Wohnungsbau in HH - Diskussionsthread

  • Wohnungsbau in HH - Diskussionsthread

    Im Bau befindliche oder geplante Wohnungsbauprojekte im Bezirk Wandsbek:
    - Der Bezirk sei sehr familienfreundlich geworden und biete sowohl urbane als auch grüne Lagen. Auf Konversionsflächen ist familienfreundlicher Wohnraum entstanden, z.B. auf ehem. Kasernengeländen in Rahlstedt, der ehem. Trabrennbahn in Farmsen und dem ehem. Polizeigelände in Wandsbek-Marienthal.
    - Auf der letzten großen Konversionsfläche des Bezirks, der Fläche der ehem. Lettow-Vorbeck-Kaserne, sollen Einzel-, Doppel- und Reihenhäuser sowie Geschosswohnungen gebaut werden. Mittlerweile sind 770 Wohneinheiten geplant, nach anfänglichen Planungen waren es gut 500. Diese Planungen wurden jedoch aufgrund hoher Erschließungskosten nach und nach erhöht. Das Projekt wurde mit dem International Urban Landscape Award ausgezeichnet.
    Quelle: ppp-architekten.de
    - Auf einem Teil des Geländes des Pflegeheims Holstenhof in Elfsaal in Jenfeld sollen 120 Wohnungen gebaut werden.
    - Am Hinsenfeld in Lemsahl-Mellingstedt sollen 175 Einheiten in Einfamilien-, Doppel- und Gartenhofhäusern entstehen.
    - Am Küperstieg in Tonndorf werden 80 Seniorenwohnungen und 40 Mietwohnungen gebaut. Im zweiten Bauabschnitt werden weitere 100 Reihenhäuser entstehen.
    - Für Wandsberk nimmt man verstärkt die Möglichkeiten, Wohnraum durch einzelne Neubauten, Anbauten und Aufstockungen zu schaffen ins Visier. Laut einem Gutachten sollen allein in Eilbek so 400 neue Wohneinheiten entstehen können.
    - Einzel-, Doppel- und Reihenhäuser sollen an der Dernauer Straße in Wandsbek entstehen. Aufgrund des hohen energetischen Standards können hier erhebliche Förderungen in Anspruch genommen werden.
    - In Wellingsbüttel und Poppenbüttel gibt es eine sehr hohe Nachfrage nach Eigentumswohnungen, sodass diese zwischen einem Quadratmeterpreis von 3500 und 4500 Euro liegen.
    Quelle: abendblatt.de
    - In den Bramfelder Höfen entstehen 19 Wohnungen, ebenso werden im Heidewinkel Wohnungen gebaut.
    - Am Poppenbütteler Berg entstehen 59 neue Mietwohnungen.


    Quelle: Abendblatt


    Was sagt Ihr zu den zahlreichen Projekten in den Hamburger Bezirken? Wenn das alles so umgesetzt wird, dann wird die Wohnungsnot in Hamburg wohl deutlich zurück gehen.

  • Nein, die Wohnungsnot wird wohl nicht deutlich zurückgehen, weil dafür zu wenige bezahlbare Mietwohnungen für Niedrigverdiener gebaut werden.

  • Sehe ich genauso wie du Digger!


    Ich kann einfach nicht nachvollziehen, warum es so gut wie keinen sozialen Wohnungsbau in der Stadt gibt? In Hamburg scheint allein der schnöde Mammon zu regieren. aber das ist in städten wie Frankfurt oder München genauso oder noch schlimmer in Paris, wo die arbeitende Pariser Bevölkerung ins Umland gedrängt wird. In Hamburg gibt es seit den 60er Jahren eine Wohnungsnot und was wird gebaut? Luxuswohnungen für Besserverdiener. Kein wunder, das da die autos brennen...Hamburg sollte sich mal ein Beispiel an Wien nehmen. Das Gängeviertel böte doch die Möglichkeit, da es eh der Stadt gehört, ein Schauprojekt zu werden. Wohnungen für Studenten und Geringverdiener, mitten in der Stadt.

