Leipzig: Militärkasernen im Nordwesten werden Wohnparks

  • In #271 erkennt man am linken oberen Bildrand das ruinengeprägte Gebiet an der Rügener Straße. Nachfolgend ein paar aktuelle Eindrücke vom Areal:











    Eigene Bilder

  • Bei den Reihenhäusern im Werk Motor kommt man langsam auf die Zielgerade.
    Bei einem abendlichen Rundgang der Stand der Dinge.


    Etwas komisch sieht die Farbgebung der neuen Klinker aus.


    Richtig abgefahren ist es dann hier. Maurer im deutschen Handwerk lernen im ersten Lehrjahr, dass bei Klinkerarbeiten die Steine aus min 4 Paletten zu durchmischen sind.



    Eine Systematik läßt sich nicht erkennen.

    Ähnlich schlimm ist auch die Ergänzung des alten Bestandsmauwerkes.

    Die Tiefgarage wird abgedichtet.

    Einfahrt ist zu erkennen.

  • ^ Danke fürs Update!
    Die Verklinkerung sieht wirklich gewöhnungsbedürftig aus. Ist das denn überhaupt überall Vollverklinkerung, oder wurden an einigen Stellen nur Riemchen verwendet? Dass man alt und neu erkennen kann, finde ich zwar gut, aber der Farbton wirkt merkwürdig und die Klinker auf größeren Flächen zu gleichmäßig.
    A propos merkwürdig - der Dachaufbau sieht auch seltsam aus. Hätte man nicht einige Zentimenter Überstand einplanen können? Bis auf die kleinen Reste ist doch ohnehin alles neu, oder?
    Ja, wieder mal auf hohem Niveau gemeckert, aber trotzdem...

  • So die unschönen Details an der Kaserne setzen sich leider weiter fort:


    Es werden nun die Wege hergestellt und das billigste Betonpflaster verwendet was es gibt. Früher lagen hier Granitpflastersteine. Die wurden wohl verkauft?
    Warum kann man sich nicht am Altbestand orientieren?


    Geplant wurde wie man sieht nichts.
    Die Höhen passen überhaupt nicht (Treppe und Bordstein)



    Die Reihenhäuser haben Terrassen bekommen

    Hier fehlt noch die Verklinkerung



    Und zum Schluss nochmal das Thema mit den mischen von Klinkern.
    Man beachte den Text auf jeder Steinpackung!
    Gut Problem ist wohl das es nur einsprachig ist.

  • Es folgt ein kleiner Marsch quer über's Gelände... Und weil ich dort nur sehr selten vorbeimarschiere, fehlt mir ein wenig der Überblick, was genau dort wann und von wem und überhaupt saniert oder neu gebaut wurde... Deshalb zunächst ein Blick auf's Ex-NVA-Hauptquartier, welches offensichtlich gerade fertiggestellt wird, und dann geht's einmal die Heerstraße rauf und runter...


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    vorher:


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    Fazit: Da wäre mehr drin gewesen... immerhin ist man ohne die sonst üblichen nervigen Technik-Aufbauten ausgekommen.



    Marschroute:


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    Start ist unten rechts und dann einfach die Straße lang nach links oben bis zur Kreuzung nach den beiden Wassertürmen.


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    Quelle: Google Earth


    Ein Blick nach links zum ehemaligen Offiziers-Casino der Train-Kaserne:


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    ...und seitlich daran vorbei zur ehem. Reithalle(?):


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    ...davor Restbestände unbekannter Herkunft:


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    ...zurück zur Straße, rechts befindet sich das ehem. Offiziers-Casino der Artillerie-Kaserne:


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    früher:


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    jetzt:


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    ...mit Loggia im Fachwerk:


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    ...hier wurde bisweilen auch der Beschuss mit Tennisbällen geübt:


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    ...im Anschluss sind ein paar Stadthäuser aus dem Boden geschossen:


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    naja... nichts gewollt und nichts gekonnt, da hilft auch die Sonne nix.


    weiter gehts... links:


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    rechts:


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    An der mittleren Kreuzung ein kleineres Gebäude von 1901:


