Wärmedämmung contra bauzeitlicher Zustand

  • Ich will mich da nicht im Detail reinhängen; aber mir fiel beim Artikel und auch den darin zitierten Wissenschaftlern auf, dass es immer um "Speicherung der Wärme der Sonnenstrahlen" usw. geht. Ich bin nun wahrlich kein Spezialist; aber gilt so was nicht nur bei mehr oder weniger direkter Sonneneinstrahlung? Was ist also z.B. mit Wänden, die nach Norden ausgerichtet sind? Was ist mit Wänden, die praktisch durch nahestehende Häuser "abgeschattet" sind? Was ist im Winter bei starker Bewölkung?
    Ich stehe den Dämmungen ja auch eher skeptisch gegenüber; andererseits muss man wohl auch akzeptieren, dass in bestimmten Bauphasen nicht besonders energieeffizient gebaut wurde. Vor ein paar Jahren hatte ich mal ein Buch zur Sanierungstechnik bei Altbauten ausgeliehen; dort war allerdings "Altbau" als "ca. 1950 bis 1970" definiert (was mir erst beim Lesen auffiel). Die dort beschriebenen typischen Probleme (z.B. auch bei Innenwänden) würde es beim gewöhnlichen "Gründerzeitler" gar nicht geben.
    Und ich hatte auch mal in einem unsanierten Erlweinbau gewohnt. Im Winter merkte man förmlich, dass man die Umwelt heizte. Einfachfenster; und die Wände blieben immer saukalt. Innerhalb der Zimmer war das Temperaturgefälle zwischen Innen- und Außenwänden sehr stark wahrnehmbar.
    Leider waren ja im Artikel die Studien nicht verlinkt; aber bestimmte Formulierungen deuten für mich darauf hin, dass die Ergebnisse vielleicht doch nicht ganz so eindeutig sind und es (wie eigentlich immer) auf die konkrete Situation ankommt.

  • ^^ Ich falle auf niemanden herein, ich vertraue einfach auf meine Physikkenntnisse und meine Erfahrung in gedämmten und ungedämmten Gebäuden gelebt zu haben.


    Du scheinst meinen Post allerdings überhaupt nicht begriffen zu haben, auch wenn du nicht nochmal das Schimmelthema angesprochen hast. Natürlich ist der Wärmespeicher zu jeder Jahreszeit relevant. Eine warme Wand, ob von innen oder außen aufgeheizt, wärmt dich auch noch wenn du die Fenster offen stehen hast. Und das nicht, indem sie die Raumluft erwärmt, sondern durch Strahlung. Der gesündesten Art Wärme aufzunehmen. Für dich scheint Dämmung allerdings irgendwie die Hauptsätze der Thermodynamik widerlegen zu können. In einem gedämmten Haus (am besten noch mit Innendämmung) ist die Raumluft der einzige Wärmespeicher. Tauscht du diese Raumluft aus, ist dein Wärmespeicher weg und deine Dämmwirkung hinfällig. Dann ist es vollkommen egal wieviel Wärme du durch Wände verlierst, dann darfst du deine Raumluft neu aufwärmen. Speicherst du Wärme in einem gedämmten Haus, heißt das du speicherst warme (und feuchte) Luft, mehr macht Dämmung nicht.
    Und wie genau soll eigentlich Dämmung das Problem eines undichten Fensters eines Altbaus lösen? Ich würde das anders lösen.
    Wenn man schon Energie sparen will, sollte man sich lieber fragen, ob man wirklich 24h am Tag 25°C im gesamten Haus braucht, oder ob es vielleicht doch reicht wenn man abends das Wohnzimmer warm hat. Und dass Deutschland seit der Dämmepidemie tatsächlich Heizkosten spart, würde ich gerne durch Zahlen belegt wissen. Da dürften die sehr milden Winter der letzten Jahre einen deutlich höheren Einfluss gehabt haben.

