Rhein-Neckar-Raum: Abzug der Amerikaner

  • In Schwetzingen wird kein neuer Bahnhof gebaut, der wurde gerade erst saniert. An der Bahnlinie Richtung Mannheim sollen zwei S-Bahn-Haltepunkte gebaut werden (Sz-Nord, Sz-Hirschacker), die allerdings erst mit der zweiten Stufe 2015 (= Neuausschreibung) kommen werden. Die beiden Kasernen in Schwetzingen sollen praktisch zeitgleich zurückgegeben werden - wenn das nach Plan klappt.

  • Das mit den Campbell-Barracks und der Weiternutzung durch die NATO klingt ja interessant, das würde ja bedeuten, dass die Campbell-Barracks als einziges Militärgelände weiterbestehen bleiben würden. Möglicherweise ist dies zurückzuführen auf die enge Verzahnung von US-HQ und NATO-HQ. Das wird den Bürgermeister von Heidelberg doch freuen, er wollte ja die US-Armee zumindest in Teilen erhalten. Veilleicht hat die NATO ja viel mehr vor, ein Schulungs- oder Konferenzzentrum wäre denkbar, oder eine zweite NATO-School ähnlich wie in Oberammergau.

  • Konferenzzentrum ist durchaus denkbar - die NATO hält alle paar Monate in jedem Mitgliedsstaat kleinere Symposien zu wissenschaftlichen und militärischen Themen ab*, für Deutschland ist hierbei der Standort überwiegend Mannheim. Mit Wegfall der US-Kasernen dort würde sich ein bleibendes NATO-Gelände in Heidelberg hierfür anbieten.


    Außerdem dürfte die NATO, wenn sie den Platz dann hätte, einige Außenstellen in den Campbell Barracks zentrieren - d.h. die International Support Kaserne in der Rudolf-Diesel-Straße schließen (die gehört zur NATO, nicht US Army), einen kleinen SanBereich aufgrund Wegfall Nachrichtenkaserne einrichten (sonst müßte man für alles nach Bruchsal), evtl. zusätzliche Fernmelde-TE als Unterstützung etc.


    *- Oft mit höheren Geheimhaltungsstufen, z.B. Themen wie "Sensors and Technology for Defense against Terrorism" mit Stufe NATO/PfP Secret (Mannheim, April 2008) - von daher nicht für öffentliche Konferenzzentren geeignet. Andere Standorte in Deutschland - Berlin, Siegburg, Ettlingen - haben solche Konferenzen im Regelfall nur ein mal jährlich.

  • In welcher US-Kaserne in Mannheim finden diese NATO-Treffen denn statt ?
    Der Wegfall der Nachrichten-Kaserne bedeutet quasi das Aus für die medizinisch stationäre Versorgung der NATO-Angehörigen. Es gibt zwar noch in Mannheim einen medizinischen Dienst der Bundeswehr, auch in Speyer, aber das war's auch schon. Wie läuft das eigentlich ab, wenn US-Liegenschaften aufgegeben werden, die NATO jedoch Interesse an solchen Einrichtungen bekundet ? Führt dies dann automatisch zu einer Übertragung an die NATO ? Ich könnte mir vorstellen, dass Herr Dr. Karl Lamers im Hintergrund einiges versuchen wird, um so viel wie möglich unter den Deckmantel der NATO zu bringen. Wenn er auch noch am 16. November 2010 zum Parlamentspräsident der Parlamentarischen Versammlung der NATO gewählt wird, dann kann er durchstarten und wird sich für HD/MA als NATO-Standort einsetzen, da bin ich völlig überzeugt. Im Moment ist er ja schon Vorsitzender der Deutschen Delegation in der parlamentarischen Versammlung der NATO.

  • In welcher US-Kaserne in Mannheim finden diese NATO-Treffen denn statt ?


    Ich gehe mal von Sullivan etc aus. Vermutlich könnte man sowas allerdings auch in der BwFH in Neuostheim abhalten...


    Der Wegfall der Nachrichten-Kaserne bedeutet quasi das Aus für die medizinisch stationäre Versorgung der NATO-Angehörigen. Es gibt zwar noch in Mannheim einen medizinischen Dienst der Bundeswehr, auch in Speyer, aber das war's auch schon.


    In dem Hospital Nachrichtenkaserne sind für die NATO durchaus auch Bundeswehr-Sanis zugange. Zumindest früher hatten die auch einiges an gegenseitiger Personalfluktuation mit dem SanZ Bruchsal.


