Wasserhof (Oberrad)

  • Wasserhof (Oberrad)

    Ein höchst interessantes Vorhaben kündigt sich südöstlich der Gerbermühle an. Dort steht heute noch das Sockelgeschoss des früheren Herrenhauses des Wasserhofs. Das Lehngut "Strahlenberger Hof", der spätere Wasserhof, wurde im Jahr 1311 begründet. Zu dem Gehöft sollen einmal 80 Hektar Land gehört haben, ein Bestandteil war auch die Gerbermühle. Bekannt wurde der Wasserhof durch die Erwähnung ("Ich rat euch, nach dem Wasserhof zu gehn") in Goethes "Faust I".


    Die Obergeschosse des Herrenhauses und weitere Gebäude des Wasserhofs wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die steinernen Überreste bestehen aus einem länglich überwölbten Kellerraum, auch Teile einer früheren Freitreppe sind noch vorhanden. Das ganze liegt auf dem Gelände eines Geflügelzuchtvereins, vis-a-vis des 1987 stillgelegten Bahnhofs Frankfurt-Oberrad (Luftbild). Insgesamt bietet sich ein ziemlich trauriger Anblick, zumal die erhaltenen Reste des Herrenhauses gerade einmal 2,20 Meter aus dem Boden ragen. Die Überbleibsel des Wasserhofs stehen seit vergangenem Jahr unter Denkmalschutz.


    Fotos von Dezember 2009:



    Östliche Schmalseite:



    Bilder: Schmittchen

  • Auf Initiative von Norbert Scherlitz, Sprecher der Interessengemeinschaft Neue Wasserhofstraße, wurde nun ein Konzept für eine neue Nutzung entwickelt. Die Planung stammt von Architekt Jochem Jourdan, der bereits den Umbau der Gerbermühle leitete. Historisches soll mit Neuem verbunden werden, eine Kombination aus Hotel mit insgesamt rund 50 Zimmern, Restaurant, Café, Goethe-Gedenkstätte und Hofladen soll entstehen. Mit Hilfe des Konzepts sollen Investoren gewonnen werden die das Projekt umsetzen. Drei bis vier Interessenten soll es bereits geben.


    Jourdans Konzept umfasst folgende Bestandteile:


    • Eine Rekonstruktion des Herrenhauses unter Nutzung der vorhandenen Reste. Der ursprünglich tiefer gelegene Boden des Kellers soll nach unten ausgebaut und künftig als Weinkeller genutzt werden. Im Erdgeschoss des rekonstruierten Herrenhauses ist ein Veranstaltungssaal und ein Raum zum Gedenken an Goethe geplant. Im ersten Stock sollen Hotelzimmer entstehen.
    • Zur Gerbermühlstraße ist der Bau eines neuen Gebäuderiegels geplant. Im Erdgeschoss ist eine Orangerie und ein Restaurant vorgesehen, darüber weitere Hotelzimmer. Zur Gerbermühlstraße soll die Fassade aus Lärmschutzgründen begrünt werden.
    • Ein weiteres Gebäude (hier ist die Quelle ungenau) soll nach alten Zeichnungen Johann Kaspar Zehenders rekonstruiert werden. Vorgesehen ist die Nutzung als Hofladen, selbstverständlich sollen Kräuter für Grüne Soße erhältlich sein. Darüber könnten Wohnungen entstehen.
    • Neben dem Herrenhaus ist ein Neubau mit Küche, Lagerräumen und weiteren Hotelzimmern geplant.
    • Der Innenhof soll für Außengastronomie genutzt werden. Ein noch vorhandener Schacht eines ehemaligen Brunnens soll freigelegt werden.
    • Des weiteren ist ein großes Vogelhaus plus Gewächshaus geplant, auch ein Café könnte hier entstehen
    • Der Geflügelzuchtverein würde sich für das Projekt auf den östlichen Teil des Areals zurückziehen und dort Volieren aufbauen, welche Besuchern ebenfalls zugänglich sein sollen.
    • Noch geprüft wird eine Wiederherstellung des Wassergrabens der das Ensemble früher umgab.


    Quelle ist ein Artikel in der heutigen FNP. Dieser enthält auch einen Plan, leider wie gewohnt in sehr kleinem Format.

  • Großartig! Vorausgesetzt, es finden sich Investoren. Es wäre eine schöne und passende Aufwertung dieses "Goethe-Ecks". (Jetzt auch in die dafmap-Karte eingetragen.)


    Neben der Gerbermühle erinnert mich das Projekt ein wenig an das Oberforsthaus-Projekt (Architekt: H. Joos von JSK) von 2006, das leider im Sand verlief.

