Projekt "Ensemble am Untermainkai" (in Bau)

  • Die Reste der "Villa Helfmann" sind tatsächlich derart kläglich, dass ich angesichts der gezeigten Planung einen Abriss für vertretbar halte - wenn man sich das Gemäuer vor Ort anschaut, wird man, wie ich, wohl zwangsläufig zu diesem traurigen Schluss kommen.


    Eine Frage in die Runde: Laut Schmittchens Posting und Emporis heißt das klassizistische Schmuckstückchen nebenan "Villa Bonn" - gibt es derer wirklich zwei in Frankfurt: Villa Bonn der Frankfurter Gesellschaft (Siesmayerstraße)?

  • Die Familie Bonn war dieser Quelle zufolge alteingessen und weitverzweigt. Als Bankiers zudem vermögend, so dass wohl mehrere Häuser für diese Familie gebaut wurden.


    Hier noch eine Visualisierung des "Gartenhaus" genannten Gebäudes im Blockinneren, dürfte Blickrichtung Nordwest (Plan) sein:



    Bild: Happ Architecture / B.C. Horvath


    Außerdem interessant, dass sich auf der Website des Büros, welches offenbar die Renderings gefertigt hat, eine andere Ansicht von Dribbdebach findet als die in #22. Abgesehen von etwas schmaleren Fenstertüren im Staffelgeschoss sieht diese aus wie die von main1a. Das scheint auch die spätere Arbeit zu sein, so dass man die übergroßen Fenster an dieser Stelle wohl nicht zu sehen bekommen wird.

  • Es geht offenbar voran. Eine Bank ist an dem Neubau am Untermainkai interessiert. Auch eine bisher fehlende Zustimmung einer Nachbarin liegt nun vor. Anders als bisher geplant, sollen noch erhaltene Teile der Originalfassade der Villa Helfmann in den Neubau am Untermainkai integriert werden. In zweiter Reihe sind weiterhin Wohnungen in einem weiteren Gebäude mit fünf Geschossen geplant (wohl der oben "Gartenhaus" genannte Bau). Dies teilte Architekt Jens Jakob Happ gestern dem Planungsausschuss mit, wie aus diesem FNP-Artikel hervorgeht.


    Nachtrag: Auch die Rundschau berichtet von der Ausschuss-Sitzung. Erwähnt wurde demnach, dass der geplante Neubau "zum Teil ein Giebeldach" haben solle. Also wurde auch insofern umgeplant, da die bisherigen Entwürfe dies nicht erkennen lassen. Meiner Vermutung nach wegen der Gestaltungssatzung für das Bahnhofsviertel von 1981, nach deren § 4 die "vorgeschriebene Dachform ist das Mansarddach" ist, "sofern die benachbarten Gebäude Mansarddächer haben". Dazu auch oben #28ff.


    Erwartungsgemäß soll die Helfmann-Villa vollständig abgerissen werden. Teile der alten Sandsteinfassade und das Portal der Villa sollen später in den Neubau integriert werden. Selmi möchte den Bauantrag noch in diesem Jahr stellen.


    Die interessierte "internationale Bank" möchte nicht nur in den geplanten Neubau, sondern auch in die Villa Bonn einziehen (zu dem klassizistischen Gebäude Untermainkai 44 weiter oben im Strang). Die derzeit dort auf 330 m² untergebrachte Kindertagesstätte soll in die Windmühlstraße 9 umziehen. In diesem auch Selmi gehörenden Gründerzeitgebäude an der Ecke zur Wilhelm-Leuschner-Straße befindet sich zur Zeit auf fast 1.000 m² der Weißfrauenkindergarten der evangelischen Hoffnungsgemeinde. Dieser zieht wiederum an den Westhafen in das zur Zeit in Bau befindliche KiTa-Gebäude an der Hafenstraße (Beitrag).

  • Projekt "Ensemble am Untermainkai" (geplant)

    Eigentlich müsste es zu denken geben, dass man damals die Fragmente des Vorkriegsbaues hier nicht gleich abgerissen hat sondern irgendwie noch zu integrieren versuchte? Das hässliche zumauern der Erdgeschoßfenster erfolgte ja dann erst viel später.

