Leipzig: Matthäi-Viertel (Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft)

  • The Schild

    ... also die Email ist ...@hgb-leipzig.de, damit ist es klar als Aktionskunst kombiniert mit Protest zu erkennen, das nicht falsch verwendete Wappen und ein definierter Absender - da kann man keiner meckern.
    Eine Prima Aktion mit feinem Humor.:daumen:

  • [...]
    Eine Prima Aktion mit feinem Humor.:daumen:


    Den „feinen Humor“ daran suche ich an diesem inhaltsleeren Plakat irgendwie vergebens. Die platte Unterstellung von faschistoiden Zügen der Stadtverwaltung zeugt meines Erachtens eher von der Unkenntnis der Verfasser. Im Fahrwasser echter Auseinandersetzung lässt sich offensichtlich auch noch mal der letzte Beitrag vom Leistungskurs Kunst wieder verwenden. Schade, dass von der HGB – wenn`s denn so ist – nichts geistreicheres zu erwarten ist…

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    Zum Plaket selbst: Wenn ich es mir so anschaue, dann glaube ich kaum, dass es humoristisch gemeint ist. Damit macht man sich die Sache wohl doch etwas zu einfach. Wagner ist nunmal durch seine Person selbst und zusätzlich durch seine Rezeption und seine Instrumentalisierung durch die Nationalsozialisten eine durchaus streitbare Figur. Das ist kein Grund von einer Ehrung, einem Denkmal oder dem Genuss diverser Musikstücke abzusehen, aber ein Aspekt den man sich präsent behalten sollte. Während das Denkmal einen eher heroisierenden Charakter hat, habe ich das Plakat als kleines Korrektiv verstanden, dass dem idealisierten Anschein ein wenig Realität beimisst. Eine nette Idee des Plaketes besteht in meinen Augen deshalb auch im verwirrend-verwischten Zustand zwischen "Schein" und "Sein".


    Zum Denkmal: Das polychrome Denkmal ist auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig, weil ungewohnt. Der Clou scheint mir aber hierbei gerade ein kleiner Nebenaspekt zu sein. In seiner Farbigkeit entspricht es der antiken Realität: hierdurch ergibt sich ein netter "Konflikt" zum Sockel, der einer Zeit entstammt, in dem das Idealbild antiker/antikisierender Kunst ein eher glattpolierter Marmor war.

  • ich kann raubbau nur zustimmen.


    einen verwirrend-verwischten zustand zwischen schein und sein haben wohl vor allem die plakatmacher selbst. denn das denkmal in seiner jetzigen gestalt - aus unvollendetem klinger-sockel, sehr menschelnder wagnerfigur und langem schatten - verweigert sich bewusst und gewollt jeder heroisierung oder idealisierung. (oder glaubt jemand im ernst, dass sich wagner durch dieses denkmal geehrt gefühlt hätte?)


    im grunde wird auf dem plakat eine problematik thematisiert, die es so überhaupt nicht gibt - weil man sich ihrer ohnehin bewusst ist: die jetzige denkmalsgestaltung zielt darauf ab, wirken und wirkung wagners gleichermaßen gerecht zu werden. erst in diesem kontext erschließt sich der gedanke, beide sichtweisen auf wagner auf den unvollendet gebliebenen klinger-sockel zu stellen. wohin sonst?


    und deswegen wirkt das plakat auch nicht witzig, sondern eher lächerlich - und zudem diffamierend gegenüber der stadt und dem gestalter des denkmals. vor allem der letzte punkt zeugt dabei von der unreife seiner verfasser.

  • "Es gibt kein Recht auf Kritik, wohl aber ein Recht auf Arbeit und Leistung."
    (Minister Dr. J.G).


    Hat jemand eine Vermutung, worauf sich das zweite in den Telefonnummern verborgene Datum 15.10.1938 bezieht?


    Am 13.02.1933 lobte der Leipziger Oberbürgermeister Carl Goerdeler einen internationalen Ideenwettbewerb anlässlich des 50. Todestages Wagners aus.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Richard-Wagner-Hain

  • dj tinitus
    Hier kann man die Eigeninterpretation des Wagner-Denkmal-Vereins nachlesen.


