Baugeschehen: Zentrum

  • Schön, dass da investiert wird. Städtebaulich ist aber die Situation eine komplette Katastrophe. Neben den (leerstehenden) Bürogebäuden empfinde ich insbesondere den Plattenbau entlang der Dresdner Straße als großes Problem. Dieser verbannt die Jägerstraße in den Hinterhof, was maßgeblich zur tristen Situation beiträgt. Logische und richtige Konsequenz (GGG!) wäre es gewesen, diese Plattenbauzeile zurückzubauen und die beiden Ecken (Dresdner Straße/Jägerstraße) mit Neubauten zu schließen. Entstanden wäre ein kleiner Stadtplatz an der Dresdner Straße.

  • Ich konnte letztens in den Genuss einer Privatführung kommen und als jemand, der das Gebäude noch als alte Stadtbibliothek in Erinnerung hat, erkennt man es von innen gar nicht mehr wieder. Es ist wirklich sehr schick geworden. Der Lesesaal ist sehr beeindruckend, genauso wie der neue Eingangsbereich. Ein Highlight sind natürlich die nun wieder freigelegten Säulen und Decken in den Seitenflügeln.


    Mittlerweile kann man übrigens auch als ganz gewöhnlicher Bürger das Gebäude betreten und sich einen eigenen Eindruck verschaffen.

  • ^ Wien - ich lebe seit ca. 9 Jahren parallel in Wien und Chemnitz - hat eine ganz andere Ausgangslage: die Stadt hat kaum Kriegszerstörungen, funktioniert in ihren Strukturen, hat keine großen Brüche seit dem Ende des Kaiserreiches erlebt. Die Stadt ist enorm dicht besiedelt (4.660 EW pro km2) in einer dann doch sehr kompakten Form und wächst noch dazu überaus rasant. Chemnitz hat quasi nichts davon: massive Kriegszerstörungen, starker Umbau der Stadtstruktur zu DDR-Zeiten, Brüche sind der Stadt im Grunde überall anzusehen, eine sehr geringe Bevölkerungsdichte (1.120 EW km2) und im Grunde seit der politischen Wende schrumpfend.


    Was in Wien hervorragend funktioniert ist die soziale Mischung seiner Bevölkerung - genau das was in Chemnitz nicht funktioniert. Es gibt die Dachgeschoss-Wohnung mit großer Dachterrase für 10.000 Euro pro Quadratmeter direkt neben dem Gemeindebau mit subventioniertem Wohnraum. In Chemnitz fehlt genau dieser teure Wohnungsmarkt. Grund für die günstigen Durchschnittsmieten in Wien sind die vielen Gemeindebaubauwohnungen der Stadt, die dann die ortsübliche Miete als Bemessungsgrundlage entsprechend niedrig halten. Trotzdem findet man in der Stadt Mietwohnungen für mehrere Tausend Euro pro Monat. Das Angebot an Wohnraum und die Mietpreise selbst sind sehr stark differenziert.

  • Die Freie Presse widmet sich in der morgigen Ausgabe dem "Tietz-Loch". Nachfolgend ein paar der relevanten Aussagen:


    „Wir werden bauen, Punkt. Das wird passieren“, betont Carsten Hartwig, Niederlassungsleiter für die Region Ost bei BPD. Doch er sagt auch: „Wir wollten schon weiter sein.“ Die hohen Baupreise und steigenden Zinsen seien nur ein Grund, weshalb man den eigenen Planungen hinterherlaufe. Doch das habe das Unternehmen mittlerweile in den Griff bekommen, nunmehr lägen unterschriftsreife Angebote von Baufirmen vor, so Hartwig.


    Doch die größte Aufgabe liegt noch vor der Frankfurter Firma: Einen Abnehmer für die Wohnungen zu finden. [...]

    „Interesse ist grundsätzlich da“, sagt Hartwig. Doch es komme eben darauf an, das passende Paket zu schnüren. Ziel sei ein zeitnaher Abschluss. Denn, so der Niederlassungsleiter, ihnen sei das Kulturhauptstadtjahr 2025 in Chemnitz bewusst. „Da haben wir Druck und wollen liefern.“


    Nach den ursprünglichen Plänen sollte das Wohngebäude Ende 2024 stehen. Einen neuen Termin für den anstehenden ersten Spatenstich wollte Hartwig nicht nennen. Vielleicht sei man in vier Wochen schon weiter, sagte er. Ebenfalls auf dem Areal will die Leipziger Immobilienfirma Hansa Real Estate ein Geschäftshaus mit Läden und einem Hotel errichten. Auch hier laufen noch Gespräche.