    Medizinischer Dienst Bw in Mannheim? Wo bitte? Es gab mal da eine San-Gruppe als da noch das Territorialkommando Süd und dessen Stabseinrichtungen war, aber das ist längst eingestampft. Höchstens gibts da noch einen Betriebsarzt für die Bundeswehr-Fachhochschule, und (noch) die Mediziner im Kreiswehrersatzamt.


    Wie läuft das eigentlich ab, wenn US-Liegenschaften aufgegeben werden, die NATO jedoch Interesse an solchen Einrichtungen bekundet ? Führt dies dann automatisch zu einer Übertragung an die NATO ?


    Alle US-Liegenschaften sind seit Ende der Besatzung 1994 NATO-Liegenschaften - die Hinweisschilder zu den Kasernen wurden damals extra um ein NATO-Symbol ergänzt :D


    Herr Dr. Karl Lamers


    Nachdem ich Karl A. Lamers schon kennenlernen durfte, sag ich zu dem mal besser nix.

  • Diese NATO-Veranstaltungen fanden bei der Bundeswehr in Neuostheim statt (etwas googeln schaffte Klarheit). Der Besatzungsstatus endete meines Wissens am 15.03.1991 als der 2+4 Vertrag in Kraft trat. Die US-Army Gebäude und Liegenschaften werden jährlich veröffentlichte,die sind im Base Structure Report als Eigentum bezeichnet ("owned"), hierbei wird in Army, Air-Force und Navy (nicht in Deutschland) unterschieden. Einige Objekte werden auch als "leased" angegeben, der größte Leasing-Posten ist mit Grafenwöhr angegeben.

  • "Eigentum" der US Army gibt es in Deutschland nicht, das Gelände ist "zur Nutzung überlassen". Eigentümer der Gelände im rechtlichen Sinne ist die Bundesregierung bzw. die Bundesrepublik Deutschland, die Verwaltung - während der Nutzungsüberlassung ruhend - obliegt der Bundesimmobilienagentur (korrekt: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben).


    Die US Army hat innerhalb dieser Nutzungsüberlassung einige Restriktionen, beispielsweise darf sie natürlich nicht einfach so die Flächen vermieten - was als Besitzer kein Problem wäre. Ebenso darf die Nutzung ausschließlich militärischen Zwecken dienen, lediglich bereits vorhandene Überkapazität darf anderweitig genutzt werden, z.B. zur Unterbringung von Zivilangestellten (bei einer Vergrößerung der militärischen Nutzung an einem Standort sind solche "Fremdnutzungen" einzustellen).


    In Grafenwöhr sind off-post Grundstücke bzw. Häuser als Housing Areas geleast, da man nicht ausreichend Mietwohnungen vor Ort findet (statt dessen werden neue Häuser off-post spezifisch für die US Army gebaut und an diese fest verleast). Diese gehören nicht zum von Deutschland zur Nutzung überlassenen militärischen Gelände oder zum Bundeseigentum.

  • Das hieße also für die Campbell-Barracks: ein Übergang an die NATO wäre gar nicht erforderlich, die NATO könnte einfach das gesamte Gebäude und Gelände einschließlich fremdem Wachpersonal beziehen und daraus machen, was sie militärisch für notwendig hält. Einzig die Beschriftung und Beflaggung am Haupt-Eingangsgebäude würde sich ändern.

  • Das Wachpersonal wäre schon auszutauschen, Ponds hat seinen Vertrag mit der US Army ;)
    In der NATO-Liegenschaft ISK sitzen glaube ich sogar noch richtige Soldaten im Wachhäuschen. Der Generalstabsparkplatz (Ecke Rheinstr/Römerstr) wird auch noch als einziges von echten US-Soldaten bewacht.

  • Die NATO-Verteidigungsminister haben sich in Brüssel auf ein Sparkonzept geeinigt: die Zahl der NATO-Hauptquartiere soll demnach von 11 auf 7 schrumpfen. Das bedeutet: auch das NATO-CC Land HQ steht zur Disposition. Es gibt nur 2 Hauptquartiere in Deutschland: Ramstein und Heidelberg. Ramstein wird mit größter Wahrscheinlichkeit nicht angetastet.
    Auf dem NATo-Gipfel am 19./20.11.2010 in Lissabon werden die Schließungen bekanntgegeben. Sollte es Heidelberg treffen, dann werden auch die Campbell-Barracks frei. Andererseits stellen die für ISAF Truppenteile, das könnte das NATO-HQ evtl. retten und evtl. unser lieber Herr Dr. Karl Lamers,
    der sich betimmt für Heidelberg stark machen wird. Übrigens: hier die Kundenliste von POND Security zu sehen auf der Homepage http://www.pond-security.de/de/our_customer.php

    NATO
    US Armee
    US Air Force
    US Konsulat
    Honda Academy
    Industriebetriebe

  • Es gibt nur 2 Hauptquartiere in Deutschland: Ramstein und Heidelberg.


