Dimension des Stadtschlosswiederaufbaus

  • @ nairobi et al.:


    Nur geht's bei diesem Vorhaben nicht (zumindest nur sehr nachranging) darum herausragende Architektur wiederzugewinnen, sondern um Stadtreparatur. Das Schloss ist zentraler Bestandteil des städtebaulichen Kontextes der Berliner Mitte.


    Weil zusätzlich die Räumlichkeiten sowieso dringend benötigt werden und ein kontemporärer Neubau (der wie in den letzten Jahrzehnten gesehen hier dem Kontext nur unwahrscheinlich gerecht werden kann) nicht günstiger sein würde, sehe ich hier nicht worüber sich's zu echauffieren gilt.


    Der Streitpunkt, dass nicht das Land Berlin alleine zahlt, sondern der Bund Mit- Auftrag-& Geldgeber ist, ist meines Erachtens nur sehr bedingt zulässig, da der Hauptnutzer die Staatlichen Museen Berlin sind, deren Träger Bund und alle Länder gemeinsam sind!

  • @ Richard Neutra: ...und in ein paar Jahren werden Sie dann ja sehen, wem das Geld am Ende fehlt. Von einem Schuldner, bei dem es nichts mehr zu holen gibt, erbringt der Bürge die Leistung. Die Hellenische Republik hat numla kein Geld mehr und ist für die internationale Wirtschaft somit uninteressant. Also sag ich es noch einmal: Wenn der Bürge zahlt, zahlt auch der Bürger.


    Ich denke, diese Diskussion artet immer mehr in die politische Richtung aus und sollte beendet werden.

  • DaseBLN: und ich bezeichne die Verwendung des Begriffs Stammtischparole als einen Auslöser für Godwin. Du bist derjenige, der es sich einfach macht.
    In Berlin und anderen Bundesländern wird finanzpolitischer Unsinn getrieben? Sicherlich. Jetzt ist aber die Situation eingetreten, daß Unsummen ins Ausland transferiert werden, um den dortigen finanzpolitischen Unsinn zu unterstützen. Das dürfte ja nicht passieren, solange es hierzulande auch nur eine notleidende Kommune gibt. Ich sehe da eine gewisse Erklärungslücke. Du siehst sie auch und willst sie mit dem Stammtischargument wegwischen.

  • Informiere dich darüber, was ein "Regime" ist, die Regierung Deutschlands ist es jedenfalls nicht!

    Regime ist ein französisches Wort und bedeutet nichts weiter als Leitung, Lenkung, Herrschaft. Deswegen auch Regisseur, Regiment und Regierung. Es bezeichnet genau dasselbe wie der Suffix -kratie hinter so schönen Worten wie: Aristrokratie, Technokratie und Eurokratie. In Deutschland herrscht eine Listendemokratur.


    Man bedenke, dass unsere amtierende Kanzlerin die ersten vier Jahre ihrer Amtszeit mit einer Koalition regiert hat, deren eine Hälfte im Wahlkampf mit dem Slogan "Kan di dat? Die kann dat nich!" angetreten ist. Davor musste sie sich nicht in einer einzigen Landtagswahl dem Wählervotum stellen. Allein die CDU Regionalkonferenzen und die Protegierung als Kohls Mädchen haben die Sachbearbeiterin und Pressesprecherin einer ostdeutschen 0,9% Partei in eine Position gebracht, von der aus sie ins höchste exekutive Amt der Bundesrepublik aufsteigen konnte. Erst der letztjährige Wahlsieg von Schwarz-Gelb hat der ersten deutschen Kanzlerin eine gewisse nachträgliche Legitimierung verschafft.

    Die Investition in die Hauptstadt fließen seit über 50 Jahren. Noch nie was vom "Berlinzuschlag" gehört?