  • Wie den Projektbeschreibungen zu entnehmen ist, sind es definitiv nicht nur "Luxuswohnungen", die da entstehen. Es sind zahlreiche Projekte mit Mietwohnungen zu Quadratmeterpreisen unter 10 Euro dabei. Wenn die Stadt nicht so hohe ökologische Standards vorgeben würde, wäre es übrigens einfacher günstige Wohnungen zu bauen. Ansonsten gibt es bei weitem genug sozialen Wohnungsbau in der Stadt. Aus Stadtsicht ist es nämlich nicht so besonders attraktiv Sozialhilfeempfänger und Arbeitslose anzulocken, da diese in erster Linie Geld kosten und die Nachbarn auch nicht so gerne mit diesen zusammenwohnen wollen (siehe jüngst das Eliasbeispiel). Außerdem ist sozialer Wohnungsbau auch extrem kostspielig. Damit will ich nicht sagen, dass alle diese Menschen ein Problem darstellen. Aus Investorensicht ist es natürlich naheliegend vor allem das zu bauen, was auch gefragt ist und gut verkauft oder vermietet werden kann. Es ist also auch hier nicht unbedingt sinnvoll für Sozialhilfeempfänger zu bauen.


    Ich finde es auf jeden Fall sehr gut, dass Wohnraum in allen Preislagen in Hamburg entsteht. Übrigens NewUrban, ich finde, dass Du die brennenden Autos nicht gut heißen solltest, das erfüllt meines Wissens nämlich einen Straftatbestand.

  • das geht ja drunter und drüber.
    - die Stadt baut auf jeden Fall nicht genug Sozialwohnungen, sage ich mal so. bzw man kläre mich auf, wo und was sie baut.
    - der momentane ökologische Standard EneV (Das schlechteste was man bauen darf) und sogar Effizienzhaus Kwf55 dürften bei Mehrfamilienhäusern kein Preistreiber sein - sowas ist eigentlich nur um Einfamilien- oder Reihenhausbau nur mit kontrollierter Be- und Entlüftung etc. zu errichten, hauptsächlich wegen des schlechteren A/V Verhältnisses. Also ich wüsste nicht, was an Sozialwohnungen in der Errichtung nun besonders teuer ist - eher umgekehrt, da man niedrigen Ausstattungsstandard/Raumhöhen/Erschliessung ansetzen kann.


    - Was das Gängeviertel damit zu tun hat, weiß ich nicht. Mehr als eine Kulturoase kann das nicht werden. Wer will in diesem Viertel mit geringer Wohnqualität übehaupt wohnen? Und die paar Wohnungen wären kein übergreifendes Konzept für billigen Wohnraum, sondern ein Subventionsprojekt von der Stadt, um ein paar Linke ruhig zu stellen. Denn die sanierten Räumlichkeiten, die dort entstehen werden, sind mit Sicherheit SEHR teuer.


    Die Stadt muß endlich wieder mehr soziale Verantwortung übernehmen, und vor allem im Wohnungsbau und in der Bildung in richtige Konzepte und Projekte investieren.

  • @ Oeconom


    Ich heiße brennende Autos auch nicht gut, im Gegenteil! Aber irgendwoher muss der Unmut ja kommen!


    Sozialer Wohnungsbau bedeutet nicht Hartz IV Empfänger anlocken, sonder bezahlbare wohnungen für Geringverdiener bereit zu stellen, die auch in Hamburg arbeiten. Es bedeutet ferner, das bestimmte Auswahlkreterien Anwendung finden. Beforzugt werden immer Arbeitnehmer, nicht Sozialhilfeempfänger. Und in einer Stadt, die sich gerade ein hochsubventioniertes Luxusgebäude vom Steuerzahler ergaunert zu argumentieren, sozialer Wohnungsbau wäre zu teuer, ist einfach abwegig.