    Es gibt drei. Das dritte ist in Mönchengladbach (JHQ Rheindahlen). Das dortige HQ wird aber auf jeden Fall bis 2014 geschlossen, so daß Deutschland hierauf verweisen kann wenns um die Anzahl von HQs geht.

  • Eventuell interessiert Euch dieser Artikel: www.armytimes.com


    Darin ist vom geplanten Umzug der US Army Headquarters von Heidelberg nach Wiesbaden (Erbenheim) die Rede. Ursprünglich sollte der Umzug 2013 abgeschlossen sein, ist nun aber um mindestens zwei Jahre verspätet. Folgekosten werden beziffert.


    Eine Liste der derzeitigen US-Army-Standorte findet Ihr hier. Wiesbaden ist zur Zeit Standort der "1st Armored Division".

  • um mal wieder aufs bauliche zu kommen...
    Wenn diese Flächen irgendwann frei werden, dann sind auf einigen Kasernen-Flächen Wohngebiete geplant. Dabei wird darauf geachtet , dass Mannheim wieder mehr Familien anzieht und diese nicht mehr so vermehrt aufs Land ziehen (Mannheim ist eine der Städte mit hohem Single-Anteil) .
    Dabei könnten in Mannheim-Gartenstadt oder Mannheim Rheinau zwei "gehobene" Wohngebiete enstehen. Gut situierte Familien mit 1-2 Kindern wären hier gefragt.

  • In Rheinau gibt es keine US-Flächen. Bzw. die eine die es früher mal gab - Rheinauhafen, am Hafenbecken 21 - war ein Kohlelager und wurde vom GKM übernommen. Da kommt gerade das neue Terminal für Block 9 drauf.

  • In Rheinau gibt es noch eine alte US-Fläche, die ehem. Rheinau-Kaserne incl. dem alten US-Postgebäude, die Liegenschaft wurde 1994 an den Bund übergeben. Das alte US-Postgebäude brannte danach (oder zuvor ?) bis auf die Grundmauern nieder. Die Ruine steht heute genau gegenüber Möbel Höffner, getrennt durch die Regionalbahnlinie. Zur Zeit wird das Gelände als Viehweide genutzt. Die Gleisanbindung, welche das Gelände zuvor hatte, wurde entfernt. Bis heute konnte der Bund keine Nutzung bzw. Verkauf des Geländes erreichen.
    Mehr Infos:



    http://www.bund.de/IMPORTE/Imm…0144382.html?formId=12838

  • Zur Zeit wird das Gelände als Viehweide genutzt.


    Ist auch praktisch so gut wie renaturiert. Neben der Nutzung als Weideland sind dort auch ziemlich große Eidechsenpopulationen zuhause.


    Die Stadt Mannheim hat das Gelände seit Jahren im Verkaufsplan als Industriegebiet mit drin - mit (als Abweichung zum Expose von der BImA) den Hinweisen:
    - keine Infrastruktur vorhanden
    - keine Erschließung vorhanden
    - kein Bebauungsplan vorhanden
    - kein Baurecht vorhanden
    - komplette 8-10 Hektar sind als Einheit zu entwickeln

  • Diese Angaben der Stadt sind ja ein Witz. Natürlich ist das Gelände voll erschlossen, das Gebäude war einmal eine Postverteilstelle der US-Armee und ist somit als ein ehemaliges Bürogebäude mit allen Anschlüssen anzusehen.
    Das kleine Häuschen mit dem Schornstein nebenan dürfte ein Notstromdieselaggregat sein. Eine Gleisanbindung gab es damals auch. Diese wurde, warum auch immer, entfernt, könnte aber jederzeit wieder aktiviert werden, denke ich. Das Gelände verfügt sogar noch über eine Umzäunung incl. Stacheldraht. Das Gelände könnte z.B. als Lagerstätte verwendet werden, den Eidechsen würde das bestimmt nicht schaden :-)