Bauprojekte bei RB Leipzig + Neugestaltung Stadionumfeld

  • Ich gehörte bisher auch zu jenen, die an einen nicht allzu teuren Umbau glaubten. Aber wenn ich mir das Interview mit dem Architekten so durchlese...


    Die Mitteldeutsche Zeitung sprach mit dem Architekten Johannes Zech, der die Spielstätte von 2000 bis 2004 mit konzipiert und gebaut hat, über ein mögliches Umbauszenario. RB hat aber bislang weder mit Zech noch mit anderen entscheidenden Expert_innen des letzten Umbaus, etwa dem Tragwerksplaner, gesprochen: http://www.mz-web.de/25296012


    ...dann ist das ein Skandal. Es sollte doch Fußballostdeutschland ein Stadion hingebaut werden, um auch die Stadion-Infrastruktur im Osten zu stärken (dass Dresden dreist übergangen wurde, ist ein eigener Strang). Stattdessen wird an schwieriger Stelle Prestige-Architektur für zwei Turniere erbaut. Die Millionen öffentlicher Mittel wurden völlig unsinnig eingesetzt. Da stand kein nachhaltiges Konzept dahinter, nur der Wunsch, eine schicke Schüssel für die WM zu haben.
    Ich weiß gar nicht, ob daran jetzt der Architekt schuld war. Aber wie kann ich denn so filigran und teuer bauen, dass ein Umbau praktisch unmöglich wird. 2004 wusste man doch schon, welche zwei Dinge ein zeitgemäßes Liga-Stadion braucht: Stehplätze in der Fankurve (2004 gab es kein All-Seater -Stadion in den ersten Ligen) und viele Logen (das ging in Deutschland schon 1992 los). Und jetzt wäre es unheimlich teuer Logen einzubauen, geschweige denn die Sitzplätze in Stehplätze umzuwandeln. :nono:
    Woanders werden Stadien gebaut, die man zurückbauen, umwandeln oder erweitern kann und Leipzig kriegt so eine (teure) verschlossene Muschel? :Nieder:

  • Dass man damals seitens des Auftraggebers ohne nachhaltiges Konzept geplant hat, stimmt wohl. Doch zu bemängeln, dass nach dem damaligen Stand der Dinge in Sachsen das Zentralstadion nicht erweiterbar konzipiert wurde, ist doch Blödsinn.
    Wann wurde das Stadion denn geplant: ab 2000. Damals war Dynamo in einem tiefen Jammertal und ohne Aussicht auf höherklassigen Fußball. In Leipzig war damals wenigstens Sachsen Leipzig ansatzweise ambitioniert und dazu kommt die wesentlich zentralere Lage der Stadt und natürlich auch die Historie als Gründungsort des DFBs. Die Entscheidung für Leipzig kann ich also nach damaligen Gesuchtspunkten nicht verkehrt finden. Dass Stadion allerdings damals noch auf Zuwachs zu planen, wäre absolut irre gewesen. Wie schon gesagt, gab es nur sehr wenig Hoffnung auf Profifußball, ganz zu schweigen von der Bundesliga (oder gar der Champions League). Wenn man die Stadionbauentscheidungen in Leipzig und Dresden mit einem Abstand von ca. 5 Jahren für sich und im Verhältnis zueinander betrachtet, kommt man zu durchaus wechselnden Ergebnissen. Da war bei beiden Städten viel Dynamik in der Entwicklung, die besonders für Leipzig so niemand absehen konnte.
    Mal am Rande: Die Entscheidung das neue Dresdner Stadion am Ort des alten RHS zu bauen, war emotional nachvollziehbar, ist nach momentanem Stand noch immer in Ordnung, könnte sich aber (bei ähnlich gut fortlaufender Entwicklung des Vereins) in näherer Zukunft als grober Fehler herausstellen.

  • Letztlich sind die im Artikel genannten Zweifel auch alles nur besseres Bauchgefühl.


    Da müssen schon konkrete Untersuchungen von Statikern her. Der Boden, das Bestandsgebäude. Solch ein Gutachten zu beauftragen, bevor man über die Frage Umbau Vs. Umzug entscheidet, muss schon drin sein. Im Übrigen ist doch eines klar, ein Neubau am Stadtrand kostet nicht nur den Hoch- und Tiefbau sowie die Immobilie (Grundstück). Da ist selten schon die notwendige Erschließung für Besuchermassen vorhanden, Stadtrand eben. Das muss auch irgendwie organisieren und finanzieren.


