Dom-Römer-Areal: Rückbau Technisches Rathaus

  • Hier nochmal ein Bild von oben auf den "Abriss" vom 21.07. Das wird sich so Stockwerk für Stockwerk so fortsetzen.



    Alle Bilder sind mein Eigentum

  • Am Bauzaun wurde ein Zeitstrahl angebracht mit Informationen was an dieser Stelle in den letzten 1200 Jahren alles passiert ist - und das ist natürlich einiges: die volle Länge des Bauzauns wird genutzt.
    Schöne Idee, Kurzsichtige müssen sich aber auf die Strassenbahnschienen stellen:




    Am östlichen Gebäudeteil ist man bereits an der Decke des 1. OG angekommen und es wird pausenlos weitergeknabbert, zum Leidwesen der Nachbarn wie die FAZ gestern berichtete:




    Bilder von mir

  • Schön, dass man auf dem Bauzaun auch Geschichtsklitterung betreibt und verschweigt, dass für den Bau des technischen Rathauses mehrere erhaltene Gebäude an der Braubachstraße (darunter auch wenigstens zwei wirklich alte) sang- und klanglos abgebrochen wurden.

  • Wirklich schade. Eine Schönheit war das technische Rathaus ja nun nicht gerade, aber alleine durch seine Kubatur und Höhe dem Zentrum eines 2-Millionenstadtraumes angemessener als der kleinteilige Kitsch, der uns nun erwartet und schon für die Innenstadt einer Kleinstadt eher unzureichend wäre...

  • Eine grandiose wie geschmacklose Argumentation. Demnach war der Feuersturm in den meisten deutschen Großstädten also gerade passend, um sie mit der aus deiner Sicht "angemessenen" Architektur zu versehen. Und Erfurt oder Regensburg – dumm gelaufen! Muss ich mal meinen Großeltern erzählen, die in Aachen im Keller gehockt haben.


    Architektur im Herzen einer Stadt sollte vielleicht mal mehr als nur reine Funktionalismen befriedigen. Ich will ja nicht persönlich werden, aber für dein Alter hast du städtebauliche Vorstellungen, die irgendwo in den frühen 1970er Jahren anzusetzen sind.

  • @RMA- dan können wir uns zusammentun, ich erzähle es auch meiner Oma, die ihre Eltern im Feuersturm verloren hat. Gewachsene Strukturen verloren hat.


    Lieber kleinteiliger Kitsch, was einen zum Aufenthalt einlädt, als irgendwelche HÄSSLICHEN, ERDRÜCKENDEN und BRUTALISTISCHEN Betonklötze, die Zeil ist das beste Beispiel. Oder dasd kommende historische Museum, damit wird der Name dessen ins LÄCHERLICHE gezogen!

  • RMA. Geht´s noch eine Nummer pathetischer und unsachlicher?