  • TV-Tipp

    Das hört sich in der Tat gut an, mir war gar nicht bewusst, dass es diesen Hof überhaupt gibt. Und das obwohl ich schon so oft mit Bahn und Auto daran vorbeigefahren bin. Man lernt nie aus ;)


    Aber was ich eigentlich schreiben wollte: heute um 19:30 kommt in der Hessenschau (hr) ein Bericht über den Wasserhof. Also, wen es interessiert: viel Spaß beim schauen :) Ich werd es mir auf jeden Fall angucken. Für die, die es nicht geschafft haben, werden die Beiträge der Hessenschau regelmäßig auch im Videoarchiv bereitgestellt.

  • Ein interessanter Bericht, auch Innenaufnahmen des erhaltenen Kellers gibt es zu sehen. Hier der Link zum Beitrag. Aquarell der Westseite:



    Modell:



    Bild/Modell: Prof. Jochem Jourdan


    Der Wasserhof 1772 auf der Zeichnung von Johann Kaspar Zehender - wie im Filmbericht zu sehen, hat Prof. Jourdan diese verwendet:



    Bild: Johann Kaspar Zehender (Schutzdauer beendet)


    Ein paar Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg hat der Wasserhof dann so ausgesehen.

  • Eigentümer

    Vielleicht stehe ich jetzt völlig auf dem Schlauch, aber mir fehlt noch die Verbindung der oben genannten Interessengemeinschaft zum eigentlichen Eigentümer des Geländes - dem Allgemeinen Almosenkasten, eine bald 500 Jahre (!) alte öffentliche Stiftung, die zwar formell unabhängig von der Stadt existiert, ihre Einkünfte jedoch an das Sozialamt der Stadt Frankfurt abführen muss. Sie reiht sich damit in Institutionen wie die Stiftung Waisenhaus ein. Ihr ursprünglicher Zweck war die Unterstützung Armer und Notleidender. Das ist er =1836226"]offiziell jetzt auch noch, ob dieser durch den Umweg über das Sozialamt wirkungsvoll erreicht wird, ist eine andere Sache.


    Im Magistratsbericht B769 von Dezember jedenfalls berichtet Hr. Schwarz über den aktuellen Zwischenstand der Arbeit an einem entsprechenden CDU/Grünen-Antrag folgendes:


    Zitat

    Der Allgemeine Almosenkasten – Stiftung des öffentlichen Rechts – wird als Eigentümer der Liegenschaft eine die Stiftungsinteressen berücksichtigende Entscheidung treffen. Die Ergebnisse des Ideenwettbewerbes sollen hierbei berücksichtigt werden.


    Gegebenenfalls wird die Verwertung des Grundstückes im Zuge der Bestellung eines Erbbaurechtes an einen Hotelbetreiber angestrebt. Die Belange des derzeitigen Nutzers (Kleintierzuchtverein) werden beachtet.


    Wenn ich es richtig verstehe, brachte die Interessengemeinschaft also mit ihrem Konzept den Stein ins Rollen, und der Magistrat steht nun in städtischer Mission mit der Stiftung in Kontakt, welche bestätigt hat, sich der Sache im Sinn des Konzeptes angenommen zu haben.

  • Der Liegenschaftsbesitz des Allgemeinen Almosenkastens wird nach der Verwaltungsordnung vom Liegenschaftsamt der Stadt Frankfurt verwaltet. Zwar werden die Grundstücke der Stiftung getrennt vom städtischen Grundbesitz verwaltet und genutzt. Nach Außen werden de facto aber wohl keine Unterschiede zu Grundstücken der Stadt bestehen. Ansonsten hast Du das schon richtig verstanden, soweit ich informiert bin.


    Übrigens gibt es anscheinend einen weiteren Almosenkasten niederländischen Ursprungs, zur Abgrenzung also wohl der Präfix "Allgemeiner". Als Antwerpen 1585 durch die spanische Krone erobert wurde, setzte eine große Flüchtlingswelle ein. Um ankommende und durchreisende Glaubensgenossen aus Antwerpen in Not und Bedrängnis unterstützen und versorgen zu können, gründeten die Niederländer in Frankfurt ihren eigenen "Almosenkasten". Heute werden aus dem Stiftungsvermögen beispielsweise Projekte für die Förderung und Eingliederung von Zuwandererkindern in sprachlicher und in sozialer Hinsicht ermöglicht. Mehr in =7214189"]diesem Feature des Presse- und Informationsamtes.

  • Investorenversammlung geplant

    Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) hat zugesagt, für eine im zweiten Quartal geplante Investorenveranstaltung die Schirmherrschaft zu übernehmen, berichtet die "Frankfurter Rundschau" heute.