Gürzenich-Quartier in der Altstadt (im Bau)

  • Kleinteiligkeit

    Mit der Kleinteiligkeit in der Kölner Altstadt ist es schon seit sehr langer Zeit vorbei. In der direkten Nachbarschaft des Projektes finden sich zahlreiche Beispiele einer Stadtentwicklung, die schon seit über 100 Jahre andauert: Kaufhof, Kaufhaus Jacobi und auch das ehemalige Stadthaus auf dem Grundstück des heutigen Interconti-Hotels haben gemein, dass sie mit der mittelalterlichen Struktur aufgeräumt haben. Was ist der Grund? Anders als im Mittelalter baut heute kein Fachhändler oder Handwerker mehr sein Wohn- und Geschäftshaus im Stadtzentrum - erst recht, wenn die Fassade in Richtung Augustinerstraße (Ostwest-Verbindung) gelegen ist. Für Investoren sind jedoch nur großflächige Bebauungen interessant. Ein Trend, den man nicht aufhalten kann, auch wenn ich persönlich seltene Fachgeschäfts wie "Korb Jansen" vermissen werde.

  • vantast : "Ein Trend, den man nicht aufhalten kann, auch wenn ich persönlich seltene Fachgeschäfts wie "Korb Jansen" vermissen werde" - warum denn so fatalistisch? Abgesehen davon, dass die Kleinteiligkeit der Altstadt keinesfalls vollständig verschwunden ist (räumlich und funktional) und deshalb, wie der Leser im KStA ausführt, durchaus Anknüpfungspunkte vorhanden wären: andere Städte machen vor, dass sich auch innerstädtisch (und auf großer Fläche) kleinteiliger bzw. kontextualisierter bauen lässt (die Townhäuser in Berlin sind ein Bsp., Frankfurts geplante und von mir skeptisch gesehene Altstadtplanung eine anderes). Ich finde darüber hinaus, dass einzelne Gebäude auf dem beplanten Areal (renoviert bzw. aufgewertet) durchaus eine Bestandsberechtigung haben. Jane Jacobs und andere haben überzeugend dargelegt, dass neben Nutzungsmischung und Kleinteiligkeit auch eine Mischung aus Gebäuden unterschiedlichen zeitlichen Ursprungs 'urbanitätsfördernd' wirkt und das gilt m.E. gerade für eine historische, aber über Jahrzehnte ahistorisch beplante Stadt wie Köln.


    Um nicht falsch zu verstehen: ich stehe in anderen Zusammenhängen großen Würfen wohlwollend gegenüber, finde Astocs Entwurf nicht unterirdisch und bin grundsätzlich definitiv Verfechter zeitgenössischer Architektur. An diesem für Kölns Identität nicht unwichtigen Ort scheint mir aber mehr sinnvoll, sensibler vorzugehen und mehr Rücksicht auf die Besonderheiten vor Ort zu nehmen.

  • War mal wieder wenig lohnenswert sich mit Köln zu befassen.
    Die Architektur hat Qualität, könnte jedoch auch in Berlin oder anderswo stehen.
    Der große Fehler ist die Missachtung der Kleinteiligkeit, welche dieser Altstadtbereich verlangt. Diese, ganze Blöcke einnehmenden, Solitärbauten, machen eine Großstadt für mich nur provinzieller. Aus ehemals tausenden kleinen Gebäuden, werden hunderte großer Solitäre. Das Auge hat keinen Halt mehr und ist schnell gelangweilt. Mein Hirn speichert diese Stadt als klein ab, da es sie so schnell erfassen konnte.
    Die Friedrichswerder Stadthäuser wären für mich auch eine gute, moderne Lösung.
    Wenn schon Solitär, dann bitte mit vorgetäuschter Kleinteiligkeit durch Unterteilung der Fassade.
    Die Draufsicht wird das Auge wahrscheinlich auch mit ästhetischer Haustechnik verwöhnen.

  • Ich würde für den Bereich am liebsten etwas was in Richtung Dominium geht. Nur ne ecke Kleiner natürlich. Aber der Stil ist 1A und auch der der hier gefordert wird. Schade das sowas nicht im Wettbewerb dabei war.