  • Müssen es denn unbedingt gleich Sozialwohnungen sein, die nur mit §5-Schein o.ä. vergeben werden und damit zur Ghettobildung beitragen? Gibt es nur die Alternative zwischen Luxus- und Sozialwohnungen? M.E. gäbe es zwischen Luxus und Sozial durchaus die Möglichkeit, einfache Wohnungen zu moderaten Mieten anzubieten. Dies wird in Hamburg anscheinend vernachlässigt, und man müsste die Investoren dazu anregen, diese Lücke zu füllen.

  • Micro, Du hast völlig Recht. Aber wie man an den Projekten doch sehen kann, ist da doch sehr viel auch im mittleren und unteren Preissegment bei. Neben den natürlich auch - zum Glück - vorhandenen Luxuslagen die gebaut werden und sicherlich potente Steuerzahler nach Hamburg locken, wovon alle Hamburger profitieren werden. Ich wäre hier für etwas mehr Sachlichkeit und man muss den Menschen, die sich so tolle Wohnungen leisten können, diesen Erfolg doch auch einfach mal gönnen können. Ich weiß, dass damit bestimmte Bevölkerungsgruppen (z.B. die Autoanzünder) große Probleme haben.

  • @ Oeconom


    Ich glaube niemand hier, ist wirklich dagegen das so viele Wohnungen für Gutverdienende gebaut werden.


    Auch dadurch wird die Zuwanderung gutverdienener Menschen nach Hamburg mehr als forciert, was dann im Umkehrschluss auch seinen positiven Effekt auf die Wirtschaft Hamburg haben wird.


    Dennoch gehören Geringverdiener ebenso zu einer Gesellschaft, wie auch wohlhabende Menschen.


    Für die Geringverdiener wird schon seit Jahrzehnten zu wenig gebaut, was sich sehr stark spürbar macht. In Steilhoop, Billstedt, Harburg und Co werden locker Mieten erreicht die an die 600-750 Euro reichen. Das ist einfach viel zu teuer.


    Das Angebot ist einfach zu niedrig, sodass die Wohnungen im Bereich von 300-500 Euro kaum noch auffindbar sind.


    Dieser Prozess wird durch die für deutsche Verhältnisse relativ starke Zuwanderung Hamburgs weiter verschäft.


    Wenn man jetzt die letzten 10 Jahre (ab 2000) betrachtet, befinden sich mit Sicherheit ca. 90% aller neugebauten Wohnungen im mittleren bis oberen Preissegment.


    Wohingegen in den letzten 10 Jahren viele staatlich geförderte Wohnungen vom Markt verschwunden sind.


    Hamburg Stadt braucht laut einer in Auftrag gegeben Analyse mindestens ca 7000-9000 neue Wohnungen. Und davon ungleich Viele im gerade unteren angesetzen Bereich der Miete.


    Dies würde den Markt leicht stabilisieren. Doch, von den durchschnittlich 3.500 Wohnungen, die jedes Jahr tatsächlich gebaut werden, befinden sich die Meisten zum großen Teil in Premiumlagen.


    Viele davon gehen mit durchschnittlich 800€ bis nach oben offen an den Mann.


    So sieht die Lage nämlich aus, weshalb auch der Hinweis vieler Kommentatoren hier, das es zu wenig Wohnungen im unteren Bereich gibt, durchaus berechtigt ist ;)

  • Es geht hier nicht darum, Sozialhilfeempfänger von außerhalb anzulocken, sondern günstigen Wohnraum für bereits in Hamburg arbeitende Niedriglohnverdiener anzubieten. Man muss einfach nur mal an ein paar öffentlichen Wohnungsbesichtigungen teilnehmen, dann hat man eine Ahnung, wie groß der Bedarf für günstigen Wohnraum ist z.B. für:
    - Endlich eigenes (niedriges) Gehalt und Wunsch, aus dem Elternhaus auszuziehen
    - Zuzug nach HH zwecks Studium
    - Mehr Platzbedarf durch Familienzuwachs bei gleichbleibendem Einkommen


    Als kleine Anekdote, um klarzustellen, was so ein Niedriglohn sein kann: So manch einer pendelt jeden Tag per Werksverkehr 2 Stunden (pro Richtung) aus Meck-Pomm nach HH für 640 Euro netto/Monat. Mit Hartz4 würde man mehr bekommen.

