Rosengärten | Württembergische Straße 41-48 [realisiert]

  • Wow, vielen Dank für das Update! :) Sieht teils wirklich schick aus. Die Ecke zur Württembergischen Straße strahlt richtiges Pariser Flair aus. Ich fänds schön, wenn man vielleicht auch etwas mehr mit Steinverkleidungen, als nur mit bloßen Putz arbeiten würde. Würde noch wertiger und in manch einem Fall auch etwas weniger kitschig wirken.

  • Also die Proportionen stimmen vorne und hinten nicht. Am augenfälligsten ist das Missverhältnis zwischen optisch tragenden Funktionen der Säulen und dem Volumen zu tragender Elemente in der vorletzten Etage des Mittelrisalits (trifft ebenso auf die Bleistifte in der ersten Etage zu).


    Die Mittelsäule in der Achse des Risalits stört einfach nur. Üblicherweise befindet sich dort in der klassischen Formensprache, auf die sich das Gebäude offensichtlich bezieht, ein Fenster/möglicherweise vielleicht ein Fensterpaar. Gerade in Verbindung mit dem Ehrenhofcharakter stört dies.


    Der alte Knobelsdorff würde sich im Grabe umdrehen. Das schlimme daran ist, dass europäische Architekten noch nicht mal die Formensprache ihres eigenen Herkunfts- und Kulturkreises verstehen.

  • Woran misst du, ob die "Proportionen stimmen"? Das Verständnis für Propotionen hat sich im Laufe der Baugeschichte durchaus mehrfach verändert. Man denke, um sich nicht zu weit von Berlin zu entfernen, z.B. an die sog. Revolutionsarchitektur von Friedrich Gilly oder Heinrich Gentz, die mit den bisherigen Proportionsmustern gebrochen hat oder die allen Regeln der Antike und der (italienischen) Renaissance widersprechende Verwendung von klassischen Stilementen (wie der Säule) durch Karl Friedrich Schinkel.
    Natürlich handelt es sich bei der jetzt neu entstandenen Architektur um einen beliebigen Neoklassizismus, einen neuen Eklektizismus (durchaus im negativen Sinn), der zudem deutlich sichtbar lediglich eine Fassadendekoration ist, aber was ist daran so verwerflich? Schon die Ostfassade des in der deutschen Baugeschichte eher wichtigen Gewandhauses von Braunschweig ist völlig unklassisch 'dekoriert'.
    Ich finde dieses Loggiamotiv mit den eingestellten kleinen Pfeilern im oberen Geschoss des Sockels (von dir als Bleistifte bezeichnet) übrigens ganz interessant, es ist in ähnlicher Weise komponiert wie das Paladiomotiv.

  • Warum ich die Proportionen missraten finde, habe ich ja bereits dargelegt. Dass sich Architektur und Proportionen ändern, liegt in der Natur der Sache der Architekturgeschichte.


    Verwerflich ist das nicht, aber man darf eine gewisse Beliebigkeit im Einsatz des Dekors kritisieren. Man könnte auch das Kapitell zur Basis machen und die Basis auf die Säule stellen. Nur sähe das reichlich albern aus. Aber machen kann man alles. Die Frage ist, ob man es auch muss. In Asien mag das vielleicht durchgehen, wie einst Chinoiserien im Europa des 18. Jh. Im Übrigen halte ich auch nicht jeden Bau des Historismus für wirklich gelungen.


    Und Paladio hier anzuführen, dazu sage ich jetzt mal nichts... ;-)

  • Ralle hat Recht. Die Moden und die Dekore haben sich in der klassischen Baukunst geändert, der Sinn für Proportionen (Goldener Schnitt) nicht.


    Diese zusammengestauchten Geschosse mit dorischen Säulen tun optisch schon weh.


    Dass das Dekorprogramm nicht stimmig ist kommt dazu, merkt aber heutzutage kaum einer. Normalerweise kommt im EG die Rustika, in der Mitte die ionische und oben die korinthische Ordnung - der angeblich göttliche Aufbau des Staates vom Landmann zum König. Dorische Säulenordnungen dieser Statur kamen nur für staatliche Repräsentationgebäude der ausführenden Gewalt in Frage. Hier ist es - gelinde gesagt - overdone. Und dann noch aus Beton...

  • Jammern auf hohem Niveau. Das Projekt ist wirklich erstklassig, wie ich finde. Ich bin gestern selbst vorbeigefahren und habe es mir angesehen. In dieser reichlich durchwachsenen, um nicht zu sagen verpfuschten, von entstuckten Altbauten und billiger Nachkriegsarchitektur dominierten Gegend West-Berlins ein wirkliches Highlight. Ich hatte zunächst auch gewisse Bedenken wegen des "Säulenhofes", da so etwas eben doch schnell ins Süßliche oder Vulgäre im Stile mediterraner Hotelanlagen abgleiten kann. Aber es wäre unfair, dies in diesem Fall so anzusehen. Es geht eigentlich noch. Im Übrigen ist die Anlage insgesamt ziemlich groß und jeder einzelne Bau ist individuell und mit einer gewissen Sorgfalt gestaltet. So etwas kommt bei potentiellen Käufern zum Glück eben auch gut an.

  • Bilder vom Freitag...die Häuser der Reihe nach:


    Bei der Nummer 40 wird noch immer an der Fassade gewerkelt:


    Es folgen die Nummern 41 - 43



    41


    42 und 43


    Mit der Nummer 44 beginnt der mittlere Teil:






    Haus 45


    links neben der 45 geht mit der 46 der südliche Bauteil los:


  • Vielen Dank für die Bilder, liebe Leute. Einiges an diesem Projekt gefällt mir ausgezeichnet, auch wenn m.E. insgesamt zuviel auf den Stuck und zuwenig auf die Materialien geachtet wurde. Vor allem das Gebäude mit der Hausnummer 48 sagt mir zu (hat was von Paris, finde ich), und auch die Häuser rechts und links des Hofes sind gelungen.