  • Dominium = sehr schick und wohl auch entsprechend teuer. Da ist eine Privatbank drin: Merck Finck & Co


    Gürzenich-Quartier = Sparkassenableger mit dem Charme eines Betonbunkers


    Ich hoffe die Besitzer die drei Besitzer der Häuser in der Gürzenichstraße verkaufen nicht! Dann wird es nicht ganz so schlimm, immerhin würde dann die Kleinteiligkeit gegenüber dem Gürzenich gewahrt bleiben.

  • Ich war heute in der Kreissparkasse am Neumarkt und habe mir die Sachen vom Gürzenich-Quartier genauer angeschaut, und ich muß sagen, daß ich sehr enttäuscht war. Sieht wirklich nicht besonders toll aus, eigentlich sehr langweilig. Und es passt überhaupt nicht zum Gegenüber, dem Gürzenich.
    Aber ich befürchte, daß es gebaut wird :Nieder:

  • Naja, die Frage, ob der Entwurf nun der große Wurf ist, sollte denke ich immer in Anbetracht des Ist-zustandes bewertet werden.
    Und da ist der geplante Neubau (nur mein subjektives Emfpinden) schon eine klare Verbesserung. zudem ist der Entwurf auch derjenige, der sich noch am ehesten von den drei Möglichkeiten in das bestehende Umfeld einfindet. Und wer weiß, wenn die drei noch nicht erworbenen Gebäude nicht verkauft werden, muß der Versuch ja um diese gebäude herumgeplant werden. Diese Bedingung war ja wohl in der Auslobung enthalten.. Und dann wäre ja auch wieder die Kleinteiligkeit gewahrt.-)

  • Auch koelnarchitektur.de zeigt jetzt die Entwürfe:


    http://www.koelnarchitektur.de…/de/home/aktuell/2441.htm


    Leider kann ich kein Bild finden, das den Vorkriegszustand der streitbefangenen drei Gebäude dokumentiert. Solch ein Bild könnte die Frage beantworten, ob die Gebäude immer in dem jetzigen, etwas erbärmlichen Zustand waren, oder etwa durch wiederhergestellte Fassaden (Reko in Köln!) zu Schmuckstücken mutieren könnten.


    Ein interessanter Gedanke, der den Eigentümern unterbreitet werden könnte - der zwar nicht die Investoren freut, aber ein Dienst am Stadtbild Kölns darstellen könnte. Fraglich ist, ob die Eigentümer investieren wollen oder die Immobilien am reinen Gebrauchswert messen bzw. nur daran interessiert sind, die Preise zu treiben.

  • Leider kann ich kein Bild finden, das den Vorkriegszustand der streitbefangenen drei Gebäude dokumentiert.


    Bei einer Recherche im Bilderbuch Köln habe ich folgendes gefunden:


    http://www.bilderbuch-koeln.de/Fotos/116249#56865


    http://www.bilderbuch-koeln.de/Fotos/116249#116251


    http://www.bilderbuch-koeln.de/Fotos/116249#116253


    http://www.bilderbuch-koeln.de/Fotos/116249#115194


    Grade auf dem letzten Foto erkennt man eine sehr schöne Altbausubstanz, die anscheinend noch bis mindestens 1960 dort gestanden hat (links unten):


    http://www.bilderbuch-koeln.de/Fotos/116249#58608

  • Anhand des Bildes auf koelnarchitektur wo sie die drei bislang unverkäuflichen Häuser kann man eig. sagen:
    Sollten diese nicht verkauft werden wird dort auch nix gebaut. Die befinden sich ja an der Front und nehmen fast die halbe Front weg. Kein Investor würde dann dennoch das Neubauen.


    Oder sehe ich das jetzt falsch?


    Ok, da steht zwar unten es sind Lösungen dafür vorhanden... jedoch mag ich mir das Ergebnis gar nicht ansehen wie das aussehen würde. Weil die 3 Gebäude finde ich nicht Erhaltenswert. Wenn schon denn schon.

