Spandauer Vorstadt (Mitte) | Kleinere Projekte

  • Rosenthaler Str. 43-46

    Gerade lese ich mit Schrecken in der Berliner Woche, dass möglicherweise das erst 18 Jahre alte Seniorenheim (233 Plätze für Pflege und betreutes Wohnen) am Hackeschen Markt abgerissen und durch "Luxuslofts" ersetzt werden soll.


    Die Immobilie ist wohl verkauft worden und der neue (unbekannte) Eigentümer hat das Architekturbüro nps tchoban voss mit ersten Planungen beauftragt. Es sollen Geschäfte (die in dieser Gegend bis zu 100 Euro Quadratmetermiete bezahlen) Büros und Wohnungen gebaut werden.


    Der Bezirk hat anscheinend keine Einwände. Ich dagegen finde das traurig:nono:

  • ^ Und warum findest Du das traurig? Architektonisch? Oder ist Dir die Nutzzeit des bestehenden Gebäudes von nur 18 Jahren zu kurz? Oder die Nutzungsänderung? Das Streben nach Profitmaiximierung? ...?

  • Kleine Nachfrage: Hast Du Dir das Foto in dem Artikel der Berliner Woche mit der unterirdischen Fassade auch angeschaut?


    Das Gebäude wurde bereits bei seiner Erbauung wegen seiner schrecklich plumpen Fassade vis-à-vis den Hackeschen Höfen schon heftig kritisiert. Insofern freue ich mich auf Neues (hoffentlich Besseres). Trotz des ausführenden Architekten Tchoban, der m. E. doch eher für das Mittelmaß steht, bin ich halbwegs zuversichtlich, dass mir das neue Gebäude besser gefallen wird als der Status Quo.

  • 1. Ich finde es gut, dass ein Altenheim mitten in der Stadt ist. Es ist eine quirlige Ecke mit einem Edeka unten drin und einem Rossmann. Eine ganz normale Nutzung ohne Leerstand und ohne Luxuslabels.
    2. Das Foto in der Berliner Woche ist auch nicht "objektiv". Schaut euch mal Streetview an oder geht da mal vorbei. Die Fassade sieht auch nicht "schlimmer" aus als andere. Was erwartet Ihr denn an dieser Stelle? Und glaubt Ihr, dass ihr das durch einen rediteoptimierten Neubau bekommt?
    3. Ja, ich finde es schrecklich, dass man überhaupt daran denkt ein Gebäude nach nur 18 Jahren wieder abzureissen. Das ist auch total unökoligisch.
    4. Und der Hauptgrund: Es sind ja nicht Baumängel sondern alleine der Wunsch nach Profitmaximierung.


    Also: Wenn ich es mir genau überlege, bin ich nicht traurig sondern wütend!:mad:

  • ^Ohne hier eine weitere Gentrifizierungsdebatte eröffnen zu wollen (die gibt es woanders) kann ich dem voll zustimmen. Das ist eine Häuserzeile die noch für normale Menschen da ist. Sie ist nicht schön aber es gibt hässlicheres. Ein Gebäude nach so relativ kurzer Nutzungsdauer abzureissen (so es keine Bauschäden hat) ist nicht ressourcenschonend. Bald wohnen in der Gegend nur noch Millionäre und laufen nur noch Touristen rum.:mad:

  • Ja, das ist tatsächlich eine unsinnige Ressourcenverschwendung. Es gibt genug Bauplätze in Berlin, wo man gerne Luxuslofts hinstellen kann auch ganz nahe dran. Städtebaulich ist die Situation absolut ok, das Gebäude ist nicht alt und die Nutzung ist sehr dicht.


    Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass so ein Quatsch sich wirklich lohnt - klingt pervers. Da soll man lieber ein paar Platten abreißen oder Brachen bebauen. Wohnungen werden gut geschützt (eventuell zu gut) aber so eine gewerbliche Nutzung nicht.

  • Ich möchte zumindest daran erinnern, dass just dieses Gebäude mit seiner architektonischen Ärmlichkeit inmitten postmodern geprägter Umgebung zur Zeit seiner Entstehung gehörig ausgebuht wurde ("ist ja gar keine Architektur" - "abreißen!"). Man darf den Gedanken ventilieren, ob nicht die Architekten selbst mit ihrem bequemen Verzicht auf Gestaltungsmittel den frühzeitigen Abrisserwägungen Vorschub geleistet haben.