    Das zweite Projekt der Frankfurter Firma BPD in der City ist der Bau von hochwertigen Eigentumswohnungen auf der anderen Seite der Zschopauer Straße. In der Nähe der Johanniskirche sollen 140 Wohneinheiten entstehen. Dort läuft der Planungs- und Genehmigungsprozess, eine Baugenehmigung gibt es noch nicht, sagte Carsten Hartwig. Ist diese da, sollen die Wohnungen auf dem Markt angeboten werden.


    Meine Prognose: Mit Beginn 2025 wird lediglich der Simmel so richtig fertig sein. Mit Glück steht das eine oder andere Gebäude vielleicht schon im Rohbau. Obwohl natürlich gerade das Hotel fertig sein müsste. Von den Einnahmen in 2025 werden die Hotels der Stadt vermutlich für längere Zeiten zehren können.

  • Meine Prognose: Mit Beginn 2025 wird lediglich der Simmel so richtig fertig sein. Mit Glück steht das eine oder andere Gebäude vielleicht schon im Rohbau. Obwohl natürlich gerade das Hotel fertig sein müsste. Von den Einnahmen in 2025 werden die Hotels der Stadt vermutlich für längere Zeiten zehren können.

    Ich kann noch keinen wirklichen Plan erkennen, der in 2025 die Touristenmassen nach Chemnitz ziehen wird.

  • Bereits das Label "Kuha" wird das tun und die Chemnitzer Infrastruktur wird dem nicht gewachsen sein. Die Chemnitzer Infrastruktur ist bereits den Chemnitzern nicht gewachsen.

  • Man hat am Wochenende zum Kosmos Festivals

    mit ca. 50.000 Besuchern schon gemerkt, dass die Stadt so vielen Besuchern gleichzeitig kaum gewachsen ist. Das Kosmos war wunderschön, aber es hat an allen Enden und Ecken gekracht.

  • Die Chemnitzer Infrastrukur ist inzwischen auf abenteuerliche Weise ohne Not (denn anders, als in anderen Städten, wo das zutrifft, schrumpfen wir) auf Kante genäht und schon für Einheimische schwer verständlich. Parkleitsystem und Stadtinformationstafeln funktionieren nicht oder nur sporadisch. Begebt euch mal zu Fuß oder mit jeglichem Verkehrsmittel mit der Denke durch die Stadt, dass ihr nicht (!) wisst, wo ihr genau hinwollt, wie die Wegebeziehungen, wo Parkflächen, WCs, barrierefreie Wege und Radwegeverbindungen sind. Das ist teilweise wirklich gruselig. Weitere Verengung von Straßen (die für einen Mobilitätswandel eigentlich zukünftig sinnvoll ist), neue Verkehrsteilnehmer (eRoller, Lastenräder etc., teilweise mit damit unerfahrenen Fahrern) tun ihr Übriges.


    Aber die Stadt stell nicht einmal ausreichend Mittel zum Erhalt des aktuellen Verkehrsraumes bereit, da ist an (wortwörtlich und im übertragenen Sinne) neue Wege nicht zu denken.

  • ^ Da reden wir wohl über unterschiedliche Infrastrukturen. Ich hätte mich konkreter ausdrücken sollen. Bezogen auf die reine Verkehrsinfrastruktur Straße bzw. IV ist Chemnitz überdimensioniert. Ich kenne keine vergleichbar große Stadt (bezogen auf die EW-Zahl > Halle/ Wiesbaden/ Freiburg i. B./ evtl. noch Lübeck und Augsburg), die so viel Platz für den IV bereitstellt (1.437 ha laut https://www.chemnitz.de/chemni…nloads/jahrbuch_19_20.pdf) - also nur in Form von Straßen und Parkplätzen. Da sind noch keine Flächen beinhaltet, die der ÖPNV nutzt. Das ist schon recht massiv. Da sehe ich auch in Zukunft nicht den enormen Bedarf. Neue Verkehrs- bzw. Mobilitätslösungen lassen sich ohne Probleme auf den vorhanden Flächen realisieren. Großstädte mit deutlich dichteren Strukturen - meine Wahlheimat Wien beispielsweise - schaffen es ja auch ohne diese enormen Verkehrsflächen, einen hervorragenden öffentlichen Nahverkehr bzw. Mobilitätslösungen anzubieten.