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    an dieser Querstr. befindet sich die Einfahrt zu einer Tiefgarage:


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    Wir bleiben aber auf der Olbricht(Heer)str. Richtung Norden und begegnen linker Hand zwei Wassertürmen:


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    früher:


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    ...an der Kreuzung mit der Max-Liebermann-Str. sollte man nicht nach rechts gucken:


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    (Seniorenkaser*äh*residenzpalaisirgendsowas)


    ...sondern den Blick nach links schweifen lassen:


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    Dieses Gelände gehörte zur Infanterie-Kaserne des Regiments 107.


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    Die Kollegen von Nr. 106:


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    ...und wenn Sie Glück hatten, landeten sie hier:


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    Lazarett (Standort etwas weiter westlich die Straße runter)


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    (Soldaten im Lazarett, Leipzig, genauer Ort nicht bekannt)


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    Ende Gelände.

  • Unsere russischen Kameraden besuchen offensichtlich noch immer das Werk "Motor" aka завод "МОТОР" und verfolgen die Veränderungen auf einer eigenen Web site.



    Werk Motor


    Werk Motor Tor


    завод "МОТОР"


    Typische russische Arbeitsbeschaffung


    Pause


    Speisesaal


    In der Witzlebenstraße muss es ein Gefängnis gegeben haben. Die Russen nannten das offenbar "Klara", angeblich weil Clara Zetkin dort eingesessen haben soll. Davon habe ich noch nie etwas gehört.

  • Die russischen User in diesem Forum haben sich in den den letzten Jahre wiederholt in das Innere des "завод "МОТОР" begeben.


    In älteren Beiträgen bedauern russische User den damaligen Zustand der Areale und fragen schon einmal, ob die Deutschen darauf warten, dass die Russen wieder kommen und endlich für Ordnung sorgen.;)



    Orden sind ja wieder ganz groß im Kommen. Oder waren es bei manchen Besuchern eines Opernballs. Es gibt auch einen LEIPZIG-Orden.  


    Übersicht der Angebote


    Genau genommen sind es aber Abzeichen.

    3 Mal editiert, zuletzt von Stahlbauer () aus folgendem Grund: Das verlinkte Angebot wurde geschlossen.

  • Ich war Anfang der 80er in der Olbrichtstraße neben den Wassertürmen in einem Gefängnis der Sowjetarmee.

    Sollte meinem Vater über die Schultern schauen, ob mich der Lehrberuf eines Heizungsmonteurs interessieren könnte.

    Das oben verlinkte Foto könnte dazu passen. In den Zellen war genau eine Heizkörperrippe, das Ventil außen im Gang.

    Als Toilette war ein Loch in der Größe einer Bodenfliese 15x15cm im Boden. An der Wand eine hochgeklappte Holztür als Bett.

    In der Witzlebenstraße kann ich mir nicht vorstellen, dass dort ein Gefängnis war. Die rote Ziegelmauer zwischen Kaisergärten und den neugebauten Stadthäusern in der Witzlebenstraße war die Grenze zwischen NVA und Sowjetarmee. In der Witzlebenstraße waren m.M.n. nur Wohnhäuser, z.T. für Zivilbedienstete der Armee und Angehörige. Außerdem war im Bereich der neuen Stadthäuser in einer Baracke ein Pionierhaus (AG Junge Fotografen).

  • ">Inzwischen (Foto vom 18.03.2020) schon teilweise bewohnt: Der neue Stadtraum an der Fehmarner Straße: Rechts die sanierten Altbauten vom Werk Motor, links Neubauten und unter den Grünflächen eine Tiefgarage. Der Blick geht nach Osten Richtung Gohlis, wo das sanierte NVA-Verwaltungsgebäude erkennbar ist.

    Insgesamt schon beeindruckend, wie urban diese Ecke jetzt wirkt, wenn man mittendrin steht.