    Schön wär's, aber der (West-)Berlinzuschlag war eine Subvention (keine Investition), die die massive Industrie- und Bevölkerungsabwanderung der territorial isolierten Halbstadt stoppen sollte. Also sozusagen eine zweite Mauer rund um Westberlin. Wie so viele Subventionen ist sie letztlich an der Realität gescheitert. Die Abwanderung der Unternehmenssitze, der Forschungs- und Entwicklungsabteilungen konnte nicht verhindert werden. Mit Ende der Subvention sind auch die nachgelagerten Arbeitsplätze verschwunden und weitere 100.000 Industriearbeitsplätze nachträglich vernichtet worden. Echte Investitionen sehen anders aus.


    Die wenigen größeren Investitionen während der Zeit der Teilung waren in der Regel politisch motiviert. Wie zum Beispiel der Umzug des Axel Springer Verlags oder die Entscheidung Spandau zum einzigen Standort der BMW Motorrad Fertigung zu machen. BMW hat heutzutage übrigens wieder ein Werk in einer durch den Krieg isolierten Enklave - die (mit Steuerprivilegien geförderte) Sonderwirtschaftszone Kaliningrad (ehemals Königsberg). All dies wäre übrigens unnötig gewesen, wenn Adenauer die Stalin-Note ernst genommen und bereits 1952 die Wiedervereinigung eines entmilitarisierten Deutschlands angestrebt hätte. Aber die Westbindung war dem alten Rheinländer lieber als eine Neutralität im Kalten Krieg. Ebenso wie die Bundesrepublik heute im Glaubenskrieg zwischen fundamentalistischen Christen und Muslimen einfach nicht neutral bleiben mag.

  • indemann & andere
    Das hier ist nun wirklich kein Thread über die Vor- und Nachteile der EU. Also Schluss mit diesen ewig dämlichen Griechenland, Deutschland und EU Vergleichen...

  • Nur zur Erinnerung: Berlin ist weiterhin mit Abstand größtes Nehmerland im Rahmen des Länderfinanzausgleichs. Und da sind Bundesausgaben in Milliardenhöhe noch gar nicht mit dabei.

    Nur zur Erinnerung: Der Länderfinanzausgleich und das darin enthaltene Stadtstaatenprivileg wurde damals von wirtschaftlich schwachen süddeutschen Agrarländern und wirtschaftlich starken norddeutschen Stadtstaaten erdacht, immer mit dem Hintergedanken selbst am meisten davon zu profitieren. Dafür dass das vereinigte Berlin als wirtschaftlich schwacher Stadtstaat mit hoher Bevölkerungszahl von den Regelungen heute am meisten profitiert, kann das Land nichts.


    Also kommen wir direkt zu den "Bundesausgaben in Milliardenhöhe". Zur Erinnerung: Die regierungsbedingten Ausgaben des Bundes in Berlin und dem wesentlich kleineren (aber historisch obsoleten) Bonn sind in etwa gleich groß. Das Geld, das der Bund in Berlin für sich selbst ausgibt, kann auch nicht einfach als Subvention von Berlin interpretiert werden. Die Stadt profitiert davon nur sehr indirekt und hat auch erhebliche Kosten, weil jeder Interessenverband mindestens einmal im Jahr vorm Brandenburger Tor demonstrieren will.


    Hinzu kommen Ausgaben des Bundes in Berliner Kultureinrichtungen. Dies sind mit die einzigen Subventionen von denen Berlin überhaupt bzw. stärker als andere Länder und Städte profitiert (von Bayreuth und Weimar einmal abgesehen). Zum Teil handelt es sich dabei um Investitionen in Gebäude und Institutionen die dem Bund (als Nachfolger der DDR) selbst oder (über die Stiftung Preußischer Kulturbesitz) allen Bundesländern gehören. Die Ausgaben zum Erhalt eigener Immobilien mag ich nicht als Subvention Berlins betrachten. Bei Museumsinsel, Deutsches Historisches Museum, Naturkundemuseum handelt es sich um lange verschleppte Ersatzinvestitionen. Es werden keine neuen Einrichtungen geschaffen, sondern bestehende restauriert und modernisiert. Eher schuldet der Bund dem alten Preußen noch Dank dafür, dass es ihm solche Schätze hinterlassen hat.