    Planerisch und finanziell ist ein Neubau auf der Grünen Wiese bestimmt nicht zwangsläufig die einfachere Lösung.

  • Wer hätte vor wenigen Jahren, als Chemie noch von etwa 2.000 Anhängern begleitet kurzzeitig in einem WM-Stadion als Heimstätte gurkte, auch schon dran geglaubt, dass 43.500 Plätze schon bald nicht mehr reichen würden, und wir heute über Ausbaupläne vs. Stadionneubau diskutieren. Die Entwicklung war selbst, als RB 2009 aus der Taufe gehoben wurde, auch für Experten so nicht vorhersehbar gewesen.


    Dass beim Thema Fußball die Emotionen immer so hochspielen müssen. Gestern spielen die Bayern in der ersten Halbzeit das Spiel ihres Lebens, bei dem man sich im Nachhinein fragen muss, ob die sonst mit Absicht nur 90 Prozent auf den Rasen bringen, um es in Sachen Meisterschaft noch einigermaßen spannend zu halten, aber für die Hater ist die Sache wieder klar, dass RB in Wahrheit nicht Fußballspielen kann. Beste Kommentare sind die: "Ich bin kein Bayernfan, aber..." oder "Bayernfans gegen Kommerz". Wie goldig.

  • Ein Bauen auf der grünen Wiese ist in der Regel schon einfacher und kostengünstiger als ein Umbau im laufenden Betrieb. So geschieht es ja oft, auch jenseits des Sports. Für die Gegenvariante gibt es ja aber auch zahlreiche Beispiele aus anderen Städten. Das kann nur eine tiefgehende Analyse der Für und Widers ergeben. Zu den Bedenken eines schwer umsetzbaren Umbaus hatte sich ja schon der Architekt geäußert. Das ist denn aber schon eine ernst zu nehmende Wortmeldung, da der ja wie kein anderer die Details seines Werkes kennt.
    Wie auch immer, ich wünsche der Stadt Leipzig und dem traditionsreichen Zentralstadion eine Lösung, die es nicht wieder in Dämmerschlaf verfallen lässt. Am Besten Chemie oder Lok steigen doch wieder auf, dann können die Dosenheinis meinetwegen an irgendeinem Autobahnkreuz kicken ;-)

  • Doch zu bemängeln, dass nach dem damaligen Stand der Dinge in Sachsen das Zentralstadion nicht erweiterbar konzipiert wurde, ist doch Blödsinn.


    Versteht mich nicht falsch. Mir geht es nicht allein um einen Ausbau, sondern um eine Umbaumöglichkeit. Und das meine ich gerade in Angesicht der damaligen Perspektiven des Leipziger Fußballs.
    Reine Hypothese: Wäre Sachsen Leipzig in die zweite Liga aufgestiegen und dort dauerhaft ein kleiner Mitläuferverein, hätte man das Stadion vielleicht gern auch mal zurückgebaut. Doch das geht bei der komplizierten Dachkonstruktion nicht so leicht. Das hätte ein kleiner Zweitligist nicht stemmen können.


    Viel wichtiger in meinem Statement sind doch die Stehplätze. Ein Fußballstadionneubau in Deutschland, der nicht einfach Stehplätze erhalten kann?? DAS ist nicht nachhaltig. Und...


    Letztlich sind die im Artikel genannten Zweifel auch alles nur besseres Bauchgefühl.


    ... der Architekt, nochmal der ARCHITEKT, wird sehr wohl wissen, was der Bau statitsch hergibt.


    Aber ich bleibe dabei, der Umbau der Stehplätze und die Erweiterung um ein paar Blöcke (hinterm Tor und zum Spielfeldrand) wird nicht allzu teuer. Aber der Einbau der Logen oder ein Ausbau mit neuem Dach scheinen unheimlich aufwändig und damit teuer zu sein.


    Ob das Red Bull abschreckt, wird sich hoffentlich heute um 13.00 Uhr zeigen.

  • ... der Architekt, nochmal der ARCHITEKT, wird sehr wohl wissen, was der Bau statitsch hergibt.


