Alea 101 am Alexanderplatz [realisiert]

  • Konstantin
    Ich orientiere mich am digitalen Stadtmodell der Senatsverwaltung. Demnach steht der Neubau wenn überhaupt nur leicht auf dem alten Grundriss der Littenstraße. Die Wiederherstellung des alten Stadtgrundrisses spielt für mich an dieser Stelle (Alea) aber eh nur eine untergeordnete Rolle.


    Kent
    Das Alea harmoniert wohl am ehesten noch mit dem Cubix. Ansonsten sagt mir die Fassadengestaltung auch nicht wirklich zu. Gerade bei der Materialwahl hätte ich mir mehr "Stein" gewünscht.

  • Der Alex ist ja so was wie ein städtebauliches Verwirklichungsfeld grundverschiedener politischer Systeme und ihren Ansichten anzusehen, die bekanntlich binnen eines Jahrhunderts mehrfach wechselten. Und so verhält es sich auch mit dem Alea. Ohne eine politische Wertung abgeben zu wollen, aber das geplante Gebäude passt stilistisch (oder besser gesagt: stylistisch) in unsere kapitalistische und derzeit stark vom Kommerz geprägte Zeit. Leider leidet darunter m.E. sehr die Architektur (und die Kreativität bei der Namenssuche für Gebäude).


    Konstantin
    Inwiefern folgten die Bauten des 19.Jh am Alex noch den mittelalterlichen Stadtgrundriss?

  • Ich finde es tatsächlich schade, dass vielen hier der historische Stadtgrundriss egal ist. Sicherlich Konsens ist, dass es einen exakten Wiederaufbau der historischen Altstadt nicht geben wird. Spannend und interessant wäre es dennoch, die ursprünglichen Straßenverläufe nachzuzeichnen und wieder erkennbar zu machen. Was in Dresden gelang, kann auch in Berlin gelingen. Aber man sollte hier behutsam vorgehen; mit dem Gebäude des 'Alea 101' wird dieser sensible Stadtraum allerdings regelrecht pervertiert und Fakten geschaffen. Darum geht es hier.

  • Das Mittelalter

    Je nach Sichtweise endete dass Mittelalter im 15. bzw.frühen 16.Jahrhundert.
    Die damaligen Strassengrundrisse können nicht mehr Grundlage für eine moderne Metropole seien.Die Stadt,die Einwohnerzahl,die Verkehrsmittel,alles hat sich grundlegend geändert.
    Die meisten,die eine historische Bebauungslinie bevorzugen,meinen damit den Stadtgrundriss vor dem II.WK. Mit Mittelalter hat das nichts zu tun.

  • Die Diskussion um das Alea 101 ist ja sehr lebhaft! Daher möchte ich auch mal meine Sicht der Dinge sagen.


    Die Visualisierung dieses Projektes finde ich zunächst mal passabel, da gibt es in der Tat schlimmeres. Sicher nichts spektakuläres, aber als weiterer Einkaufstempel durchaus passend für den Bereich Alexanderplatz.


    Allerdings finde ich den geplanten Standort nicht ganz optimal. Ich bin eher gegen eine Bebauung der Freiflächen um den Fernsehturm und vor allem westlich davon bis zur Spree. Nicht, um dort die Rekonstruktion eines wie auch immer gearteten historischen Straßennetzes für die Zukunft möglich zu lassen, sondern um diesen Teil sozialistischer Stadtstruktur zu erhalten. Man kann den Bereich zwischen Spree, K.-Liebknecht-Str., Rathausstr. und Bahnhof Alex sicher unterschiedlich bewerten, aber ein gestalterisches Konzept ist dort klar erkennbar und dieses ist m. E. auch gar nicht so schlecht. Der Fernsehturm mit seinem Zackensockel als Dominante, darum eine mit Wasserspielen, Neptunsbrunnen und Grünanlagen gestaltete, durchaus repräsentative Freifläche. Das die etwas besser gepflegt und die Grünanlagen evt. auch etwas aufgewertet werden könnten, steht dem nicht entgegen. Man sollte einfach auch mal akzeptieren, das bestimmte Bereiche des sozialistischen Städtebaus Bestand haben dürfen. Die Marienkirche als einziges weiteres Gebäude auf dieser Freifläche hat als zweitälteste Stadtkirche ihre Bedeutung und ist auch als „übrig gebliebener“ Solitär aus meiner Sicht dort sehr attraktiv. Selbst die gewaltigen Wohnriegel entlang der K.-Liebknecht-Str. und die Rathauspassagen sind als Teil dieses Areals zu verstehen und sollten, auch wenn sie nicht wirklich schön sind, erhalten bleiben.


    Das Cubix, auch wenn ich dessen Architektur nicht sehr gelungen finde, steht immerhin in der südlichen Bauflucht entlang der Rathausstraße und passt daher zumindest strukturell in das Gebiet bzw. ist Teil dessen „Rahmens“.