    Die angesprochenen Differenzen zwischen "Wirken und Wirkung" beziehen sich demnach nämlich nicht auf die unheilvollen antisemitischen Personenzüge Wagners oder auf den Missbrauch seiner Werke durch die Nationalsozialisten, wie sie im Plakat angesprochen werden. Dies sind aber durchaus berechtigte Kritikpunkte.
    Ich bin der Meinung, dass ein Ehrendenkmal (und das ist es ja; O-Ton Denkmalverein: "Element für Wagner-Ehrung - Entwicklung zum Pilgerort für Wagnerianer") nicht zwingend sonderlich kritisch mit der zu ehrenden Person umgehen muss. Deshalb ist es auch absolut legitim, wenn dem jungen Wagner, noch "unverklärt durch Ruhm und Anerkennung", ein großer Schatten als Vorausahnung für das "großartige musikalische Werk" angestellt wird. Wagner soll und wird durch dieses Denkmal idealisiert und heroisiert, ganz wie es die Bauaufgabe Ehrendenkmal erfordert. Dabei kommt es nicht so sehr darauf an, ob Wagner sich geehrt fühlen würde, sondern ob ein solches Denkmal als Ehrung gemeint ist. Wenn Du Idealisierung und Heroisierung nicht erkennen willst, verfehlt entweder das Denkmal seinen Zweck oder Du vermischst fälschlicherweise die Ansprüche zwischen Ehren- und Mahnmal.


    Gleichwohl finde ich es auch reichlich unredlich jene zu beschimpfen, welche die Einweihung eines solchen Denkmals zum Anlass für Kritikpunkte nehmen. Denn auch das ist durchaus legitim. Sowohl die Person Wagners, die Geschichte zur Errichtung eines Denkmals zu seinen Ehren, der aktuelle Bedarf eines solchen Ehrendenkmals, als auch die wechselvolle Rezeptionsgeschichte seines Werken bieten jede Menge Angriffsfläche für kritische Stimmen. Während man von einem Ehrendenkmal nicht erwarten sollte, dass es darauf Bezug nimmt, muss das gleichwohl nicht bedeuten, dass eben jenes Denkmal nicht doch als Projektionsfläche kritischer Auseinandersetzung genutzt werden kann. Eine konkrete Diffamierung der Stadt oder des Künstler kann ich überdies im Plakat ebenfalls nicht erkennen - vielleicht hilft mir dabei aber jemand auf die Sprünge?



    Zum 15.Oktober 1938 fällt mir nur ein Ereignis ein, dass nicht nur Leipzig oder Wagner betrifft, aber thematisch doch irgendwie passen könnte: Das Inkrafttreten der Notdienstverordnung. Diese Thematisierte u.a. den Umgang mit den Juden, insbesondere im Hinblick auf Zwangsarbeit. Ob das aber gemeint ist, weiß ich nicht.

  • ... ich weiß nicht, ob es für eine Aufnahmeprüfung an der HGB ausreicht, mir hat sich folgender Vergleich aber irgendwie aufgezwungen. Ansonsten gilt ja: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. :)


  • "BAUVORHABEN" - Intervention im Richard-Wagner-Hain

    „BAUVORHABEN“
    Deborah Jeromin
    Dauer: 3. Mai – 21. Mai 2013
    Intervention im Richard-Wagner-Hain, permanent während der Laufzeit der Ausstellung
    Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, Studiengang Medienkunst


    Hierzu ein Beitrag im Morgenmagazin von Radio Blau (Leipzig 99,2 MHz - http://www.radioblau.de/ ) ein Interview mit der Künstlerin Deborah Jeromin mit einer Länge von 22:16 Minuten. Erwähnt wird unter anderem die Diskussion hier im DAF (Minuten 10:55 - 11:18 und 21:19 - 21:44) .


    Richard Wagner in altem Glanz
    http://www.freie-radios.net/56553


    Zitat


    Kurzbeschreibung:
    In Leipzig kommt man momentan kaum um ihn herum: Richard Wagner ist allerorten. Das mag daran liegen, dass man auch in Leipzig ein Richard-Wagner-Gedenkjahr ausgerufen hat. Passender Marketing-Spruch dazu: "Richard ist Leipziger". Per Du mit Richard: Mehr Anbiederung geht kaum. Da gehört dann auch eine "kritische" Auseinandersetzung mit Wagner schon fast zum Marketingkonzept - wenn mans nicht übertreibt.