    Dein Expertenvertrauen in allen Ehren. Aber solange es sich dabei um kein mathematisches Genie handelt kann er - ich bleibe dabei - dazu lediglich seine Ansicht äußern, aber kein gutachterliches Urteil darüber fällen. Dazu sind umfangreiche Neuberechnungen der Statik nötig (das machen die wenigsten Architekten von großen Gebäuden selbst, sondern spezialisierte Statiker, denn die Statik gerade eines großen Baus ist eine Wissenschaft für sich). Der Artikel hat übrigens auch gar nicht das Fazit gezogen "Isso!", sondern war im Tenor von "Möglicherweise..." formuliert. Warum du also so darauf beharrst, dass diese bloße Vermutung eine Tatsache ist, ist mir schleierhaft.

  • Der Architekt rechnet die Statik nicht, kann er gar nicht. Doch kann kein an der Planung beteiligter eher eine Vorabprognose abgeben, ob ein Ausbau möglich ist, als der Architekt. Bei ihm laufen alle Fachbereiche zusammen. Vor allem er kann beurteilen, ob die Fluchtwege, die Konstruktion, die Sichtlinien, usw.... ausreichen könnten (!). Erst wenn der Architekt dann zu spezifischen Fragen Klärungsbedarf hat, setzen die anderen Ingenieure an. So laufen ja auch Architekturwettbewerbe.

  • Der Architekt rechnet die Statik nicht, kann er gar nicht.


    Es gibt natürlich ein paar Architekten mit Doppelqualifikation! Daher sagte ich ja "die wenigsten" anstatt "gar keine". Aber danke für das Sekundieren meines Einwandes ;-)


    Hat sich nun ja erledigt, RB Leipzig findet den Einwand des Architekten offenbar auch nicht so schlimm. Die Entscheidung finde ich richtig. Städtebaulich, ressourcentechnisch und sicherlich auch fußballerisch. Es ist ja nicht so, als ob RB Leipzig auf eine Vereinstradition zurückblicken könnte. Da ist solch eine Spielstätte mit langer Historie, die man sich sozusagen "leihen" oder langsam "aneignen" kann, doch ziemlich wichtig für die Identitätsbildung. Siehe auch das denkmalgeschützte, historische Empfangsgebäude, das bei einem Umbau des Stadions hoffentlich noch stärker in Szene gesetzt und genutzt wird. Wenn jetzt umgekehrt noch ein Umzug auf die Grünen Wiese hinzugekommen wäre, dann wäre das böse Wort vom "Retortenklub" sicherlich neu aufgeflammt. Das war beim Bundesliga-Urgestein FC Bayern beim Umzug in die Allianz Arena halt schon anders (aber auch beim FC Augsburg, der zumindest als Regionalligist ebenfalls eine sehr lange Vereinstradition hat).

  • Da die Frage nun geklärt ist können wir uns ja auch mal wieder über das künftige Verkehrskonzept rings um die Arena unterhalten. Bis zu 57.000 Menschen wollen ab 2018/19 in relativ kurzer Zeit hin und wieder zurück, bis dahin sollte sich einiges geändert haben. Vorschläge zur Diskussion:


    - Einsatz von Sonderbahnen auf der Nord-Süd-Strecke unweit der Arena von der Wendeschleife in Gohlis-Nord, Möckern oder Wahren über die Waldstraße und Friedrich-Ebert-Straße zum Wilhelm-Leuschner-Platz und weiter nach Süden (welche Wendeschleife?).


    - Parkverbot in der Jahnallee zumindest zu den Spieltagen, besser gleich immer. Über Kurzparken an (Vormit)tagen, an denen nicht gespielt wird, kann man ja noch reden.


    - Verbesserung der Zufahrtmöglichkeiten für den Radverkehr vor allem vom Westen her: Umwidmung der Demmeringstr. bis Merseburger Str., Apostelstraße und Roßmarktstraße zur Fahrradstraße, Bau der Wegeverbindung zwischen Angerstraße und Capastraße nördlich des Straßenbahnhofes Angerbrücke mit Brücke über die kleine Luppe, südlich an der Kuhburg vorbei, quer durch Bau einer Brücke über das Elsterrückhaltebecken in der Achse Marktamt und Glockenturm. Vor und nach den großen Spielen könnte hierüber der Fußverkehr (mit)abgewickelt werden.


    - Umwidmung einer der Parallelstraßen zur Jahnallee zu einer Fahrradstraße.


