Baugeschehen: Zentrum

  • ^Auch da wieder eine kaltherzige und kapitalistische Gegenrede: Wie viele Räume, die "kein Geld abwerfen", soll es denn in Chemnitz noch geben? Wir hatten gerade erst die Diskussion über die Kreativachse, die solche Flächen im Überfluss anbietet. Wird Monate nach Beginn der Aktion auch nur irgendeine der Flächen genutzt? Muss man noch immer mehr Angebote schaffen, die heute schon nicht nachgefragt werden?


    Die Rosenhoffläche wäre die absolute Filetlage auf dem Chemnitzer Immobilienmarkt, und da darf man potentiellen Investoren nicht noch mit irgendwelchen Mietfrei-Träumereien Knüppel zwischen die Beine werfen. Man sieht doch schon auf dem Johannisplatz, wie herausfordernd und schwierig Investitionen in einer wirtschaftlich schwachen Stadt wie Chemnitz sind. Stadtentwicklung und Gewinnerzielung gehen Hand in Hand, schon immer und auch in Zukunft.

    Wenn es darum geht, eine innerstädtische Schlafstadt zu planen, so wie du es weiter oben beschreibst, dann kann man den Status Quo behalten. Weil exakt das ist es dort jetzt schon. Du schriebst selbst: innerstädtische Filtetlage. Dazu gehören öffentliche Räume - kommerzielle und nichtkommerzielle Nutzungen.


    Die Kreativachse hat damit nicht das geringste zu tun - Äpfel und Birnen. Davon abgesehen hast du meinen Beitrag mal wieder nicht richtig gelesen - eine mögliche Finanzierung wird darin nämlich genannt, ohne die armen Investoren unnötig Belangen zu müssen.

  • Der Hauptgrund für Geschäftsschließungen ist die mangelnde Nachfrage von Kunden, so einfach ist das. Das wird beim Unverpackt-Laden auch nicht anders gewesen sein. Aussagen wie "gleichzeitig hätte man sich den Brühl-Boulevard belebter vorgestellt" sprechen Bände über die Blauäugigkeit und Naivität der Geschäftseröffnung - zumal die Eigentümerin ein paar hundert Meter weiter auf dem Sonnenberg schon einen Unverpackt-Laden betreibt und sich somit selber Konkurrenz gemacht hat. Und auf dem Kaßberg und im nahen Burgstädt gibt es weitere - die Nachfrage in Chemnitz scheint wurde offensichtlich als nahezu unstillbar eingeschätzt...


    Öffentliche Gelder für das Bedienen einer winzigen Nische in einer C-Lage wären jedenfalls ein absurder Fehlanreiz im mittlerweile sowieso völlig aus dem Ruder gelaufenen Förderdschungel.

  • Und was hat der Unverpackt-Laden mit dem Post darüber zu tun? Das Geschäft ist eine kommerzielle Nutzung - die Eigentümerin muss davon leben. Hier wäre beispielsweise ein Miet-Modell sinnvoll gewesen, welches sich am Gewinn des Geschäftes orientiert. Da wäre dem Brühl geholfen, dem Vermieter und auch der Gewerbetreibenden. Jetzt steht der Laden leer und bringt auch keine Miete. Klasse 👍🏻


    Und wer soll denn eigentlich die Mehrkosten für die von dir geforderten Rekonstruktionen tragen? Doch nicht etwa die armen Investoren? Wie sollen die denn mit so vielen Knüppeln zwischen den Beinen noch auf ihre mindestens 20 Prozent Rendite kommen? Und was soll denn in den Erdgeschossen deiner Rekonstruktionen passieren? Wohnungen in Erdgeschossen vermieten sich äußert schlecht - insbesondere in einer Stadt mit 19 Prozent Leerstand. Nicht sehr durchdacht deine Idee…

  • Und was hat der Unverpackt-Laden mit dem Post darüber zu tun?