    Schade nur, dass die Chance vertan wurde, die Straßenbahnstichstrecke aus dem Viertelsweg bis hier und darüber hinaus zu verlängern - es ist ja die geradlinige Fortsetzung des Viertelswegs und die Anbindung an den ÖPNV kann hier nicht mehr als gut bezeichnet werden, der Fußweg zum S-Bahnhof Olbrichtstraße, zu den Bushaltestellen der Max-Liebermann-Straße oder zur Haltestelle "Viertelsweg" an der Landsberger Straße ist jeweils doch nicht kurz.

  • kein vernünftiger ÖPNV-Anschluss... und Einkaufsmöglichkeiten gibt es ebenfalls nicht. Auch ein Schulstandort ist nicht berücksichtigt.

    Wo bleibt die viel gepriesene integrierte Planung?

  • ^ naja - nun mal nicht so kritisch. Von dem Wohngebiet ist man in 10 min an der Tram und in unter 10 min an der S-Bahn und Bus. Ich kann hier keine fehlende Anbindung an den ÖPNV erkennen. Und mit dem ÖPNV ist man in max 30 min von Tür zu Tür zum Flughafen oder Bayerischer Bahnhof. Mit dem Fahrrad ist man in 20 min in der Innenstadt. Das ist für eine Großstadt absolut angemessen und normal.


    Es gibt in einem 10 min Umkreis fast eine komplette Nahversorgung mit mehreren Supermärkten, Apotheken, Praxen, Bäckereien, Restaurants, etc,pp. Nur Drogerien fehlen dort.


    Wenn der Rest bis zur S-Bahn Slevogtstraße noch entwickelt wird, kann sich die Nahversorgung sogar noch verbessern. Wichtig wäre aber dort, einen direkten Zugang zur S-Bahn (von der Glesiener- und Rügener) nicht zu verschlafen seitens der Stadt.

  • 10 Minuten Fußweg zu Haltestellen sind KEINE angemessene Qualität in einer Großstadt. Denn diese Zeit ist gefühlt für die Konkurrenz die Fahrzeit mit dem Auto. Wünschenswerte Anteile am modal split, dem "Marktanteil des ÖPNV" erreicht man mit max 250 m Fußweg.

  • ^ Und wie soll man maximal 250 Meter auf einem verkehrsberuhigten Areal mit 500-800 Meter Tiefe erreichen? Eine Verlängerung des Gleisdreiecks Viertelsweg ist keine, da aufgrund nicht vorhanden Platzes für eine Gleisschleife bzw. nicht vorhandenen Zweirichtern nicht möglich (mal abgesehen von seit Jahrzehnten nicht stattfindenden weitaus wichtigeren Streckenneubauten). Sofern man für eine direkte Zuwegung von der Rügener Straße zum S-Bahn-Haltepunkt sorgt, dürften maximal 350-400 Meter drin sein (im nördlichen Teil des Areals zur Buslinie 80), was durchaus noch akzeptabel ist.

  • Klar, DIESE Frage muss man sich VOR dem Bebauen eines Areals stellen und passend beantworten! Jetzt kann nur Schadensbegrenzung erfolgen.


    Kurzum:

    - Max-Liebermann-Str. braucht eine weitere Busstation an der Rügener Str. / Parc de Soleil (Bus im 10er Takt existiert)

    - Zuwegung S-Bahn muss geschaffen werden (S-Bahn-Angebot existiert)

    - mindestens eine weitere Buslinie im 10er Takt muss so geführt werden, dass Fußwege, Anschlüsse, Fahrbarkeit und Fahrzeit passen

  • 10 Minuten Fußweg zu Haltestellen sind KEINE angemessene Qualität in einer Großstadt. Denn diese Zeit ist gefühlt für die Konkurrenz die Fahrzeit mit dem Auto. Wünschenswerte Anteile am modal split, dem "Marktanteil des ÖPNV" erreicht man mit max 250 m Fußweg.

    Sehe ich wirklich nicht so. Natürlich gibt es in einer Großstadt eine starke Verdichtung an Möglichkeiten (verschiedene Linien und Stränge) des ÖPNV in der Kernstadt. Aber selbst in London, Paris, oder New York finde ich in den Bezirken welche in Richtung Stadtrand gehen, nicht immer eine Stadion unter 10 min.