  • Deine Physikkenntnisse scheinen aber mangelhaft zu sein. Du hast richtig erkannt, dass eine warme Wand behaglich und angenehm ist. Nicht erkannt hast du leider, dass die Wänd in einem gedämmten Haus im Winter wärmer sind.


    In einem gedämmten Haus sind Wände, Decken, usw. Wärmespeicher. Besser als in einem ungedämmten Haus. Luft ist niemals Wärmespeicher, belies dich bitte hierzu über spezifische Wärmekapazitäten.


    Dämmen und Lüften sind zwei Paar Schuhe. Beim Dämmen geht es um die Begrenzung der Transmissionswärmeverlustes.


    Undichte Fenster löst man am Besten durch einen Fenstertausch, normgerechten Einbau und ein begleitendes Lüftungskonzept.


    Ob du Energie sparen willst oder nicht und wie du es machen willst, ist mir eigentlich ziemlich egal. Mir geht es nur darum deine Konrad-Fischer-Propaganda richtig zu stellen.


    Dein größter Denkfehler ist vermutlich, dass du denkst Luft speichert Energie. Dem ist nicht so. In keinem relevanten Maß im Gegensatz zu Decken, Estrich, Innenputz und Wänden. Auch sind die Außenmauern in einem gedämmten Haus wärmer als in einem ungedämmten Haus und geben damit mehr von deiner geliebten Strahlungswärme ab.


    Edit: Noch ein kleines Schmankerl zum Schluss:
    http://www.ibp.fraunhofer.de/d…ektiver-waermeschutz.html


    Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass die vielfach aufgestellten Behauptungen und gezogenen Schlussfolgerungen unhaltbar sind. In den in der vorliegenden Einlassung zitierten Publikationen, die von der Öffentlichkeit eingesehen werden können, erfolgte bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten eine Richtigstellung. Es ist deshalb verwunderlich, dass derartige Falschaussagen jetzt abermals publiziert worden sind.

  • Deine Physikkenntnisse scheinen aber mangelhaft zu sein.


    Dann hab ich mindestens einen Abschluss zu viel. Ich werde mich umorientieren, in welchem Studium lernt man das Nachschlagen in einem Tafelwerk?

    Du hast richtig erkannt, dass eine warme Wand behaglich und angenehm ist. Nicht erkannt hast du leider, dass die Wänd in einem gedämmten Haus im Winter wärmer sind. In einem gedämmten Haus sind Wände, Decken, usw. Wärmespeicher. Besser als in einem ungedämmten Haus.


    Kommt auf Ihre Wände an, sind Sie nämlich auf eine Innendämmung hereingefallen stimmt das schon nicht mehr. Und Ihre Böden und Decken mögen Wärme speichern können, aber beheizen Sie diese auch?


    Luft ist niemals Wärmespeicher, belies dich bitte hierzu über spezifische Wärmekapazitäten.


    Habe herzhaft gelacht. Erzählen Sie das mal einem Meteorologen. Demnach wird es in Ihrem Zimmer nicht Kälter, wenn sie Nachts ihr Fenster öffnen. Interessant.



    Dämmen und Lüften sind zwei Paar Schuhe. Beim Dämmen geht es um die Begrenzung der Transmissionswärmeverlustes.


    Wie ich bereits erklärt habe. Und der Transmissionswärmeverlust ist in der Realität nahezu unwichtig. Nicht vollkommen unwichtig, aber unwichtig genug, dass es keinen Unterschied macht ob meine Außendämmung 5, 10 oder 50 cm dick ist.



    Ob du Energie sparen willst oder nicht und wie du es machen willst, ist mir eigentlich ziemlich egal. Mir geht es nur darum deine Konrad-Fischer-Propaganda richtig zu stellen.


    Den Part muss ich dann wohl verpasst haben, oder kommt der noch?



    Dein größter Denkfehler ist vermutlich, dass du denkst Luft speichert Energie. Dem ist nicht so.


