HGHI Leipziger Platz (ehem. Wertheim Areal) [realisiert]

  • Aus "Unorten" werden erste "Orte", wenn man in sie investiert! Siehe Potsdamer Platz, Pariser Platz und andere Brachen, in die seit der Wende kräftig investiert wurde. Und das geht auch nicht über Nacht, da wird es Geduld brauchen. Weiterhin habe ich den Eindruck, dass du die "Pleite" eines betrauten Bauunternehmens vielleicht mit der "Pleite" des Betreibers und Eigentümers verwechseln könntest, von wegen "War's das?". Ich muss auch keine Privatinsolvenz anmelden, nur weil der Fliesenbauer, der mir gerade ein neues Bad gemacht hat, insolvent ist. Schlimmstenfalls hab ich halt keine Gewährleistungsansprüche mehr.

  • Ich habe den Eindruck, dass der Leipziger Platz seit der Eröffnung des Einkaufzentrums kein Unort mehr ist, sondern ein relativ belebter Platz. Der Besucherandrang ist groß - zumindest im Vergleich zu der Leere, die dort jahrelang geherrscht hat (was allerdings zugegebenermaßen auch keine Kunst ist). Eine Gefahr für das Zentrum besteht jetzt aber trotzdem: Wenn die Entrauchungsanlage nicht zur Funktion gebracht werden kann, muss es aus Sicherheitsgründen bis auf weiteres schließen - und das würde dann ziemlich schnell auch den Betreiber in Kalamitäten bringen.


    Weiteres Problem: In den Obergeschossen (Wohnungen und Hotel) ist das Ding noch fast ein Rohbau - von außen zwar fertig, innen aber nackter Beton. Auch hier geht viel Zeit verloren und damit wohl auch eine Menge Mieteinnahmen/Verkaufserlöse, mit denen der Betreiber sicher fest gerechnet hatte. Ich sehe (noch) nicht allzu schwarz, ein Spaziergang wird das aber mit Sicherheit nicht...

  • Warum baut man ein so großes Einkaufszentrum in ein städtbauliches von Unorten (Wilhelmstraße, Leipziger Straße) umgebenes Niemandsland ?

    http://www.berliner-zeitung.de…ui,10809148,29292602.html


    Da hat eine Lohnschreiberin mal kurz einen Artikel hingeklatscht. Zeit für Recherche hat sich die Journalistin leider nicht genommen. Stattdessen gefährliches Halbwissen.


    Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn "öffentlicher Raum immer öfter als reine Verkaufsfläche" verstanden wird. Die Nutzung als Verkaufsfläche ist deutlich besser als wenn diese riesige Fläche weiterhin eine unbebaute Brache dargestellt hätte.

  • ^^ Marienviertel: Also das Umfeld Leipziger Platz/Westliche Friedrichstadt als "ein städtbauliches von Unorten (Wilhelmstraße, Leipziger Straße) umgebenes Niemandsland" zu bezeichnen, hat schon echt Zugereisten-XXX-Schneid, zumal fast die ganze Umgebung inzwischen Blockrand-Bebauung, mit Potsdamer Platz, Leipziger Platz, Bundesrat und Finanzministerium schon perlenkettenartig städtebauliche Ikonen hat und lediglich im Norden auf hohem Niveau genörgelt werden könnte (Platte/tschechische Botschaft). Aber selbst da ist das eine Antipode zu einem "Unort", der beispielsweise von Ingenhoven wiefolgt definiert wird:

    Es sind meist „leere" städtische Räume, denen ihre Eigenschaften als „Ort" im anthropologischen Sinne abgesprochen wird. Augé hat sein Buch „Orte und Nicht-Orte" ja im Untertitel als „Vorüberlegungen zu einer Ethnologie der Einsamkeit" bezeichnet. Für mich ist das auch ein Ort, der zu besetzen ist. Die Romantisierung von Un-Orten liegt mir fern. Architektur und Städtebau sollen Lagen schaffen und uns verorten.

    Quelle Zitat Ingenhoven


    Mich wundert, dass hier nicht massiv protestiert wird. Scheint, dass die Reizschwelle durch andere Themen enorm nach oben gewandert ist im BerlinForum.

  • Hatte mal Zeit mit das Ding näher anzuschauen. An diesem Ort nicht die schlechteste Wahl. Sicher gibt es das Klientel dafür, was vor 150 Jahren mal die Kaiser-Passagen nutzte.