    Gar nichts. Dafür alles mit dem Beitrag davor, den ich während des Schreibens meiner Antwort noch als den "Post darüber" betrachtet habe, während Du offensichtlich gleichzeitig geantwortet hast.

    Hier wäre beispielsweise ein Miet-Modell sinnvoll gewesen, welches sich am Gewinn des Geschäftes orientiert.

    Soll das etwa der Finanzierungsvorschlag sein, den ich in Deinen vielen Fragen beim falschen Lesen übersehen haben soll? Es wäre für den Vermieter bestimmt die reine Freude, seine Miete in Abhängigkeit vom Gewinn des Geschäftes zu bekommen. Das ist schließlich keine Information, die von Wirtschaftsprüfern im Bundesanzeiger veröffentlicht wird. Soll er dann zur Mieterin gehen und fragen, was sie verdient hat? Da würden mir viele kreative Antworten einfallen, um mich um die Miete zu drücken ("Drei Hemdknöpfe ... Ich hätte 300 Euro verdient, wenn der Hund die nicht gefressen hätte ... usw."). Falls Fördermittel für alles und jeden die Finanzierung sein sollen, würde mein Beitrag ja sogar passen, weil ich meine Ablehnung dieses Modells darin durchaus zum Ausdruck gebracht habe.


    Ansonsten gibt es in der Innenstadt und deren unmittelbarer Nähe bereits alle denkbaren kommerziellen und nichtkommerziellen öffentlichen Nutzungen im Überfluss. Das Problem dieser Nutzungen ist nur, dass sie wegen der sozialen Zusammensetzung der Plattenbauten nicht genutzt werden. Und das kann man nur durch das andere Publikum von denkbaren Neubauten ändern.


    Und dass sich Wohnungen in Erdgeschossen in dieser Lage schlechter vermieten lassen als Gewerbeflächen oder Kreativbutzen, halte ich erst mal für ein Gerücht. Zumal bisher nicht erkennbar wird, wie diese Alternativen irgendeine nennenswerte Miete abwerfen sollen.


    P.S.: Schön, dass sich so eine hitzige Diskussion ergibt, obwohl der Anlass nur ein Schülerprojekt ist, dessen Umsetzungschancen in den nächsten Jahrzehnten bei ziemlich exakt 0,0 liegen : - )

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    Das grundsätzliche Übel, warum in Chemnitz nicht funktioniert, was in Leipzig und Dresden durchaus gelingt, ist die zu niedrige Kaufkraft bei gleichzeitig zu großer Einzelhandelsverkaufsfläche pro Kopf. Schuld ist hier der großflächige Einzelhandel, der in Chemnitz auch 2022 immer noch 42% mehr Flächen pro Kopf aufweist, als der sächsische Durchschnitt (der ja durch Chemnitz mit beeinflusst wird - völlig absurde Zahlen eigentlich).


    Das bedeutet, dass man bei einer ernsthaften Innenstadtentwicklung über Unorte wie den Neefepark, das Chemitz Center, das ACC, das Vita Center usw. sprechen müsste (die Sachsenallee nenne ich hier bewusst nicht, die macht vieles richtig).





    Quelle: Handelsatlas Sachsen 2022 - Region Chemnitz

  • ^^ Im innersten Innenstadtring der viergrößten Stadt Ostdeutschlands darf es durchaus etwas "zugebaut" sein, wenn einem Qualitäten wie Urbanität, Dichte und kurze Wege etwas bedeuten. Die Zeilen, die dort stehen, sind zugig, monofunktional und kaum stadtbildprägend. Auch das Grün dort ist kaum geeignet, große Aufenthaltsqualität zu erzeugen, wenn von der nahen Straße der Autolärm ins ungeschützte Quartier herüberweht. Insofern ist der Blockrand die einzige sinnvolle Stadtstruktur an dieser Stelle - auch nicht minder grün als jetzt, denn die Innenhöfe sind ja begrünt.

