Leipziger Architektur-Allerlei (Information & Diskussion)

  • Ich würde auch von den frühen 1930er Jahren ausgehen.


    In der unmittelbaren Nachbarschaft:


    Zwei Wohnblöcke
    Brandvorwerkstraße 66; 68
    1930–1931 (Mietshaus)
    Zwei rechtwinklig zueinanderstehende Blöcke in jeweils offener Bebauung, Nr. 66 in Ecklage Steinstraße 6 (hofseitiger Eingang), mit Einfriedung und Vorgarten (Putzfassade durch farbige Bänderung in rot und grau gegliedert, Sockel mit Werksteinverkleidung)


    Dreiflügelanlage
    Brandvorwerkstraße 72; 74; 76
    1928–1930 (Mietshaus)
    Drei betont kubische Bauten als Dreiflügelanlage zueinander geordnet und durch Verbindungsgang miteinander verbunden mit Einfriedung und Vorgarten; Putzfassade durch farbige Bänderung rot und grau gegliedert, Nr. 76 in Ecklage Kantstraße


    https://de.wikipedia.org/wiki/…_Leipzig-S%C3%BCdvorstadt


    1936 waren Brandvorwerkstraße 62 und 64 bereits gebaut und bezogen und gehörten der Freien Wohnungsbau-Aktiengesellschaft, wie auch Brandvorwerkstraße 66 und 68 (bezogen 1932).
    http://digital.slub-dresden.de…if/jpegs/00001303.tif.pdf
    Ein Jahr zuvor, 1935, war hier noch ein Lagerplatz:
    http://digital.slub-dresden.de…if/jpegs/00001277.tif.pdf

  • ^ Ah, danke. Kann man dann den Stil dieser Wohnblöcke wieder der Heimatschutzarchitektur zuordnen? Die Gebäude tauchen kurioserweise in der Denkmalliste nicht auf, obwohl sie doch wirklich einzigartig sind. Seht euch auch mal die merkwürdige Sprossung der Fenster in den Mittelrisaliten an.

  • Die LVZ veröffentlicht heute alle 30 Bewerber um den leipziger Architekturpreis:
    http://www.lvz.de/Leipzig/Loka…reis-Fotos-aller-Gebaeude


    Neben einigen durchaus nachvollziehbaren Nominierungen (B&B-Hotel, Nikolaistraße 34 / Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage, Goldschmidtstraße 35 / Wohn- und Geschäftshaus, Christianstraße 2 / Büro- und Geschäftshaus Trias, Martin-Luther-Ring 12) und sicher kontroversen Gebäuden (Haus Boscha, Ferdinand-Rhode-Straße/Ecke Haydnstraße / Instituts- und Laborgebäude der Fakultät Maschinenbau und Energietechnik der HTWK , Karl-Liebknecht-Straße 134 / Katholische Propsteikirche St. Trinitatis, Nonnenmühlgasse 2) gibt es auch eine Reihe von Flachbauten, die meines Erachtens in einer wachsenden Stadt mit zunehmendem Raumbedarf nicht preiswürdig sind - oder die einfach Ihren Nachbarn ignorieren (Kindergarten der Marienkirchgemeinde in Stötteritz, Oberdorfstraße 30).

  • ^
    Lieber DrZott,


    soweit ich richtig lese, werden die Beiträge von den Architekten, Privateigentümern oder Bauträgern selbst eingereicht, ergo sind sie nicht nominiert. Die Experten müssen quasi "nur" entscheiden, was vom eingereichten Architekturallerlei gewinnt.


    Ich finde die große Anzahl Kindergärten, allesamt Flachbauten, auffällig. Diese haben anscheinend besonderes Bedürfnis, ausgezeichnet zu werden. Wohnhäuser gibt es eigentlich noch Unmengen mehr, die einzureichen wären (Neubauten und Altbauten wie Umnutzungen).
    Ich denke, dass einzelne Flachbauten in einer wachsenden Stadt durchaus noch ihren Platz haben sollten, denn endlose Verdichtung ist auch nicht unbedingt förderlich (Windschneisen, Sonneneinstrahlung etc.). Schlimm ist bei den Flachbauten vor allem, dass die versiegelte Fläche gleich bleibt, egal ob man 1, 2 oder 6 Etagen baut. Hier wäre eine geordnetere Planung schön, d.h. verschiedene Bauvorhaben (Rewe vs. Wohnungen oder Kindergarten und Altenheim) ggf. zu verbinden, was aber in der Praxis wohl extrem schwer werden könnte, da die Bauträger, Investoren oder Eigentümer daran oft gar kein Interesse haben. Inwieweit die Stadt hier Auflagen erteilen kann, die gesetzlich haltbar sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Die Abweichung von vorhandenen Baustrukturen und Geschosshöhen scheint ja selbst im geschlossenen Bestand erlaubt zu sein (Beispiel Blumenstraße > Kita mit nur 3 Etagen, die oberste davon vermutlich sogar nur "Fake", statt drumherum 5 Geschosse + tlw. DG)

  • Als ich das "Trias" in der Liste gesehen hatte schien mir das Ergebnis des Wettbewerbs bereits festzustehen - ich habe mich geirrt.