    1. Die viergeschossigen Dächer sind Overdone. Da hätten es zwei Staffeln, wie in der Friedrichstadt üblich, auch getan. So sind die Proportionen doch heftig.


    2. Die Fassaden sind zwar glattgelüschert aber noch ganz verträglich. Schön auch der Farbwechsel.


    3. Glücklich der Bodenbelag gewählt, so dass man den Eindruck hat bei der großen Passage durch einen öff. Raum zu gehen und nicht durch ein Investorenghetto.


    4. Unglücklich sicher die Aussen-Werbung auf drei Etagen. Das wird Vorbildwirkung haben und sich ausweiten. Aus meiner Sicht unnötig.


    5. Innen natürlich Stilfrage, im Vergleich zu anderen Centern aber recht gediegen. Schön die Hierarchisierung der Geschosse - von der Raumhöhe und der Gestaltung her. Wo hat man das heute noch? Nur der Footcourt ist Huth ästhetisch völlig aus dem Ruder geraten, auch die Schmuckleisten auf den Wangen der Rolltreppen sind nicht stilsicher. Im ganzen aber gut - für ein Shoppingcenter.

  • ALso ich als Münchner hab das Ding jetzt auch besucht. Letzte Woche. Endlich fertig. Es ist schon sehr beeindruckend. XXL. Sehr schön genaut. Kleinigkeiten gibts immer. Aber man wird sicher noch nachbessern.


    Besonders schön fand ich die verschiedenen Stils im Inneren. Die Bunten Böden, dann wieder klassisch. Das ist top. Ist auch eine entspannte Stimmug vorhanden.


    Was ich bissl 2much fand, ist das Logo der Mall, welches auf jeder Glasfläche an den Etagengeländern im Innenbereich aufgedruckt werden musste. Da hast eine Abstand von 1m zum nächsten Logo. Overdone.



    Aber wer bei dem Teil insgesammt meckert, bei dem sitzt was schief. :D


    Bei uns in München baut man 0815 hässlich Passagen wie die Pasinger Arcaden. Alles viel zu klein & das mit abstand hässlichste Bauwerk welches in Westen M erbaut wurde. Oder das Moma ..das topt alles :booze:



    Deswegen mein Tipp:
    Seit froh und lobet die Erbauer!

  • Konstantins Wertung entspricht meiner: Per Saldo recht gut gelungen für ein Shoppingcenter.


    Nicht nur die Nord-Süd-Querung ist gelungen. Darüber hinaus finde ich die diagonale Durchwegung sehr positiv.
    Bei mir in der ehemaligen preußischen Provinzialhauptstadt Münster (;)) gibt es seit fünf Jahren die Münster-Arkaden,
    die ebenfalls von Kleihues jr. geplant wurden.
    Hier wie in Berlin wurde eine diagonale Verbindung von einer belebten Stelle der Stadt zu einem stiefmütterlich
    beachteten Stadtraum hergestellt. In Münster führte dies zu einer spürbaren Belebung und Aufwertung.
    Gleiches vermute ich für die Umgebung des U-Bahnhofs Mohrenstraße/Zietenplatz.


    Damit wäre das LP12 auch auf seiner Rückseite ein bedeutendes Stück Stadtreparatur.
    Berlin, nun freue dich! :lach:

  • Also ich finde den Entwurf von Kleihues deutlich besser. Sehe ihn heute zum ersten Mal. Hatte auch den ersten Preis gewonnen. Und hätte dem Leipziger Platz ein markantes Gesicht gegeben. Schön an dem Entwurf: eine kleine Reminiszenz ans alte Wertheim. Das ist genau das, was Berlin fehlt: Entweder eine eher indirekte Orientierung an der Tradition mit modernen Mitteln wie hier bei Kleihues oder eben die direktere stark historisierende Variante.


    Vom Innenleben der Mall of Shame kann ich nicht viel sagen, war ganz bewußt noch nicht drin. Aber das Äußere zum Leipziger Platz ist wahrlich enttäuschend. Bei Kleihues erkennt man den nötigen Sinn für's Große, für eine angemessene Geste für solch einen Komplex. Der jetzige Entwurf ist merkwürdig zurückhaltend und ein bißchen bieder.

  • Konstantins Wertung entspricht meiner: Per Saldo recht gut gelungen für ein Shoppingcenter.