    Eine Tatsache ist nun einmal, dass die Altstädte von traditionsreichen deutschen Handelsmetropolen wie Köln, Frankfurt oder Nürnberg ihre städtebaulichen Konturen im Wesentlichen im 15./16. Jahrhundert gewannen, als diese Städte etwa 30 000-50 000 Einwohner hatten. Was für solche Größenverhältnisse ausreichend war, erwies sich schon im 19. Jahrhundert als quälende Belastung für die Entwicklung der Stadt, als diese sich im Zuge der Industrialisierung verdoppelten und verdreifachten. Wer Photographien und Berichte der Lebensverhältnisse in den brechend überfüllten, verdreckten, wirren und verwinkelten Altstadtgassen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert gesehen hat, wird sich weiß Gott nicht wünschen, unter solchen Bedingungen leben zu müssen.
    Dass die Gebäude im 19. Jahrhundert immer größer und höher wurden und teilweise die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Strukturen zerstört und erweitert wurden, war nackte Notwendigkeit - und übrigens bis ins 20. Jahrhundert hinein auch für niemanden ein Problem. Wenn im Mittelalter oder der frühen Neuzeit ein Stadtviertel niederbrannte, dachte selbstverständlich niemand daran, irgendetwas zu rekonstruieren. Alle Gebäude wurden durch hochmoderne Neubauten ersetzt, in den Maßen, die der aktuellen Stadtgröße angemessen waren.
    Nun hat der Krieg in Deutschland vollendete Tatsachen geschaffen und die meisten Altstädte ausradiert. Originale kunst- oder kulturhistorisch interessante und schützenswerte Bausubstanz gibt es kaum noch irgendwo. Es stellt sich also die Frage, ob man dieses kriegsbedingte Vakuum dadurch füllen will, dass man moderne oder halbmoderne Bauten in den Formen und Maßen der kleinstädtischen Verhältnisse des 16. Jahrhunderts schließt oder dadurch, dass man Gebäude schafft, die den Bedürfnissen moderner Millionenmetropolen entsprechen. In den meisten deutschen Städten hat man sich leider für den ersten Weg entschieden, was in ihrem Erscheinungsbild zu zwei kuriosen Besonderheiten führt: Erstens sind die Zentren deutscher Großstädte meist geprägt von potthässlichen Nachkriegsprovisorien, die den Grundriss und die Maße spätgotischer Bürgerhauser beibehalten haben. Und zweitens wirken deutsche Großstädte dadurch meistens in ihrem Mittelpunkt am kleinstädtischsten und provinziellsten (Was ja nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass die dort vorherrschenden Stadtstrukturen geschaffen wurden, als es sich um Nester von wenigen tausend Einwohnern handelte) und werden schlagartig urbaner und großstädtischer, wenn man in die sie umgebenden Gründerzeit- und Jugendstilviertel kommt (Was auch nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass die Städte zur Zeit der Entstehung dieser Viertel bereits veritable Großstädte waren).
    Wenn wir hier von einer Stadt wie Nürnberg sprechen würden, in der unmittelbar nach dem Krieg ein großer Teil der Altstadt mehr oder weniger originalgetreu rekonstruiert wurde - gut, da ließe sich reden. Aber in Frankfurt?!? Gerade die Traditionalisten hier pochen ja immer wieder darauf, dass Architektur sich der Umgebung anpassen müsse. Nun, und in Frankfurt sieht die Umgebung so aus, dass es sich um eine hochmoderne, wolkenkratzergeprägte Finanzmillionenmetropole handelt, für die folglich großflächige, moderne und hohe Bebauung angemessen wäre statt der kleinteiligen Kitschillusion einer Kleinstadtidylle, die es in der Realität seit 150 Jahren nicht mehr gibt. In Frankfurt muss jede kleinteilige vormodern orientierte Bebauung ein völlig isolierter und exotischer Fremdkörper bleiben.


    janpmw.

    Lieber kleinteiliger Kitsch, was einen zum Aufenthalt einlädt, als irgendwelche HÄSSLICHEN, ERDRÜCKENDEN und BRUTALISTISCHEN Betonklötze


    Es geht hier vorrangig um die Stadtstruktur und nicht so sehr um die konkrete architektonische Gestaltung der einzelnen Gebäude. Allerdings finde ich, dass die Architektur der letzten 10 Jahre die im Durchschnitt eleganteste und schönste Architekturepoche seit dem Jugendstil ist und mit "brutalistischen Betonklötzen" nur sehr selten etwas zu tun hat. Im Übrigen empfinde ich persönlich die typisch mitteleuropäische Altstadtbebauung aus Spätgotik und früher Neuzeit als bedrückend, eng und muffig und fühle mich in Vierteln des 19., 20. und 21. Jahrhunderts erheblich wohler - aber jedem sei sein Geschmack unbenommen.

  • Lies bitte einmal die seit Jahren geführte ellenlange Diskussion über dieses Areal hier im Forum durch. Das wird zwar Deine Meinung nicht ändern, aber vielleicht Dich davon abhalten, alle seit langem bekannten Kontra-Reko-Positionen noch einmal hervorzukramen. Das Thema wurde wirklich zu Tode diskutiert, alles weitere dazu wird zwangsläufig nur noch unsachlicher ideologischer Grabenkrieg (von beiden Seiten) werden. Ich denke darauf kann man hier verzichten, überzeugen können wirst Du eh niemanden der nicht sowieso schon Deiner Ansicht ist.


    Ganz abgesehen davon, dass es hier um den rein bautechnischen Abriss des TR geht, nicht um das Für und Wider. Hier kann über alles andere debattiert werden.

  • ^
    Richtig. Einen entscheidenden Unterschied herauszustreichen sei mir noch erlaubt: "moderne" Architektur prägt unsere gegenwärtigen Städte, historische nicht. Wenn es "Modernisten" darum ginge Stilvielfalt zu erreichen dann gehörte dazu halt auch Historismus.


    Weiss jemand was eigentlich mit dem ganzen Bauschutt passiert? Also wie das mit dem Abtransport vonstatten geht, mitten in Frankfurt. Und wie man umgekehrt die Neubauten organisieren will, die ja auf noch deutlich kleineren Parzellen vonstatten gehen sollen. Stelle ich mir als eine organisatorische Herkulesaufgabe vor, dafür zu sorgen dass sich die Gewerke nicht gegenseitig in die Quere kommen.