    Bei vielen Neubauten zum Beispiel Jüdisches Museum, Einheitsdenkmal, Holocaust Mahnmal und Bundeswehr Ehrenmal betreibt der Bund lediglich seine eigene Geschichtspolitik. ("Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft. Wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit." Orwell) Dabei herrscht der Wunsch vor, die Deutungshoheit über die Geschichte zu erlangen und nicht etwa den Berlin Tourismus zu fördern.


    Bleiben also die Beihilfen des Bundes zu originär Berliner Kultureinrichtungen und -veranstaltungen. Stünde die Staatsoper in einem anderen Bundesland, der Bund hätte genauso einen Beitrag zu deren Renovierung geleistet, (allerdings ohne sich lange darum bitten zu lassen). Gäbe es andernorts eine Veranstaltung von der Bedeutung und Strahlkraft der Berlinale, selbstverständlich wäre der Bund als Träger mit dabei. Wenn der (winzige) Etat des Kulturstaatssekretärs überproportional nach Berlin fließt, dann weil es hier (auch im Rahmen der Filmförderung) mehr förderwürdige Einrichtungen und Projekte gibt als anderswo. Ansonsten ist Kultur Ländersache einen Kulturstaatsminister gibt es erst seit 1998.


    Bei den allgemeinen Infrastrukturinvestitionen sticht Berlin (immer in Relation zur Größe der Stadt) auch nicht sonderlich hervor. Vielfach finden die Bauprojekte in Berlin einfach mehr mediale Beachtung. Wer einmal die Bundessubventionen vergleichbarer Projekte in Berlin und Leipzig miteinander vergleicht, bei Messegeländen (ICC vs. MM), Flughäfen (BER vs. LEJ) und Stadien (Olympia-vs. Zentral-), der wird feststellen, dass proportional eher wenig Geld nach Berlin fließt. Nicht nur bezogen auf die Einwohnerzahl beider Städte, sondern auch bezogen auf die Zahl der Messebesucher, Fluggäste und Stadionbesucher, welche das Angebot tatsächlich nutzen. Das Verschwendungsargument greift nicht.

  • Ach so, und warum sollte gerade das Berliner Stadtschloss etwas herausragendes unter den vielen Schlössern darstellen?

    Weil dort der Deutsche Kaiser wohnte und kein primitiver Duodezfürst.

    Es war schon im Original kein wirkliches Schmuckstück gewesen, als Plagiat wird es das noch weniger sein.

    Das Plagiat nach Entwurf von Franco Stella gewinnt an Symmetrie und damit an Schönheit. Durch die Nutzung als Museum wird es demokratischer und intellektueller sein als das Original. Darüber hinaus hat ein Original natürlich einen höheren historischen Wert als eine Kopie, aber die Kopie eines historischen Gebäudes ist immer noch tausendmal wertvoller als irgend ein Neubau.

    Aber jede Stadt sollte Herr seiner Stadtplanung sein und ggf. dafür aufkommen.

    Abgesehen von Hauptstädten bei denen die Regierungen gerne mit reinreden. Von mir aus soll der U-Bahnhof Bundestag lieber wieder Reichstag heißen und die Straße des 17. Juni wieder Charlottenburger Chaussee. Auf einen Europaplatz könnte ich genauso verzichten wie auf einen Washingtonplatz. Aber in solchen Fragen ist Berlin nun mal nicht uneingeschränkt souverän. Schon gar nicht wenn der Bund die Rechnung zahlt.

    Ich sehe den Bund nicht in der Pflicht diese regionale Aufgabe zu finanzieren.

    Da der Bund den Palast der Republik erst in Besitz genommen, dann entkernt und schließlich abgerissen hat, ist er natürlich in der Verantwortung für das, was mit dem Gelände geschieht. Darüber hinaus hat der Bundestag eine Kompetenz-Kompetenz und kann sich für alles zuständig erklären, was ihm beliebt.


