Leipzig: Matthäi-Viertel (Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft)

  • ich habe nirgends von einem Hochhaus gesprochen.

    Ein höheres Forum (50-60m) zusammen mit dem zukünftigen GoerdelerringHH (100m) würde sich da gut einfügen.

    Ab 22 Metern ist es in Sachsen ein Hochhaus. Das muss ich zurechtrücken, um den unberechtigten Vorwurf, ich würde Worte in deinen Mund legen, nicht stehen zu lassen.


    Beispiele für gut gestaltete Archivbauten würden mich interessieren. Weniger wegen dem Bürgerforum, sondern weil ich bezüglich Erweiterung der Nationalbibliothek nach Best Practice-Beispieleh recherchiert hatte und die Auswahl eher mau fand.

  • Ad hoc fällt mir das Obama Presidential Center ein, dass hedges hier mal ins Spiel gebracht hatte (und für das Du nun 1000 Gründe finden wirst warum das kacke ist). Der Rest ist Wortklauberei auf die ich so spät am Abend keine Lust habe einzugehen denn Du weißt natürlich was der kleine, feine Unterschied zwischen einem Hochhaus (Büro-, Wohn-) in seiner allgemeinen Wahrnehmung und einem höheren Archivgebäude mit etwas anderen Nutzungsanforderungen und evtl. ästhet. Möglichkeiten oder eben Hemmnissen ist (auch wenn man es formaltechnisch "Hochhaus" nennen mag). Die Bezeichnungen sollten wir hier aber schon auseinanderhalten.

    Ich bin dann endgültig raus aus der Diskussion. Viel Spaß weiterhin!

  • Zum Matthäikirchhof gibt es Neuigkeiten. Es ist mein absolutes Herzensprojekt in Leipzig, denn das kann richtig, richtig gut werden. Umso trauriger wäre es, wenn hier etwas versemmelt wird. Die Verwaltung hat nun aber eine in meinen Augen sehr vernünftige Vorlage eingebracht. Lob und Anerkennung meinerseits, dass unsere Leute im Rathaus angesichts der in jeder Hinsicht schwierigen Umstände nicht die Hände in den Schoß legen, sondern aktiv werden und mit frischen Ideen versuchen, weiterzukommen.


    Die LVZ hat viele wichtige Fakten zusammengefasst, manche etwas irreführend:

    https://www.lvz.de/lokales/lei…2EOJHAHEIRSHBCHRL3IY.html


    Man kann sich die Verwaltungsvorlagen (VIII-DS-01232) aber auch im Detail ansehen:

    https://ratsinformation.leipzi…DNR=2025226&refresh=false


    pkwp3el9.jpg

    Große Fleischergasse 12: gelb; Matthäikirchhof 1: schraffiert; Solitärbau: rosa; erste Wohnbauten: orange, Saalbau: nicht markiert, südlich der Klingertreppe


    Kernpunkt ist - das ist bekannt - dass die Stadt kein Geld hat:

    • Zukunftszentrum wird bekanntlich in Halle (Saale) gebaut, nicht in Leipzig
    • Eine Förderung als "Nationales Projekt des Städtebaus" durch den Bund wurde im Sommer '25 abgelehnt (obwohl ich mir kaum etwas Passenderes für dieses Programm denken kann), weil dessen Fördermittel erschöpft sind.
    • Der Bund hat den Neubau des Zentralen Stasi-Unterlagenarchivs verschoben. Dessen Präsident hat bereits deutlich kritisiert, dass nichts vorangeht und die Akten bisher konservatorisch schlecht gelagert werden. Entscheidung könnte mit Bundeshaushalt 2026 fallen, danach 6-7 Jahre bis zur Realisierung ("Deutschland-Tempo"). Durch den Bau nähme Leipzig Geld ein, da es dafür das Grundstück an den Bund verkauft.
    • Archäologische Untersuchungen vor Baubeginnen muss die Stadt finanzieren, in diesem tausendjährigen Areal eine große Aufgabe
    • Die Haushaltslage ist prekär, für jedwede Investition fehlt das Geld.

    Viele andere, denkfaule Verwaltungen hätten jetzt gesagt: dann passiert halt nüscht. Oder hätten vielleicht vorgeschlagen, alles an Private zu verscherbeln.