  • Hatten wir das gekrönte Wohnhausensemle in der Hardenbergstraße 27-29 hier überhaupt schon mal erwähnt gehabt? Ach ja, doch, hier einmal. Preisverdächtig sieht es mir auch nicht aus. Der Preis für die Propsteikirche hingegen ist für mich nachvollziehbar. Glückwunsch an die Gewinner!

  • Es gab durchaus einige bessere, spannendere Nominierungen. Schade. Zumindest die Hardenbergstraße ist jetzt nichts besonders, was man so würdigen müsste.

  • Leipzigs Entwicklung seit der Wende


    Beitrag im MDR


    Heute, durch Zufall entdeckt, lief ein Beitrag zur Leipziger Entwicklung seit 1989, mit Fokus auf die aktuelleren Jahre. Es geht um über 1000 abgerissene Denkmäler, Neubauten und die Rettung und Sanierung, v.a. in der City.
    Dr. Arnold Bartetsky (Uni Leipzig) ist dort auch im Studio zu Gast und gibt wenig Lobeshymnen auf Gebäude wie die Höfe am Brühl oder Kaufhof oder das neue Gebäude an der HTWK mit seiner wahrlich banalen Fassadengestaltung.


    http://www.mdr.de/mediathek/fe…7931f8bf_zs-2d7967f4.html
    Ab Minute 08:18 bis Minute 17:00, verfügbar bis Sonntag.
    (Posting kann dann auch gelöscht werden, da der Link ab 16.11. unaktuell ist.)

  • Danke!
    Interessant ist, dass die Moderatrorin unwidersprochen verkünden konnte, dass Neubau billiger als die Sanierung eines Bestandsgebäudes sei. Das sieht nach meiner Kenntnis das Stadtplanungsamt ganz anders. Arnold Bartetzky hätte da einhaken müssen.

  • ^ Man weiß leider nicht, was ggf. rausgeschnitten wurde, aber es fehlt da klar ein Statement, das stimmt ...
    Beitrag ist leider ab Montag weg.

    2 Mal editiert, zuletzt von Altbaufan_ () aus folgendem Grund: Update

  • Die schon etwas angegammelte Spittastraße 2 in Altlindenau ist entweder ein missglückter Umbau eines gründerzeitlichen Eckhauses oder ein verhunzter Neubau aus den frühen 90er-Jahren. Ich kann mich nicht so recht entscheiden. Was meint ihr?
    Bild: Cowboy

  • Das ist ein Neubau aus den frühen 90ern. Das meine ich nicht nur, sondern weiß ich sicher. Kurz nach der Erbauung war das der heiße Scheiß, da wohnten unter anderem frisch aus den gebrauchten Bundesländern eingeflogene Amtsleiter_innen und andere Mitarbeiter_innen der oberen Ebenen der Stadtverwaltung. Heute sind es städtische Gewährleistungswohnungen, in den vor allem geflüchtete Familien untergebracht sind.

  • Irgendwie ist dieser Beitrag an mir vorbei gegangen. Diese drei Blöcke sind definitiv aus den 1920/30 Jahren! Die standen schon, als man die Kriegstrümmer mit einer Bahn aus der Südvorstadt kommend, direkt davor am "Scherbelberg" ablud. Bzgl. der Pappeln lässt sich sagen, dass Pappeln als extrem schnell wachsende aber auch extrem Windschäden anfällige Bäume, ohne großen Aufwand bei den Behörden, gefällt werden können. Deswegen ist man diesbezüglich wenig zimperlich.


    Bezug nehmend auf diesen Beitrag von 'Cowboy' lässt sich hoffen, dass die LWB hier einen guten Job machen wird und das komplette Quartier mit den drei Blöcken wieder in den ursprünglichen Zustand versetzen wird. Ich denke, das könnte eine richtig gute Anlage als Zeugnis der späten 1920 frühen 1930 Jahren werden. Die ursprüngliche Fassadengestaltung ist meines Erachtens aber weniger gut. Eine komplett glatte Fassade würde den Baukörper besser herausbilden.

  • ^ Kurios ist allerdings, dass diese drei Blöcke nicht unter Denkmalschutz stehen und somit auch die LWB nicht an denkmalpflegerische Aspekte gebunden wäre. Somit könnte es außen eine Styropor-Orgie geben, was ich sehr schade finden würde.

  • Gegen den Bau von Kitas hat sicher kaum jemand etwas. Aber dass die historische Grünfläche an der Gohliser Straße für so einen Flachbau geopfert wurde, ist schon ärgerlich. Die Ensemblewirkung wurde damit erheblich beeinträchtigt, wie folgendes Handyfoto verdeutlichen soll.



    Bild: Cowboy

  • Um mal etwas deutlicher zu werden, ich halte es für unter aller Sau, Kinder in solche Kisten zu pferchen. Wie sieht denn das bitte aus? Als würden hier Baucontainer geparkt.

  • Das Gebäude ist wirklich ausnehmend hässlich (ich fahre öfter dort vorbei) - ganz mal davon abgesehen, dass man die Chance vertan hat, drei bis vier Etagen Wohnungen darüber zu setzen.

  • Für Kinder ist die Kita schon okay. Mein Neffe ist da drin und beengt und wie eingepfercht wirkt der Flachbau eigentlich nicht. Je verranzter und verwinkelter die Kita, desto besser finden es die Lütten ohnehin. Eltern wiederum denken oft, je großzügiger und aufgeräumter die Kita, desto wohler fühlen sich ihre Kinder.