlich zu sehen. Man kann sich zurücklehnen und umschauen, und entdeckt doch immer wieder neue Details. Alles ist offen und transparent gehalten.



    Der Gastronomiebereich ist geteilt ein einen öffentlichen Bistrobereich mit Außenbestuhlung, und einen hinter der Glaswand abgetrennten "Laborbereich".



    Das Konzept macht etwas her und schaut in dem historischen Haus auch gut aus. Weit und breit gibt es in Maxfeld nichts vergleichbares, der Laden sollte also brummen.