    Was den Säulenhof selbst angeht, kann ich mich aber nur den Vorautoren hier anschließen: Die Proportionen sind eine Katastrophe. Schon die Idee, mit den Säulen erst im dritten Stock zu beginnen, ist bescheuert; das sieht lächerlich gequetscht aus - wie aus einem Film im 4:3-Format, der auf 16:9 gedehnt wird. Und die Anordnung der Säulen schlägt dem Fass den Boden aus: Wenn man sich schon bei der antiken Tempelarchitektur bedient, dann packt man auch keine Säule mitten in die Symmetrieachse. Und die unterschiedliche Breite der Fenster- bzw. Säulenachsen treibt einem die Tränen in die Augen. Vom goldenen Schnitt hat man hier anscheinend noch nichts gehört... :nono:


    Man kann schon sagen, dass das Ergebnis nach Zuckerbäcker-Stalinismus aussieht, aber das wäre eine Gemeinheit gegenüber der Karl-Marx-Allee. Hier trifft meiner Meinung nach besser: Neureichen-Kitsch.

  • Vor allem das Gebäude mit der Hausnummer 48 sagt mir zu.


    Ja, die Eck-Bebauung finde ich auch sehr gelungen.
    Auf dem Luftbild sieht der Block aber merkwürdig eingerückt aus. Und ganz in der Straßenflucht scheint er auch nicht zu stehen:
    http://img4.imageshack.us/img4/622/luaftbild.jpg


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    Hinweis der Moderation: Die Einbindung der Bilddatei wurde in einen Link geändert. Bitte künftig auf die Richtlinien für das Einbinden von Bildern achten! Vielen Dank.
    Bato

  • Obwohl ich ein ausgesprochener Anhänger des Historimus bin ist das schon nahe am Fassadenakrobatismus, der in der Gründerzeit von den Zeitgenossen zurecht kritisiert wurde. Eine wilde Mischung aus Ekklektizismus, Stalinallee und Palladio.

  • Wobei es aber gerade der Eklektizismus der Gründerzeit ist, der für die meiner Meinung nach schönsten Wohnhäuser in Berlin und in Charlottenburg/Wilmersdorf im Besonderen gesorgt hat.

  • ^^ Ich finde, dass sich der Begriff 'Eklektizismus' nicht als Kampfbegriff eignet, auch wenn er abundzu so verwendet wird. Das Herauspicken von Elementen aus verschiedenen Stilen und Epochen findet manüber alle Zeitalter hinweg und kann im Ergebnis genauso gut oder schlecht sein, wie ein 'reinassiger' Stil.

  • Insgesamt ganz schön anzusehen! :) Beim genaueren Betrachten zeigt sich allerdings schon, dass das Ganze nicht so wirklich stilsicher und nach klassischen Proportionen und Lehren gestaltet wurde. Die vielen Vor- und Rücksprünge, Balkone, Säulchen etc. wirken auch etwas wuselig und überladen. Das Eckgebäude nach Pariser Stil, finde ich, ist aber ein wirklich schöner Hingucker.

  • Eine wilde Mischung aus Ekklektizismus, Stalinallee und Palladio.


    Mit Eklektizismus hast Du recht, und mit Stalinallee triffst Du es halb (tust ihr aber meines Erachtens ein bisschen Unrecht). Den guten Palladio muss man aber vor Deiner Einordnung in Schutz nehmen: Der Mann war ein Meister der Proportion, was man etwa seiner Villa La Rotonda oder der Kirche Il Redentore in Venedig auch unschwer ansieht. So ein Unfall wie die Säule in der Symmetrieachse wäre ihm garantiert nicht unterlaufen. Und außerdem hat er's nicht nachgemacht; er hat's erfunden! ;)

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  • Der Weg der Passage vom Olivaer Platz aus ist noch abgeriegelt:




    Die Sache mit dem kitschigen "Säulenhof" ist auch nur nach vorn symmetrisch. Hofseitig sieht es eher bescheiden aus:




    Besonders edel kommt der Doorman (neudeutsch für Hausmeister) daher:


  • etwas verwirrender beitrag

    dass es eine weiterleitung des weges zum olivaer platz geben soll, ist mir neu. man sieht auch auf dem bild zwei, das die nachbarbebauung darstellt, dass hier nichts in diese richtung umgesetzt ist.
    die gezeigte ansicht des hinteren hofes auf bild 4 hat nichts mit dem gebäudeteil mit den säulen auf dem bild 3 zu tun.
    interessant ist diese "hinterhofansicht" allemal, mich erinnert sie an den hofbereich der ganzen townhouses an der friedrichwerderschen kirche. wobei da wirkt es noch skurriler, da die verschiedenen townhouses nur fünf oder sechs meter breit sind. bei der vielfalt der formen und farben fühlte ich mich an den begriff favela erinnert. natürlich eine luxusfavela.

  • Hallo miteinander,


    ich komme leider nicht aus Berlin, interessiere mich jedoch trotzdem stark für den baulichen Fortschritt.
    Könnte hier vielleicht jemand freundlicherweise ein paar aktuelle Bilder vom Bereich des Springbrunnens und des orangenen Gebäudeteils einstellen? :)


    Liebe Grüße,


    Tim