    Und auch das bitte dem Meteorologen erzählen, da geht ihm sicher das Herz auf. Denken Sie mal ganz scharf nach wie unsere Realität aussehen würde, wenn Luft kein Wärme- und Energiespeicher wäre. Vielleicht sollten Sie sich auch mal schlau machen wie viel absolute Feuchtigkeit Luft bei Raumtemperatur halten kann. Schonmal den Begriff Latente Wärme gehört?



    In keinem relevanten Maß im Gegensatz zu Decken, Estrich, Innenputz und Wänden.


    Irrelevant wenn sie Decken, Estrich und Innenputz nicht beheizen. Wenn Sie lüften wird es dennoch kalt. Gehen Sie mal an Ihren Heizkörper, wenn sie einen haben, und halten Ihre Hand mal direkt vor und über den Heizkörper. Drüber ist es trotz fehlender Strahlungsfläche trotzdem wärmer, oder? Merkwürdig, an der Luft kann es ja nicht liegen, die speichert bekanntlich keine Wärme.


    Auch sind die Außenmauern in einem gedämmten Haus wärmer als in einem ungedämmten Haus und geben damit mehr von deiner geliebten Strahlungswärme ab.


    Ja, nach außen. Wobei Reflektieren das bessere Wort wäre. Dämmung ist in diesem Sinne nämlich ein Spiegel und kein Schwarzer Körper. Entsprechend wird auch keine Wärme absorbiert. Das ist ja der Witz an Dämmung.


    Edit: Noch ein kleines Schmankerl zum Schluss:
    http://www.ibp.fraunhofer.de/d…ektiver-waermeschutz.html


    Hätten Sie mal ganz lesen sollen, dann wäre Ihnen aufgefallen, dass diese Stellungnahme an meiner Argumentation nichts widerlegt. Tatsache, Dämmung verhindert Transmissionswärmeverlust. Deswegen retten Sie mit Ihrem gedämmten Neubau trotzdem nicht das Klima.

  • Kommt auf Ihre Wände an, sind Sie nämlich auf eine Innendämmung hereingefallen stimmt das schon nicht mehr. Und Ihre Böden und Decken mögen Wärme speichern können, aber beheizen Sie diese auch?


    Innendämmung würde ich nicht empfehlen. Selbstverständlich wird alles in der thermischen Hülle beheizt. Auch die außenseitig gedämmten Außenwände, aber auch Betondecken, Estrich, Innenputz, Möbel, usw.


    Habe herzhaft gelacht. Erzählen Sie das mal einem Meteorologen. Demnach wird es in Ihrem Zimmer nicht Kälter, wenn sie Nachts ihr Fenster öffnen. Interessant.


    Ein dauerhaft geöffnetes Fenster tauscht pro Stunde die Luft 10 bis 40 mal. Pro Nacht also rund 200x. Wenn man 200x ein ganz klein wenig Energie verliert, kommt dann natürlich schon etwas zusammen.



    Wie ich bereits erklärt habe. Und der Transmissionswärmeverlust ist in der Realität nahezu unwichtig. Nicht vollkommen unwichtig, aber unwichtig genug, dass es keinen Unterschied macht ob meine Außendämmung 5, 10 oder 50 cm dick ist.


    In einem Neubau ist der Transmissionswärmeverlust tatsächlich sehr gering.


    Irrelevant wenn sie Decken, Estrich und Innenputz nicht beheizen. Wenn Sie lüften wird es dennoch kalt.