    Die (auch von dir) gewählten Abgeordneten aller Parteien waren (warum auch immer) der Meinung es wäre ihre Aufgabe: Das Berliner Stadtschloss als Humboldt-Forum mit drei historischen und einer modernen Fassade und einer nicht näher definierten Kuppel zu rekonstruieren. Wenn du das anders siehst, gründe eine eigene Partei und gewinne 2013 die Mehrheit.

    Es passt nicht zu den Prinzipien eines Bundesstaates wie es Deutschland nun mal ist.

    Dagegen hilft eine Klage vorm Bundesverfassungsgericht. Das Gericht wird die Klage abweisen und dich auf die neu ins Grundgesetz aufgenommene Hauptstadtklausel aufmerksam machen:


    Artikel 22 Absatz (1) Die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland ist Berlin. Die Repräsentation des Gesamtstaates in der Hauptstadt ist Aufgabe des Bundes. Das Nähere wird durch Bundesgesetz geregelt.

  • Repräsentation parlamentarischer Demokratie per Schloss?

    Weil dort der Deutsche Kaiser wohnte und kein primitiver Duodezfürst.


    Sofern "Deutschland" nicht erst seit 1871 existiert stimmt das einfach nicht. Preußen war historisch eine unbedeutende Agrarprovinz ("Kornkammer") im Nordosten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Soviel zum Thema "Duodezfürst". Darüber hinaus ist "Kaiser" kein Titel den man beliebig verleihen kann sondern der Kaiser wird vom Papst gekrönt. Der letzte dahingehend legitime Deutsche Kaiser war Franz II, der in Wien die Kaiserkrone niederlegte da er nicht zum "Staatsnotar" von Napoleons Gnaden degradiert werden wollte.


    Dort liegt die Kaiserkrone bis heute, in der wiener Hofburg. Redet man von "Deutschland" als kulturellem Begriff, das heutige Staatsgebiet existiert ja erst seit 1990, dann ist eigentlich Wien die historische Hauptstadt (und, wenn mir das Kommentar gestattet sei, deutlich mondäner und weltstädtischer als es Berlin jemals sein wird - nichts für ungut, aber die berliner Selbstbeweihräucherung hier im Forum ist unerträglich).


    Soviel zur Bedeutung dieses Baues. Um beim Duktus zu bleiben handelt es sich also historisch um ein preußisches Provinzschloss in der wenige Jahrzehnte ein Autokrat residierte, der sich am Ende eines provozierten Krieges gegen Frankreich zum "Kaiser" krönen lies, sich wahlweise auch mal gerne "Imperator Rex" nannte und "Hunnenreden" schwang. Und auch sonst halte ich persönlich das "Erbe" Preußens für eher problematisch.

    Einmal editiert, zuletzt von Augsburger ()

  • so als dresdner;-), warum immer in diese extreme verfallen?


    Sofern "Deutschland" nicht erst seit 1871 existiert stimmt das einfach nicht. Preußen war historisch eine unbedeutende Agrarprovinz ("Kornkammer") im Nordosten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Soviel zum Thema "Duodezfürst".


    auf welche zeit beziehst du dich denn? ab mitte des 17. jahrhundert ist diese these nicht mehr stützbar.


    . Darüber hinaus ist "Kaiser" kein Titel den man beliebig verleihen kann sondern der Kaiser wird vom Papst gekrönt. Der letzte dahingehend legitime Deutsche Kaiser war Franz II, der in Wien die Kaiserkrone niederlegte da er nicht zum "Staatsnotar" von Napoleons Gnaden degradiert werden wollte.


    meines erachtens krönten sich die kaiser ab anfang des 16. jahrhunderts selbst, also somit gerade die meisten habsburger...


    allgemein, der aufstieg der habsburger dynastie begann auch erst so richtig in der neuzeit. außerdem war die macht und das einflussvermögen eines kaisers im heilgen römischen reich (deutscher nationen) seit dem 13/14 jahrhundert stetig gesungen und an sich nicht vergleichbar mit den kaisern im deutschen kaiserreich. wenn es um identitätsstiftende "deutsche städte geht, sollte man wohl eher auch andere reichs, freie oder krönungsstädte wie frankfurt, köln, nürnberg oder prag usw. nennen dürfen;-). aufgrund bekannter territorialer und politischer gegebenheiten hatten wir eben nie ein paris oder londen....


    so, das wars auch schon...