    Hier nun wegen eines verhältnismäßig kleineren Quartier eine Tram-Linie für ein paar hundert Meter weiterzuführen, halte ich für nicht angemessen. Schon allein durch den von 'Dase' gemachten Verweis, dass es in der Stadt diesbezüglich wichtigere und größere Notwendigkeiten gibt.

  • Keine Frage, die Angemessenheit und die Abwägung zu anderen wichtigen Investitionen werden dort vorerst keine Gleise erscheinen lassen.


    Das ändert jedoch nichts an den Gesetzmäßigkeiten zur Verkehrsmittelwahl. Auch wenn andere Metropolen (stellenweise) weite Fußwege erzwingen, dann erreichen diese Areale (wie die Gohliser Kasernengebiete) eben NICHT den möglichen modal split für ein dichtes gutes Netz. Wien schafft stattweit knapp 40%, Leipzig mit ca. 18% wird sich stark zwischen Gründerzeit (ca. 30%) und Randgebiet (ca. 1 bis 5%) unterscheiden. Ohne wachsenden Marktanteil gibt es jedoch mehr urbane Probleme mit dem MIV.

  • Wir unterscheiden uns da gar nicht in der Meinung. Ich frage eigentlich damit nur, ob eine Stadt Leipzig überhaupt so strukturiert werden kann? Was sich durch die fehlende wirtschaftliche Entwicklung der 1960-1980er eben nicht niedergeschlagen hat; die Veränderung der Stadtstruktur mit U-Bahn/Stadtbahn, S-Bahn und Straßen-Infrastruktur etc. ist ja hier nie wirklich erfolgt. Eher Puzzleteile in den 1990er und 2000er Jahren. Was aber zB positiv bzgl des MIV ist - da sind wir uns alle einig.


    Nun sind die Zeiten der großteiligen strukturellen Stadtumbauten vorbei. Ein ordentliches S-Bahn System in der Stadtfläche braucht Jahrzehnte. Eine U-Bahn wird nie gebaut werden. Und die Tram mäandert durch die Stadt und gewinnt ausser bei den Stadtbahnstrecken nicht wirklich Zeit. Die Gründerzeitviertel will auch - zum Glück - niemand mehr brechen bzw schleifen.


    Wie nun also weiter? Ich kann beim hiesigen Beispiel keinen Sinn für eine Tramstrecke dorthin erkennen. Ich sehe aber natürlich einen Bedarf an einer schnelleren Anbindung an die Tram oder S-Bahn. Nur wäre hier eben keine ÖPNV Möglichkeit gegeben. Sondern eher kleinteilige Variante(n) im Gesamtsystem. Also das Leihfahrrad was ich vor der Tür bis zur Tram/S-Bahn fahre um in zwei/drei Minuten die Bahn zu bekommen. Oder ein leihbares E-Auto, mit dem ich dann mal in den Baumarkt fahren oder drei Kästen Bier für die Feier am Wochenende holen kann.


    Aber wie weit kann hier die Stadt eingreifen?

  • Da eine neue Straßenbahn vorerst eher unrealistisch ist, müssten nun mindestens drei Maßnahmen angegangen werden: Erstens muss eine neue Haltestelle für den 90er Bus eingerichtet werden, zweitens ein westlicher Zuweg zum S-Bahnhof Slevogtstraße erstellt werden und drittens eine Taktverdichtung auf der S-Bahn-Linie 3 auf einen Viertelstundentakt vorbereitet und umgesetzt werden.

  • 10 Minuten Fußweg zu Haltestellen sind KEINE angemessene Qualität in einer Großstadt.

    Also ich wohne in einer etwas größeren Großstadt, relativ zentral (Prenzlauer Berg, Skandinavischer Kiez) und habe dort mitnichten alle 250m ne U- oder S-Bahn oder Tram. Ich muss in jede Himmelsrichtung locker mal 10min zur nächsten ÖPNV Haltestelle laufen. 10 Minuten Fußmarsch ist völlig akzeptabel und zumutbar.