    - Welche Rolle wird künftig die Zufahrtsmöglichkeit über die Landauerbrücke und Hans-Driesch-Straße spielen? Pendelbusse zur S-Bahn-Haltestelle und P+R-Platz am Bahnhof Leutzsch/Georg-Schwarz-Straße oder dem ehemaligen Praktiker-Baumarkt in der Schomburgkstr.? Der Bau einer Straßenbahn wird sich ja hier angesichts der über weite Strecken fehlenden Anwohner_innen nicht lohnen.


    - ... darf gerne ergänzt und kritisiert werden.

  • Noch größer dachte C.S. vor fast einem Jahr:


  • Deine Fokussierung aufs Rad erscheint mir etwas komisch. Kommen denn so viele mit dem Rad zum Fußball? Das ist doch extrem unpraktisch. Insbesondere, wenn man in Gruppen unterwegs ist. Mal noch ein Bierchen trinken dürfte so auch eher umständlich sein. Hab auf meinen Wegen zum Stadion nie wirklich viele Radfahrer mit Ziel Zentralstadion gesehen. Die Sperrung von Straßen für den Autoverkehr würde eher zu noch mehr Staus und Behinderungen führen. Am sinnvollsten wäre sicher erstmal Sonderbahnen zum Stadion fahren zu lassen.
    bräuchte man erstmal eine Analyse, wie denn die Leute derzeit Anreisen. Das dürfte sich ja durch Umfragen vor oder nach dem Spiel recht einfach rausfinden lassen. Gibt es sowas vielleicht sogar schon?

  • Wann wurde das Stadion denn geplant: ab 2000. [...] In Leipzig war damals wenigstens Sachsen Leipzig ansatzweise ambitioniert [...] Dass Stadion allerdings damals noch auf Zuwachs zu planen, wäre absolut irre gewesen. [...] Da war bei beiden Städten viel Dynamik in der Entwicklung, die besonders für Leipzig so niemand absehen konnte.


    Auch wenn es im Sinne des Architektur-Forums off-topic ist, kann ich diese Darstellung der Historie dennoch so nicht stehen lassen.


    Im Jahre 2000 spielten noch zwei Leipziger Mannschaften in der Regionalliga, damals die dritthöchste nationale Spielklasse, und beide hatten durchaus Höheres im Sinn. Auch in Erwartung der Erfüllung dieser, im Folgenden auf beiden Seiten enttäuschten, Hoffnungen wurde eben die Neubau-Entscheidung gefällt.


    Im selben Jahr ist dann der VfB im Zuge der Verkleinerung der Regionalliga (ebenso wie Dynamo Dresden) abgestiegen und im Jahr darauf war Sachsen insolvent, wurde aber noch einmal gerettet, während dies drei Jahre später dem Lokalrivalen verwehrt wurde – die zuvor nicht absehbare Dynamik der Entwicklung eben.


    Im Übrigen sollte das Stadion anfangs tatsächlich auf Zuwachs ausgelegt werden. Das wurde später aber unter dem üblichen Kostendruck wieder aufgegeben.

  • Die heutige LVZ ist so eine Art Sondernummer zum Stadion von RB. Zur Verkehrssituation heißt es in den verschiedenen Artikeln:


    Die Infrastruktur rund um die RB-Arena bleibe eine weitere Kernfrage, da bei mehr Zuschauer_innen auch mehr Parkplätze benötigt werden - von anderen Verkehrsträgern ist keine Rede. Der RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff wird zitiert mit „Wir haben da klare Bedingungen an den OBM formuliert.“ Und in einem weiteren Text: „Die Stadt muss sich mit dem Verkehrskonzept beschäftigen. ... Wir benötigen ein vernünftiges Verkehrskonzept. Das ist eine Bedingung, die wir an die Stadt formuliert haben. ... Durch den Stadion-Ausbau benötigen wir mehr Parkflächen. Da werden wir sicher vernünftige Lösungen finden.“


    Im folgenden wärmt die LVZ ihren Artikel vom 21. Juni 2016 noch einmal auf: http://www.deutsches-architekt…m/showthread.php?p=526413


    Kernpunkt des bisherigen Verkehrskonzepts sei (laut VTA-Chef Michael Jana), das Gros des Autoverkehrs aus der Innenstadt herauszuhalten. Es gibt 7 Park+Ride-Anlagen mit 2850 Stellplätzen am Stadtrand. Für alle, die mit Bus und Bahn anreisen, sind im Stadtgebiet die kürzesten Wege ausgeschildert.