    Mich würde mal interessieren, wer eigentlich dieses Bild von "urban" erschaffen hat. Alles zubetoniert, verbaut, kalt und evtl. noch auf kommerz ausgerichtet und Kaugummi und Dreckflecken auf dem Asphalt. Ist es das was Du mit diesem tollen "urban" meinst? Was spricht gegen einen derartig grün angelegten innerstädtischen Bereich? Eigentlich gar nichts, denn immerhin beherbergen diese Plattenbaublöcke auch eben schon genug Bewohner und erfüllen damit das was viele mit ihrem innerstädtischen Wohnen fordern.


    Auf dem von 202 eingestellten Bild kannst Du auch nochmal schön den Unterschied zwischen den kahlen versiegelten Bereichen der sogenannten "Urbanität" auf der rechten Seite mit den Grünflächen rund um die Wohnblöcke auf der linken Seite sehen. Es wirkt regelrecht wie eine grüne Oase. Was da zugig sein soll und an dieser teils trostlosen Urbanität nicht (wie sich einige diese sich vorstellen), ist die Frage.


    neuerosenhofertdx7.png


    Grüne Innenhöfe bekommt man übrigens als Innenstadtbesucher eher weniger zu sehen, weil man da nun mal eher auf den verbauten "Straßenseiten" unterwegs ist.

  • Vielleicht sollte es Sie nachdenklich machen, dass es Menschen (ob Einheimische wie Touristen) in Berlin ins dicht bebaute Kreuzberg oder in die dicht bebaute Mitte zieht - und nicht aufgelockerte Zeilenbebauung gleich nebenan in Lichtenberg. Dieses Beispiel liesse sich auf jede beliebige europäische Stadt ausdehnen. Ohne urbane Dichte funktionieren Innenstädte nicht. Im Gegenteil: Konzepte wie die 15-Minuten-Stadt fordern mehr denn je ja auch aus ökologischen Gründe kurze Wege und hohe Verdichtung. Die Versuche von Teilen der Nachkriegsmoderne, die Innenstädte so zu bebauen als wären es Vorstädte gilt mittlerweile weltweit als Irrweg.

    Einmal editiert, zuletzt von Oranien ()

  • Ich stimme Oranien hier zu. Es geht auch nicht nur drum, dass das Wohnen im Block im Grünen, was es in Chemnitz ja andernort auch zur genüge gibt und auch keinen Besucher anlockt, hier mitten im Zentrum liegt! Alles toter Raum, der ausschließlich von seiner Bewohnerschaft gesehen und genutzt wird. Oder ist hier schon mal jemand bewusst zwischen diese Häuser gegangen? Ich wohne hier schon mein ganzes Leben und habe keine Ahnung wie es dort aussieht. In diese Räume im Zentrum! gehört eine Mischnutzung. Läden, Treffpunkte, Parkflächen und darüber Wohnungen oder Büros. Wir bauen leider immer mehr tote Inseln, die nur einen Zweck dienen, wie das technische Rathaus, die Galerie Roter Turm oder die Eins Zentrale ohne oder nur geringer Verbindung zum Drumherum. So etwas gab es in der Stadt vor 1945 nicht.

  • Ergänzend zur spannenden Diskussion, die ich mir hier manchmal bei weniger theoretischen Themen wünschen würde: Es gibt wahrscheinlich wenige Orte, wo man in 5-10 Min zu Fuß vom Innenstadtring in fast jeder Richtung in einer Grünfläche steht (Schloßteich, Park der OdF, Stadthallenpark, Schillerpark, Uferpark, Stadtpark...) und in 5-10 Min mit dem Auto in fast jeder Richtung im Wald. Im Ring also jeden Quadratmeter Wiese gegen angemessenere Nutzungen zu verteidigen, erscheint (mir) also in Chemnitz als besonders abwegig.


    Und sowohl Bäume, als auch Grünflächen können bei moderner Bebauung gut integriert werden, auch auf Dächern oder in Lichthöfen etc.