    Folgende Gedanken hat man sich stattdessen gemacht:


    • Ende 2025 planmäßiger Auszug der Stadtverwaltung aus DDR-Riegel Fleischergasse
    • Prüfung, ob B-Plan notwendig oder Entwicklung auf Basis bestehenden B-Plans und Wettbewerbssieger
      • überarbeitete Fassung des Sieger-Entwurfs noch 2025
    • Zwischennutzungen von Freiflächen und Saalbau für kulturelle Veranstaltungen
    • Konzeptverfahren, um Grundstück für Solitärbau zu verkaufen
      • Finanzierung Abrisskosten DDR-Riegel Matthäikirchhof 1, evt. auch vom westlichen Gebäudeteil der
        Großen Fleischergasse 12
      • konkrete Nutzung wird durch das Verfahren ermittelt, Bieter machen Vorschläge
      • EG: öffentliche Nutzung, Mittelteil z. B. Beherbergung, Büros etc., obere Etagen: Wohnen
      • 30% Sozialwohnungen
    • Anlegen eines Platzes an der Großen Fleischergasse mit Brunnen und Baum
    • Beantragung Fördermittel für Saalbau (Fahrstuhl, Brandschutz)
      • Nutzung weiterhin durch Schulmuseum und Runde Ecke, aber auch für neue Akteure ("KuBZ")
      • auch langfristiger Nutzungsmix
    • Machbarkeitsstudie für Sanierung DDR-Riegel Große Fleischergasse
      • Sanierung zwischen 5 Mio. (nur Technik und Brandschutz) und 50 Mio. (Komplettsanierung)
      • Abriss Riegel hinter Wagner-Denkmal 2,5-3 Mio.
      • neuer Zugang von Süden notwendig, da bisheriger Nord-Zugang künftig von Wohnbauten umschlossen
      • Vorbereitung Architekturwettbewerb
      • kostendeckender Mix aus gewerblichen und gemeinnützigen Mietern
    • Entwicklung der Wohnbauten durch vielfältige Akteure
      • ca. 50% LWB
      • ca. 16% Baugruppen
      • ca. 16% Wohnungsgenossenschaften
      • ca. 16% private Bauherrinnen und Bauherren (ggf. der Bund (BImA), der Interesse hat)
      • evt. Grundstückstausch mit dem Eigentümer der Fläche neben Synagogendenkmal an der Gottschedstraße
      • Architekturwettbewerbe für alles
    • Bürgerbeteiligung zum Kultur- und Begegnungszentrum ("KuBZ") oder der Freiraumplanung


    Knackpunkte sind für mich:

    • Wird nochmal infrage gestellt werden, den Flügel direkt hinter dem Wagner-Denkmal abzureißen? Ich hoffe nicht.
    • Ist eine Sanierung des Längsriegels nördlich des Wagner-Denkmals unter 50 Mio. auch nur denkbar? Ein südlicher Zugang ist nur im Rahmen einer umfassenden Sanierung machbar, eine energetische Sanierung m. E. gar nicht zu umgehen. In der Vorlage heißt es: "Klar ist bereits jetzt: Eine einfache Teilmodernisierung erscheint im Hinblick auf die städtebauliche Bedeutung und geplante Nutzungsperspektive nicht zielführend."
    • Wird die Stadt im Archiv-Neubau vertreten sein, mit welchen Konzepten, mit welchem Geld? Droht das Archiv zu einem toten Ort im Herzen des Quartiers zu werden?
    • Werden die KuBZ-Akteure mit Bürgerkomitee Runde Ecke friedlich zusammenarbeiten oder wird der Hollitzer-Verein "die Neuen" zu sabotieren versuchen?
    • Genügt die vermeintliche Allzweckwaffe Architekturwettbewerbe, um eine herausragende Qualität für diesen zentralen Ort sicherzustellen?

    Ich finde, es sollte der Matthäikirchhof-Code, der Grundlage für Nutzung und Städtebau war, weitergeführt werden. Ziel sollte die Erarbeitung eines Gestaltungshandbuchs sein. Entwürfe sollten sich an das Handbuch halten und zwingend im Gestaltungsforum präsentiert werden. Zu diesem Zweck sollte das Forum öffentlich tagen und auch mit der Öffentlichkeit diskutieren. Dann müssten auch nicht für alle Baufelder Wettbewerbe abgehalten werden.