    Immerhin liegt der geplanten Standort des Alea 101 „nur“ an der Südostecke des Fernsehturms und nicht auf der Hauptfläche westlich davon. In sofern könnte das Gebäude ein Pendant zum etwas verloren stehenden Panorama-Hauses nordöstlich des Fernsehturms darstellen, auch wenn es architektonisch und von der Kubatur her nichts mit diesem gemein hat. Dennoch fürchte ich hier einen schleichenden Beginn einer beliebigen, rein kommerziellen Bebauung des Areals.


    Generell bin ich eher gegen eine wie auch immer angedachte „Altstadt(-ähnliche) Rekonstruktion“ auf diesem Gebiet. Die Vorkriegsbebauung ist nun einmal verschwunden und etwas neues, anderes ist entstanden. Der Drops ist gelutscht. Es ist nun mal eine Folge der Geschichte und damit muss und kann man sich hier m. E. abfinden. Zumal die Alt-Berliner Innenstadt schon lange vor dem 2. Weltkrieg massive Umgestaltungen zulasten älterer Häuser erfahren hat (Rotes Rathaus, Behrensbauten am Alex, Stadthaus, Gerichtsgebäude Littenstr. u. v. m.).


    Ich bezweifle auch, ob dabei ein wirkliche überzeugendes Ergebnis rauskäme. Was sollte dort gebaut werden? Ein riesiges Nikolaiviertel? Der Fernsehturm umgeben von putzigen Reko-Häuschen, die das 17./18./19. Jh. imitieren? Beliebige Einkaufs-, Hotel- und Bürobauten à la Hines, Cubix, Dom Aquaree und Konsorten, die sich um einen wieder hervorgekramten verlorenen Straßengrundriss scharen? Was hätte das denn mit einem historischen Stadtbild gemein? Zudem reden wir vom Zentrum einer Millionenstadt und nicht von Köpenick oder Templin. Und für weitere Einkaufs-, Hotel- und Bürobauten ist anderswo noch Platz genug.


    Wie gesagt, nur meine persönliche Meinung.

  • ^ Ja, die Altstadt ist leider verloren und bei einer Rekonstruktion an dieser Stelle sehe ich auch die Gefahr einer Puppenstube. Allerdings ist Alea auch eine schlechte Lösung, gerade angesichts der großen Unzufriedenheit mit den Neubauten auf und am Alex (Hines, Alexa). Mit Alea wird im Stile dieser Scheußlichkeiten nahtlos weitergebaut. Das Ergebnis ist dann ein Gebiet voller klobiger, gesichtsloser, flacher Solitäre. Das ist weder großstädtisch noch ästhetisch ansprechend. Ich würde mir etwas organischeres wünschen, eine Bebauung aus mehreren und vor allem höheren Gebäuden mit einer schönen, repräsentativen Eckbebauung. Eine gemischte Nutzung würde der Ecke auch gut tun. Ein weiteres Shopping-Center ist das letzte was dort fehlt. Alea ist eine Billig-Lösung.

  • Ich bin eigentlich rundherum zufrieden mit den Plänen. Die Bebauung dieses Grundstücks erhöht die Symmetrie der dortigen Strukturen, indem sie ein Pendent zum Panoramahaus bildet. Das Gebäude betont Gontard- und Rathausstraße, die ja bisher kaum als solche zu erkennen sind. Es entsteht eine Art Torsituation zur Rathausstraße und die Rathauspassagen werden besser an den Alex angebunden. Zudem wird natürlich der gesamte Shopping-Standort aufgewertet. Auch die Architektur finde ich mit ihren klaren, glatten Formen durchaus ansprechend, wie gemacht für einen Apple-Store. Ich finde es auch garnicht schlecht das Cubix und Alea einen gläsernen Kontrast zum steinernen Alex bilden.
    Interessant finde ich auch, dass auf der Visualisierung die Straßenbahn die Rathausstraße entlangfährt. Derartige Pläne waren mir garnicht bekannt ?!

  • Interessant finde ich auch, dass auf der Visualisierung die Straßenbahn die Rathausstraße entlangfährt. Derartige Pläne waren mir garnicht bekannt ?!


    Soweit ich mich erinnere, war ursprünglich (VOR dem Bau der jetzigen Strecke entlang der Gontardstr. und der Liebknechtstr. ) die Streckenführung der Straßenbahn vom Alex zum Hackeschen Markt über Rathausstr. und Spandauer Str. geplant. Das wäre auch sinnvoller weil direkter gewesen und hätte zwei scharfe Abzweigungen eingespart. Angeblich war damals der Senat (oder Regierende) dagegen und wollte keine Straßenbahn vor dem Rathaus. So kam es zu der jetzigen, umständlicheren Streckenführung.