  • Mich würde mal interessieren, wer eigentlich dieses Bild von "urban" erschaffen hat. Alles zubetoniert, verbaut, kalt und evtl. noch auf kommerz ausgerichtet und Kaugummi und Dreckflecken auf dem Asphalt. Ist es das was Du mit diesem tollen "urban" meinst? Was spricht gegen einen derartig grün angelegten innerstädtischen Bereich? Eigentlich gar nichts, denn immerhin beherbergen diese Plattenbaublöcke auch eben schon genug Bewohner und erfüllen damit das was viele mit ihrem innerstädtischen Wohnen fordern.

    Europäische Innenstädte waren von jeher dicht bebaute und wenig grüne Orte - der Platz innerhalb der Stadtmauern im Mittelalter war kostbar (er bedeutete Schutz), wodurch wenig Platz für Freiflächen vorhanden war. Grünflächen hat es in der mittelalterlichen Stadt nicht gegeben. Grünflächen sind erst in den absolutistischen und gründerzeitlichen Städten hinzugekommen - dort aber auch immer klar abgegrenzt von der gebauten Stadt: Stadtlandschaft und "Naturlandschaft" waren klar abgegrenzt und wurden auch im Städtebau deutlich voneinander abgesetzt. Damit hat sich die europäische Stadt über Jahrhunderte seine ganz eigene Charakteristik im Vergleich zu anderen Stadttypologien aufgebaut, die einerseits unser Bild von attraktiven Städten noch immer prägt und andererseits heute auch wieder als nachhaltig gilt. Alles was in der Stadt verdichtet wird, muss im Umland nicht bebaut werden. Dadurch reduziert man die Versiegelung dort wo es notwendig ist, nämlich außerhalb der Städte in den ländlichen Bereichen, reduziert Wege und lastet die vorhandene Infrastruktur aus, ohne diese ins Umland erweitern zu müssen.


    Wie Oranien schon angesprochen hat, sind es eben die Innenstädte von Paris, Wien, Berlin oder Amsterdam, die man sich anschaut. Nicht die Satelliten drumherum, die viel grün bieten. Wer gerne im Grünen lebt, ist am Land wohl besser aufgehoben.


    Ich habe vor einiger Zeit selbst mal an einer Bebauung des oben genannten Gebietes gearbeitet. Für mich waren neben der Dichte und einer unterschiedlichen Höhenstaffelung der Bebauung für mehr Abwechslung im Stadtbild besonders die Nutzungen von Bedeutung. Ein Großteil der Gebäude besitzt in meinem Plan eine Mischnutzung mit Wohnen (türkies) in den oberen Geschossen und kommerziellen und nichtkommerziellen Nutzungen in den EGs (gelb) - das können klassische Gewerbeflächen und Gastronomieflächen aber auch Treffpunkte oder Werkstätten für die Bewohner der Gebäude, Atelierflächen, Proberäume, jugendgerechte Räume, etc. sein. Insbesondere die "Gassen" (bewusst keine Straßen) vom Rosenhof aus ins Quartier hinein besitzen eine Vielzahl an EG-Nutzungen. Erdgeschoss-Nutzungen beleben das Quartier und führen die Passanten. Ein Museumsbau (hellblau) sowie ein Ärztehaus (pink), ein Hotel (dunkelblau) und Verwaltungsflächen der Stadt (rot) ergänzen die Nutzungen im Quartier. Grün sind öffentliche Grünflächen. In allen Gassen wären zudem Baumpflanzungen vorgesehen. Die Breite der Gassen sowie die Höhe der Gebäude ähnelt denen im Bereich der Mittelstandsmeile. Das, was noch weiß ist, ist noch nicht fertig ;)