    In diesem Spagat zwischen Stadtmarketing und Auseinandersetzung mit dem Wagnerdiskurs hat sich Deborah Jeromin bewegt. Ihreszeichens Künstlerin, versuchte sie, eine Auseinandersetzung mit einem der vielen an Wagner gemahnenden Orte zu provozieren: dem Richard-Wagner-Hain in Leipzig, dem nie ganz fertig gewordenen "Nationaldenkmal"...


    PS: Die Erlaubnis zum Vollzitat der Kurzbeschreibung liegt mir vor.


    PPS: Siehe auch http://www.freie-radios.net/po…&query=Richard+UND+Wagner .

  • ^ Wenn das stimmt, wäre das die Sensation des Jahres. Allerdings besteht die Gefahr bei einer Entwicklerin wie der CG-Gruppe, dass - statt Abriss und Wiederherstellung des historischen Stadtgrundrisses - der Stasi-Koloss erhalten bleibt und dort Luxus-Wohnungen etc. entstehen (Projektname: "Living Wagner"). Wie schon beim Brühl-Pelzhaus hat auch hier m.W. der Bestandsschutz Vorrang.


    Edit: In Berlin richtet die CG-Gruppe ihren Fokus auch zunehmend auf die Entwicklung großer Nachkriegsbauten wie beispielsweise am Steglitzer Kreisel. Kein gutes Omen in Hinblick auf die Stasi-Zentrale in Leipzig. Aber abwarten...

    Einmal editiert, zuletzt von Cowboy () aus folgendem Grund: CG nicht GRK

  • Angesichts der jüngsten Projekte der CG-Gruppe in Leipzig und Berlin würde ich ebenfalls davon ausgehen, daß das Gebäude zumindest in Großen und Ganzen erhalten bleibt:


    - Geplanter Umbau des in den späten siebziger Jahren für das DDR-Chemieanlagenbaukombinat Leipzig-Grimma errichteten Elfgeschossers in der Prager Straße 20/28, später Technisches Rathaus:
    http://www.deutsches-architekt…d.php?p=406423#post406423


    - Umbau des "Steglitzer Kreisels" in Berlin, eines asbestbelasteten Bürohochhauses aus den siebziger Jahren, in eine Wohnanlage mit 250 teils luxuriösen Mietwohnungen. Die CG Gruppe will rund 190 Millionen Euro in den Kreisel investieren, inklusive Kaufpreis und den Modernisierungskosten für die Sockelbauten mit Hotel und Parkhaus.
    http://www.tagesspiegel.de/ber…kauft-werden/8696232.html
    http://www.cg-gruppe.de/immobilien/project/detail/527


    In dem verlinkten Artikel aus dem Tagesspiegel vom 27.08.2013 heißt es zum Schluß: "Wohnhochhäuser haben wegen der sozial instabilen Trabantenstädte der 70er und 80er Jahre einen schlechten Ruf, aber seit einigen Jahren vollzieht sich ein Imagewechsel. Hochhäuser werden nicht mehr mit Sozialwohnungen, sondern Luxusapartments in Verbindung gebracht." Verwiesen wird dabei auf Neubau des 70 Meter hohen Turm "Living Levels" an der East Side Gallery ( http://www.deutsches-architekt…um/showthread.php?t=11159 ) sowie auf das geplante 150 Meter hohe Hochhaus des US-Investors Hines auf dem Saturn-Gebäude am Alexanderplatz.


    Der ehemalige Sitz des DDR-Kosmetikkombinats, ein Acht-Geschosser aus den 1980er Jahren, auf der Stralauer Halbinsel wird ebenfalls als Luxus-Wohnhaus vermarktet. Vor allem dieses Gebäude ist gut mit der Stasi-Zentrale vergleichbar. Der Investor Julian Streletzki nannte als Vorteil: "Es handelt sich dabei nicht um den DDR-typischen Plattenbau, sondern um einen Stahlbetonskelettbau, der komplett entkernt werden kann."
    http://www.welt.de/regionales/…-wird-Luxus-Wohnhaus.html

    Einmal editiert, zuletzt von LE Mon. hist. () aus folgendem Grund: Rechtsschreibung

  • Für mich keine gute Nachricht, denn ich rechne ebenfalls mit Sanierung statt Abriss und damit einer Manifestierung des zu grob geratenen Baukörpers in der großen Fleischergasse. Ich möge mich irren, wäre sonst sehr schade.