    Im Stadionumfeld gibt es rund 3000 offizielle Pkw-Stellplätze auf den Flächen Jahnallee (500), Arena 1 (500), Arena 2 (420) und Cottaweg (1600). Allerdings steht der größte Parkplatz wegen Kleinmesse oder Zirkusveranstaltungen häufig nicht zur Verfügung.


    Daher soll das Gelände des ehemaligen Schwimmstadions - derzeit Parkfläche „Arena 2“ mit 420 Stellplätzen - für die Bebauung mit einem Parkhaus freigegeben werden. Dort soll ein privater Investor bis zu 1500 Parkplätze schaffen, womit die Zahl der offiziellen Pkw-Stellplätze im Stadionumfeld auf rund 4000 anwachsen würde. Die Plätze sollen an Veranstaltungstickets gekoppelt werden, "damit diese 1500 Parkplätze nicht zu viele Autofahrer anlocken und das gesamte Verkehrskonzept aus den Fugen bringen." Diese Begründung verstehe ich jedoch nicht so ganz. Der Großteil der Parkplätze könnte an die VIP-Gäste gehen, für die ja auch mehr Logen und Sky-Boxen geschaffen. Die Zahl der VIP-Plätze steigt durch den geplanten Umbau von 250 auf bis zu 915. Es sei nicht bekannt, ob RB noch weitere neue Parkflächen fordert.


    Ebenfalls steigen werden die Herausforderungen an den öffentlichen Nah- und Fernverkehr. RB hat sich offenbar dazu nicht geäußert, zumindest zitiert die LVZ in der Frage nun Oliver Mietzsch vom Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL): „14 000 Menschen mehr sind schon eine Hausnummer.“ Die Stadt müsse entscheiden, welche Veränderungen notwendig sind. „Und dann werden wir nachdenken, wie wir dabei helfen können.“


    Wenn es das Ziel sein soll, das Gros des Autoverkehrs aus der Innenstadt herauszuhalten, dann stehen die 2850 PKW-Stellplätze auf den 7 Park+Ride-Anlagen doch in einem Missverhältnis zu den rund 4000 Pkw-Stellplätzen auf 3 Parkplätzen und in einem Parkhaus rings um die Arena. Zumal die bisherige Erfahrung zeigt, dass sehr viele PKW-Fahrer_innen versuchen, in den umliegenden Wohngebieten, vor allem in Lindenau, kostenlos an den Straßen zu parken. Dass das Parken im Waldstraßenviertel nicht mehr geht, hat sich zu den meisten mittlerweile herumgesprochen.



    O-Töne vom RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff und noch-Stadioneigentümer Michael Kölmel: http://www.mdr.de/sport/fussba…t-red-bull-arena-100.html

  • @lemon.hist.:
    das ist hier das deutsche architekturforum, nicht das deutsche verkehrsforum.
    hier interessieren entwürfe für die stadionerweiterung und das neue parkhaus.


    alles andere sollte besser in den ohnehin bereits bestehenden themensträngen "wohin mit dem autoverkehr?" oder "leipzig: önv-diskussionsthread" gepostet werden.


    zur kaufentscheidung:
    das ist das beste, was dem stadion, der stadt, dem verein und den fussballfans passieren konnte. quasi eine win-win-win-win-situation.


    als ich 2005 beim confed-cup zum ersten mal im stadion war, fand ich es schon etwas beklemmend, in einer zum grossteil mit fördermitteln finanzierten schüssel ohne echte nachnutzungsperspektive zu sitzen. das gleiche bei der wm 2006. die fehlenden oberränge hinter den torlinien vermittelten noch dazu stets den eindruck, dass dabei im hinblick auf den alltagsbetrieb eher zu gross als zu klein geplant worden war. was ja leider auch stimmte.
    um so mehr erweist sich red bull als glücksfall: der bau des stadions wurde damals mehr durch hoffnungen als durch reelle chancen auf nachhaltigkeit begründet. ab jetzt geht es statt dessen sogar um den - privat finanzierten - weiteren ausbau. so werfen dank red bull die damals ins stadion investierten steuergelder doch noch eine schöne dividende für die stadtkasse ab. und nicht zuletzt: auch das stadion wird durch umbau und erweiterung noch einmal an attraktivität gewinnen. ich bin auf die entwürfe gespannt...