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    Neben den baulichen Gegebenheiten (Rosenhof mit Wohnhochhaus und Bestand im Bereich der alten Apotheke) habe ich auch die historischen Gassen des alten Chemnitz in die Planungen einbezogen und diese wieder erlebbar gemacht, auf eine genaue Rekonstruktion des Stadtgrundrisses aber verzichtet. Oben im Bild verläuft vom neuen Hotel im Vordergrund (dunkelblau), am Wohnhochhaus vorbei in Richtung Museum (hellblau) die Brüderstraße, die früher die Pauli Kirche (am Standort des Hotels) mit der Lange Straße verbunden hat. Parallel dazu (links) verläuft die Lohstraße, die durch den Durchbruch im Gebäude am Rosenhof mit dem dahinterliegende Teil der Lohstraße optisch wieder verbunden wird. Der Durchbruch im Gebäude soll die triste Hinterhofsituation hinter dem Plattenbau auflösen. Das Dach der Erdgeschosszone des Plattenbaus soll ebenfalls als Freifläche genutzt werden. Dazu gibt es im Rahmen der Kulturhauptstadt auch ein Projekt, in dem die Nutzung von Flachdächern als Grün und Freiflächen erforscht werden soll.


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    Es folgt dann auf Höhe der Bäckerei Voigt (im runden Eckhaus zwischen Markt und Rosenhof, auf der gegenüberliegenden Seite) das Marktgässchen und parallel dazu die Bretgasse, die zu einer Grünfläche vor der alten Apotheke und dann weiter durch an einen Durchgang an den Innenstadtring führt. Die Apotheke habe ich wieder in den Blockrand integriert - dadurch auch der Durchgang zum Ring.


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    Den Platz vor der Apotheke habe ich durch den Rückbau der Gebäude Am Rathaus 6 und 8 in Richtung Kaufhof/Parkhaus geöffnet und mit einem Gewerbeneubau (Gastronomie/ Veranstaltungssaal) wieder optisch davon abgegrenzt aber eine Durchlässigkeit geschaffen. Somit ist auch die alte Lange Straße wieder von der Zantralhaltestelle bis zum Falkplatz im Stadtgrundriss vorhanden mit ihrem "historischen Schwung". Durch den Rückbau der beiden Gebäude 6 und 8 und der Schaffung von zwei neuen Blöcken (Richtung Naumarkt und Richtung Ring mit integrierter Apotheke) ist das gesamte Gebiet auch deutlich besser an den ÖPNV an der Zentralhaltestelle angebunden - es gibt nun Gassen, wo vorher keine Verbindung existierte.

    Vor dem Museumsgebäude (hellblau, hier könnte ich mir beispielsweise ein PKW-Museum sehr gut vorstellen - vielleicht hat Audi ja Lust :P ) wären drei kleinere Pavillons angeordnet, die als dauerhafte Marktstände mit Gastronomie genutzt werden könnten. Die roten Erdgeschossnutungen in Richtung Ring könnten bspw. vom Gesundheitsamt genutzt werden - hier wird ja schon seit längerer Zeit über einen Umzug nachgedacht.


    Architektonisch ist Chemnitz eine sehr heterogene Stadt: Das würde ich in der neuen Innenstadt auch gerne aufgreifen. Neben klassischen Neubauten mit Satteldächern und stehenden Fensterformaten stelle ich mir auch moderne Fassaden mit großen Fenstern und Terrassen vor. Gerne würde ich auch typisch Chemnitzer Gestaltungselemente wie Eckbetonungen, Erker und Loggien aufgreifen. Natürlich ist mir klar, dass es dazu einen krassen Wandel im Anspruch an Neubauten geben muss - siehe den aktuellen Neubau am Getreidemarkt. Wobei ich nach wie vor finde, dass die GGG an der Mittelstandsmeile bereits in die richtige Richtung gegangen ist.