    Wenn der Architekt nun das Bauvorhaben „Ein Stück Stadtreparatur“ nennt, sollte ein maßvoller Entwurf mit historischen Bezügen vorgelegt werden, der auch das typische Bild der Frankfurter Uferfront erhält und betont. Eigentlich gehört die komplette Uferregion in das Innenstadtkonzept mit aufgenommen und bräuchte eine eigene Gestaltungssatzung.

    Vermutlich werden nun aber, wie schon im Artikel angedeutet, sogar mehrere "Befreiungen von geltenden Vorschriften" stattfinden. Es wird spannend sein, wie sich das Planungsamt positioniert und wie der neue Entwurf aussehen wird. Sieben Geschosse (ohne (zum Teil) Giebeldach) währen aber schon mal zu viel. Wenn es dann auch noch ein reines Bürogebäude wird, dann werden im Erdgeschossbereich wieder keine Möglichkeiten für Urbanität entstehen.

    Die Gestaltung, oder wenigstens der Erhalt einer einigermaßen historisch passenden Uferfront im Innenstadtbereich (und ich zähle die gesamte Uferfront dazu) hätte dann gegebenenfalls im Römer keine sehr gute Lobby.

    Dass die Stadt bei der bestehenden Vorschriften- und Gesetzeslage hier wieder nichts machen könne, möchte ich nicht wieder hören. Genau da liegen ja die Probleme. Es fehlen eben dann die griffigen Vorschriften und Gestaltungssatzungen für wichtige Stadtgebiete, die dann auch konsequent durchgesetzt werden müssen. Wenn aktuell ein Bauvorhaben ansteht, kann es für zusätzliche Vorgaben natürlich zu spät sein.

    Wenn allerdings im Magistrat und unter den gewählten Stadtverordneten nicht genügend Interesse daran bestehen sollte, dann kann der Bürger dem derzeit munteren Baugeschehen mal wieder nur interessiert zuschauen.
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    8 Mal editiert, zuletzt von RobertKWF () aus folgendem Grund: Ergänzung

  • Ich finde den Bau eigentlich weitgehend okay, da er in relativ traditioneller Formensprache vor allem den Typus des "weißen nördlichen Mainufers" fortführt. Unverständlich bleibt aber auch hier der fehlende Zwang zu einem klassischen Schieferdach sowie die Erlaubnis, die Höhe der übrigen Blockrandbebauung, die hier mehrere Kilometer bei Wohnhäusern einheitlich ist, zu sprengen.


    Dass es noch weit weniger schwer wäre, hier mit hölzernen Fensterläden und einer horizontalen Gliederung (Gesimse - gibt's die in AutoCAD noch?) mit minimalen Mehrkosten ein wahres Schmuckstück zu schaffen... naja, reden wir nicht drüber.

  • Wilhelm-Leuschner-Straße 39 / Windmühlstraße 9

    Das könnte spannend werden. An der Wilhelm-Leuschner-Straße 39 (Karte) klafft seit langer Zeit eine Baulücke. Links davon, an der Ecke zur Windmühlstraße, befindet sich ein zweigeschossiger Gründerzeitler mit Erker, reicher Sandstein-Dekoration, Mansarddach und Bogendach-Gauben. In planAS ist er nicht als denkmalgeschützt markiert. Rechts (Wilhelm-Leuschner-Straße 41) steht ein 10-geschossiges, zur Straße hin schlankes Bürohaus im amerikanischen Glitzerstil der späten 1970er- / frühen 1980er-Jahre, schätze ich. Siehe Google Street View. Auf der anderen Straßenseite befindet sich ein heruntergekommenes Ensemble, an dem ich in den letzten Wochen erfreuliche Aktivitäten feststellen konnte.


    Für die Baulücke habe ich jetzt beim Architektur-Visualisierer BC Horvath dieses interessante Rendering gefunden:



    Bild: BC Horvath Architektur-Visualisierung, Frankfurt


    Offenbar plant man, die Lücke mit einem (im Vergleich zum rechten Nachbarn nur) siebengeschossigen Neubau zu füllen, der viele Gestaltungselemente des Gründerzeitlers nebenan aufnimmt: Putz/Sandstein, Fassadenbänder, Farbgebung, hohe Geschosse, Gliederung. Die Fenster sind allerdings bodentief. Die französischen Balkone lassen eher auf ein Wohngebäude schließen. Das zugehörige Rendering eines Raumes mit Blick über den Main trägt jedoch den Titel "Büro".