    Ich habe mich bei der Infrastruktur - bezogen auf die oben erwähnte Kulturhauptstadt - eher auf weiche Faktoren bezogen, die auch für Besucher der Kuha von Bedeutung sein werden - Leitsysteme, Banken und Geldautomaten, Restaurants und Bars, Bus- und Bahnverbindungen in die Region, etc. Konkrete Beispiele vom Kosmos-Festival: aufgrund fehlender gastronomischer Einrichtungen im Bereich Brühl-Schillerplatz-StraNa musste man bei den Food-Trucks im Park knapp eine Stunde anstehen. Alle Geldautomaten in der Nähe (inkl. Innenstadt) hatten kein Geld mehr, Kartenzahlung war aber auch kaum irgendwo möglich. Hinzu kam der Ausfall des Mobilfunknetzes aufgrund der vielen Besucher. Eine Großstadt sollte aber 50.000+ Besucher aushalten können, ohne drohende Netzausfälle. Das sind auch Dinge, die meiner Meinung nach für den Erfolg der Kulturhauptstadt von großer Bedeutung sind. Das Kosmos-Festival war wirklich super - meine Freunde aus Österreich und ich waren aber von diesen Dingen dann doch recht genervt. Genervte Touristen sollte man aber definitiv nicht zurücklassen.

  • Die meisten beschriebenen Mängel scheinen mir nur ein organisatorisches Problem gewesen zu sein. Wenn auf einmal zehntausende Leute unterwegs sind, muss man halt ein ausreichendes temporäres kulinarisches Angebot einplanen, die Geldautomaten vorher voller machen als üblich und Kartenzahlungen ermöglichen. Und dass ein Vielfaches an Datenverkehr auch ein Mobilfunknetz an seine Grenzen bringen kann, ist auch keine große Überraschung, wobei man da wohl noch eher reagieren kann. Vielleicht war der Ausfall aber auch nur Bestandteil des Konzepts? Kultur- und Sportveranstaltungen sollte man persönlich wahrnehmen und nicht nur durch den Blick auf den eigenen Smartphonebildschirm, mit dem man eines von zehntausenden verwackelten und nichtssagenden Videos oder Fotos macht. Nicht ohne Grund gab es auf Konzerten schon Handyverbote.

  • Da sind wir dann unterschiedlicher Meinung. Schon der normale Verkehr aus >>90% Menschen, die regelmäßig in der Stadt unterwegs sind, kommt häufig an seine Grenzen und das nicht wegen - du schreibst es richtig - fehlender Flächen, sondern wegen völlig falscher Planung. Ampeln schalten nicht nach Bedarf, also stehen teils Linksabbieger bis in die Geradeuausspuren und es kommen je drei Autos rum, es werden zweispurige Straßen auf eine Spur zurückgebaut, um dann die Nachbarstraßen monatelang zu bauen und den Verkehr durch nur noch eine Spur zu leiten, Fahrradwege und allgemein Verbindungen, Barrierefreiheit und Wegebeziehungen sind teilweise eine Katastrophe auch und gerade an Stellen, wo der Verkehrsraum gerade neu gebaut oder aufgeteilt wurde. Überall Fußgängerinseln, die es für Radfahrer auf der Straße aber auch auf den zu schmalen Inseln sehr gefährlich machen, grüne Welle gibt es selten für Fußgänger, verrückterweise aber auch nicht viel öfter für Auto- und schon gar nicht für Radfahrer. Ich schrieb es schon aber nochmal: Es gibt keine Leitsysteme, kaum Informationen, kaum System. Du sprichst von schnell gewachsenen Städten. Chemnitz ist das nicht. Hier hätte man es besser machen können. So haben wir überall Straße und Fläche aber es wird einfach nicht gut damit umgegangen.


    Leere Geldautomaten und volle Gastroschlangen und Handynetze empfinde ich wiederum als ärgerlich aber normal bei Veranstaltungen dieser Größe und räumlichen Konzentrierung.