  • Oeconom schrieb:

    Ich wäre hier für etwas mehr Sachlichkeit und man muss den Menschen, die sich so tolle Wohnungen leisten können, diesen Erfolg doch auch einfach mal gönnen können. Ich weiß, dass damit bestimmte Bevölkerungsgruppen (z.B. die Autoanzünder) große Probleme haben.


    Interessant, dass du einerseits zu mehr Sachlichkeit aufrufst und im gleichen Post provozierend die Autoanzünder erwähnst.... das finde ich nicht gerade förderlich.
    Zum Thema Wohnungen für Geringverdiener:
    Es sit tatsächlich ein grosses Problem in HH, dass nur noch Schickilacki gebaut wird. Ich persönlich fühle mich in den ganzen "besseren" Wohngebieten nicht richtig wohl. Es fehlt an Individualität und Liebe zum Menschen. Alles ist teuer, es wird daran gearbeitet, die "Besseren" zu etablieren und Diejenigen zu vertreiben, die eben keinen Wert auf "Chic" und "Angesagt" legen oder es sich nicht leisten können/ wollen.
    Muss Wohnraum wirklich so teuer sein ? Kann es nicht auch mal gut sein, etwas weniger zu zahlen ? Müssen die Preise immer steigen ?
    Wo bleiben die normalen Wohnengen, die kein Vermögen kosten, die sich alleinerzeihende Elternteile leisten können, oder Studenten oder Leiharbeiter, ohne ausgegrenzt zu werden ?
    Ich denke, dass diese Aspekte immer weiter vernachlässigt werden und nach und nach viell. sogar dazu führen könnten, das der besondere flair in HH verloren gehen könnte....

  • Ich wüßte schon gern, warum ich Deiner Meinung nach nicht die Autoanzünder erwähnen sollte. Immerhin ist es mein gutes Recht mit dem Finger auf solche Verbrecher zu zeigen und das ist durchaus sachlich zu sagen, was ich von solchen Leuten halte.
    Du behauptest es würde in Hamburg nur noch "Schickilacki" gebaut. Das ist schlicht falsch und nicht wahr. Es gibt auch, unter anderem, recht teuren Wohnraum, der gebaut wird und daran kann ich - auch wenn ich es mir nicht leisten kann - nichts Schlimmes erkennen. Ich gönne es den Menschen, die sich das leisten können. Und wenn Du Dich persönlich in diesen "besseren" Stadtteilen nicht wohlfühlst, dann ist das wohl auch Dein Problem, Du musst da ja nicht hin ziehen. Wer aber solche Stadtteile mag und es sich leisten kann, zieht eben hin.
    Und um "Vertreibung" geht es schonmal gar nicht, das ist einfach nur unsachlich und Klassenkampfrhetorik von Vorvorgestern. Wohnraum muss natürlich nicht teuer sein, kann er aber. An teurem Wohnraum ist nichts auszusetzen. Die Preise müssen nicht immer steigen, tun sie auch nicht. Und es gibt Wohnungen, die sich die genannten Personengruppen leisten können ohne "ausgegrenzt" zu werden.
    Übrigens ist das auch ein politisches Problem, durch die vermieterfeindliche Gesetzgebung lohnt es sich leider oftmals nicht mehr Wohnraum bereitzustellen. Private Vermieter erzielen mit ihren vermieteten Wohnungen sogar eine negative Rendite, vor Steuern und vor Inflation wohlgemerkt.
    Wenn Du mit dem "besonderen Flair" Hamburgs brennende Autos, besetzte Gebäude und beschmierte Fassaden meinst, darauf kann ich persönlich gern verzichten.