    Insgesamt jedenfalls eine stimmige Ergänzung zum Gründerzeitler, und sowohl das Bild als auch der Verbindungsbau zwischen den beiden Häusern lassen vermuten, dass beide Hausnummern als Ensemble entwickelt werden sollen.

  • Ein in der Tat sehr erfreulicher Entwurf. Die Gliederung der Straßenfassade steht in der erfreulichen Tradition der 1920er / 1930er Jahre. Mangels Staffelgeschoss ist es allerdings rätselhaft, wieso – zumal wir im Bahnhofsviertel sind – auf ein Mansarddach verzichtet werden sollte.

  • Nach den zuletzt etwas negativen Nachrichten zum Hotel an der Pferderennbahn und dem Bundesrechnungshof ist das eine positive Überraschung zur richtigen Zeit. Die gesamte Gegend rund um das Internconti sowie das Hotel selber bedarf einer kompletten Generalüberholung. Sobald die ersten Domino-Steine fallen und Namen wie Horvath involviert sind, könnten auch bald weitere Investoren zur Nachahmung eilen. Die zum Teil sträflich vernachlässigten Immobilien dürften (noch) nicht die Wucherpreise erreicht haben wie anderswo in direkter Mainufernähe.

  • Ich nehme an, dass das mögliche Vorhaben auf dem Grundstück Wilhelm-Leuschner-Straße 39 im Zusammenhang mit dem Projekt "Ensemble am Untermainkai" der Ali Selmi Grundstücksgesellschaft steht. Also der Neuentwicklung des Areals der "Villa Helfmann". Denn die Windmühlstraße 9 soll auch Selmi gehören (dazu und zum Zusammenhang mit einem Projekt am Westhafen dieser Beitrag). Das Bürogebäude "Main-Gold" auf der anderen Seite ist ohnehin in Selmis Besitz. Zudem wurden sämtliche Visualisierungen von demselben Büro gefertigt. Schließlich nehme ich an, dass auch der Leuschner-Straße-Entwurf aus dem Büro Happ stammt, die jeweilige Handschrift spricht jedenfalls dafür.


    RMA: Nach der Gestaltungssatzung für das Bahnhofsviertel von 1981 ist die "vorgeschriebene Dachform [...] das Mansarddach", wenn "die benachbarten Gebäude Mansarddächer haben". Das ist hier eher nicht der Fall, die Nachbargebäude haben überwiegend Flachdächer.

  • ^ Den Selmi-Zusammenhang vermute ich ebenfalls. Dafür spricht auch der Einbezug aller Gebäude auf der Osthälfte des Blocks auf diesem Lageplan der Architekten-Projektseite für das erwähnte "Ensemble am Untermainkai":



    Bild: happarchitecture., Frankfurt


    Ich liefere aktuelle Fotos von der Wilhelm-Leuschner-Straße nach. In etwa die Perspektive des Renderings:



    Die Lücke an der Nr. 39 nutzt momentan der Kindergarten als - Kinder-Garten ;) Im Hintergrund die Villa Helfmann und die Villa Bonn:



    Das Main-Gold in seiner unendlichen Schönheit von Westen gesehen (die Aussicht von den oberen Geschossen ist allerdings atemberaubend):



    Bilder: epizentrum


  • RMA: Nach der Gestaltungssatzung für das Bahnhofsviertel von 1981 ist die "vorgeschriebene Dachform [...] das Mansarddach", wenn "die benachbarten Gebäude Mansarddächer haben". Das ist hier eher nicht der Fall, die Nachbargebäude haben überwiegend Flachdächer.


    Der Altbau hat direkt nebenan hat doch ein Mansarddach, also ist der Tatbestand doch erfüllt :P
    Mal ehrlich, wer sich diesen dämlichen Teilsatz ",wenn..." hat einfallen lassen, hat nicht weiter gedacht als, ich sprechs lieber nicht aus. Denn damit könnte man mit etwas langem Atem Stück für Stück das gesamte Bahnhofsviertel in eine Flachdachwüste verwandeln, und niemand dürfte was dagegen sagen.