  • ^^
    Bzgl. Bauschutt: Wie wär´s denn mit einem zur Abwechslung positiv entstandenen Trümmerberg - zusammen mit dem Schrott vom historischen Museum und vielleicht DOCH dem Tisch? ;)

  • Der Rückbau des Technischen Rathauses ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass selbst das Steinerne Haus als Hochpunkt wahrnehmbar ist. Vom Dach des Commerzbank-Towers fallen die Überreste kaum noch auf. Thomasfra hat mir allerdings heute erzählt, das Erdgeschoss bliebe erst einmal aus statischen Gründen (Tiefgarage) stehen. Hoffentlich nicht lange!


    Blick vom Dach des Commerzbank-Towers:


  • Danke für das aussagekräftige Photo, man sieht hier wunderbar wie der imposante Kaiserdom zuvor wortwörtlich im Schatten dieses Verwaltungsbaus stand. Allein das ist meiner Meinung den Abriß wert gewesen, den Kaiserdom wieder wirken zu lassen. Bravo! :daumen:

  • Zeitleiste

    ^^ Danke an aboutFRANKFURT und thomasfra für die Abrissbilder aus nächster Nähe! Die Möglichkeit, mir das Geschehen vom Domturm aus anzusehen, werd ich so bald wie möglich auch mal nutzen :)
    Ergänzend zu Ahligators Beitrag zum Bauzaun möchte ich kurz nachtragen, dass sich die Zeitleiste jetzt auch auf der Seite der DomRömer GmbH befindet. Sie startet im Moment automatisch bei Seitenaufruf, ansonsten lässt sie sich links am Seitenrand aufklappen. Als interaktive Karte kann man auch diverese mit „i“ gekennzeichnete Abschnitte anklicken um Zusatzinfos zu bekommen. Dargestellt sind, wie Ahligator beschrieben hat, wichtige bauliche und politische Ereignisse Frankfurts im allgemeinen und des Areals im speziellen.


    Gruß Robbi

  • Nach dem Blick aus 40 Meter Höhe folgt der aktuelle Blick von der Schirn aus. Ich war vorhin überrascht, welche Blickachsen sich neu auftun. Hier ein Pseudo-Panorama aus zwei Bildern nebeneinander...



    ...und hier vom Dom aus:



    Bilder: epizentrum

  • Ein erfreulicher Anblick: In großen Bereichen hat sich die Höhe des Technischen Rathauses auf das Erdgeschoss reduziert. Und selbst daran wird "genagt".





    Eigentlich fallen beim Blick vom Kaiserdom einige Dinge auf, die von der Landkarte verschwinden sollten. Rechts im Bild werden die Überbleibsel einer Unarchitektur gerade beseitigt, aber wie wäre es mit dem hässlichen Tisch oder mit dem noch schlimmeren Schandfleck weiter links oben und zwar so schnell wie möglich?



    Die Decken werden u. a. von einem ferngesteuerten Meißelbagger zertrümmert. Damit wenig Staub entsteht, werden sie vorher ordentlich mit Wasser getränkt.



    Die beiden Turmdrehkräne vor Ort dienen anscheinend hauptsächlich zum Abtragen großer Betonplatten, wobei nicht viel kleiner Bauschutt nach unten fällt. Zuerst werden zwei Löcher in die Betonplatte gemeißelt und dann Drahtseile hindurchgezogen, die am Kran befestigt sind.



    Dann lockert der ferngesteuerte Meißelbagger die Platte ...




    ... und schließlich wird diese vom Kran angehoben und abtransportiert.


  • Knapp eine Woche nach Beggis Bildern ist das Technische Rathaus weiter geschrumpft. Der letzten Geschossdecke zum Dom hin fehlen beispielsweise die doppelten "Ränder", sodass die Betonstützen sichtbar werden:



    Die Ecke zum Dom:



    Unten in der Braubachstraße wird es immer heller. Vom Café Iimori aus kann man den Turm wieder sehen, und die Kontraste zu den historischen Nachbarbauten fallen in wenigen Wochen endgültig:



    Bilder: epizentrum

  • Der Abriss des Technischen Rathauses wird sieben Millionen Euro kosten. Mit zehn Millionen hatte man gerechnet. Diese ebenso deutliche wie seltene Unterschreitung des Kostenrahmens ergibt sich, weil nur wenig Asbest gefunden wurde und es keine Überraschungen gab. Dies schreibt in die Rundschau in einem Bericht zu einer Bürgerversammlung zum Altstadtprojekt.