    Wie gesagt, es wird alles in der thermsichen Hülle beheizt. Jetzt nur mal als Beispiel, wo die Energie steckt. In einer 100qm Wohnung mit 2,60m Deckenhöhe gibt es 260 m3 Luft. Luft hat eine Wärmekapazität von 0,34 Wh je m3 und je K. Macht also für den gesamten Luftinhalt der Wohnung eine Wärmekapazität von 0,0884 kWh / (m3xK).
    Eine Betonzwischendecke mit 100qm und 20cm hat eine Rohdichte von 2400kg je m3. Es sind also in der Decke 48 Tonnen verbaut. Beton hat eine Wärmekapazität von 0.28 Wh je Tonne. Macht also 13,44 kWh / (m3xK). Alleine in der einen Betonzwischendecke ist also 152x so viel Energie gespeichert wie in der gesamten Luft der gesamten Wohnung. Wenn man das auf ein gesamtes Haus rechnet, dann macht Luft nichtmal 1/1000 des Wärmespeichers des Gebäudes aus. Praktisch irrelevant.


    Ja, nach außen. Wobei Reflektieren das bessere Wort wäre. Dämmung ist in diesem Sinne nämlich ein Spiegel und kein Schwarzer Körper. Entsprechend wird auch keine Wärme absorbiert. Das ist ja der Witz an Dämmung.


    Die Innenseite der außenseitig gedämmten Außenwand hat eine höhere Temperatur als die Innenseite der nicht gedämmten Außenwand und strahlt mehr Wärme nach innen ab. Das ist ja der Witz an der Dämmung. Deswegen ist ein gedämmtes Haus behaglicher.


    Hätten Sie mal ganz lesen sollen, dann wäre Ihnen aufgefallen, dass diese Stellungnahme an meiner Argumentation nichts widerlegt. Tatsache, Dämmung verhindert Transmissionswärmeverlust.


    Die Stellungnahme entkräftet erst mal den ganzen unsinnigen Welt-Artikel. Dieser bezieht sich auf das Frauenhofer, Fraunhofer sagt das ist Schmarrn, also ist der Artikel eigentlich fertig zum gelöscht werden...
    Aber Argumentation? Es gibt bisher keine Argumentation. Es gibt ein Durcheinandergewürfel von Begriffen die falsch verstanden werden und falsch angewandt werden. Es gibt nicht beheizte Decken zwischen den Geschossen, welche daher die Außentemperatur Minus 10 Grad annehmen. Ebenso wie alle Möbel, aller Estrich, aller Innenputz in deiner kleine Phantasiewelt unbeheizt und damit Minus 10 Grad Außentemperatur annehmen. Die 19-20 Grad warmen Innenseiten der Außenwände eines gedämmten Gebäudes strahlen weniger Wärme ab als die 12-16 Grad "warmen" Innenseiten der Außenwände eines ungedämmten Gebäudes. Alles sehr logisch in der Verkehrt-Herum-Welt. Die meisten bisherigen Kontra-Dämmungs-Argumente sind tatsächlich Pro-Dämmungs-Argumente, weil die Physik genau anders herum funktioniert. Sehr komisch.

  • Alleine in der einen Betonzwischendecke ist also 152x so viel Energie gespeichert wie in der gesamten Luft der gesamten Wohnung. Wenn man das auf ein gesamtes Haus rechnet, dann macht Luft nichtmal 1/1000 des Wärmespeichers des Gebäudes aus. Praktisch irrelevant.


    Aber das ist doch ein reichlich theoretisches Szenario, und hat in der Praxis wiederum keinerlei Auswirkung. Denn dann wären ja insbesondere im Neubau die beliebten Fußbodenheizungen völlig wirkungs- bzw. sinnlos.


    In der Praxis sieht es doch so aus, dass die gepriesene Betondecke nach unten oft abgehangen ist, sodass wir ein wunderbar dämmendes Luftpolster zwischen der Betondecke und der Gipskartondecke des Raumes haben. Die "Heizwirkung" dieser Betondecke nach unten ist daher quasi ausgeschaltet.
    Und nach oben gesehen liegt auf dem Beton nochmal Estrich (sehr gut), aber darauf dann eine Trittschalldämmung - Mist, die dämmt, da meist aus Styropor gemacht, leider auch Wärme - und darauf dann oft Laminat. Jeder, der einmal mit Laminat und mit Parkett gewohnt hat, kennt den Unterschied. V.a. den subjektiv empfundenen im Winter, wenn sich selbst bei 22 Grad Raumtemperatur die Füße auf dem Laminatboden kalt anfühlen.