    In sofern ist die von dir angesprochene Visualisierung längst veraltet. ;)

  • Angeblich war damals der Senat (oder Regierende) dagegen und wollte keine Straßenbahn vor dem Rathaus.


    Zu Recht muss man sagen, denn eine Straßenbahn benötigt Oberleitungen, die massiv das Bild des Roten Rathauses gestört hätten. Man stelle sich vor jedes Foto davon wäre von Oberleitungen durchzogen.


  • In sofern ist die von dir angesprochene Visualisierung längst veraltet. ;)


    Bist du dir da sicher? Langfristig soll doch die M4 über Mühlendamm/ Gertraudenstraße/ Leipziger Straße zum Potsdamer Platz bzw. nach Steglitz verlängert werden. Der logischste Verlauf einer solchen Verlängerung wäre ja über die Rathausstraße und wenn ich mich richtig erinnere, habe ich solche Planungen auch schonmal gesehen. Die dazu veröffentlichte TU-Studie (die zwar keine offizielle Planung ist) sieht diesen Verlauf jedenfalls vor.

  • mescha hat vollkommen Recht. Die Straßenbahntrasse ist nach wie vor dort geplant, die Visualisierungen zeigen die geplante Strecke also korrekt.


    Ursprünglich war geplant, die derzeit noch stumpf vor dem Bahnhof / Dircksenstraße endende Strecke der M2 bis vor das Cubix zu ziehen, was jedoch verworfen wurde. Ein Weiterbau wird auf jeden Fall auf der Rathausstraße verlaufen, nur wann, das ist die liebe Frage. Bei dem Bau des U-Bhf Rathaus wird jedoch genauso die Straßenbahn berücksichtigt wie bei dem Umbau des Mühlendamms und der dortigen Kreuzungen.

  • Bist du dir da sicher?


    Ich bin mir sicher, dass die Streckenführung zum Hackeschen Markt zunächst am Roten Rathaus vorbei gewünscht/geplant war und dies aus besagten Gründen nicht realisiert wurde. Wenn eine zukünftige Linie dann doch dort entlang führt, würde mich das freuen - ich persönlich sehe die Straßenbahn und ihre Oberleitungen nicht als störend an.

  • Zitat

    Ich mag ja schöne alte Häuser aber diese seltsame Geschichtsbesessenheit mit der man längst vergangenen Bauten und Straßen nachtrauert verstehe ich nicht.


    Jede europäische Millionenstadt hat eine zumindest rudimentäre Altstadt, auf die der ganze Rest ausgerichtet ist. Sonst könnte sie leicht zum amorphen Zersiedlungsbrei wie das Ruhrgebiet mutieren. Warum Kassel zum Vorbild nehmen und nicht Warschau, wo die Altstadt im Krieg komplett zerstört und danach vollständig wiederaufgebaut wurde? In Berlin geht es nicht mehr, man muss Kompromisse eingehen, die jedoch auf das Notwendige beschränkt werden sollten. Eine kleine Änderung des Grundrisses im Südwesten entlang der alten Bauflucht, womöglich im Norden wieder ausgeglichene, kostet nicht viel und macht den Neubau unverwechselbarer. Rechteckig ist nämlich fast jedes Gebäude der Umgebung. Wenn man das durch abgerundete Ecken aufweicht, kann man gleich einen Grundriss wählen, für den es historische Handhabe gibt.


    Zitat

    Die damaligen Strassengrundrisse können nicht mehr Grundlage für eine moderne Metropole seien.Die Stadt,die Einwohnerzahl,die Verkehrsmittel,alles hat sich grundlegend geändert.


    Damals waren die meisten Menschen Fußgänger. Das Planungsgebiet wurde weitgehend als Fußgängerzone ausgewiesen. Es passt. In jeder deutschen Großstadt gibt es eine Fußgängerzone in der Altstadt. Niemand sagt, dass nach dem gleichen Prinzip die ganze Stadt bebaut werden soll, hier geht es um den Alex und seine Umgebung.

  • ^
    Ich sehe irgendwie keinen sachlichen Grund sich durch den Rückgriff auf ehemalige Bebauungen eines Geländes selbst zu beschränken. Das wirkt so wie "früher haben wir das aber anders gemacht", "das haben wir immer schon so gemacht", "wo kämen wir hin, wenn ....".


    Man kann dann nur versuchen mit der psychologischen Wirkung auf Passanten und Benutzer der Gebäude zu argumentieren. Das ist aber auch schwierig. Außerdem wollen sich viele Menschen stilistisch von ihren Vorfahren emanzipieren.


    In einigen Postings klang Kritik am ökonomisch kapitalistischen Denken der heutigen Entscheider an. Das ist auch ein zwiespältiges Thema. Besonders prachtvolle Bauten entstehen in der Regel wenn der Unterschied in Macht, Vermögen und Einkommen zwischen Bauherren und Bauarbeitern besonders groß ist. Aktuell etwa in den Emiraten am persischen Golf zu sehen.