    Wobei man sich andererseits ohnehin fragen muss inwiefern die Satzung hier überhaupt durchgesetzt wird. Da steht ja auch explizit drin, dass die Dächer mit Schiefer einzudecken sind, und trotzdem wird die Dachlandschaft mit immer mehr Blech zugemüllt...

  • Für den Fall, dass es hier irgendwann losgeht, liefere ich hier die Bestandsaufnahme aus der Luft. Die Villen Helfmann und Bonn (unten angeschnitten):



    Der Innenbereich des Blockes:



    Vorne links das Maingold-Hochhaus, dahinter die Lücke der Wilhelm-Leuschner-Straße 39 und die Ecke zur Windmühlstraße (Nr. 9) - allesamt mit gleichem Eigentümer:



    Bilder: epizentrum


    -----------------
    Mod: Ich habe die Beiträge zur Wilhelm-Leuschner-Straße 39 und Windmühlstraße 9 hier eingefügt, der Zusammenhang dürfte gegeben sein. (Sch)

  • Gleich vorweg: Hier rückten keine Baugeräte an. Der Zustand der Villa Helfmann scheint inzwischen allerdings derartig besorgniserregend zu sein, dass vor einigen Tagen der Gehweg vor dem Gebäude gesperrt wurde:



    Am Tor hängt auch seit kurzem erst ein nagelneues Vorhängeschloss. Ob wir uns auf eine lange Wartezeit zum Baubeginn einstellen müssen?



    Wie man oben schon erkennen kann, verfällt das Haus zusehends:



    Bilder: epizentrum

  • ^ Das war mir auch aufgefallen. Von einem Bauzaun würde ich aber nicht sprechen. Es sieht alles noch so aus wie im Vorvorbeitrag gezeigt, nur stehen halt links und rechts der bisherigen Absperrungen zwei Metallzaunelemente mit dem schwarzen Tüm-Banner drauf. Sonst ist bislang nichts passiert. Auch keine Baumaschinen oder Personal vor Ort.


    Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

  • Abbruch Untermainkai 34

    Aus den =7994111"]Baustellenmeldungen von heute:


    Zitat

    Bahnhofsviertel Untermainkai in Höhe Windmühlstr.: Teilsperrung der Fahrbahn wegen Abbrucharbeiten. Die rechte Fahrspur, stadtauswärts ist gesperrt. Voraussichtlich bis 31. Mai.


    Windmühlstraße 2 wurde gerade saniert, die Nummer 1 (= Untermainkai 33) ist denkmalgeschützt. Heißt, die Nummer 34 wird inklusive ihrer alten Restfassade sehr bald Geschichte sein. Ein Abschiedsgruß von vorhin:



    Bild: (Einen schönen Tag wünscht Ihnen das) epizentrum

  • ^ Eine Integration gerade der Schmucksteine wäre sehr zu wünschen. Heute sah man bereits die ersten echten Abbruchzeichen. Unten bricht man die provisorischen Mauern aus den Fenstern:



    Oben fehlen einige alte Fensterscheiben:



    Bilder aus dem fahrenden Auto heraus: epizentrum

  • In den kommenden Tagen werden Steinmetze die aus dem Jahr 1891 stammenden Fassadenelemente der Villa Helfmann abnehmen. Teile davon sollen später in die Neubauten integriert werden, wie die FAZ in ihrer Druckausgabe vom Donnerstag schreibt. Danach beginnt der Abriss. In das "Mainhaus", dem Neubau am Untermainkai, könnte dem Bauherrn Reza Selmi zufolge auch ein Restaurant einziehen. Im Übrigen werden dort Büros entstehen. Die weiteren in diesem Thread vorgestellten Gebäude sollen ebenfalls wie vorgesehen gebaut werden. Baugenehmigungen liegen vor, Zustimmungen der Nachbarn mittlerweile auch.


    Das "Mainhaus" wurde überarbeitet, so sieht die aktuelle (früherer) Entwurf aus:



    Bild: happarchitecture