  • Oeconom


    Du scheinst nicht zu verstehen, was das Problem ist? Der soziale Wohnungsbau ist gar nicht gewollt. Er kostet nämlich Geld und zwar die Stadt. Wohin das führt, sieht man in anderen europäischen Städten, die sich Monokulturen von Besserverdienern schaffen. Venedig ist ein gutes Beispiel. Da kommen Horden von Touristen, die eine Welt bestaunen, die Längst nur noch inszeniert wird, weil ihre Protagonisten schon lange nicht mehr genug verdienen um in der Stadt zu leben. Die eingeborenen werden vom Massentourismus aus ihrer Stadt gedrängt, weil es ein reicher Texaner chic findet, eine Zweitwohnung in Venedig zu besitzen. Unsere Städte werden zu Museen umgestaltet, deren Bewohner sich den Eintritt teuer erkaufen müssen. Das Personal darf zwar zum Putzen kommen, muss dann aber wieder zurück unters Dach.


    Nochmal: Sozialer wohnungsbau bedeutet nicht Ghettos zu schaffen oder Arbeitslose in die Stadt zu locken. Es bedeutet, dass die Stadt ein Mindestangebot an Wohnungen zu vertretbaren Preisen in den jeweiligen Stadtteilen anbietet. Das schließt nicht aus, das Investoren in Hamburg investieren dürfen. Sie sollen ja! In Wien hat man seinerzeit Steuern verlangt, wenn private Neubauten entstanden. Besonders exklusive Bauvorhaben wurden besonders hoch besteuert. So konnte das größte Netz sozialer Wohnbauten Europas geschaffen werden. Wenn jemand, der eine Wohnung in der Hafencity für zwei Millionen verkauft, 15% Steuern an die Stadt abführen müsste, würde ihn das auch nicht schmerzen und es könnten ein paar mehr Sozialwohnungen entstehen.

  • Günstiger Wohnraum

    Ich wollte während meines Studiums nach Hamburg ziehen, und habe da in Uninähe (wobei ich das Wort 'Nähe' aus meiner Sicht arg dehnen musste, aber Hamburg ist halt sehr weitläufig) eigentlich nur Bruchbuden im bezahlbaren Bereich gefunden, oder aber Wohnungen, die weit südlich der Elbe lagen, so manches Mal stellte sich mir ob der Entfernung zur Innenstadt die Frage, ob sie überhaupt noch nördlich der Weser liegen.


    Bezahlbare Wohnungen in unteren Preislagen gibt es im Kern der Stadt Hamburg so gut wie gar keine.


    Na klar sollte eine Stadt bestrebt sein, wohlhabende Menschen anzuziehen, sonst droht sie, materiell zu verarmen.
    Aber sie sollte auch bestrebt sein, die weniger wohlhabenden Menschen nicht an den Rand zu drängen (im Wortsinn gemeint). Das nämlich führt zu einer strukturellen Verarmung.
    Die Symptome reichen von Überalterung (ältere Menschen haben zumeist mehr Geld als Jüngere, Singles und kinderlose Paare bei gleichem Einkommen mehr Geld pro Kopf als Familien mit Kindern), über die Zunahme des Verkehrs (denn wer in der Stadt arbeitet, aber die hohen Wohnpreise dort nicht zahlen kann oder will, der pendelt) bis hin zur Gefährdung des sozialen Friedens (Das ist so ein tolles Sozi-Wort, oder? Aber er wird in Deutschland gerne mal als unwichtig betrachtet. Obwohl er einen gigantischen Einfluss auf Kriminalitätsrate hat).