    Bei uns ist es zwar auch so, dass solche Innenstadtprojekte in der Regel von Millionenerben initiiert werden. Also in den Händen einer kleinen Schicht der reichsten Familien des Landes liegen. Im vorliegenden Fall C&A Dynastie.


    Da aber der Großteil der Investitionssumme doch von Banken oder Immobilienfonds beigesteuert wird wird dann renditeorientiert geplant. Auch der Mindestlohn für Bauarbeiter trägt wohl zu einer nüchtern rationalen Bauplanung bei.


    Bei staatlichen Projekten verlangen die Wähler in einer Demokratie heutzutage auch sparsame nutzenorientierte Bauplanungen.


    Hmm, jetzt hab ich beim Philosophieren vergessen worauf ich eigentlich hinaus wollte. Naja.

  • Eine kleine Änderung des Grundrisses im Südwesten entlang der alten Bauflucht, womöglich im Norden wieder ausgeglichene, kostet nicht viel und macht den Neubau unverwechselbarer. Rechteckig ist nämlich fast jedes Gebäude der Umgebung. Wenn man das durch abgerundete Ecken aufweicht, kann man gleich einen Grundriss wählen, für den es historische Handhabe gibt.


    Angenommen man würde es so machen, was wäre dann gewonnen? Außer ein paar Eingeweihten würde doch kein Mensch merken, dass das Gebäude einem historischen Grundriss folgt... von der umliegenden Bebauung, die sich ebenfalls nicht um den historischen Standgrundriss kümmert, ganz zu schweigen.
    Sinn würde das ganze evtl. machen, wenn es einen übergeordneten Masterplan mit einer klaren Zielvorgabe gäbe - aber nicht bei einem einzelnen, isolierten Bauvorhaben.

  • ^
    Wahre Worte. Bei der Schlossattrappe sehe ich es ein, da gibt es eine EXISTIERENDE Blickachse die wieder repariert wird, der nur ein einziges Element fehlt. Im direkten Umfeld des Alex ist es aber vollkommen egal, da ist nie etwas fertig geworden, das einzige woran man sich hier zu orientieren hätte wären Alexander- und Berolinahaus. Kaufhof und eingeschränkt sogar "Die Mitte" haben das meiner Meinung nach geschafft. Südlich der Bahngleise dominiert sowieso so ein merkwürdiges lustiges 368 Meter hohes Ding, da ist es lächerlich sich an der Vergangenheit zu orientieren. Die einzige Vergangenheit die dort zur Zeit noch Präsenz zeigt ist die DDR und das sieht alles gelinde gesagt zum Kotzen aus. Da ist mir dieser vor Werbung strotzende Entwurf, der sich dem Cubix anpasst lieber als jeder Retroversuch - denn der ist vor allem eins: authentisch und ehrlich, denn er spiegelt UNSERE Zeit wieder. Daran wird er später gemessen werden. Sind wir weniger Wert als die Vergangenheit? Oder mehr als die Vergangenheit wenn wir sie künstlich pflegen?

  • ^^
    Dem vorherigen Beitrag möchte ich entschieden widersprechen. Berlin ist nicht wie London eine Investorenwüste, wo Investoren nach Gutdünken sich nach ihren Renditevorstellungen etwas hinklatschen dürfen. Dieser Bau hat doch eine ganz andere Funktion, es ist die späte Rache an Hans Stimmann.
    Hier wird bewußt der Kontext negiert, und das ist traurig. Es geht nicht darum, was für ein Gebäude hier entsteht, wer der Bauherr ist, was die architektonische Mode oder das politisch gewünschte Ziel ist. Es geht darum, dass der Bau an Profanität ein Denkmal der Schande ist. Selbt die Bauten der DDR, die Rathauspassagen reflektieren Ort und Umfeld. Das Alea 101 ist hingegen ein Ausdruck der Arroganz und des Versagens von Architektur. Wo ist der Aufschrei der Bevölkerung bei diesem Projekt? Denn eins ist klar, dieses Mahnmal der Schande ist schlimmer als Stuttgart 21.

  • Das Alea 101 ist hingegen ein Ausdruck der Arroganz und des Versagens von Architektur. Wo ist der Aufschrei der Bevölkerung bei diesem Projekt? Denn eins ist klar, dieses Mahnmal der Schande ist schlimmer als Stuttgart 21.


    Ach ja, nicht gleich der Untergang des Abendlandes? Finde du übertreibst ein wenig.

  • Na, Recht hat er aber damit, daß das Ding schlimmer ist als alles was die DDR in den 60ern und 70ern dort hingestellt hat, inklusive der Platten an der KLS.