  • Artikel 22 Absatz (1) Die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland ist Berlin. Die Repräsentation des Gesamtstaates in der Hauptstadt ist Aufgabe des Bundes. Das Nähere wird durch Bundesgesetz geregelt.


    Guderian, lassen Sie uns nicht wieder die gleiche Diskussion führen, die wir anderswo schon des häufigeren geführt haben.
    Ihre Definition des Hauptstadtbegriffs und die daraus abgeleitete notwendige Repräsentanz sind eine andere als meine.
    Zum Bundesverfassungsgericht brauch ich übrigens nicht zu gehen, dass hat ja schon Herr Wowereit erledigt und sich eine ordentliche Klatsche abgeholt.
    Das darauf folgende Bundesgesetz (zu Artikel 22) geht mir zwar immer noch etwas zu weit, aber durfte meinen Vorstellungen weit stärker entgegenkommen als Ihren! So wird zum Beispiel die Unterhaltung der Deutschen Oper an die Stadt übertragen. Insgesamt wird der Kulturförderung ein sehr enger Rahmen gesetzt und das ist gut so.


    Aber zurück zum Stadtschloss.
    Ich stehe solchen Projekten sowohl historisch, wie auch architektonisch prinzipiell ablehnend gegenüber. Solche Gebäude haben mit dem Original meist nur den Standort gemeinsam. Ein Museum, so man in Berlin ein weiteres braucht, hätte auch billiger haben können. Was den Ort angeht, ich hätte entweder den Lampenladen stehen lassen (historisch korrekt) oder wenn er nicht sanierungsfähig war, hätte ich den Platz frei gelassen.


    Über eine halbe Milliarde (vor allem aus Bundesmitteln) in einem im Grunde überflüssigen Bau zu stecken finde ich angesichts der Haushaltslage fast skandalös! Und es glaubt doch keiner ernsthaft, dass das Budget ausreichen wird.
    Am Ende wird die Milliarde überschritten. Alles andere würde mich sehr Überraschen!

  • Über eine halbe Milliarde (vor allem aus Bundesmitteln) in einem im Grunde überflüssigen Bau zu stecken finde ich angesichts der Haushaltslage fast skandalös!


    ^^ Ein Satz zum reinschlagen. Die Geschichts- und Kulturvergessenen Schlossgegner sind wirklich ausgesprochen schlechte Verlierer. Skandalös ist hier nur der aüßerst durchsichtige Versuch, den beschlossenen Wiederaufbau mit plötzlich auftretenden finanziellen Bedenken zu torpedieren. Eine der wirtschaftsstärksten Nationen der Welt braucht einen Repräsentativbau in der Mitte der Hauptstadt. Es ist eine absolute Selbstverständlichkeit, daß Geld dabei keine Rolle spielt. Zumal es hier nur um peanuts geht! Es ist eine Frechheit, in dem Zusammenhang Geld überhaupt zum Thema machen zu wollen.


    Grundsätzlich: Selbst wenn man mit dem Schloss als Bauwerk nicht einverstanden ist, darf man sich nicht dazu hinreißen lassen, denjenigen beizupflichten, die behaupten, für Selbstverständlichkeiten wäre nicht mehr genug Geld übrig. Damit macht man sich zum Kollaborateur bei der finanziellen Austrocknung Deutschlands.

  • Hallo Leute,


    also ich finde die Diskussion hier wird langsam zu politisch. Und wie wir alle wissen, sind politische Diskussionen nicht unbedingt lösungsorientiert ausgerichtet - es geht zumeist nur um grundsätzliche Standpunkte und sinnloses Eindreschen auf den vermeintlichen "Gegner".