    Konkret in Hamburg kann ich nicht über die Altersstruktur der Kernstadt sprechen, dazu habe ich keine Zahlen gefunden. Das Hamburg ein Verkehrsproblem hat, wage ich aber aus eigener Erfahrung zu sagen. Und wenn in einer Stadt bereits Autos brennen, dann kann man den sozialen Frieden schon als 'gestört' bezeichnen. Alles das liesse sich mit der Beseitigung der Wohnungsknappheit auch für die unteren bis mittleren Einkommensschichten mindestens lindern.


    Es geht auch nicht darum, den Gutsituierten ihre stadtnahen Luxuswohnungen zu missgönnen. Hoffentlich auch nicht darum, dass die Gutsituierten den Einkommensschwächeren ihre stadtnahen Wohnungen nicht gönnen.
    Der Punkt ist, das Spekulantengentrifizierung eine Entwicklung ist, die aus oben genannten Gründen mit Vorsicht zu geniessen ist, weil sie zu Problemen führen kann (und wird). Besonders, wenn nicht ein Stadtteil, sondern gleich mehrere Bezirke betroffen sind.


    Deswegen denke ich, es ist nicht die dümmste Idee, günstigen Wohnraum zu schaffen, auch und gerade in der Nähe der Innenstadt.

  • @ NewUrban:
    Ich verstehe schon, was Du als Problem ansiehst. Die von Dir skizzierte Entwicklung sehe ich nicht mal im Ansatz in Hamburg. Allein SAGA-GWG vermietet Wohnungen an 300.000 Menschen zu einem Durchschnittspreis von etwas über 5 Euro pro Quadratmeter. Ich weiß, dass das Wohnen in Hamburg nicht gerade günstig ist und hier zu wenig gebaut wird. Da sind wir uns ja einig. Aber z.B. München ist noch wesentlich teurer und auch München ist nicht zum Museum verkommen. Ob man jetzt in München wohnen will, muss ja auch wieder jeder selbst für sich wissen.


    Als Wissenschaftler sage ich Dir, dass von einer solchen Steuer, wie Du sie für Wien erwähnt hast, nichts zu halten ist. Ich hoffe übrigens nicht, dass das größte Netz von Sozialwohnungen Europas ausgerechnet in Hamburg entsteht. Ich habe auch gar nichts gegen sozialen Wohnungsbau, ganz im Gegenteil, aber man muss vorsichtig sein, dass keine Ghettos entstehen. Da hat Hamburg in der Vergangenheit leider bereits viele Fehler gemacht.


    @ X.:
    Mir ist das Problem, das Du skizzierst durchaus bewusst. Ich habe hier auch mal eine Wohnung mit 50 bis 100 anderen Interessenten gesucht. Hamburg ist übrigens eine der jüngsten Großstädte in Deutschland. Ich habe auch nichts gegen den Neubau von günstigem Wohnraum, aber bitte nicht in erster Linie durch sozialen Wohnungsbau, sondern durch das Setzen richtiger Anreize. Es müssen Baufelder ausgewiesen werden, es darf nicht bei jedem Neubauprojekt eine Bürgerinitiative geben, die dagegen ist usw.

  • Bei Neuvermietungen langt die SAGA-GWG aber auch schon kräftig zu.
    Im übrigen kann der Mietpreis/qm so niedrig sein, wie er will. Für den weniger solventen Mieter ist viel entscheidender, wie hoch die Miete insgesamt ist.

  • Oeconom


    Nur noch soviel sei gesagt: Wien hat ja wohl nicht nur Ghettos zu bieten, oder? Ghettos bilden sich eher in Hamburg in Mümmelmannsberg. Klar gibt es in Wien auch Großwohnsiedlungen die Brennpunkte sind, das ist jedoch das Ergebnis einer jahrelang verfehlten Stadtplanung, wie es sie in anderen europäischen Großstädten auch gibt. Es gibt eine Wohnungsnot in Hamburg, das ist ein Problem seit jeher. Und die Miter, die keiner mehr nimmt, versauern in Rattenlöchern zu horrenden Mieten, die auch nich das Amt übernimmt (hörte man ja unlängst in den Medien). Hamburg klagt doch immer, das die Innenstadt nach 20 uhr tot ist, was tut sie dagegen? Das setzen richtiger Akzente zieht auch nicht. Wer heute Wohnungen baut, macht das mit Aussicht auf Rendite. Keiner baut Wohnungen, die nicht genug abwerfen. Dafür sind nunmal die Städte zuständig.