  • dj, als alter Fußballromantiker schlucke ich jetzt mal meine Bedenken gegenüber dem sportlichen Teil des Engagements von Red Bull in Leipzig herunter und stimme Dir zu Deinem Kommentar voll zu. Ich freue mich auf ein richtig tolles Stadion in dem der ganz große Fußball gespielt wird.
    Zu einem Punkt hätte ich eine Frage: inwiefern profitiert denn die Stadtkasse? Wie lief das in Leipzig überhaupt: ich lese immer von der Stadt als Bauherrn, aber nun von Herrn Kölmel als Verkäufer?

  • Ganz kurz erzählt wird die Geschichte in den Wikipedia-Artikeln zur Arena
    https://de.wikipedia.org/wiki/Red_Bull_Arena_(Leipzig)
    und zu Kölmel
    https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_K%C3%B6lmel



    2000 entschied die Stadt Leipzig den Umbau des Leipziger Zentralstadions zu einer 44.345 Zuschauer fassenden reinen Fußballarena. Den Zuschlag für Umbau und Betrieb des neuen Stadions bekam die EMKA Immobilien-Beteiligungs-GmbH des Unternehmers Michael Kölmel. ... Die Kosten für den Umbau wurden zunächst auf 90 Millionen Euro veranschlagt, wovon der Bund 51 Millionen, Michael Kölmel 27 Millionen und die Stadt Leipzig 12 Millionen übernahmen. Dazu kamen noch Mehrkosten in Höhe von 26 Millionen Euro [unter anderem wegen Sicherheitsauflagen der Fifa; LE Mon. hist.], von denen Michael Kölmel 17 Millionen und die Stadt Leipzig 9 Millionen bezahlten.


    Kölmel hatte nach meiner Kenntnis die Rechte für die Nutzung des Stadions bis (mindestens) 2030 übernommen, nicht das Stadion selbst. Nicht ganz sauber ausgedrückt, aber so in etwa: Er ist Besitzer, aber nicht Eigentümer des Stadions. Nach Ablauf der Frist wäre es bzw. besser: wären die Nutzungsrechte für einen Euro an die Stadt Leipzig zurückgefallen. Die Umbaukosten betrugen insgesamt 116 Millionen, von denen Kölmel 44, der Bund 51 und die Stadt Leipzig 21 Millionen übernommen hatte. Wenn Kölmel nun das Nutzungsrecht für rund 70 Millionen an RB verkauft, macht er mit ca. 26 Millionen minus offenbar Defizite für den Betrieb bis 2009 plus wahrscheinlich Gewinne seit 2009 keinen schlechten Schnitt.


    Mit der Stadt Leipzig hatte Kölmel einen Betreiberzuschuss von 1,2 Millionen Euro jährlich bei einer Laufzeit von 20 Jahren vereinbart. RB hatte zuletzt laut der Mitteldeutschen Zeitung etwa 1,8 Millionen Euro pro Jahr Stadionmiete bezahlt und weitere 1,1 Millionen per annum für die Namensrechte (http://www.mz-web.de/25057552 ). Aber wie wird Kölmel so schön zitiert: "Es wäre blöd, wenn man aus so einem Projekt ohne Gewinn herausgehen würde." Von dem Geld sieht die Stadtkasse natürlich gar nix.


    2005 hatte Kölmel das Stadion - bzw. die Nutzungsrechte ;-) - noch für ca. 30 bis 35 Millionen Euro an Gerald Wagener (Deutsche Sportlotterie, Lebensmittelkonzern Schneekoppe, ...) verkaufen wollen, aber der Deal platzte.