    Aber - falls es euch noch nicht aufgefallen ist - das hier ist ein Architekturforum. Es ist zwar verleitend, den eigenen Standpunkt mit Gründen der Finanzierbarkeit bzw. des Gesamtnutzens zu untermauern, darum geht es hier aber nicht.


    Ich fände es schön wenn die Diskussion sich wieder auf das wesentliche beschränken könnte und dass die Moderation hier mal ein Auge drauf wirft. Im Moment macht es jedenfalls keinen Spaß mehr hier zu lesen, zumindest nicht wenn man sich "nur" über Architektur informieren möchte.

  • Hallo Jai-C,
    man muss nicht jede Diskussion gleich unterbinden wollen. Gerade im Fall des Schlosses sind architektonische und politische Aspekte untrennbar miteinander verwoben. Es wäre ein Fehler, eines davon auszublenden.


    --------------------
    Hinweis der Moderation: Beiträge 1-33 habe ich aus dem Stadtschloss-Thread verschoben. Es ging darin nicht mehr primär um den Wiederaufbau an sich, sondern um politische Implikation und die Bewertung des Wiederaufbaus und der Bedeutung für die Hauptstadt. In der Masse hat es den Thread doch recht unleserlich gemacht. Da anscheinend doch ein großer Diskussionsbedarf über diesen Thema besteht, da wir jedoch auch der Stringenz der Themen gerecht werden wollen, ist eine Auslagerung dieses Teilaspektes in meinen Augen sinnvoll. Falls jemand Anmerkungen dazu hat, kann er diese gerne per PN an mich mitteilen. Ich werde dies dann mit den Moderatorenkollegen besprechen. Danke für euer Verständnis. Jo-King

  • indemann


    Leider haben Sie den falschen Absatz meines letzten Posts zitiert, den ich eher für nebensächlich halte, auch wenn man in diesem Zusammenhang durchaus über Geld schreiben dürfen sollte.


    Sie tun gerade so, als ob es in Berlin keine repräsentiven Gebäude gibt. Aber das ist doch alles andere als korrekt!
    Reichstag und Kanzleramt als Symbole des Gesamtstaats. Hauptbahnhof und BBI auf dm Verkehrssektor und zahlreiche runderneuerte und historische Kulturbauten als Original!
    Alles in Ordnung!


    Den Neubau des Schlosses als Selbstverständlichkeit zu bezeichnen ist finde ich allerdings daneben. Zumal es wirklich keine architektonische Schönheit war. Die Betonung liegt auf war. Den selbst wenn man dort ein Gebäude baut, das von drei Seiten so aussieht als ob, es ist es nicht!

  • Sagen wir so, die diversen "Generalplanungen" (Wilhelmismus, "Germania"-Pläne, Hauptstadt der DDR) Berlin als "Hauptstadt" umzugestalten sollten gezeigt haben dass man von solch einem Ansatz beim Städtebau die Finger lassen sollte. Die Rhetorik die hier teilweise an den Tag gelegt wird erschreckt mich regelrecht. Das ist nicht die Republik, nicht das Deutschland, in dem ich aufgewachsen bin.


    In meiner Bundesrepublik erfüllt eine Hauptstadt eine Funktion, ist Sitz von Verwaltung, Parlament und Regierung. Diese Organe haben sachlich und bürgernah zu agieren und sich nicht hinter menschenverkleinernder Architektur und martialischer Formensprache zu verschanzen. Und schon gar nicht fühle ich mich von sowas repräsentiert. Dieses ganze Großmannsgehabe. Wenn ich sowas lesen muss dann muss ich meine Meinung revidieren dass der Umzug der Hauptstadt von Bonn nach Berlin eine richtige Entscheidung war.