    Also der Mär von der wärmespeichernden Betondecke, die eine Hauptlast der Wärmespeicherung im Gebäude übernimmt, kann ich nicht glauben, weil die praktischen Gegebenheiten dies unmöglich machen. Mag sein das Tabellenwerte und Berechnungen in idealisierten Systemen diesen Schluss erlauben, ich habe aber noch nie gehört, dass sich jemand nach dem Lüften auf den Fußboden legt, weil der noch so schön warm ist.


    Das Grundproblem im Dämmen ist, dass man hier versucht ein Produkt zu vermarkten, das nur in physikalisch vereinfachten Szenarien theoretische Vorteile mitbringt, der gesunde Menschenverstand einem aber oft besseres lehrt. Zudem wird auch von den Vermarktern immer wieder angemerkt "eine Dämmung - fachgerecht verbaut", dass das System nur dann eine Chance hat zu funktionieren, wenn die Bedingungen ideal sind. Wenn auch nur ein kleiner Fehler im verbauten System steckt, geht die Kiste nach hinten los, und man hat keine Heizkostenersparnis, Schimmel oder anderen Ärger. Die Untersuchungen, die dies belegen, hat man sich schließlich nicht ausgedacht, sondern es treffen lediglich Dämmtheorie und bauphysikalische Wirklichkeit aufeinander.

  • Nothor, es gibt keine Untersuchungen die Konrad Fischer oder deine seltsamen Ansichten belegen.
    Und die Speicherfähigkeit der Betondecke kann man in der PRaxis sehr gut erleben, z.B. dadurch dass sich ein Raum nach dem Stosslüften sehr schnell wieder aufwärmt.
    Fussbodenheizung arbeitet primär mit Wärmestrahlung, aber auch wenn man nur den konvektiven Anteil nimmt ist die Wärmelapazität der Luft abei recht Wurst wenn der Leistungsfluss stimmt.

  • Vielleicht bin ich a weng blöd, aber wenn sich die Betondecke ratz fatz wieder aufwärmt, ist das doch kein Beleg für Speicherfähigkeit, eher im Gegenteil. Ich hab von meinem Vater stets eingetrichtert bekommen, dass Beton Wärmebrücken bildet, also Wärme nicht speichert, sondern leitet. Deshalb müssen doch auch gegossene Fensterstürze oder Ringanker extra nochmal gedämmt werden.

  • Die Wärmespeicherzahl "S" von Stahlbeton ist ziehmlich hoch (diese Zahl gibt an, welche Wärmemenge in KJ erforderlich ist, um einen Kubikmeter eines Stoffes um ein Grad zu erwärmen):


    Wasser: 4180
    Stahlbeton: 2400
    Kalksandstein: 1580
    Kork: 160
    Glaswolle: 84


    Also, Beton kann sehr viel Energie speichern. Gleichzeitig ist die "Wärmeleitzahl" aber ebenfalls hoch, d.h. Beton ist, wie von Dir angemekt, ein schlechter Isolator und bildet Wärmebrücken.

  • Eine warme Wand, ob von innen oder außen aufgeheizt, wärmt dich auch noch wenn du die Fenster offen stehen hast. [...] In einem gedämmten Haus (am besten noch mit Innendämmung) ist die Raumluft der einzige Wärmespeicher. Tauscht du diese Raumluft aus, ist dein Wärmespeicher weg und deine Dämmwirkung hinfällig.