    RP online, 28. September 2000
    Stadt Leipzig unterstützt Projekt mit 60 Millionen Mark
    Kölmel finanziert WM-Stadion und rettet VfB Leipzig
    http://www.rp-online.de/sport/…vfb-leipzig-aid-1.1675866


    DER SPIEGEL, 25.04.2005
    Verkauf gescheitert. Kölmel bleibt auf Zentralstadion sitzen
    http://www.spiegel.de/sport/fu…dion-sitzen-a-353277.html


    PS: Dass Kölmel quasi nur Besitzer, aber nicht Eigentümer ist, dachte ich zumindest bislang und deutete auch den Namen der Stadionbesitzgesellschaft ZSL entsprechend. Offenbar ist die juristische Konstruktion aber doch anders. Laut Recherchen der Mitteldeutschen Zeitung gibt es im Stadionvertrag zwischen Kölmel und der Stadt einen geheimen Zusatzvertrag. Demzufolge fällt das Stadion nach Ablauf einer Frist – wohl 2040 – für einen symbolischen Euro zurück an die Stadt, wenn die ein sogenanntes „Wiederverkaufsverlangen” einreicht – also eine Rückübertragungs-Option.


    Wenn nun aber SPD-Fraktionschef Christopher Zenker in einem LVZ-Miniinterview sagt, es sei „nur selbstverständlich, dass über die Heimfall-Klausel neu verhandelt wird, wenn RB im großen Stil ins Stadion investiert“, und sei möglich, das Stadion „ganz in private Hände zu legen“, dann ist das Stadion im Moment eben "nicht ganz" in privaten Händen.


    MZ, 11.11.16
    Verein, Betreiber, Stadt und Fans
    Leipzig pokert um das Bullen-Stadion
    http://www.mz-web.de/25057552


    Zumindest soweit sie bekannt sind, dürfte die vertraglichen Verhältnisse hier genauer beschrieben sein:


    Holger Jakob: Die staatliche Finanzierung und Förderung von Fußballstadien am Maßstab des EG-Beihilfenrechts. Die EG-beihilfenrechtlichen Probleme kommerzieller Sportstätten. Heidelberger Schriften zum Wirtschaftsrecht und Europarecht, Band 55. 2010. ISBN 978-3-8329-4217-5
    Im Teil C "Die Geschäftsmodelle der WM-Stadien" des 1. Kapitels "Fußballstadien in der Bundesrepublik Deutschland am Beispiel der Stadionprojekte für die WM 2006" (Seite 61–120) werden unter anderem auch Eigentum, Besitz und Betrieb, Umbaukosten und Finanzierung sowie Nutzung des Zentralstadions in Leipzig beschrieben. So kurz vor Weihnachten lese ich dann aber doch lieber schönere Geschichten ;).



    Die Stadtkasse profitiert lediglich indirekt durch die Zuschauer_innen und deren Ausgaben bzw. die direkt oder indirekt fließenden Steuern und Abgaben. Der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Henning Zülch vom Lehrstuhl für Rechnungswesen, Wirtschaftsprüfung und Controlling der HHL Leipzig Graduate School of Management hat errechnet, dass nach Abzug von Zusatzkosten am Ende der Saison voraussichtlich 6,62 Millionen Euro in der gesamten Stadt - nicht in Stadtkasse! - landen. Dabei nahm er den Durchschnitt von 41.000 Zuschauer_innen pro Spiel über die gesamte Saison und nahm an, dass die Besucher_innen 30 Euro außerhalb des Stadions ausgeben. Das würde dann etwa 1,23 Millionen pro Spiel ergeben. Es könne inzwischen angenommen werden, "dass circa 6,73 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen außerhalb des Stadions in der Saison 2016/2017 generiert werden können." In der Summe aller 17 Heimspiele abzüglich der Kosten für zusätzliche Transportmöglichkeiten und Sicherheitskonzepte blieben 9,50 Euro pro Besucher_in. Bei 697.000 Zuschauer_innen ergeben sich für die Stadt besagte 6,62 Millionen Euro. Hinzu kämen indirekte Werbeeffekte, die mit 2,2 Millionen Euro angegeben werden, und zusätzliche Übernachtungszahlen. Solchen Zahlenspielereien kann man nun glauben oder nicht.


    Der Titel sagt was anderes als der Artikel, aber so ist das manchmal nicht nur beim


    MDR, 23. Dezember 2016
    Hohe Einnahmen
    Durch RB Leipzig fließen mindestens 6,6 Millionen Euro in die Stadtkasse
    http://www.mdr.de/nachrichten/…en-in-stadtkasse-100.html


    RBlive.de, 25.10.2016
    Über 2 Millionen pro Spieltag! Jeder Fan gibt 50 Euro pro RB-Spiel aus
    https://rblive.de/2016/10/25/r…auer-geld-euro/#more-3547

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