    Da denke ich wehmütig an das luftig-distingierte Bundestagsgebäude in Bonn zurück, wenn ich den dunklen Sandsteinklotz mit Flaggengeflatter auf den "Festungstürmen" sehe. Eine geradezu martialische Formensprache. Und soweit ich weiss habt ihr mehr als genug Schlösser in Berlin/Brandenburg die nicht nur "echt" und original sondern gefährdete Denkmäler sind. Wenn anstatt dieses historische Erbe zu erhalten Geld für Kulissenzauber ausgegeben wird dann ist auch das Finanzielle ein wichtiger Aspekt dieser ganzen Sache.


  • Ich stehe solchen Projekten sowohl historisch, wie auch architektonisch prinzipiell ablehnend gegenüber. Solche Gebäude haben mit dem Original meist nur den Standort gemeinsam. Ein Museum, so man in Berlin ein weiteres braucht, hätte auch billiger haben können. Was den Ort angeht, ich hätte entweder den Lampenladen stehen lassen (historisch korrekt) oder wenn er nicht sanierungsfähig war, hätte ich den Platz frei gelassen.


    Diese Einschätzung in einem 'Architekturforum' lesen zu müssen, hat schon einen ganz speziellen Beigeschmack. Bauen wir also lieber nichts und kultivieren die Unkultur der mutwillig herbeigeführten Brachfläche. Und inwieweit ein PdR historisch korrekter sein soll, als ein Humboldt-Forum, will sich mir auch nicht recht erschließen. Wie bereits weiter oben angemerkt, geht es hier in erster Linie um die Korrektur von Stadtzerstörungsmaßnahmen, um Reparatur der Innenstadt. Und da ist nun mal Gottseidank kein Platz für Rummelplätze, gammelige Abstellflächen oder Bowlingbahnen.

  • Augsburger: Dieses Bauwerk wird nicht errichtet, um dem Wilhelminismus oder Preußens Glanz und Glora zu huldigen! Es geht hier schlicht und ergreifend darum, dieser Stadt ihr Gesicht wieder zu geben, welches durch Kriegszerstörung und Nachkriegsabriss vernichtet wurde. Und zwar durch Wiederaufbau. Warum darf denn ausgerechnet Berlin deiner Meinung nach nicht das Gleiche tun, was in den meisten anderen Städten schon vor Jahrzehnten vollzogen wurde?
    Warum muss die Innenstadt der Hauptstadt dieses Landes eine hässliche Brache bleiben?

  • Welchen faden Beigeschmack sollte es haben?
    Es geht ja eigentlich nicht um einen Wiederaufbau, sondern um einen Neubau im alten Gewand. Keine Orignalmauer steht da mehr.
    Der PdR war auch ein Stück Geschicht der Stadt und wenn man so will des Gesamtstaats. Vielleicht nicht so chick, aber egal.
    Natürlich kann die Stadt oder ein privater Investor das Schloss auch wieder aufbauen, aber es ist keine Aufgabe des Bundes.
    Und Brache ist nicht gleich Brache. In Hamburg hat man dort, wo früher der Dom stand ein kleinen Park errichtet. Natürlich könnte man auch den "wiederaufbauen", immerhin haben wir ja auch wieder einen kath. Bischof.


    Ich verstehe einfach das Anspruchsdenken in Berlin nicht. Irgendwie glauben dort noch viele es wäre Hauptstadt Preußens oder der DDR und die Provinzen haben gefälligst für die Hauptstadt zu zahlen. Berlin ist in erster Linie eines von 16 Bundesländern, das seine Angelegenheiten selbst zu erledigen hat. Der Bund sollte sich da weitgehend zurückhalten!

  • Wie bereits vor kurzer Zeit gepostet:


    Ein zeitgenössischer Bau an dieser Stelle hätte die beteiligten Körperschaften d.ö.R. mit Sicherheit die gleiche Investitionssumme abverlangt - die hier teure Fassade wird immerhin privat finanziert, so der Plan. Insofern sind - wie bereits gesagt - Argumente wie die von Augsburger nicht einschlägig.