    Das finde ich unlogisch. Denn durch Sonneneinstrahlung durch die Fenster (deswegen verbaut man in Passivhäusern ja auch gerne riesige Fenster nach Süden hin) heizen sich die Räume, Fußböden, Innenwände natürlich auf. Und die speichern Wärme. Bei manchen passiven Holzhäusern werden deswegen dicke Bodenplatten aus Beton verbaut, weil sie viel Wärme speichern können.
    Weil ich es weiter oben gelesen habe: Auch Wände nach Norden hin werden dadurch natürlich indirekt aufgeheizt. Wichtig ist bei einem gedämmten Haus nur, dass genug Sonneneinstrahlung ins Haus hinein kommt.
    (Das würde natürlich weniger gut funktionieren, wenn man Wände und Decken von beiden Seiten isoliert, aber wer bei gesundem Verstand macht das schon???)


    In einem gedämmten Haus bleiben die Wände nur WESENTLICH länger warm, als in einem ungedämmten. Darin liegt der Vorteil.

  • Denken Sie mal ganz scharf nach wie unsere Realität aussehen würde, wenn Luft kein Wärme- und Energiespeicher wäre. Vielleicht sollten Sie sich auch mal schlau machen wie viel absolute Feuchtigkeit Luft bei Raumtemperatur halten kann. Schonmal den Begriff Latente Wärme gehört?


    Das stimmt schon, dass Luft Wärme speichern kann (deswegen muss man aber nicht gleich unfreundlich werden). Dennoch werden hier Äpfel mit Birnen verglichen. Man sollte nämlich die spezifische Wärmekapazität (Wh/kgK) der Materialien mal vergleichen, die abhängig von der Masse ist:


    Vollziegel: 0,26
    Beton: 0,31
    Holz: 0,65
    Gipskartonplatten: 0,29
    Steinwolle, Glaswolle: 0,25
    Stahl: 0,14
    Luft: 0,28


    Wie gesagt, bezogen auf die Masse!!! Demnach speichert ein Kubikmeter Luft nur einen Bruchteil der Wärme, die z.B. ein Kubikmeter Beton oder Ziegel speichern kann. Gerne dürft ihr auch hier nachlesen:
    http://www.wissenwiki.de/W%C3%A4rmespeicherf%C3%A4higkeit


  • Und die Speicherfähigkeit der Betondecke kann man in der PRaxis sehr gut erleben, z.B. dadurch dass sich ein Raum nach dem Stosslüften sehr schnell wieder aufwärmt.


    Hier würde mich aber mal interessieren wie sich die in der Praxis gemessene Wiederaufwärmung eines stoßgelüfteten Raumes auf die Beiträge der jeweiligen Raumbestandteile verteilt. Denn viel mehr als die Zimmerdecke dürften doch wohl die vergleichsweise nackten Wände beitragen. Diese sind nicht nur weniger stark von der Raumluft isoliert (gedämmt), sondern auch noch massereicher da dicker als die Decken und von größerer effektiver Oberfläche. Um aber diesen bis hierher theoretischen Prozess zu einem praktischen Vorteil zu machen, den man letztlich als Kostenersparnis wiederfinden will, dürfte man die Heizung nicht direkt wieder anschalten. Praktisch wird das aber getan, also ist dieser Zusammenhang in der Praxis nicht so relevant wie in den Berechnungen.

  • Die Rechenmodelle sind nur dahingehend beschränkt, dass sie eben gleiches Nutzerverhalten unterstellen. Sie gehen davon aus, dass man in seinem Wohnzimmer immer 21 Grad haben möchte und nicht Montag morgen auch mal 16 Grad (Hallo Schimmel)


    Niedrige Raumtemperatur = Schimmel? Ganz so einfach ist es wohl eher nicht ...


    Dein Satz zu den Rechenmodellen trifft aber den Kern des Problems. Programme zur Wärmedämmung sind ja kein Selbstzweck, sondern sollen helfen, CO2-Emissionen zu senken.