    Zur Belohnung für alle, die es bis hier geschafft haben, noch ein paar bunte Bilder. :) Die 3D-Ansichten des Siegerentwurfs wurden in dem Projekt „Connected Urban Twins – Urbane Datenplattformen und Digitale Zwillinge für integrierte Stadtentwicklung“ modelliert und wurden hier noch nicht gezeigt. Die Stadt Leipzig hat an verschiedenen Orten Gelegenheit gegeben, das 3D-Modell mit VR-Brille zu erkunden.


    Blick auf die Klingertreppe mit Wagner-Denkmal, dahinter ein grüner Stadtplatz (jetzt von DDR-Querriegel überbaut), gefasst vom Archivneubau (grau) und saniertem DDR-Bestand (gelb):


    hg7fimj6.jpg


    Vergleich:


    npvdc9lj.jpg

    Quelle: https://commons.wikimedia.org/…rissen%29_-_panoramio.jpg


    Neuer Stadtplatz zwischen Archiv (links) und Saalbau (rechts):

    taa6bo6b.jpg


    Blick- und Wegebeziehung bzw. Terrasse zwischen Klingertreppe mit Wagnerdenkmal in Richtung Wagnerplatz; Sichtachse zur Reformierten Kirche (hier als Saturn V-Rakete dargestellt); mittig vorn im Bild (weiß) die neuen Wohnbauten; rechts (beige) der sanierte DDR-Flügel:


    gfey2a22.jpg


    Passage zwischen DDR-Bestand (links) und Archiv-Neubau (rechts), in der Sichtachse die großteils schönen Gebäude an der großen Fleischergasse:


    2fjed8v3.jpg


    Blick auf den zweiten neu entstehenden Platz auf dem Areal, Torbogen deutet die Passage-Kinos in der Jägerhof-Passage an:


    jfrnzqwa.jpg


    Gleicher Platz; Blick auf den Solitär, den ein privater Investor mit dem besten Konzept errichten soll; rechts das Archiv:


    orpkivr7.jpg


    Links angeschnitten der Solitär, rechts davon angeschnitten das Archiv (grau). Mittig (gelb) das Kulturzentrum im DDR-Bestand, rechte Bildseite (beige) Wohnbauten:


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    Blick aus Richtung Barfußgässchen in die Sichtachse zwischen Wünschmanns Hof (links) und neuem Solitär (rechts) auf die runde Ecke:


    wcszirul.jpg

    (eigene Fotos vom 3D-Modell)

  • Es ist mein absolutes Herzensprojekt in Leipzig, denn das kann richtig, richtig gut werden.



    M.E. kann es nur richtig gut werden wenn auch der andere Block abgerissen wird. Traurig, dass einem Gebäude gehuldigt wird, welches nicht einmal 20 Jahre in Nutzung war bzw. einer Unrecht- Zeit von 40 Jahren (ohne diese meinerseits irgendwie relativeren zu wollen). Dafür ignoriert man den Punkt der Stadtgründung an dieser Stelle völlig.

  • Im Bereich des nördlichen Flügels, der teilweise erhalten wird, befand sich lediglich der Zwischengraben der urbs Libzi. Die Burg, das spätere Kloster und schließlich die Matthäikirche sind heute teilweise durch den denkmalgeschützten Saalbau aus den 1950ern überbaut, sowie durch Garagen und den westlichen Stasi-Flügel, die abgerissen werden sollen.


    Ein Erhalt ist nicht automatisch eine Huldigung. Ich denke, dass alle Argumente in dieser Frage zigfach ausgetauscht wurden und Extrempositionen tatsächlich weniger befriedigend sind als das städtebauliche Konzept, auf das man sich nun geeinigt hat und das von allem das Beste enthält. Wichtig wäre, dass der Archivbau eine Architektur erhält, welcher der Geschichte des Standorts gerecht wird, aber das wird in einem Wettbewerb entschieden, von dem wir noch weit entfernt sind. Ich könnte mir eine Referenz an die frühere Kirche wie beim Neubau der Uni sehr gut vorstellen.