  • ... wenn die CG-Gruppe den Koloss auf innenstadtkonforme Proportionen umbaut und öffentliche Durchwege schafft, die nicht wie Gefängnisinnenhof anmuten, bin ich da offen für Umbauvorschläge.
    Ökologisch und geschichtstreuer ist die Umbauvariante allemal. Obwohl die Herstellung einer kleineren Bebauung schon spannend gewesen wäre--- so im Hinblick auf die Zeichen, die die Stadtverwaltung mit Wiedererrichtung der historischen Klingertreppe gesetzt hat.
    Vielleicht wird hier auch erstmal "nur" Immobilienpoker betrieben.

  • Ich habe hier jetzt nicht systematisch gesucht - kann mir daher jemand die Frage beantworten, wer bisher der Eigentümer der alten "Stasi-Zentrale" war? Ich nahm bislang an, dies sei die Stadt Leipzig - womit ich wohl falsch lag?

  • Beim Areal um den alten Matthäikirchhof gibt es neue Entwicklungen: Ein Bebauungsplan Nr. 2731 wurde erarbeitet. Schon Anfang 2013 wurde sowohl im Fachausschuss Stadtentwicklung und Bau als auch im Stadtbezirksbeirat Leipzig-Mitte die Vorlage DSV/2731 „Bebauungsplan Nr. 45.6 "Nutzungsarten im Stadtzentrum" Stadtbezirk Leipzig-Mitte, Ortsteil Zentrum - Freigabe zur frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung“, die sich auch auf das Arealz wischen Großer Fleischergasse, Dittrichring und Matthäikirchhof bezieht, vorberaten. Der Entwurf des Bebauungsplanes wurde aber bis heute nicht zur frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung freigegeben.


    Nun fordern die Grünen, namentlich Tim Elschner, Mitglied des Stadtbezirksbeirates Leipzig-Mitte für Bündnis 90/Die Grünen und Kandidat für den Stadtrat (WK Mitte), und Katharina Krefft, Fraktionsvorsitzende der Grünen-Stadtratsfraktion, eine öffentliche Diskussion über die Zukunft des Areals.


    PM Bündnis 90/Die Grünen, 2. Mai 2014
    http://www.gruene-fraktion-leipzig.de/index.php?id=14



    L-IZ, 03.05.2014
    Neues Stadtquartier mit Bürgerbeteiligung: Grüne fordern Städtebauliche Entwicklung für das Areal am Matthäikirchhof
    Ralf Julke
    http://www.l-iz.de/Politik/Bre…tthaeikirchhof-55704.html

  • ich sehe das forderungspaket eher als maximalforderung. natürlich sind einige nutzungen einander ausschließend. ich kann mir auch noch kein grünflächendenkmal für die matthaikirche vorstellen - da außerdem schon ein denkmal existiert. zu begrüßen ist die durchwegbarkeit. schon allein die wiederherstellung des bis auf zwei wege durchweg umbauten kirchhofs wäre für mich eine sensation.
    was ich nicht ganz verstehe - mir deucht, die ehemalige ohrenburg wäre durch CG gekauft worden. habe ich da was falsch aufgeschnappt? wenn dem so wäre, kann doch die öffentlichkeitsbeteiligung sowieso nicht viel machen, da privateigentümer...

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    Ich weiß nicht genau ob es CG war, aber es war einer der großen Player in Leipzig. Das Gebäude ist jedenfalls nicht mehr in Besitz von Stadt, Land, Bund oder wem auch immer.


    Sollte es CG sein, wird es wohl noch ein wenig dauern, da die mit der Prager Straße, Bleichert-Werken, Plagwitzer Gewerbehöfe (o.ä.) genug Projekte laufen haben und sich ansonsten wohl bald übernehmen.