  • Tja, die Zeiten wandeln sich, und mit ihnen wandelt sich mitunter auch die Beurteilung einer Bebauung. Auch ich war über die Bebauung damals sehr enttäuscht (ebenso über jene etwas weiter westlich an der Neuen Promenade) und freute mich ein paar Jahre später über den eleganten Lückenschluss von Grüntuch Ernst um die Ecke, direkt neben den Höfen. Mittlerweile, angesichts der Degenerierung dieses einst interessanten Viertels zur bloßen Marken-, Touristen- und Wichtigtuermeile im Laufe der letzten 15 Jahre (ich weiß, wovon ich spreche, ich bin da täglich, meine Kinder gehen bzw. gingen da zur Schule und verbrachten bzw. verbringen einen guten Teil ihrer Freizeit dort), betrachte ich diesen architektonisch banalen Bau mit seiner ganz alltäglichen Nutzung als Wohltat, die ich vermissen werde. Vom ökologischen Argument ganz zu schweigen.

  • Vielleicht ist das ein Rettungsweg oder der Zugang zu Schulhof.


    Viel interessanter ist, dass das Projekt gar nicht sooo klein ist, wie Bato geschrieben hat. Das komplette Gebäude, also auch der bestehende Plattenbau, wird um 2 Vollgeschosse aufgestockt.

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    Man will bestimmt die Baumreihe an der Brandwand erhalten. Nicht die schlechteste Idee in einer Straße die gerade in diesem Abschnitt kein Grün zu bieten hat. Ja und ganz so klein ist es natürlich auch nicht ;)

  • ^ Wenn man das als Argumentation nimmt, dann dürfte der Blockrand nie geschlossen werden weil meistens Bäume in den Baulücken stehen und in den Altbau-Gebieten nie viel grün ist.
    Ich finde die Lösung hier sehr schlecht.
    Man eröffnet hier eine zweite Quasi-Brandwand statt die andere Brandwand verschwinden zu lassen. :Nieder:

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    Die verbleibende Lücke ist minimal (ca. 6m) und dürfte für den recht geschlossen wirkenden Gesamteindruck der Linienstraße nicht abträglich sein. Und eine Brandwand ist auch jetzt schon vorhanden. Durch die Erweiterung und einhergehende Verengung der Lücke rückt diese nun vielmehr aus dem Sichtfeld. Grundsätzlich bin ich auch eher für vollständige Blockrandschließung. Hier in der nahezu lückenlosen Spandauer Vorstadt mit überwiegend niedriger viergeschossiger Bebauung finde ich das weniger schlimm.

  • Die vermeintliche Baulücke steht tatsächlich im Plural: Hier fehlen die Gebäude Linienstraße 123 und 122. Der Erweiterungsbau der Schule Linienstraße 125/124 füllt nur die Hausnummer 123. Ich habe keinen Einblick ins Grundbuch, aber möglicherweise ist die Parzelle 122 gar nicht im Besitz der Schule und kann mithin auch nicht von ihr überbaut werden, was die Dimension des Anbaus erklärte. Die Ausbildung von Fenstern in der eigentlich erforderlichen neuen Brandwand zur Linienstraße 122 erlaubt den Rückschluss, dass diese Parzelle vielleicht auch rechtlich gar nicht mehr zur Bebauung vorgesehen sondern als öffentliche Grünfläche ausgewiesen ist. Das wäre natürlich schlimm, aber nicht unbedingt der Metropolitan School und ihren Architekten anzulasten.

  • Die Adresse der BMS lautet Linienstraße 122. Es gibt außerdem eine ältere Studie eines anderen Architektenbüros die eine Überbauung mit Durchgang vorsah. Ergo würde ich annehmen, dass die Lücke 122/123 zur BMS gehört und man sich bewusst dazu entschlossen hat diese nicht vollständig zu überbauen. Ich kann mich aber natürlich auch irren. Dazu müsste man wohl ins Grundbuch schauen ;)

  • Ein kleines Projekt für zwischendurch. Die Berlin Metropolitan School will in der Linienstraße an- und ausbauen. Im März sollen die Pläne vorgestellt werden. Eine Skizze gibt es aber jetzt schon:


    Et voilà:


    Gesamtübersicht mit den Erweiterungen:




    Ansicht Linienstraße:



    Hofansicht Richtung Linienstraße:



    Hofansicht zur anderen Seite:



    Auditorium 4. OG



    (C) Sauerbruch Hutton


    Die Bauarbeiten sollen im Frühjahr beginnen und Ende 2017 abgeschlossen sein.


    Ich find's gut, dass die Plattenbauten - mal abgesehen von der überdimensionierten Dacherweiterung - ohne großartige Veränderung mit ins Konzept integriert werden. Diese Art Platte gehört m.M.n. zu den gelungeren.