  • Digger, da hast Du recht.


    Da kann der Quadratmeter 6,50 € kosten, wenn die Wohnung 100 qm hat, sind wir bei 650 € kalt. Abgesehen davon, dass zum Beispiel eine allein stehende Krankenschwester wohl kaum eine Wohnung von 100 qm braucht, kann sie sich von ihrem Gehalt die Miete zwar leisten, aber darüber hinaus nichts mehr.


    Oeconom, ich sprach nicht von 'sozialem Wohnungsbau'. Diesen Begriff habe ich bewusst vermieden, er löst zu schnell die Assotiation nach Uringeruch im Treppenhaus, riesigen Klingeltafeln, gesprengten Briefkästen und verkommenen Spielplätzen, die fest in der Hand von wechselnden Jugendgangs sind, kurz: nach 'Plattenbau' aus.


    Sowas will keiner in der Innenstadt haben, die Aushängeschild einer Stadt sein sollte.
    Etwas ganz anderes ist es, für Menschen mit niedrigerem Einkommen Wohnraum zu schaffen, am besten gemischt mit Wohnungen für Besserverdiener. Darin liegt nämlich m.A.n. eine Aufwertung der Innenstadt, gerade der Ruf von Hamburg, liberal und weltoffen zu sein, profitiert von so einer Heterogenität.
    Aber da Spekulanten daran kein Interesse haben und Du sozialen Wohnungsbau (meint hier nicht Plattenbauten, sondern lediglich von der Kommune getragenen Wohnbau) ablehnst, frage ich mal, wie diese Anreize deiner Meinung denn aussehen könnten. Dachtest Du an Subventionen, oder fallen Dir noch andere Möglichkeiten ein?


    P.S. Was die Altersstruktur anbelangt, würde mich interessieren, wie die Verteilung ist, also, wie die Altersstruktur in den Stadteilen und Wohnvierteln aussieht, und wie die Tendenz ist. Wäre ich nach Harburg oder Wilhelmsburg gezogen, hätte ich den Altersdurchschnitt der gesamten Stadt mit meinen 27 Lenzen gesenkt, aber nicht den der Innenstadt.

  • Oeconom : Du brauchst mir hier nicht das Wort im Munde verdrehen, darauf stehe ich gar nicht ok ? Ich habe mit keinem Wort nur annähernd erwähnt, dass für mich brennende Autos zum Stadtflair Hamburgs gehören !
    Die Mittelklasse-Wohnungen in HH sind am "aussterben"... das ist ein recht langsamer Prozess, da es ja auch wiederstand gibt u.s.w. (Nein, damit meine ich nicht die brennenden Autos...)


    Wie weiter oben schon erwähnt wurde, ist es wichtig, dass in Hamburg besser Verdienende und weniger besser Verdienende nicht getrennt werden. Hamburg ist eine alte Kaufmannstadt, die aber auch immer von einer grossen Anzahl von (Gast)Arbeitern und einfachen Leuten bewohnt wurde.


    Und glaube mir, wer sich Wohnungen mit günstigen Mieten anschaut, muss sich gegen eine riesige Anzahl von Mittbewerbern durchsetzen, dass habe ich selber alles mehrmals durchgemacht .... und die Lage lässt dann oftmals ebenfalls zu wünschen übrig.


    Die Reichen werden gefördert, die Ärmeren werden möglichst links liegen gelassen.... Geld regiert die Welt und auch HH und das tut dem Flair Hamburgs auf Dauer nicht unbedingt gut, denke ich.