    Nicht nur die Nord-Süd-Querung ist gelungen. Darüber hinaus finde ich die diagonale Durchwegung sehr positiv.


    Mit der Architektur der "Mall of Berlin" habe ich so meine Probleme, vor allem den m. E. uneleganten Fassaden und der schlecht gelösten Eingangssituation am Leipziger Platz.


    Die Wegeführung ist aber in der Tat ein großer Gewinn für das Areal, vor allem, weil sie die Fußgängerströme von der unwirtlichen Leipziger Straße (einer Bundesstraße) weg- und zum ruhigeren Wilhelmsplatz hinführt - und von dort ist es dann nicht mehr weit bis zur Friedrichstraße. Für die Entwicklung des gesamten Areals dürfte die "Mall" jedenfalls ein entscheidender Schritt gewesen sein.

  • Ich konnte mir diesen gewaltigen Baukörper nun in Realität ansehen und ich muss sagen, dass ich die hier geäußerte Kritik in weiten Teilen nicht nur nicht teilen kann, sondern sie auch nicht verstehe.


    Die Mall hat einen so immensen städtebaulichen Gewinn gebracht, dass man allein aufgrund dieser Tatsache dankbar sein muss. Erst wenn man einmal um diesen Komplex rumgelaufen ist, dann kann man die Dimensionen erfassen.


    Die Passage wirkt insgesamt sehr wertig, die Materialien, insbesondere im Vergleich zu anderen Malls sind geradezu vorbildlich ausgewählt. Man darf nicht vergessen, dass es sich um ein Projekt handelt, was insbesondere eins tun soll. und dass ist nicht Architekten oder Forumsteilnehmer zufrieden zu stellen, sondern Geld abwerfen. Und dafür finde ich, dass man einen sehr guten Weg gefunden hat und nicht überall die billigste Lösung gewählt hat. Wenn ich das Projekt z.B. mit MyZeil in Frankfurt vergleiche, wirkte die Mall in Berlin in den Details um so viel ausgefeilter und man hat gemerkt, dass man sich, natürlich im wirtschaftlich machbaren Rahmen, Gedanken um die Gestaltung gemacht hat.


    Die Ladeneinbauten wirken sehr wertig, die Bodenbeläge ebenso. Toll waren z.B. Details wie die goldenen Schilder mit den Namensausdrucken der einzelnen Läden an den Eingangsschwellen. Das sind Details, die man sonst kaum findet.


    Auch die Fassaden manchen einen passablen Eindruck, auch wenn hier insbesondere zum Leipziger Platz mehr gegangen wäre, die Arkadengänge in der Leipziger Straße sind eine städtebauliche Wohltat.


    Einziger wesentlicher Kritikpunkt, an der der Investor aber nur begrenzt etwas ändern konnte, war die doch etwas verwinkelte Struktur und die unklare Wegestruktur. Insbesondere wenn viel Betrieb ist, hat man wenig Chance sich angemessen orientieren zu können. Hier merkt man leider, dass das Grundstück nicht optimal für einen solchen Komplex war bzw. man merkt dass die beiden Bestandteile vermutlich nicht aus einem Guss geplant wurden.


    In der Summe aber ein riesiger Gewinn.

  • Ich war auch vor paar Tagen zum ersten mal im neuen Einkaufszentrum. Zuerst möchte ich sagen, dass ich absolut ein Verfechter von Einkaufszentren bin und die mich so nervös machen und mir eine schlechte laune bereiten, dass ich einen ganz großen Bogen um diese mache.
    Das LP12 hat mich sehr positiv überrascht und ist kein typisches einkaufszentrum. Erstmal hat es eine gelungene Außenfassade und sieht nicht klassisch nach einem EKZ aus...Was sehr schön ist, dass das EG eine sehr schöne Deckenhöhe hat, vielleicht 5-6m. Die Materialen sind auch sehr hochwertig. Klar sieht man noch vereinzelt baumängel, aber die sollten auch noch ausgebessert werden.


    Danach ging es notheraus kurz zum Potsdammer Platz, weil sie das Kleidungsstück nicht hatten. Das war ein Schock und ein riesen unterschied. Das wirkt sehr niveaulos, sehr kalt und typisch wie ein EKZ aus den 90er. Glas, Beton und Fliesen. Einmal geradeaus und durch und das wars. Nicht meine Welt.