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    Wie lguenth oben schon geschrieben hat, ist eine Änderung des Status Quo unwahrscheinlich. Insbesondere in Zeiten von fehlendem günstigen Wohnraum käme jegliche Entscheidung, hier neu zu bauen, einem politischen Selbstmord gleich. Auch wenn, und da sind wir uns ja zum Großteil hier im Forum einig, viele der Probleme der Innenstadt am geringen Wohnteil und den niedrigen Mieten liegen. Dennoch: Stadtplanung bedeutet immer auch eine Vision zu entwickeln. Das ist meine Vision der Chemnitzer Innenstadt.

  • Lieber Arnold, schön dass Du Dir Gedanken gemacht hast und auch einen Städtebauentwurf erstellt hast.


    Viele Entwürfe enthalten eben auch interessante Details/Rosinen zum herauspicken. Hier zum Beispiel der Durchgang im Rosenhof-Plattenbau. Interessant ist auch der runde Museumsbau oder das Ärztehaus neben dem Rosenhof-Hochhaus. Das Karree/Baufeld an zentraler Stelle würde ich weglassen und stattdessen die Grünfläche/den Park bis dahin ausweiten. ;)


    Es mag zwar sein, dass es historisch eine "typisch europäisch", dicht bebaute Stadt gibt. Nur muss das auf Dauer nicht jedem gefallen, deshalb bin ich sehr dafür auch genügend Grün- oder Freiflächen mit zu bedenken ;) Denn es gibt doch nichts Schlimmeres als eine erdrückend verbaute, hektische, laute Stadt. Wo man gerade gut genug ist zum ständigen Einkaufen und Bezahlen und ansonsten zu sehen kann wie man kommt.


    Oft kann es in der verbauten Stadt schon mit so einfachen Dingen wie einem Parkplatz oder - wenn man sich gerade nicht so gut auskennt - der Suche nach einer Toilette anstrengend werden.



    Speziell zu diesem Areal in der Innenstadt wären aber auch mal Entwürfe interessant, die die bestehenden Plattenbauten zum Teil weiterhin mit einbeziehen und trotzdem auch ein bisschen mehr "Urbanität" erzeugen. Das gelingt zum Beispiel, wenn die Plattenbauten direkt in eine abwechslungsreiche Umgebungs-/Anschlussbebauung mit einbezieht statt sie einfach abzureissen. Zum Beispiel der Plattenbau in der Brettgasse wirkt meines Erachtens gegenüber und im Zusammenspiel mit dem historischen Bau der Alten Hauptpost auch recht "städtisch/urban".


    Es wäre auch schön, wenn man seine Stadt nach ein paar Jahren noch ein bisschen wiedererkennt und nicht alles was man mal gewohnt war und kannte durch "irgendetwas" anderes ersetzt wurde. Und Plattenbauten gehören nun mal auch zu Chemnitz und dazu kann die Stadt auch gerne stehen.

    4 Mal editiert, zuletzt von waldkauz ()

  • Vielleicht sollte es Sie nachdenklich machen, dass es Menschen (ob Einheimische wie Touristen) in Berlin ins dicht bebaute Kreuzberg oder in die dicht bebaute Mitte zieht - und nicht aufgelockerte Zeilenbebauung gleich nebenan in Lichtenberg. Dieses Beispiel liesse sich auf jede beliebige europäische Stadt ausdehnen. Ohne urbane Dichte funktionieren Innenstädte nicht. Im Gegenteil: Konzepte wie die 15-Minuten-Stadt fordern mehr denn je ja auch aus ökologischen Gründe kurze Wege und hohe Verdichtung. Die Versuche von Teilen der Nachkriegsmoderne, die Innenstädte so zu bebauen als wären es Vorstädte gilt mittlerweile weltweit als Irrweg.

    Die Menschen zieht es eben mal da und mal da hin. Mich zieht es auch mal in die dicht bebaute Stadt, muss aber nicht heißen, dass ich das immer haben müsste. Die einen bevorzugen das Eine, die Anderen das Andere. Ausreichend Grünflächen sind in einer Stadt trotzdem keinesfalls ein Nachteil.