    Wenn ungedämmte Altbauten in der Praxis wegen "bedarfsorientierten Heizungsverhaltens" und einer evtl. zu geringen kalkulatorischen Berücksichtigung von Strahlungsgewinnen im Mittel deutlich weniger Energie verbrauchen als berechnet, gedämmte Neubauten z.B. wegen des an solche Gebäude nicht angepassten Lüftungsverhaltens aber mehr, dann sollte das schon ein Argument sein, sich gut zu überlegen, wie man vorgeht. Schließlich heißt das ja nichts anderes, als dass die Energieeinsparung durch Dämmprogramme systematisch überschätzt wird - möglicherweise soweit, dass ein Teil der Maßnahmen nicht mehr sinnvoll ist.


    Grundsätzlich würde ich auch nicht anderen Menschen vorschreiben wollen, welche Temperaturen sie als angenehm zu empfinden haben. Wir z.B. schlafen gerne bei kühlen bis wirklich kalten Werten. Im Schlafzimmer ist bei uns nachts fast ganzjährig (Ausnahme wenige extreme Winternächte) stets mindestens ein Fenster offen. Daher ist für uns unser historischer sanierter Altbau mit moderner Innendämmung (!) ideal, da ohne große Verluste durch Speichereffekte erhebliche Temperaturunterschiede zwischen Tag- und Nachtnutzung der Räume möglich sind. Würden wir in hingegen in einem "state of the art" Neubau leben, würde unser Lüftungsverhalten zu deutlich schlechteren Verbrauchswerten führen, als die Energiebedarfsrechnung erwarten ließe.

  • Grundsätzlich würde ich auch nicht anderen Menschen vorschreiben wollen, welche Temperaturen sie als angenehm zu empfinden haben.


    Sehe ich auch so, der Faktor Mensch wird völlig außen vor gelassen, genauso wie die Berechnungen nie alle Variablen des Objektes mit einbeziehen. Insofern taugen die vielzitierten Kennzahlen nur sehr eingeschränkt für die Betrachtung des gesamten Systems. Wie oft sieht man an gedämmten Häusern und auch an Neubauten dauerhaft gekippte Fenster? Und wieso kippen die Bewohner diese überhaupt? Wenn ich das nicht ausreichend betrachte, braucht man doch garnicht erst mit Kennzahlen operieren. Was nutzt eine Außendämmung, wenn das Fenster auf Kipp steht weil der Bewohner Raucher ist, oder feuchte Wäsche zum Trocknen im Raum steht. Oder die Haustiere Gerüche verursachen....

  • Um mal zu visualisieren was ich meine: Dieses Haus in Nürnberg wurde erst vor ca. 2 Jahren wärmegedämmt. Offensichtlich hat man aber nur eine Dämmung draufgepappt, aber vergessen die passende Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung einzubauen. Das Ergebnis ist, dass die Bewohner ihre Fenster öffnen, und praktischerweise stellt man die großen Einscheibenfenster auf kipp, da man sonst ja die Gardine zur Seite ziehen und das Fensterbrett freimachen muss. Die Vorgabe, nur Stoßzulüften indem die Fenster kurz und ganz weit geöffnet werden, erweist sich zu oft als unpraktisch. Gekippte Fenster dagegen stören nicht und bleiben eher länger auf oder werden sogar vergessen. Man kann an der von Tau überzogenen Fassade auch gut die Wärmebrücken der Verdübelung der Schaumstoffplatten sehen, und die Feuchtigkeit die sich über den gekippten Fenstern absetzt.




    Mein Fazit: Die rechnerischen Vorteile, die sich aus der Wärmedämmung allein ergeben sollten, haben in der Praxis oft kaum die Chance, sich niederzuschlagen, weil andere Merkmale dem entgegen stehen. Ich würde daher sagen dass eine Wärmedämmung und Einscheibenfenster sich eher nicht vertragen. Soll eine Wärmedämmung optimal funktionieren, muss eine Lüftungsanlage vorgesehen werden. Diese einzubauen greift aber tief in die Gebäudesubstanz ein und stört die Bewohner massiv. Was am Ende mit der Wärmedämmung erreicht wird ist dann oft enttäuschend.