  • Odysseus und Dionicar


    Ich war noch nicht drin, aber ich denke, unsere Kritik war durchaus differenziert. Vielleicht nicht von allen, aber von einigen schon. Ich glaube, kaum jemand hier bestreitet den städtebaulichen Gewinn, und die Fassaden hätten schlimmer aussehen können.


    Nur wird das Ganze eben seinem Anspruch nicht gerecht. Da fallen mir zuerst die Hauptfassade und die fehlenden Rundbögen ein. Im Netz habe ich den Entwurf von Kleihues gefunden und hier verlinkt. Der ist wenigstens kreativ und aussagekräftig, zumal er die senkrechten Dominanten des alten Wertheim neu aufgreift. Auch der andere klassische Entwurf, der eigentlich zuletzt realisiert werden sollte, wäre deutlich besser gewesen als der nichtssagende Haupteingang am Leipziger Platz. Ich bin immer wieder überrascht, wie angebliche Profis wie Huth solche Fehlleistungen zustande kriegen.


    Das Traurige ist halt, daß man das Potential nicht ausgeschöpft hat. Es fehlt einfach das auffällige Gesicht für den Leipziger Platz, das sich ins Bewußtsein einbrennt. In der Berliner Zeitung habe ich einen Artikel mit ganz ähnlichem Tenor gelesen, den ich jetzt leider nicht mehr finde. Der monierte auch die kleine Eingangshalle.

  • Ich war in den vergangenen Tagen mehrmals in der Mall of Berlin, zum einen, weil ich tatsächlich in diversen Geschäften noch letzte Geschenke kaufen musste, zum anderen, weil es dort im UG die besten asiatischen Bratnudeln gibt und ich gerne durch dieses Center und die Läden "bumm'le". Ich bin wirklich gerne dort, die Architektur ist klassisch elegant, nicht zu aufdringlich oder bemüht innovativ. Neben bekannten Ketten und Filialisten gibt es auch einige besondere Läden. Insgesamt deckt dieses Center wirklich jeden Bedarf ab, auch für die zahllosen Anwohner der Leipziger Straße und der dortigen Mietskasernen. Was mir besonders gefällt, ist die Tatsache, dass die Fassade entlang der Leipziger Straße sowie auch der Eingang am Leipziger Platz nicht laut "Shopping Center" rufen, sondern sich unaufgeregt ins Straßenbild einfügen.


    Passend dazu noch ein Foto der Piazza mit stilvoller Weihnachtsbeleuchtung:


  • Nochmal zu den Fassadenblümchen: Natürlich sind sie ganz großer Kitsch! Sind sie nur das? Ich selbst finde sie alles andere als schön. Sie sind aber erste Gehversuche im Ausprobieren von Fassadenornamentik. Sie loten aus, was geht oder noch nicht. Wie schwer es Fassadenornamentik seit nunmehr 100 Jahren hat, brauche ich hier niemanden zu sagen. Auch Kollhoff hat's am Potsdamer Platz schon ausprobiert mit seiner Dachbekrönung des Klinkerhochhauses. Ich freue mich immer wie ein Kind, wenn ich an Neubauten erste zarte Knospen von Ornamentik sehe. Auch über diese hier - und sind sie dabei noch so kitschig.

  • Nach den doch sehr unterschiedlichen Reaktionen hier im Forum, habe ich mir am Dienstag das LP12 angeschaut. Mein erster Eindruck war eher negativ: Ich war zwischen 17:00 -18:00 Uhr vor Ort. Am Eingang stand einsam und verlassen eine Frau mit einem Wegweiser für McDonalds, im inneren eine zweite Frau mit einem weiteren Wegweiser. Ich war ziemlich erschrocken über die geringe Anzahl an Menschen in und vor den Geschäften. Lediglich die obere Etage mit den Imbissständen war einigermaßen gut besucht. Städtebaulich finde ich die Arkaden sehr fragwürdig, man schaut auf tote Flächen, hier macht es nicht wirklich spaß zu flanieren. Schade, dass man die Arkarden nicht als Cafes und kleineren Geschäften nutzt. Architektonisch ist das Gebäude weder modern noch traditionell. Es ist m.E. ein nichtsagender Bau, der kläglich versucht historisch zu wirken (Styroporstuck auf Rolltreppenwangen, "Holz"-Intarsien aus Metall etc.) Warum wurden hier nicht die Chance genutzt entweder ein wirklich modernes EKZ zu bauen oder die ehem. Gebäude zu rekonstruieren?