    Mod: Da hier scheinbar einiger Gesprächsbedarf vorliegt, hab ich euch mal einen eigenen Thread spendiert! Gruß, Dykie!

  • Also, erstmal eines vorgweg. Ich glaube, dass wir gar nicht so weit auseinander liegen, wie ich zunächst dachte.


    @ NewUrban:
    Ich bin wie Du der Meinung, dass man die City durch mehr Wohnbebauung beleben sollte. Allerdings bietet sich gerade die City eher für mittlere bis hohe Einkommen, Single- oder Zweipersonenhaushalte an. Das gilt zumal einige Bereiche in der City schon jetzt als soziale Brennpunkte gelten. In der City sind einfach Qualitäten vorhanden, die eher diesen Personengruppen entsprechen als Familien mit Kindern. Ich verweise gern auf das Konzept von der Handelskammer zum Fleetviertel, das wirft sehr interessante Fragen auf und Ideen ein.


    @ X.: Ich lehne sozialen Wohnungsbau ja nicht grundsätzlich ab. Ich warne nur davor, einen zu großen Anteil solcher Wohnungen in einer bestimmten Ecke der Stadt zu bauen. Das führt zu Ghettoisierung, dem Wegzug von bestimmten Personengruppen, dem weiteren Zuzug von anderen. Zu den Anreizen: Zunächst muss entsprechendes Bauland ausgewiesen werden, evtl. auch mit bestimmten Vorgaben, was für Wohnungen da gebaut werden dürfen. Wichtig wäre es dafür zu sorgen, dass es sich auch für Investoren lohnt, Wohnungen für einfache Arbeiter und Angestellte zu errichten und auch zu vermieten. Dazu gehören z.B. auch Regelungen, die es den Vermietern erleichtern Mietnomaden schnell wieder los zu werden, eine bundesweite Mietnomandekartei usw. Solche Dinge sind es nämlich, die den Wohnungsbau im unteren Preissegment schnell zu einem Verlustgeschäft machen. Darunter haben dann alle anderen - ehrlichen - Mieter ebenfalls zu leiden. Wie ich schon sagte, gerade private Vermieter, können mit einer vermieteten Wohnung kaum noch Gewinn erzielen. Die Strukturen in den einzelnen Stadtteilen kannst Du übrigens beim Statistischen Landesamt Nord nachlesen.


    @ DocHH:
    Die Mittelklassewohnungen in Hamburg sind mitnichten "am aussterben". Und ich glaube kaum, dass es der Mittelstand ist, der diesen Widerstand leistet, von dem Du redest. Deinem zweiten Absatz stimme ich überwiegend zu. Ich möchte nur eine Ausnahme erwähnen, Kriminelle sollten kaum zur erwünschten Bevölkerung zählen. Ich schrieb bereits, dass es mir bewusst ist, gegen wieviele Bewerber man sich bei einfachen bis mittleren Wohnungen durchsetzen muss, das ist übrigens bei hochpreisigen Wohnungen auch oft nicht anders. Ich habe hier selbst mal eine Wohnung im mittleren Preissegment gesucht und weiss daher, wieviele Leute da noch so sind. Bei einer Besichtigung in Eimsbüttel waren über 100 Menschen da und die Wohnung war ein Rattenloch.


    Deinem letzten Absatz ist nichtmal im Ansatz zuzustimmen. Er ist schlicht sachlich falsch. Die Reichen und die Normalverdiener zahlen horrende Steuern, von denen den Armen ein im Vergleich zu anderen Ländern fürstliches Auskommen finanziert wird. Es ist also faktisch eher so, dass die Reichen und Normalverdiener, aber auch die Geringverdiener geschröpft werden, um bestimmten Bevölkerungsgruppen ein gutes Leben ohne Arbeit zu ermöglichen. Zumindest diese Tatsache solltest Du schonmal akzeptieren, ansonsten brauchen wir hier gar nicht weiterzudiskutieren.