  • Der Neubau sieht auf jeden Fall besser aus, als das was jetzt da steht. Allerdings verstehe ich nicht, daß man sich gerade für diesen Entwurf entschieden hat. Mittlerweile sehen fast alle neuen Projekte in Köln fast gleich aus, ob es das Westgate am Rudolfplatz ist, die Neubebauung am Waidmarkt, Ecke Tel Aviv Str., Nord-Süd-Fahrt/Gegenüber P. Cloppenburg.
    Quadratisch, praktisch gut. Sehr einfallslos :Nieder:

  • Und verkaufen die drei Häuser in der Gürzenichstr? Wohl nicht, sonst wäre doch schon eine Pressemeldung rausgekommen. Ich habe das Gefühl das das Projekt "Gürzenich-Quartier" so langsam absäuft.... :nono:

  • Tobias Es gibt keine Hinweise darauf, dass das Projekt "absaufen" würde.


    Sollten die Eigentümer der 3 Häuser jedoch nicht bereit sein zu verkaufen, kann ich mir derzeit nur schwer vorstellen, wie eine gelungene Umsetzung des Projektes dann aussehen sollte. Schlimmstenfalls so, wie es beim benachbarten Interconti zu "bewundern" ist. Ich will's aber mal hoffen, dass es nicht so kommt.

  • Auf nachstehendem Bild aus Google Earth habe ich weiß die betroffenen Gebäude markiert. Ob auch noch Hinterhofgebäude dazu gehören, war nicht zu erkennen. Danach lässt sich m. E. durchaus der Siegerentwurf unter Aussparung und Umbauung der drei Häuser im Wesentlichen verwirklichen.



    Bild (c) ottcgn1

  • "Auf nachstehendem Bild aus Google Earth habe ich weiß die betroffenen Gebäude markiert. Ob auch noch Hinterhofgebäude dazu gehören, war nicht zu erkennen. Danach lässt sich m. E. durchaus der Siegerentwurf unter Aussparung und Umbauung der drei Häuser im Wesentlichen verwirklichen."


    Meines Wissens sind die drei noch nicht verkauften Gebäude richtig zutreffend in weiss markiert. Allerdings haben Asia-Travel und das Pelzgeschäft mit ihren Fenstern zum Innenhof ein Lichtrecht. Also dürfen deren Fenster nicht zugebaut werden, was eine Umsetzung des Siegerentwurfs erschwert bzw. unmöglich macht.

  • @ottcdn1 Natürlich lässt sich der Entwurf 'irgendwie' verwirklichen, sollten die 3 Gebäude nicht verkauft werden. Nur - wie würde das dann wirken (aussehen) - und wäre es unter diesen Umständen erstrebenswert?
    Es würde unter diesen Umständen wohl eher auf eine komplette Um-/Neuplanung hinauslaufen.

  • Nein ;)


    Meines wissens wurde im Wettbewerb bereits auf diese Möglichkeit hingewiesen und war auch eine Bedingung. Diese bekommen wir allerdings wohl erstmal nicht zu sehen. Pläne wie das ganze mit den 3 Häusern aussieht gibt es aber aufjedenfall.

  • Meines Wissens sind die Entwürfe eh komplett hinfällig. Gründe:


    - Die drei kleineren Häuser in der Gürzenichstr. haben NICHT verkauft. Hier hatten sich die Investoren ein Zeitlimit gesetzt und dies ist bereits überschritten.


    - Das übrige Karree gehört zwar der Sparkasse, aber teilweise haben die Mieter Gewerbemietverträge die noch über Jahre laufen. Hierzu war schon ein Beitrag im Fernsehen bei RTL. Da meinte eine Geschäftsfrau, sie habe doch gerade neu renoviert und eingerichtet warum soll sie dann von heute auf morgen ganz plötzlich raus. Das wird bestimmt noch lange Prozesse geben. Die deutschen Gesetze im Bereich Gewerbemietrecht sind nun mal günstig für die Mieter. Eine Überrumpelungsstrategie à la Shanghai ("nächsten Monat bist Du draussen, sonst kommt frühmorgens die Polizei und führt eine Zwangsräumung durch") klappt hier NICHT. Zum Glück.

  • Nachtrag: Wer verkauft denn gerade jetzt seine Immobilie in top Lage, wenn der Euro täglich weniger wert wird! :lach::lach:
    Gerade ältere Immobilienbesitzer haben doch Angst vor einer neuen Inflation wegen Griechenland. Ob´s tatsächlich so kommt sei dahingestellt....